Mystery in der Anglistik: NoX News – The Truth is Out There

Werden Scully und Mulder (Anke Krüger und Sven Müggendorf) die paranormalen Geschehnisse an der Anglistik aufdecken können?

Auf unerklärliche Weise verschwinden an der Greifswalder Universität Studierende. Ein Fall für Scully (Anke Krüger) und Mulder (Sven Müggenburg). Es riecht nach Verschwörung, Manipulation und Korruption. Wer wissen möchte, inwiefern es den beiden gelingt, die rätselhaften Vorfälle aufzuklären, der muss diesen Dienstag, den 26. Oktober, um 20 oder 21 Uhr in die Kiste und sich „NoX News: The Truth Is Out There“ selbst anschauen. Der Film wurde im letzten Sommersemester unter der Leitung von Dr. Annette Brauer von circa 25 Studierenden der Anglistik und Amerikanistik gedreht. Einen Vorgeschmack gibt der Trailer.

Vor der Premiere am Dienstag sprach der webMoritz mit der Leiterin Dr. Annette Brauer und den studentischen Darstellern Mike Lange, Sven Müggenburg und Christoph Müller über die Entstehung des Films.

webMoritz: Wie ist denn jetzt nach den abgeschlossenen Dreharbeiten euer Gefühl für den Film?

Sven Müggenberg: Etwas komisch, weil wir die Szenen immer einzeln gedreht haben und somit immer nur über unsere Szenen etwas wissen. Nach Beendigung der Dreharbeiten haben wir nichts mehr vom fertigen Film gesehen. Wir wissen also auch noch nicht, wie der Film geworden ist, sondern haben nur unsere Szenen im Kopf und vertrauen auf Frau Bauers fachliche Kompetenzen.

Mike Lange: Frau Brauer ist bisher die Einzige, die weiß, wie der Film geworden ist und wir anderen sind schon wahnsinnig gespannt.

Anette Brauer: Ja das stimmt. Während meine Studierenden im August fleißig an ihren Hausarbeiten geschrieben haben, habe ich den Film auf knapp zwanzig Minuten zusammengeschnitten und bin jetzt natürlich unheimlich gespannt, wie sie den Film aufnehmen werden.

webMoritz: Das Schneiden haben komplett Sie übernommen, und wie liefen die anderen Prozesse, beispielsweise Drehbuchkonzeption und Einführung in die Kameratechnik?

Brauer: Am Anfang stand die Idee, etwas zu Conspiracy und den X-Files zu machen. Für die Entwicklung der Story haben wir gemeinsam Ideen gesammelt und dann die Studierenden in verschiedene Gruppen eingeteilt, so dass diese jeweils für einen Teil der Story verantwortlich waren.

Christoph Müller: Ja, wir hatten zunächst einen Entwurf angefertigt, in den verschiedene Ideen eingearbeitet wurden, die uns einfielen.

Brauer: Es war ein wirklich kreativer Prozess und ganz offen im Ausgang.  Einige Ideen der Studierenden waren ganz schnell Teil der Story und andere brauchten etwas länger und mehrere Überzeugungsversuche.

Mike: Ich sage nur: „das“ Z-Wort… – alle lachen –

webMoritz: Vorkenntnisse waren ja nicht erforderlich für das Mitwirken beim Projekt, wie gestaltete sich also die Einführung in die technischen Aspekte?

Christoph: Ich persönlich bin schon seit Jahren ein großer Film-Fan. Ich liebe es, Filme zu schauen und mich mit ihnen zu beschäftigen, daher war für mich sofort klar, als ich von diesem Projekt gelesen habe, dass ich da mitmache.

Brauer: Ich hab’ ja keine Filmwissenschaften studiert. Wir sind alle Autodidakten. Diesmal wollten wir zum Beispiels das Arbeiten mit einer Green-Screen ausprobieren.

(v.l.n.r.) Sven Müggendorf, Dr. Annette Brauer, Mike Lange und Christoph Müller.

Christoph: Na ja, man muss aber auch sagen, dass es sich dabei nur um einen kleinen Green Screen handelt und keinen großen aus Hollywood, wo die Schauspieler immer sagen, dass das für sie eine besondere Herausforderung darstellt.

Sven: Zumal wir die Anweisungen für die Special Effects wie ganz normale Regieanweisungen verstanden haben. Es war also keine wirkliche Umstellung für uns, darauf zu reagieren.

Mike: Einige Szenen erforderten eine Choreografie und mussten oft geprobt und mehrfach gedreht werden. Wenn dann noch viel Bewegung dazukam, konnte man ganz schön ins Schwitzen kommen.

Brauer: „Das“ Z-Wort…

webMoritz: Wie gestalteten sich eigentlich die Dreharbeiten, insbesondere die Organisation und Zuverlässigkeit?

Christoph: Dank der modernen Technik verlief das eigentlich alles reibungslos per Handy und E-Mail.

Brauer: Man konnte ja ganz problemlos noch in der Nacht eine Mail schicken…

Mike: …und die wir dann natürlich auch in der Nacht gelesen haben –alle lachen-

Brauer: Und die Termine wurden an unsere anderen Lehrveranstaltungen angepasst. So haben wir eben auch mal am Wochenende gedreht, einmal sogar fast 14 Stunden, nicht Sven?

Sven: Das war am Ende des Tages schon anstrengend, aber da man dann so in der Sache drin war, empfand ich das nicht als so anstrengend und es hat sogar Spaß gemacht, zumal uns Frau Brauer auch immer mit Essen und Erfrischungen versorgt hat.

webMoritz: Auf der Homepage des Filmes ist zu lesen, dass das erste Videoprojekt bereits 2007 mit einer Hommage an „Star Trek“ begann. Wie kam es damals dazu?

Brauer: Die Idee entstand nach der universitätsweiten Ringvorlesung zum Thema Star Trek. Nur wollten wir irgendwann nicht mehr alles ausschließlich rezeptiv behandeln, sondern selbst aktiv werden. Unter den Trekkies waren Hobbyfilmer und so riefen wir dieses Projekt ins Leben. Ja, und da wir unheimlich viel Spaß beim Drehen hatten und unser Star Trek-Film so gut angekommen ist, wurde das Projekt fortgesetzt. Ich finde, wir werden von Mal zu Mal besser.

webMoritz: Und es wird auch nächstes Semester weiter geführt?

Brauer: Oh ja, wir werden sogar von der Anglistik/Amerikanistik gefördert, das heißt, dass wir wohl eine zweite Kamera und sogar einen Schneidecomputer bekommen, womit endlich die Studierenden wirklich in das Schneiden einbezogen werden können. Zusätzlich bekommen wir noch Unterstützung von Conny Loder (Anm. d. Red.: Dozentin für Englische Literatur am Institut für Anglistik), die bereits Schauspielerfahrung hat. Es wird also großes Kino beim nächsten Mal. -lacht-

Mike: Außerdem zeigen schon einige Leute, die beim aktuellen Projekt mitgewirkt haben, reges Interesse, im Sommer auch wieder einzusteigen.

webMoritz: Ebenfalls ist zu lesen, dass es in „No X News“ um das mysteriöse Verschwinden von Studierenden an der Anglistik gehen wird. Vor dem Hintergrund der Verlagerung der anglistisch-amerikanistischen Fachbibliothek in die Universitätsbibliothek während der Semesterferien und den aktuellen Vorkommnissen im Historischen Institut, erhält der Film auf diese Weise sogar hochschulpolitischen Bezug.

Mike: Wir haben uns halt mit Dingen beschäftigt, die unser Studium betreffen.

Brauer: Dass die Bibliothek in der Realität verschwand, hätten wir uns nicht einmal träumen lassen. Für uns ist das Institut ja mittlerweile Alltag, das heißt, wir nehmen es gar nicht mehr so wahr wie Außenstehende. Beim Filmen brauchten wir kaum was ändern, um eine gruselige Atmosphäre zu schaffen… -lacht-

Christoph: Ja, man musste nur genauer hinschauen, dann hat man immer schon etwas gefunden.

Sven: Es zeigt ja auch, dass eben für die Geisteswissenschaften nicht so viel getan wird oder investiert wird, wie es eigentlich sein sollte. Vor allem, wenn man den Vergleich zur Medizinischen Fakultät sieht.

Mike: Meine damalige Englischlehrerin erzählte mir, dass das Institut schon zu ihrer Studienzeit hier heruntergekommen wirkte – Und sie unterrichtete bereits an meiner Schule, als meine Mutter dort noch Schülerin war…

webMoritz: Wie verlief in diesem Zusammenhang der Kartenvorverkauf? Wurden nur Karten an Studierende der Anglistik verkauft, oder fanden sich auch  Interessenten von anderen Instituten?

Brauer: Zunächst muss man sagen, dass wir den Vorverkauf für die Hälfte der vorhandenen Premierekarten dieses Jahr nur eingerichtet haben, weil wir letztes Mal einfach überwältigt waren von dem Ansturm an der Abendkasse.

Christoph: Viele Karten werden auch von unseren Freunden und Bekannten gekauft, die halt einfach kommen, weil man selbst in dem Film zu sehen ist. Und von denen sind natürlich nicht alle aus der Anglistik.

webMoritz: Könntet ihr vielleicht noch mit wenigen Worten beschreiben, was den Zuschauer erwarten wird?

Mike: Verschwörungstheorien rund ums Studium.

Sven: Ein hochbrisantes Thema eingebettet in Popkultur.

Christoph: Nachrichten einmal anders.

Sven: Expect the unexpected.

Brauer: Genau!

webMoritz: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Premiere.

Das Interview führte Felix Kremser.

Foto: Felix Kremser, Poster der Veranstalter

Starfleet-Captain klaut Fahrrad

Mindestens ein Fall von Fahrraddiebstahl in Greifswald könnte seit gestern als aufgeklärt bezeichnet werden. Starfleet-Captain Archer brauchte eines, um das Universum zu retten. Und schuld an solch extremen Maßnahmen war wieder einmal Q.

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v.l.n.r.:Stefan Tennigkeit (Jonathan Archer), Falko Goerres (Jean Luc Picard), Patrick Welby (Q), Christine Kossatz (Kathryn Janeway), Alex Scheffler (Benjamin Sisko) - Foto: Arik Platzek

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit im Cinestar Greifswald stand gestern die Vorpremiere des elften Teils der Star-Trek-Filmreihe. Die herausragende Besonderheit des Abends bildete der Vorfilm von „Star Trek: To the Res-Q“, der ersten in Greifswald entstandenen Fan-Produktion: Fünf bekannte Captains der Sternenflotte werden von Q in Greifswald versammelt, um das Universum vor dem Untergang und sich selber vor dem Vergessen zu retten.  Dass Q wie so oft hier nur ein perfides Eigeninteresse verfolgt, liegt in der Natur seiner Erscheinung. Aber wie immer geht es am Ende ganz anders aus, als es selbst Q erwartet hatte.

Unter maßgeblicher Leitung von Dr. Anette Brauer (Institut für Amerikanistik) bildete die Vorführung von „Res-Q“ den Schlußstein eines vor über einem Jahr gestarteten studentischen Medienprojekts. Auf dem Wort Medienprojekt muss die Betonung liegen, denn eigentlich ist es kein „echter“ Fan-Film. Christine Kossatz, welche ihrem filmischem Vorbild Captain Janeway im Erscheinungsbild und auch im Umgang mit heißem, duftenden Kaffee eindeutig am nächsten kommt, hatte bis gestern abend noch nie einen Star Trek Film gesehen. Anette Brauer erklärt, dass zwar lange nicht alle der über 30 Projektteilnehmer eingefleischte Trekkies sind, dafür seien sie alle völlig neu im Filmgeschäft.

„Die Idee ist aus der Star-Trek-Ringvorlesung im Wintersemester 2007/2008 heraus entstanden“, begründet sie die Frage nach deren Usprung. Star Trek Fan Falko Görres (alias Jean Luc Picard und stolzer Besitzer aller Serien auf DVD) fügt hinzu: „Im Juni ’08 waren wir mit den Arbeiten am Trailer fertig. Im letzten Wintersemester haben wir den Film produziert und geschnitten wurde bis vor zwei Tagen.“ Cutter Marius Bathe lacht: „Ja, das war viel Arbeit. Eine Woche Dreh, zwei Monate Schnitt.“ Und das alles mit allgemein erhältlicher Software, wie er betont. Nicht die einzige Herausforderung: ein Budget gab es nicht und gefilmt wurde mit einem Standardvideocamcorder mitten im eisig-windigen Greifswald. „Der Stoff der Uniformen ist verdammt dünn“, grinst Stefan Tennigkeit (Jonathan Archer). Cinestar-Leiter René Römer hatte sich schließlich bereit erklärt, statt der obligatorischen Werbung das Medienprojekt als Vorfilm in seinem Kino zu zeigen. Und freute sich schließlich über rund 240 verkaufte Plätze, nur knapp zwei Dutzend Sitze blieben frei. (mehr …)