Unser erstes Mal Fortnite

Unser erstes Mal Fortnite

Wie sind zwei Leseratten an einen Controller geraten, fragt ihr euch? Ganz ehrlich, wir hätten uns auch nie in dieser Situation vermutet, aber dann fanden wir uns plötzlich genau dort wieder – Controller in der Hand, Fokus auf dem Bildschirm mit dem Willen, so lange wie möglich durchzuhalten. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass wir uns für den webmoritz. in die wunderbare Welt der Videospiele verirrt haben? Fangen wir von vorne an.

Von Hannah van Gerpen und Vanessa Finsel

Es war einmal während einer Redaktionssitzung…

Während einer relativ normalen Redaktionssitzung merkten unsere werten Redaktionsmitglieder, dass wir beide mit dem Begriff „Fortnite-Tänze“ so gar nichts anfangen konnten und auch nicht wirklich wussten, was in Fortnite eigentlich passiert. Daraufhin entfachte eine hitzige Diskussion darüber, ob Fortnite oder Sims das bessere Videospiel ist – ganz ehrlich, wir haben beide das letzte Mal mit 17 oder noch früher Sims gespielt, aber das tut nichts zur Sache. Lange Rede kurzer Sinn, wie können wir so vehement Sims verteidigen, wenn wir beide keinerlei aktuelle Gaming Erfahrungen haben? Unsere Computerspiel-Erfahrungen bis dahin basierten auf Sims, Mario Kart und Bibi-und-Tina-Spielen. Die einzige Lösung? Selber ausprobieren und eigene Erfahrungen machen! Also haben wir uns kurzerhand das Spiel samt Equipment von unseren professionellen Gamer-Redaktions-Buddies ausgeliehen und schon ging es ans Eingemachte. An dieser Stelle ein riesen Dankeschön an unseren Chefredakteur, ohne dessen Tipps wir ewig gebraucht hätten auszutüfteln, was all die verschiedenen Knöpfe auf dem Controller eigentlich bedeuten.. aber tbh was war x nochmal?! Wir hätten es nie von diesem komischen Bus geschafft…

Hannah: Das ist aber nicht vergleichbar mit dem Bibi-und-Tina-Spiel.

Von Pömpeln, Sternenhimmeln und Blumenwiesen

Und plötzlich ging das Spiel los…also wirklich plötzlich, wir haben nämlich beide nicht mitbekommen, wie und wann das Ganze von unserem Buddy aka Chefredakteur gestartet wurde. Die ganze Situation war eine absolute Reizüberflutung. Der erste Ort, an dem man landet, nennt sich Lobby und man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Wir haben da eine tanzende Banane gesehen!? Es war von allem ein wenig zu viel: zu viele Farben, zu viele Figuren, zu viele Tänze – was ist eigentlich der Sinn hinter diesen Tänzen? 
Man verbringt aber nicht allzu viel Zeit dort bevor das Spiel losgeht, was irgendwie auch ein bisschen blöd ist, weil man dadurch richtig wenig Zeit zum Üben hat. 
Auf einmal ist man dann in einem fliegenden Bus, von dem man runterspringen muss, damit man auf die Insel kommt, auf der das Spiel stattfindet. Alleine da runter zu kommen gestaltete sich anfangs schwierig – man muss ja erstmal die richtige Taste am Controller finden…
Auf der Insel, man mag es nicht glauben, ist es um einiges entspannter – jedenfalls wenn man, wie wir, die anderen Mitspieler*innen eher meidet und einfach mal die Natur genießt. Wir müssen zugeben, die Landschaft in dem Spiel ist echt schön. Es gibt sehr viele Blumen und wir haben sogar ein Huhn gesehen – leider ist es vor uns weggelaufen.
Aufgrund unserer Steuerungsprobleme – man muss Gucken und Laufen nämlich unabhängig voneinander steuern, was sich  für uns als kleine Schwierigkeit herausstellte – haben wir des Öfteren auch mal in den Himmel geblickt und konnten einen sehr ästhetischen Sternenhimmel betrachten.

Hannah: Oh, da sind Pflanzen!

Nessa: Das ist voll das schöne Panorama.

Für einige der Waffen haben wir zu Beginn unsere eigenen Bezeichnungen entwickelt. So heißt beispielsweise die Haftgranate bei uns Pömpel, denn sind wir mal ganz ehrlich, das Ding sieht auch aus wie ein Pömpel…Wir wissen allerdings nicht wirklich, was es kann, weil wir es nie benutzt haben.

Hannah: Jetzt habe ich einen Pömpel. 

Jan-Niklas: Das sind Granaten.

Zwischendurch waren wir auch immer mal wieder im Besitz von irgendwelchen Tränken, die aussahen wie Feentränke. Als unser Fortnite-Buddy seine Runde gespielt hat, haben wir dann gelernt, dass diese die Schutzschilde aufladen und auch wie man sie zu sich nehmen kann.

Nessa: Was machst du denn jetzt? 

Jan-Niklas: Mein Schild aufladen. 

*Nessa und Hannah komplett fasziniert und überfordert mit den Skills.*

Allgemein müssen wir anmerken, dass uns vieles einfach nicht gezeigt wurde, weil uns das angeblich überfordert hätte. Wir durften nicht mal wissen, wie man das Radio im Auto anmacht. Wo sind wir denn hier? In der Fahrschule? Also wenn etwas in dem Spiel gut bei uns funktioniert hat, dann war es Autofahren, weil das war nicht so viel anders als bei Mario Kart … nur die Berge sind wir nicht hochgekommen.

Die Hunger Games der Videospiele

Gleich am Anfang haben wir festgestellt, dass uns das ganze Spiel sehr an „Die Tribute von Panem“ erinnert. Eine bestimmte Anzahl von Menschen landet in einer Arena, ohne irgendwas bei sich zu haben, und wer zuletzt noch lebt hat gewonnen – ziemlich offensichtlich, oder? Allerdings machen die Leute in Fortnite das Ganze freiwillig, während die Tribute der Hungerspiele durch die diktatorische Regierung Panems dazu gezwungen werden.

Hannah: Das ist ja wie die Hunger Games hier.

Jan-Niklas: Das sind die Hunger Games.

Hannah: Damit kann ich umgehen.

Im weiteren Verlauf des Spielens haben wir dann immer wieder – sehr zur Verwirrung unseres Fortnite-Buddys – starke Vergleiche zu der Buchreihe gezogen. Um in dem Spiel zu überleben, braucht man (angeblich) viele Waffen – Spoiler: Man kann auch ohne sehr weit kommen. Naja, auf jeden Fall findet man die Waffen in den Häusern und sollte deshalb in deren Nähe landen, wurde uns gesagt. Dass sich diese ganze Situation aber zu einer Füllhorn-Situation entwickelt, haben wir nicht geahnt. Haymitch hatte schon Recht, als er Peeta und Katniss sagte, sie sollten das Füllhorn meiden. Das ist absolut gefährlich, an jeder Ecke steht jemand, der dich umbringen will. Ganz ehrlich, da ist es entspannter, erstmal irgendwo abseits zu landen und nach Waffen zu suchen, wenn der ganze Trubel vorbei ist. Die liegen später eh überall rum.

Außerdem ist die Arena in Fortnite wie auch die Arena der Hungerspiele von einer Art unsichtbaren Grenze umgeben. Wenn man diese übertritt, stirbt man. Während eben jene in „Die Tribute von Panem“ sich allerdings zum einen für Haymitch während seiner Spiele und für den Beginn der Rebellion gegen das Capitol als hilfreich erwiesen hat, war sie in Fortnite doch eher nervig. Weil das Ding immer weiter zusammengeschrumpft ist, haben wir es nicht geschafft, uns das Schiff anzugucken oder Motorrad zu fahren …

Unsere Stärken und Schwächen

Wie schon erwähnt, hatten wir leider kaum Zeit zu üben, bevor wir in das Spiel wortwörtlich gefallen sind. Man verbringt nämlich nur ungefähr eine Minute in der Lobby (wenn überhaupt) und müsste, um üben zu können, in der Zeit eine Waffe suchen, dann auch noch alles mit der Steuerung hinbekommen, und das Zielen meistern. Wirklich anfängerfreundlich ist das nicht … Aber wir haben immerhin die Steine zum Wackeln gebracht, als wir gegen die Hauswand geschossen haben – fanden wir super.

Jan-Niklas: Das ist die Lobby, da kannst du niemanden töten. 

Wir: Aber man kann die Steine zum Zittern bringen.

Erstmal ins Spiel gefallen, haben wir, wie gesagt, aufgrund unserer Koordinationsschwierigkeiten sehr viel Boden und Himmel gesehen. Nicht, dass wir uns beschweren würden, die Atmosphäre dort war sehr schön.

Nessa, während sie in den Himmel schaut: Oh, es ist Vollmond.

Und was sollen wir sagen, Zielen und Schießen gehört jetzt auch nicht so zu unseren Stärken. Wenn wir tatsächlich mal eine*n Gegner*in eliminiert haben, war das eher aus Zufall und wir waren selbst sehr überrascht. Das ist aber auch nicht oft passiert. In den zwei Stunden die wir gespielt haben, haben wir beide jeweils eine*n Gegenspieler*in umgebracht. Die meiste Zeit haben wir, wie unser Fortnite-Buddy es vermutlich beschreiben würde, Spaziergänge unternommen. Ab und zu haben wir uns auch in Büschen versteckt. Leider konnte man nicht auf Bäume klettern, sonst hätten wir sicher auch dort Schutz gesucht – ganz im Katniss-Style. Konfrontationen mit anderen haben wir generell versucht zu vermeiden.

Nessa, während sie von einem*er Gegner*in wegläuft: Ich will niemanden umbringen.

Unsere Taktik hat sich als gar nicht mal so schlecht herausgestellt, möchten wir anmerken. Wir haben insgesamt acht Runden gespielt und sind dreimal in den Top Ten gelandet. Einmal waren wir sogar Platz 2. Im Vergleich dazu hat unser Mentor mit Spielerfahrung es nur auf Platz 17 geschafft.

Er würde jetzt dagegen argumentieren, dass er das Spiel im Gegensatz zu uns “richtig” gespielt hätte, weil er ja auch Leute umgebracht hat und ganz viel auf den Knien herumgerutscht ist – das kann nicht gut für die Hosen sein … Aber wenn wir mal ganz ehrlich sind, haben wir das Spielsystem – es ist relativ simpel – durchschaut und Hopps genommen und dadurch so abgeräumt. Wer sind hier also die besseren Spieler*innen?

Nessa: Läufst du jetzt dahin, wo die schießen? 

Jan-Niklas: Ja wieso? 

Nessa: Das würde ich ja nicht machen.

Lehre aus dem Spiel

Nun fragen wir uns natürlich, was die Lehre des Spiels ist – ja richtig gehört, die Lehre. Wir haben uns schon während des Spiels eine zusammengereimt. So, als müssten wir eine Fabel analysieren.
Da wir das Spiel eher von hinten aufgekrempelt und unkonventionell gespielt haben. aber trotzdem durchaus erfolgreich waren, können wir sagen: Der offensichtlichste und meist gewählte Weg ist nicht immer der beste. Haymitch würde uns applaudieren. Wir haben uns geweigert, auf andere zu schießen, und uns in chaotische unübersichtliche Situationen zu bringen, nur weil es das Spiel so will. Wir haben die Ruhe in den unentdeckten Ecken genossen, haben unserem inneren Abenteurer und Kind die freie Hand gegeben. Auch wenn dies in diesem Kontext sehr hoch gegriffen ist: Mut zur Lücke, Leute, Mut zur Lücke. Unkonventionell ans Ziel war unser Motto, beziehungsweise war uns das Ziel am Anfang ja so gar nicht klar – was uns die Freiheit gegeben hat, die Welt der Videospiele ganz ohne Druck zu entdecken. 

Nessa: Ich glaube wird sind hier gerade in ’ner schwierigen Situation, Hannah. Er (Jan-Niklas) bringt die Steine zum wackeln.

Allerdings wurden wir neben unserer „good things come to those who wait“-Mentalität auch des Öfteren mit dem Problem konfrontiert, dass die anderen Spieler*innen so gar nicht auf unserer Schiene mitgefahren sind. Das hat uns dazu gebracht, eine paranoide „trust no one“-Mentalität an den Tag zu legen. Schade eigentlich, die Natur in Fortnite lädt fast zum Online-Picknicken ein. Warum nicht auch einfach mal ein Kaffeekränzchen mit anderen Spieler*innen halten, die man sonst nicht getroffen hätte? Zum Beispiel im Winter, wenn niemand vor die Tür will.

Um zum Punkt zu kommen: Baut eure eigenen Spielregeln, sowohl online als auch im echten Leben – was ist schon dabei, solange niemand verletzt wird? Nehmt euch Zeit, auch die kleinen Dinge zu sehen und erfreut euch über Blumenwiesen, eine sternenklare Nacht, den Mond und Hühner. Lasst euch von eurem Umfeld nicht zu sehr stressen und vereinnahmen. Wir kennen alle Situationen, in denen man nur noch die Abgaben sehen kann und von Abgabe zu Abgabe hetzt (lebt). Lasst euch auf Neues ein und behaltet ein offenes Mindset. Geht die Sachen auch einfach mal anders an. Krempelt die Dinge von hinten auf und nicht von vorn. Wir brauchen alle einen inneren Haymitch, der uns anfeuert, wenn wir mal unkonventionell, anders, oder etwas kindlich verspielter an eine Sache herangehen. Lasst euren inneren Haymitch frei, bringt die Steine zum Wackeln und die Bananen zum Tanzen.

Unsere Doppelklick-Karriere

Am Ende kann man sagen, dass wir trotz aller Überforderungen viel Spaß beim Spielen hatten. Würden wir das Spiel nochmal spielen? Alleine vermutlich eher nicht, und das liegt nicht nur an dem fehlenden Equipment. Dadurch, dass sich im Endeffekt immer und immer wieder der gleiche Spielverlauf wiederholt, ist es schon ein wenig langweilig. Für uns ist es nicht ganz nachvollziehbar, wie man das stundenlang spielen kann – da lesen wir in der Zeit lieber Bücher oder schauen Filme. Wir wären aber immer wieder offen, es mit Freund*innen zu spielen für Spaß und Kicherattacken. Aber sind wir mal ganz ehrlich, die hat man auch ohne Videospiele.
Das Laufen und Erkunden der Welt hat uns im Allgemeinen sehr gefallen. Vielleicht ist Fortnite einfach nur noch nicht das richtige Spiel für uns. Wir sind offen dafür, die wunderbare Welt der Videospiele weiter zu erkunden und finden: Der richtige Ort dafür ist die GamesCom. Dort könnten wir nicht nur neue Spiele austesten, sondern hätten gleich mehr als einen Experten um uns herum, die unsere vielen Fragen beantworten könnten… Was passiert nochmal beim Doppelklick?

Beitragsbild: Jan-Niklas Heil

Gamescom 2023: Next Level oder Game Over?

Gamescom 2023: Next Level oder Game Over?

Die Gamescom ist auch dieses Jahr wieder zurück und versorgte alle Videospiel-Fans mit den neusten Spielehits und zahlreichen Events. Vom 23. bis zum 27. August war das Messegelände in Köln geöffnet. Ob die Gamescom dieses Jahr überzeugen konnte und was es alles so zu sehen gab, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Level 1.1: Großes Comeback
Die Gamescom gilt als die größte Spielemesse der Welt und ermöglicht es allen Gamer*innen, einen Blick auf aktuelle wie auch zukünftige Spielehits zu werfen. Die Messe hat aber neben dem Antesten von Spielen noch sehr viel mehr zu bieten. Zu den weiteren Angeboten zählen unter anderem die Möglichkeit, alte Spieleklassiker in der Retro Area zu zocken, mit bekannten Influencer*innen zu connecten, mit Familie und Freund*innen in Gruppenevents jede Menge Spaß zu haben oder auch einfach nach Merchandise seines Lieblings-Franchises zu suchen.

Im Vergleich zu der US-amerikanischen Spielemesse »E3« hat sich die Gamescom bewährt und ihre Existenzberechtigung untermalt. Die E3 hat sehr unter den zahlreichen Absagen der Aussteller*innen gelitten, was im Endeffekt zur Absage der kompletten Messe führte. Während der Pandemie haben sich die verschiedenen Developer*innen und Publisher*innen selber etwas einfallen lassen müssen, um ihre Spiele zu bewerben, da die üblichen Messen, die normalerweise als beliebte Orte der Vermarktung galten, nicht stattfinden konnten. Infolgedessen rasselten nach den Corona-Jahren einige Absagen bei den Spielemessen rein. Die E3 konnte sich auch 2023 nicht von den Folgen der Corona-Pandemie erholen. Die Gamescom fand letztes Jahr das erste Mal wieder statt und konnte trotz Abstinenz mehrerer großer Aussteller*innen wieder einen mäßigen Erfolg vorweisen. Auch dieses Jahr sind immer noch nicht alle Big Player wieder am Start gewesen, aber einige feierten ihr Comeback auf Deutschlands größter Spielemesse.

Auf ganzen 230.000 Quadratmetern mit Austeller*innen aus 63 verschiedenen Ländern zeigten bekannte Namen wie Nintendo, Microsoft/Xbox, Ubisoft, Bandai Namco und Aerosoft an ihren Ständen ihre neuste Spielehits. Sony und EA sind nicht mit eigenen großen Ständen vertreten gewesen, sondern nur mit kleinerer Präsenz an den Standorten anderer Aussteller*innen.

Level 1.2: Die Lineups der Aussteller*innen
Wie jedes Jahr wurde die Gamescom mit der Opening Night am 22. August eingeleitet. Geoff Keighley, den viele bestimmt von den Game Awards und dem Summer Game Fest kennen, moderierte den Abend in Begleitung von Jasmin »Gnu«. Im Verlauf des Abends wurden Ankündigungen zu neuen Spielen und auch Trailer zu bereits erschienen Anwendungen gezeigt. Thematisch wurden dabei nur Spiele in den Fokus gerückt, die auch in irgendeiner Art und Weise auf der Gamescom vertreten gewesen sind. So gab es unter anderem einen Blick auf die kommende zweite Season von Diablo 4 oder auch neue Szenen zum Fighting-Game Tekken 8 und auch neue Informationen zum DLC von Cyberpunk 2077 »Phantom Liberty«. Mit Little Nightmares 3 wurde zudem ein Sequel für die populäre Horrorspiel-Reihe angekündigt, bei dem man sich nun erstmals auch im Koop-Modus durch die angsteinflößenden Level wagen kann.

Am 23. August startete die Gamescom dann offiziell mit dem Presse- und Fachbesuchstag. Einen Tag später sollten dann auch Privatbesucher*innen Zutritt zur Messe erhalten. Wie vorhin bereits angekündigt, war die Gamescom dieses Jahr größer denn je und dies spiegelte sich auch in der Größe der Stände wieder. Alleine Xbox überzeugte mit dem wahrscheinlich größten Stand aller Zeiten. Zusammen mit Bethesda konnte Xbox vor allem mit Spielen wie Starfield und dem Cyberpunk-DLC Phantom Liberty überzeugen. Beides wird im September released werden und die Gamescom konnte nochmal einen Vorgeschmack für die Spiele liefern. Auch Mortal Kombat 1 zog viel Aufmerksamkeit auf sich, da die Community sehr gespannt auf den Reboot der Kampfspielreihe ist. Ebenfalls zu erwähnen ist der bald erscheinende postapokalyptische-Koop-Shooter Synced, der von einigen schon als zukünftige Konkurrenz für das altbekannte und immer noch sehr beliebte Destiny angesehen wird. Der Aussteller Xbox lieferte ein massives Angebot an Spielen an seinem Stand, wovon der Großteil auch noch dieses Jahr rauskommt. Einen Bonuspunkt bekommt Xbox ebenfalls für die barrierefreie Umsetzung des Standes. Dieser war nämlich rollstuhlgerecht und zudem mit sehr viel Personal ausgestattet, welches Personen mit Einschränkungen zur Hilfe stehen sollte.

Bandai Namco überraschte bereits bei der Opening Night mit der Ankündigung eines neuen Ablegers der Little Nightmares-Reihe. Die Reihe vollzog einen Entwicklerwechsel und wird nun von dem Horror-Experten Supermassive Games entwickelt. Der Gameplay-Trailer ist leider der einzige Vorgeschmack, den man auf das Spiel bekommen konnte. Es gab zwar einen Stand zur Bewerbung des Spiels, aber anspielbar war der neuste Teil der Horror-Reihe noch nicht auf der Messe. Mit Tekken 8 und dem am 25. August frisch erschienen Armored Core VI: Fires of Rubicon hatte Bandai Namco aber noch zwei nennenswerte Hochkaräter im Gepäck mit dabei. Fires of Rubicon erntete sehr positive Bewertungen auf Steam und ebenfalls einen repektablen Score von 86 auf metacritic und zog somit auch einiges an Interesse auf der Gamescom auf sich.

Nintendo brachte mit The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom und Pikmin 4 zwei Switch-Neuheiten aus diesem Jahr mit auf die Gamescom. Zudem waren aber auch sehr viele bekannte Erfolgsschlager wie Super Mario 3D World, Super Smash Bros. Ultimate oder auch Mario Kart 8 Deluxe mit am Start. Mit Everybody 1-2-Switch und ein paar Spielen von anderen Studios, unter anderem Sonic Superstars oder Just Dance 2024, gab es aber auch eine gute Menge noch unveröffentlichter Spiele. Das ausgefallene und abwechslungsreiche Bühnenprogramm, bestehend aus Community-Aktionen, Gewinnspielen und auch diversen Turnieren in Splatoon 3 oder Super Smash Bros. Ultimate, schaffte aber einen guten Ausgleich zu dem Mangel an wirklich großen neuen Spielehits.

Neben den verschiedenen Ständen der Aussteller*innen und der Möglichkeit, neue Spiele anzuspielen, hatte die Gamescom auch dieses Jahr wieder einiges mehr zu bieten. Von Auftritten diverser Creator*innen und Influencer*innen an diversen Ständen in der Entertainment Area bis zu Lasertag-Arenen, jeder Menge Familien- und Gruppen-Events oder auch die Möglichkeit, alte Spieleklassiker zu spielen. Die Gamescom war dieses Jahr wirklich in allen Belangen größer. Aufgrund dessen, dass Austeller wie Sony abgesagt haben oder Nintendo beispielsweise keines der großen und noch nicht erschienen antizipierten Spiele präsentiert hat, fehlte ein bisschen etwas. Die Lücke, die durch den Mangel der Präsenz wirklich großer Spielehits entstanden ist, wurde clever mit anderen Events gestopft. So konnte die Gamescom dieses Jahr knapp 320.000 Leute begeistern, was nochmal mehr als die Besuchszahl des letzten Jahres ist und somit den Return der größten Videospielmesse der Welt bestärkt.

Level 1.3: Gaming und Politik?
Am 24. August fand zudem der Gamescom Congress statt, bei dem man als Fachbesucher*in die Möglichkeit hatte, sich diverse Vorträge zu Themen aus der Videospiel-Branche zu widmen. Den krönenden Abschluss des Kongresses bildete das sogenannte Debattle Royale. Dabei handelte es sich um eine Debatte ausgewählter Politiker*innen zu Themen der Gaming-Branche. Auf dem Podium diskutieren in diesem Jahr: Franziska Giffey (Berliner Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe und SPD-Landesparteivorsitzende), Nathanael Liminski (Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei, CDU), Emily Büning (Bundesgeschäftsführerin, Bündnis 90/Die Grünen) und Bijan Djir-Sarai (Generalsekretär, FDP).

Moderiert wurde die Debatte von Kim »Freiraumreh« Adam und Maxim Markow. Während der Debatte wurden mehrere Themen abgehandelt. Das Thema Geld und die Finanzierung wie auch Investitionen in die Game-Branche wurde dabei zuerst angesprochen. Nach der Einführung eines Förderungssystems für die Branche im Jahr 2020 scheinen die Fördermittel nun schon aufgebraucht zu sein. Deutschland hängt im Vergleich zu anderen Ländern wie Frankreich oder Kanada um einiges zurück, was die langfristige Finanzierung der Game-Branche angeht. Andere Länder haben nämlich schon sehr viel früher angefangen, das Potential der Videospiel-Industrie zu sehen, und haben dahingehend auch kluge Konzepte erarbeitet, um Entwickler*innen ihre Arbeit zu erleichtern. In Deutschland muss hingegen immer wieder gefragt werden, wo das Geld zur Finanzierung überhaupt herkommen soll. Die Politiker*innen äußerten sich überwiegend unterstützend zu diesem Thema. Bijan Djir-Sarai betonte die Wichtigkeit von Planungssicherheit, um die Branche auch in Zukunft zuverlässig mit Geld versorgen zu können, wies aber auch auf die derzeitige wirtschaftliche Situation im Land hin. Nathanael Liminski bemängelte den Stand der Dinge und wünscht sich mehr Unterstützung und Taten vonseiten der Politik, um für mehr Geld zu sorgen. Emily Büning sprach die Wichtigkeit an, in Zeiten wie diesen in zukunftsorientierte Sektoren zu investieren, wozu die Spiele-Branche in jedem Fall zählt. Zu den weiteren Themen zählten unter anderem Berufe in der Gaming-Welt und Inklusion in und beim Spielen von Games.

Es wurde unter anderem eingegangen auf die Unattraktivität von Deutschland als Ausbildungsstandort für Berufe in der Gaming-Welt. Die fehlende Existenz einer richtigen Game-Universität in Deutschland ist dabei beispielsweise ein Kritikpunkt gewesen. Mögliche angesprochene Lösungsvorschläge während der Debatte waren dabei zum einen die Schaffung von mehr Role Models in der Szene (vor allem für Frauen), um sich mehr berufen zu fühlen, eben in dieser Szene aktiv zu werden. Auch die frühe Ansprache bereits in der Schule wurde genannt.

Level 1.4: Letzte Worte
Für die Gamescom war das nun mittlerweile das zweite Jahr nach der Corona-Pandemie, in dem die Messe wieder in Präsenz stattfand. Und man kann nach den anfänglichen Zweifeln nun ganz klar sagen, dass sich die Gamescom bewiesen hat und somit auch komplett zu Recht seinen Ruf als größte Videospielmesse der Welt verteidigt hat. Viele Menschen waren aufgrund des eher traurigen Endes für die E3 skeptisch, aber die Kölner Videospielmesse hat es besser gemacht und sitzt wieder so fest im Sattel wie vor der Pandemie. Nachdem die Austeller*innen im letzten Jahr noch etwas zurückhaltend waren, sind 2023 wieder mehr von ihnen anwesend gewesen. Die Veranstalter*innen der Gamescom haben zudem einen guten Job gemacht, neben den Aussteller*innen auch für eine Vielzahl an anderweitigen Events zu sorgen. Die Gamescom hat den zweiten Härtetest nach der Pandemie bestanden und verspricht jetzt schon einiges für das kommende Jahr.

Beitragsbild: Lucas Hohmeister