Jede Sprache schafft ein Orginal – Die Geschichte der Synchronisation

Christoph Waltz parliert in vier Sprachen. Deutsch, er ist Österreicher; daneben noch in der Lingua franca der heutigen Zeit englisch und der früher am europäischen Hofe gängigen Verkehrssprache französisch. Das Italienische krönt Waltz´ Talent. Zu sehen, besser zu hören, ist dies in „Inglourious Basterds“ (2009). Jedenfalls wenn der Quentin Tarantino-Film mit „englischsprachigen“ Originalton gesehen wird. Denn die Figuren bleiben darin ihrer Muttersprache – fast immer – treu und nur wenn es der Handlung dient, wird während des Dialogs zwischen den Sprachen gewechselt. In der ersten Episode des Kriegsfilms „Es war einmal … Im von Nazis besetzten Frankreich“ wünscht sich Waltz beispielsweise den Wechsel zwischen seiner deutschen Muttersprache in die des Bauern. Für die, des Französischen unmächtigen Zuschauer werden Untertitel eingeblendet.

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Willy Fritsch, Heinz Rühmann und Oskar Kahlweis sangen "Ein Freund ein guter Freund" in "Die drei von der Tankstelle" (1930). Für Frankreich drehte die Ufa im gleichen Jahr eine eigenständige Version mit Henri Garat, René Lefèvre und Jaques Maury in den Hauptrollen (unteres Bild)

Dass aber in der in Deutschland gezeigten Kinofassung die amerikanischen und britischen Figuren deutsch sprechen, die guten wie bösen Deutschen ebenfalls deutsch – mit Ausnahme von Waltz – und sich somit die in der Originalversion entstehenden fremdsprachigen Diskurse in Luft auflösen und sich Ästhetik und somit auch Wirkung des Films verändert, ist zum Leidwesen des Autoren ein seit Jahrzehnten auftretendes Problem der Filmdarbietung in Deutschland. Selbst in den Kinoabspielstätten Kentuckys wird Tarantinos Film auf ein den Sprachen der Welt bisher ignorierendes Publikum in der vielsprachigen Originalfassung losgelassen.

Wer trägt die Schuld an dieser Misere? Das Publikum, weil es durch das Lösen eines Kinotickets mit dem Portmonee abstimmt, ob ein Film in deutsch synchronisierter, im Original, mit oder ohne Untertitelfassung dargeboten wird? Oder sind es die Filmproduzenten, Filmverleiher und Multiplexbesitzer, die durch ihre Entscheidungen das Angebot an verfügbaren Filmfassungen aufgrund ihrer Marktmacht vorgeben? (mehr …)