Dr. Alfons Maria Wachsmann: Greifswalder Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus

Dr. Alfons Maria Wachsmann: Greifswalder Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus

Am 21. Februar 1944 wurde der katholische Greifswalder Priester Doktor Alfons Maria Wachsmann von den Nationalsozialisten in Brandenburg an der Havel ermordet. Er hatte den Nationalsozialismus von Beginn an öffentlich kritisiert und diese Position als Hochschulseelsorger auch regelmäßig den Studierenden erläutert. Hintergründe über das Leben und Denken des Widerstandskämpfers und katholischen Märtyrers liefert dieser Artikel.

Kindheit, Jugend und 1. Weltkrieg

Wachsmann wurde 1896 in Berlin geboren, wuchs aber nach dem Tod seines Vaters 1887 unter wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen in Schlesien auf. Nur durch die Unterstützung seines lokalen Pfarrers war es ihm möglich, eine höhere schulische Bildung zu erlangen und 1914 das Abitur zu absolvieren. Er nahm 1914 zunächst als Kriegsfreiwilliger am Ersten Weltkrieg teil. 1915 wurde er wegen einer Fußverletzung aus dem Kriegsdienst entlassen. 1916 zog man ihn jedoch dennoch wieder ein und er musste trotz Fieberanfällen, hervorgerufen durch eine Malaria-Erkrankung, bis 1919 Soldat bleiben. Durch seine traumatischen Erfahrungen im Kriegsdienst wurde er zum Pazifisten und trat im Jahr seiner Entlassung aus dem Militärdienst dem Friedensbund Deutscher Katholiken bei, der sich seit 1917 für ein Ende des Ersten Weltkriegs und nach dem Kriegsende 1918 für eine dauerhafte Friedensordnung einsetzte.

Beruflicher Werdegang

Wachsmanns Theologiestudium endete 1921 mit seiner Priesterweihe. Danach wirkte er in Görlitz und Berlin, bevor er 1929 als Pfarrer nach Greifswald zog. In dieser Funktion war er auch als Studierendenseelsorger tätig. Die bis heute bestehende Katholische Studierendengemeinde entstand in dieser Zeit. Bei regelmäßigen, etwa 14-tägigen Treffen, hielt der intellektuell gebildete Wachsmann Vorträge zu verschiedenen religiösen Themen. Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer, begann er an der Philosophischen Fakultät zu promovieren. Abschließen konnte er sein Promotionsstudium 1934. Im Zuge dessen wurde sein Pfarrhaus zu einem intellektuellen Gesprächspunkt für Akademiker*innen verschiedener Disziplinen und Religionen. Gerade vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus, stand er dem Protestantismus für seine Zeit ungewöhnlich offen gegenüber. Die hasserfüllte Botschaft des Nationalsozialismus war für ihn der große Feind des Katholizismus, nicht die anderen christlichen Konfessionen.

Friedlicher Widerstand im Nationalsozialismus

Seine Ablehnung des Nationalsozialismus zeigte Wachsmann auch nach der Machtübernahme offen durch Kleinigkeiten. So begrüßte er beispielsweise mit „Grüß Gott“ oder „Guten Tag“ anstelle von „Heil Hitler“ oder gab bei Spendensammlungen der NSDAP nichts und erklärte bereits für die Caritas, ein katholisches soziales Hilfswerk, gespendet zu haben. Zudem verspottete er das Regime in persönlichen Gesprächen mit Witzen. Des Weiteren argumentierte er offensiv gegen die nationalsozialistische Ideologie und die staatlichen Restriktionen gegenüber der katholischen Kirche. Bei seinen regelmäßigen Vorträgen und Diskussionsrunden mit Studierenden und Akademiker*innen animierte er sein Publikum subtil dazu, die nationalsozialistische Ideologie zu hinterfragen. Noch etwas deutlicher tat er dies in persönlichen Gesprächen. Um sich unabhängig informieren zu können, las er eine vatikanische Tageszeitung und hörte verbotenerweise ausländische Radiosender. Auffallend ist hierbei, dass er dies im Gegensatz zu vielen anderen bei offenen Fenstern in starker Lautstärke tat, sodass es allgemein bekannt war. Überlieferte Aussagen von ihm hierüber lassen darauf schließen, dass er die Gefahr, in die er sich hierdurch begab, nicht wirklich wahr- oder ernst nahm.

Politisch motivierte Verfolgung

Aufgrund seiner regimekritischen Positionen wurde Wachsmann von den Nazis schon früh bespitzelt. Ab 1934 kontrollierte die NSAP seine Predigten, etwas später auch sein Telefon. Aufgrund seiner kritischen politischen Einstellung wurden ihm zudem mehrfach Auslandsaufenthalte verweigert. Am 23. Juni 1943 wurde er von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet. Bereits im Februar 1943 waren mehrere regimekritische katholische Priester aus Pommern und einer aus Parchim verhaftet und zum Teil hingerichtet worden. Diese wurden zuvor durch einen Spitzel in den katholischen Kirchengemeinden Stettins belastet. Die Haftbedingungen waren hart. Er musste die meiste Zeit in Einzelhaft verbringen und regelmäßig körperliche Arbeit verrichten. Eine Linderung war es, dass ihm zumindest eingeschränkt das Lesen der Bibel sowie theologischer und geschichtswissenschaftlicher Bücher erlaubt wurde. Gleiches galt für das Schreiben und Lesen von Briefen, Besuche und kurze Spaziergänge. All das war allerdings ebenfalls nur restringiert und zweitweise gar nicht möglich. Am 03. Dezember 1943 wurde Wachsmann nach mehreren Prozessterminen, die keinen fairen rechtsstaatlichen Standards entsprachen, vom „Volksgerichtshof“ wegen „Wehrkraftszersetzung“, also kritischen Äußerungen zur deutschen Armee, und „Defätismus“, also der (militärtaktisch offensichtlichen, aus Sicht der Nazis illegitimen) Erklärung, der Zweite Weltkrieg sei für Deutschland nicht mehr zu gewinnen, zum Tode verurteilt. Als besonders schwerwiegend galt, dass er auch andere Personen mit diesen Haltungen geprägt habe. Die Hinrichtung mittels Guillotine erfolgte am 21. Februar 1944. In der Haftzeit zwischen Verurteilung und Hinrichtung war Wachsmann nahezu konstant an Händen und Füßen gefesselt. Auch brannte nachts eine Lampe an seinem Bett und erschwerte sein Schlafen. Besuche waren jedoch weiterhin eingeschränkt möglich.

Beisetzungen

Kurz nach der Hinrichtung wurde Wachsmann in sehr stiller Weise in Brandenburg bestattet. Die Information, dass er gestorben war, konnte nur verklausuliert und ohne Kritik weitererzählt werden, um keine weiteren Ermittlungen der Gestapo zu provozieren. Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde Wachsmanns Leichnam noch zwei Mal feierlich umgebettet: zunächst auf den Alten Friedhof und später neben die katholische Kirche in Greifswald. Dort liegt er noch heute begraben.

Bedeutung für die Gegenwart

Wachsmann war ein Mensch, der sich in einem menschenfeindlichen Systems seine Menschlichkeit und seine Überzeugungen bewahrt hat. Dies tat er vielfach durch Kleinigkeiten. Dass das bereits ausgereicht hat, um getötet zu werden, zeigt die Brutalität des Nationalsozialismus deutlich. Zugleich kann sein Beispiel aber auch als Vorbild dienen, sich autoritären und extremistischen Bewegungen nicht zu beugen, sondern sich mutig in alltäglichen Handlungen dagegen zu stellen, so wie er es getan hat.

Bibliographie: Herberhold, Franz: A. M. Wachsmann. Ein Opfer des Faschismus, Leipzig 1963.

900 Jahre Pommernmission: Christentum gegen slawische Mythologie

900 Jahre Pommernmission: Christentum gegen slawische Mythologie

Vor 900 Jahren im Jahr 1124 unternahm Bischof Otto von Bamberg eine erste Missionsreise nach Pommern. Eine zweite folgte 1128. Diese Missionsreisen bildeten den Beginn des Christentums in Pommern, was für weitreichende Veränderungen für die Einwohner*innen der Region sorgte.

Die beiden Missionsreisen geschahen jeweils auf Wunsch weltlicher Herrscher. Bei der ersten Missionsreise kam dieser Wunsch vom christlichen Herzog Bolesław von Polen. Er hatte zuvor einen Krieg gegen Pommern gewonnen, sodass der pommersche, heidnische Herzog Wartislaw I. nun unter seiner Lehnsherrschaft stand, ihm also bis zu einem gewissen Grad an Autonomie unterstellt war. Um seinen Einfluss auf Pommern zu festigen, forderte Herzog Bolesław von Pommern unter anderem die Annahme des Christentums. Dazu bat er Otto, eine Missionsreise nach Pommern zu unternehmen. Die zweite Missionsreise erfolgte auf Wunsch des römisch-deutschen Königs Lothar von Sachsen. Sie bewirkte, dass sich viele lokale Adelige taufen ließen. Zudem betätigte er sich bei dieser Missionsreise als Diplomat und konnte so einen erneuten Einmarsch in Pommern durch Herzog Bolesław verhindern. Den Erfolg der Missionsreisen schreiben die Quellen vor allem dem sehr überzeugenden Auftreten Ottos zu. Dieser wurde 1060 nach Christus geboren. Während seiner theologischen Ausbildung war er mehrere Jahre in Polen. Dort wurde er auch zum Priester geweiht. Dieser längere Aufenthalt erklärt auch seinen Kontakt zu Herzog Bolesław. Später war er mehrere Jahre am römisch-deutschen Königshof tätig, war also in den führenden Kreisen der politischen Elite, und wurde Bischof von Bamberg. Bei seinen beiden pommerschen Missionsreisen seien laut christlichen zeitgenössischen Texten mehrere Kirchen gebaut und etliche Personen getauft worden.

Heidnische Slaw*innen umgeben von Christ*innen

Zum Zeitpunkt der Missionsreise war Pommern eines der letzten nicht christlichen Gebiete in Europa. Im späteren westkirchlichen, also nicht orthodoxen, Europa erfolgten lediglich die Christianisierungen im heutigen Baltikum und im Großfürstentum Litauen noch später. Die Region war zum Zeitpunkt der Missionsreisen Ottos also bereits vollständig von christlichen Gebieten umgeben. Durch Handelskontakte mit christlichen Regionen befanden sich in den Randgebieten auch bereits erste christliche Gemeinden, die parallel zur heidnischen Kultur existierten.

Heidnische Bräuche herausgefordert

Über Details der religiösen Kulte der Slaw*innen ist nur wenig bekannt. Auffallend ist, dass archäologische Untersuchungen nur Tempel und religiöse Gegenstände aus der Zeit der ersten noch gescheiterten christlichen Missionsversuche im 10. Jahrhundert, in dem Pommern kurzzeitig Teil des christlichen Ostfrankenreichs war, gefunden haben. Zuvor wurden ihre kultischen Feiern wohl vermutlich in der freien Natur begangen. Nach der Vertreibung der christlichen Besatzer und der Reetablierung des paganen Glaubens entstanden wohl erstmals große Tempelanlagen, und auch archäologische Funde heidnischer Kultgegenstände stammen vielfach aus dieser Zeit. Die christlichen Missionsversuche beförderten also anscheinend die Intensität und Pompösität der paganen Bräuche, vermutlich als abgrenzende Reaktion auf das Christentum. Dass sich die lokale Religion trotz der Missionsbemühungen der umliegenden bereits christianisierten Gebiete so ungewöhnlich lange halten konnte, liegt vermutlich auch daran, dass die heidnischen Priester*innen eine mächtige Gesellschaftsschicht darstellten, die ihren paganen Glauben vehement verteidigten, um nicht ihre Machtposition zu verlieren. Diese Priester*innenklasse hatte sich während der Missionsbemühungen als Gegenreaktion gegründet. Hinzu kommt, dass die pagane Religion wahrscheinlich sehr heroische Legenden und Glaubensvorstellungen beinhaltete, die sehr dem Zeitgeist einer Epoche militärischer Bedrohung – Pommern war umgeben von zwei größeren Mächten: Polen und dem Heiligen Römischen Reich – entsprochen haben dürften.

Heidnische Glaubenspraktiken vor und während der Christianisierung

Das Wissen über die Religion der Slaw*innen vor der Christianisierung ist nur sehr begrenzt, weil sie selbst keine schriftlichen Quellen hinterließen, sodass nur sehr wenige zeitgenössische Texte zur slawischen Mythologie überliefert sind, die von christlichen Missionar*innen verfasst wurden und daher eine eindeutig negativ wertende Sicht auf diesen Glauben beinhalten. Bekannt ist, dass es eine polytheistische Religion mit einigen Gemeinsamkeiten zu anderen Mythologien des indogermanischen Sprachraums war. In der slawischen Mythologie existierten vier Hauptgötter, denen jeweils bestimmte Funktionen zugeschrieben wurden. Bei den Elb- und Ostseeslaw*innen, also auch den slawischen Stämmen in Pommern, vollzog sich zeitgleich mit der Errichtung von Tempeln und der Schaffung einer paganen Priesterklasse ein Wandel im Götterbild der Gläubigen. Die Hauptgötter, die ursprünglich Naturgötter mit bestimmten Zuständigkeiten gewesen waren, wurden nun zu Stammesgöttern, die jeweils von bestimmten slawischen Stämmen verehrt wurden. Teil der gesamten slawischen Mythologie war außerdem ein ausgeprägter Glaube an Dämonen und Naturgeister. Diese Glaubensvorstellungen blieben auch lange nach der Christianisierung bis in die Neuzeit als Aberglaube erhalten. Naturgeister wurden unter anderem in den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft angenommen und verehrt. Zudem ging man davon aus, dass in bestimmten Pflanzen Geister wohnen würden. So gab es unter anderem heilige Bäume und Haine. Die Jenseitsvorstellungen beinhalteten sowohl einen transzendenten Ort, der jenseits eines Flusses läge und an dem ein Drache wohnen würde, als auch eine Vorstellung von Wiedergeburt. Üblich war zudem vor dem Beginn christlicher Einflussnahme die Feuerbestattung. Interessant und auffallend ist hierbei, dass sich während der Zeit der ersten christlichen Missionsversuche die im Christentum übliche Bestattung unverbrannter Leichname durchsetzte, während gleichzeitig eine sehr aktive pagane Abgrenzung zum missionierenden christlichen Glauben stattfand. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Bestattungssitten eigentlich sehr eng mit religiösen Überzeugungen verbunden sind.

Heidnische Bräuche vergangen

Obwohl einige pagane Vorstellungen noch lange als Aberglaube erhalten blieben, markiert die Christianisierung doch einen großen Umbruch in der pommerschen Geschichte. Mit der Übernahme der christlichen Religion glich sich Pommern religiös aber auch politisch den das Land umgebenden Mächten an. Aber auch für die einfache Bevölkerung dürften die Veränderungen deutlich spürbar gewesen sein. Aufgrund dieser hohen Bedeutung für die Region finden anlässlich des 900-jährigen Jubiläums der ersten Missionsreise einige kulturelle und akademische Veranstaltungen im deutschen und im polnischen Pommern statt, die auf der zugehörigen Internetseite recherchiert werden können. Informationen, Ergänzungen oder Eindrücke dazu dürfen auch gerne in die Kommentare geschrieben werden.

Beitragsbild: Allan Kant

Umfrage: Religion

Wie gläubig ist die Greifswalder Bevölkerung? Das haben wir versucht herauszufinden in einer weiteren affenstarken Ausgabe der Guerilla Umfrage.

Evangelischer Studentenseelsorger verabschiedet

Am gestrigen Sonntag (8. Juni) wurde im Rahmen des Universitätsgottesdienstes der Studentenseelorger Dr. Konrad Glöckner offiziell verabschiedet.

Dr. Konrad Glöckner, der seit zehn Jahren die Evangelische Studentengemeinde (ESG) betreut und leitet predigte am gestrigen Sonntag zum vorerst letzten Mal im Greifswalder Dom. In Bezug auf das Matthäus-Evangelium 19,16-26 nahm er Bezug auf die Problematik von Geld und Reichtümern für Christen und die christlichen Kirchen, gerade auch in Zeiten, da die Kirchen in Deutschland vermehrt Gemeinden zusammenlegen und Stellen streichen. (mehr …)