„Tief im Westen“ (Herbert Grönemeyer) liegt die von alten Bergwerken geprägte Arbeiterstadt Bochum, in der ich aufgewachsen bin. Auch wenn zum Zeitpunkt meiner Geburt bereits fast keine Zechen mehr existierten, war die Stadt in meiner Erinnerung stets von ihrer Bergwerksgeschichte geprägt. Heute liegen sie jedoch vielfach brach und diene so als Naherholungsgebiete mit ganz besonderem Flair. Einige spannende Informationen zu meiner alten Heimatstadt liefert dieser Artikel.
Vom winzigen Dorf, zum kleinen Dorf, zur Großstadt
Bochum ist eine sehr alte Großstadt und war zugleich bis ins 19. Jahrhundert nur eine sehr kleine Ortschaft. Erste Siedlungen existieren bereits seit dem Hochmittelalter. Vor 703 Jahren, im Jahr 1321, stellte Graf Engelbert II. von der Mark eine Urkunde aus, nach der einige Handelsmaße neu geregelt wurden. Das kann als Beginn einer politischen Beteiligung der Bochumer Bürger*innen gewertet werden, die dies vermutlich angestrebt hatten. Dieser Prozess war die Grundlage zur Stadtwerdung, der sich bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts hinzog. Klein blieb Bochum aber weiterhin. Bis 1800 hatte es konstant rund 1500 Einwohner*innen und wurde dann um 1900 durch die Industrialisierung und die Entstehung von Bergwerken sehr plötzlich vom kleinen Örtchen zur Großstadt. In den Jahrhunderten davor war das heute recht kleine Greifswald die meiste Zeit etwa doppelt so groß. Dennoch feierte die Stadt Bochum 2021 stolz sein 700-jähriges Jubiläum.
Ein Pseudo-Bergwerk für Tourist*innen und Kultur-Interessierte
Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt ist sicherlich das Deutsche Bergbaumuseum. Dank seinem Förderturm ist es auch gut zu sehen und bietet zudem „unter Tage“, also unter der Erdoberfläche, ein spannendes Besucherbergwerk. Das wirkt zunächst sehr authentisch. An der Stelle, wo heute das Museum steht, war aber nie eine Zeche. Stattdessen stand der Förderturm früher woanders und wurde, nachdem seine Zeche geschlossen wurde, extra an seinen heutigen Platz gebracht, um als Museumskulisse zu dienen. Das unter dem Museum gelegene Besucherbergwerk ist auch nicht wie echte Bergwerke mehrere Hundert Meter tief, sondern nur so weit unter der Erdoberfläche, wie ein normaler Keller. Sehenswert ist es trotzdem, da die darin ausgestellten Maschinen tatsächlich original sind und der Ort so einen recht realistischen, wenn auch künstlichen, Bergwerksstollen darstellt.
Bochum blühtBochums NaturHäuserzeile in der Bochumer InnenstadtStraße in der Bochumer Innenstadt
Graue Häuser, grüne Parks
„[D]ie Sonne verstaubt“ (Herbert Grönemeyer: Bochum) in Bochum zwar nicht mehr, weil es seit Jahrzehnten keine Bergwerke mehr gibt, grau ist vor allem die Innenstadt aber weiterhin. Da die Stadt im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört wurde, ist die westdeutsche Architektur der 1970er Jahre hier heute sehr präsent.
Man kann es auch anders formulieren: Der Greifswalder Plattenbau-Stadtteil Schönwalde ist heute architektonisch erheblich schöner. Zu bieten hat Bochum dafür eine Menge Parks. Die Anzahl der Naherholungsgebiete ist für die hohe Anzahl von Menschen im gesamten Ruhrgebiet ungewöhnlich groß. Im Süden der Stadt liegen bewaldete Hügel um das Ruhrtal, im Norden Wälder und Felder mit leichten Anstiegen. Hinzu kommen Halden, also künstliche Berge aus Müll, die heute begrünt sind. So sorgen die Verschmutzungen der Vergangenheit heute für eine lebenswertere Stadt. In den Grüngebieten kann man sehr gut Fahrradfahren oder Spaziergänge machen und merkt dabei oft kaum, dass man immer noch in einer Großstadt ist. Viele der Wälder sind hierbei relativ naturbelassen.
Alles in allem ist Bochum nicht wirklich eine Stadt, die ich zu besichtigen empfehlen würde. Wer es trotzdem tun möchte, hat durch diesen Artikel vielleicht einen ersten Einblick bekommen.
Beitragsbilder: Allan Kant
Zur Person des Autors
Allan wuchs im urbanen Ruhrgebiet in Bochum in Nordrhein-Westfalen auf. Um an der Ostsee zu leben, zog er zum Studium nach Greifswald, was eine sehr gute Entscheidung war. Er studiert seit dem Wintersemester 2022/23 Geschichte und Politikwissenschaft auf Bachelor und engagiert sich in vielen Gruppen in der Stadt.
Der Bürgerschaft, dem Bauausschuss sowie der interessierten Öffentlichkeit wird am Montag, den 21. September, die Neufassung des Städtebaulichen Rahmenplans Innenstadt/Fleischervorstadt vorgestellt. Der Rahmenplan wurde bereits 1992 beschlossen und 2004 fortgeschrieben. Nachdem 2005 das Sanierungsgebiet Erweiterung Innenstadt/ Fleischervorstadt neu gefasst wurde, soll der Rahmenplan nun neu beschlossen werden. Das erweiterte Sanierungsgebiet umfasst neben Teilen der Innenstadt und der Fleischervorstadt auch Teile der Steinbeckervorstadt sowie der Nördlichen und Südlichen Mühlenvorstadt und erstreckt sich damit auf eine Fläche von 210 ha.
Die Hansestadt möchte damit “eine wichtige Kontinuität in der Erfolgskontrolle und zielgerichteten Ausrichtung der Schwerpunkte der Stadterneuerung und -entwicklung” fortsetzen. An der Neuentwicklung des Rahmenplans wurden unter anderem eine Lenkungsrunde einberufen und eine Haushaltsbefragung durchgeführt. Außerdem wurde zu einer Zukunftswerkstatt geladen. Im Mai diesen Jahres wurden dem Bauausschuss bereits die Ergebnisse der Haushaltsbefragungen vorgestellt. Diese ergaben, dass sich die Mehrheit der Befragten gerne am Museumshafen und im Bereich des Marktplatzes aufhält, während viele die Friedrich-Loeffler-Straße und die Dompassage als Ort zum Verweilen für ungeeignet halten. Die fehlenden Parkplätze, die in der Innenstadt noch das größte Problem darzustellen scheinen, spielen für die Befragten aus der Fleischervorstadt keine so große Rolle. Dort wird mehr Wert auf die Sanierung und den Ausbau von Geh- und Radwegen gelegt.
Regional verankert – international vernetzt
Aus der Zukunftswerkstatt flossen auch einige Ideen in den neuen Entwurf ein. Der Stadtkern soll verstärkt als politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum dienen – ein verstärkter Impuls soll dabei vom neuen Campus ausgehen. Dabei soll auch Raum für kreatives Potenzial geschaffen werden, während Bausünden durch einen Beirat verhindert werden könnten. Eine Belebung auch der westlichen Innenstadt und der Fettenvorstadt erhofft man sich dabei auch durch den geplanten Parkplatz und eine bessere Nahversorgung. Das Thema “Stadt am Fluss” soll nicht nur durch den Ausbau von Erlebnisbereichen am Ryck, sondern auch durch die Veränderung des Hanserings und die Bebauung der A-Quartiere in den Fokus gerückt werden. Damit könne gleichzeitig der nördliche Landschaftsraum eingebunden werden. Durch die Schließung von Baulücken, so der Plan, könne zusätzlicher Wohnraum für bis zu 2500 Menschen geschaffen werden – dabei solle die soziale Mischung gewahrt bleiben.
Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Bürgerschaftssaal.
Gemeinsam mit Schönwalde II hält Schönwalde I in unserer Stadt den Negativrekord in Punkto Arbeitslosigkeit, sowie Kindern und Jugendlichen, die von Hartz IV leben müssen. Vielleicht könnten für den im Laufe der Zeit zum Teil abgewirtschafteten Greifswalder Stadtteil Schönwalde I neue Mittel bereitgestellt werden, um das Wohnumfeld und die Lebensqualität zu verbessern. Wenn es nach der Bürgerschaft geht, soll der Stadtteil in das Förderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen werden.
Am Montag diskutierte die Bürgerschaft von Greifswald über die Aufnahme von Schönwalde I in das Programm. Ein fertiger Beschluss liegt zwar noch nicht vor, jedoch ist schon bekannt, dass ein Prüfantrag an die Verwaltung beschlossen wurde. Diese wiederum wird einen Antrag auf Aufnahme in das Förderprogramm beim Land stellen. „Erst dann können Gelder beantragt werden“, wie Andreas Hauck, Abteilungsleiter Stadtentwicklung, klar stellt.
Das Programm „Soziale Stadt“ wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und den 16 Bundesländern 1999 ins Leben gerufen, um den Abstieg benachteiligter Stadtteile aufzuhalten und die Lebensbedingungen der Bewohner zu verbessern. Hintergrund ist, dass sich seit den 1990er Jahren in vielen deutschen Städten eine zunehmende Segregation abzeichnete, also eine Entmischung der Bewohner in den einzelnen Stadtteilen. Teilweise setzte eine regelrechte Spaltung der Stadtbevölkerung ein, die sich in Faktoren wie Beschäftigung, Einkommen, Wohnqualität oder Konsum messen lässt. Es wird von bevorteilten und benachteiligten Stadtteilen geredet.
Die benachteiligten Stadtteile charakterisieren sich durch vielfältige Probleme wie Perspektivlosigkeit, Konzentration von Haushalten mit geringem Einkommen, Mangel an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen aber auch an Grünflächen und Freizeitmöglichkeiten. Das von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam finanzierte Projekt soll dem entgegenwirken und Ansätze zur Entwicklung erproben.
Mit diesen Zielen wurden schon 571 Gebiete in 355 Gemeinden aufgenommen. In Greifswald sind bereits die Stadtteile Fleischervorstadt (1999) und Schönwalde II (2004) Mitglieder in dem Projekt und es sind schon Mittel in Höhe von 10,6 Millionen Euro beziehungsweise 2,9 Millionen Euro geflossen. Der Flohmarkt am Sonntag, dem 4. Juli, in der Fleischervorstadt wird beispielsweise durch das Programm gefördert.
Da das aktuelle Fördervolumen bereits voll ausgereizt ist, muss der neue Antrag für Schönwalde I gestellt werden, um mögliche weitere Mittel gestellt zu bekommen. Weil Greifswald bereits unterstützt wird, hält beispielsweise der Ortsratsvorsitzende Peter Multhauf (Linke) es für unrealistisch, dass es noch mehr Geld geben wird, sondern eher, dass Gelder für Schönwalde II und der Fleischervorstadt umgeleitet werden.
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