Mimimi-Mittwoch: Radfahrende

Mimimi-Mittwoch: Radfahrende

Wut, Hass, Zorn: all diese Gefühle verbindet man so manches Mal mit seinen Mitmenschen. Genau für solche Momente ist diese Kolumne da. Wann immer wir uns mal gepflegt über Leute auslassen, lest ihr das hier.

Heutiges Thema sind also Radfahrende. Davon gibt es in Greifswald ja genug. Umweltfreundliche und sportliche Menschen, die sich achtsam über die Straßen, Radwege und Bürgersteige bewegen.

Wenn es doch nur so wäre!

Stattdessen sausen irgendwelche Irren, mit dem Todesmut eines japanischem Kamikaze Piloten durch die Gegend. Wie von der Tarantel gestochen beschleunigen sie so schnell es geht, dabei macht so mancher nicht mal vor roten Ampeln oder Fußgängern halt. Getreu dem Motto „Wer bremst verliert“ gibt es für diese Rowdys kein Halten.

Anime Cartoon GIF - Anime Cartoon Japanese GIFs

Doch es muss nicht immer schnell zugehen

Auch langsame Radfahrende sind eine wahre Plage. Der Geschwindigkeit einer französischen Rennschnecke gleich, schleichen sie vor einem umher. Pro Minute mache ich schlafend noch mehr Atemzüge als ihr Tritte in die Pedalen eures Drahtesels. Wenn ihr schon nicht schneller als ein Fußgänger seid, dann geht doch wenigstens auch zu Fuß und nehmt einem nicht die Plätze am Fahrradständer weg!

Travelling In Slow Motion Chill GIF - TravellingInSlowMotion Chill Biking GIFs

Dann wären da noch die Abgelenkten

Sei es nun das Aufnehmen von Sprachnachrichten per Smartphone, ein fixes Telefonat oder das Einstellen der Playlist für die optimale Beschallung. Es ist mir völlig Latte, warum ihr nicht nach vorne seht. Oder auch mal zur Seite bzw. nach hinten beim Abbiegen. Furchtbar seid ihr so oder so!

Oder kennt ihr diejenigen, die euch auf der gleichen Seite entgegenkommen?

In Deutschland fährt man ja auf der rechten Straßenseite. Wenn ich also ganz entspannt einen Radweg nutze und mir jemand entgegenkommt dann halte ich mich rechts. Vielleicht bremst man auch ein wenig ab und achtet darauf, möglichst nicht an einer Engstelle aneinander vorbeizufahren. Doch leider läuft das nicht so ab. Stattdessen rauscht mein Gegenüber nur gnadenlos weiter. Wenn ich dann auf die Idee komme auszuweichen, hat mein Gegenüber ebenfalls diese Idee. Zwei Dumme ein Gedanke. Das geht dann noch ein oder zweimal so und kurz bevor wir beide zum lebenden Equivalent zweier Crashtest Dummies werden, bremst mindestens einer von uns. Ein ordentliches Herumreißen des Lenkers noch dazu und schon ist der Unfall vermieden. Freut mich immer wieder, wenn durch Rücksichtnahme alles gut laufen würde, man sich aber lieber für die weniger durchdachte Alternative entscheidet. Geht doch nichts über einen kleinen Beinaheunfall, um den Kreislauf in Schwung zu bringen.

No Left GIF - No Left Biking GIFs

Die Schlimmsten kommen erst noch…

Was mir kein bisschen einleuchtet, ist, warum es Menschen gibt, die im Dunkeln ohne Licht fahren. Es wäre mir ja auch schnurzpiepegal, wenn ihr im Dunkeln einsam und allein den Asphalt küsst. Aber ich hab halt keine Lust meine Hände einem Extrempeeling zu unterziehen, nur weil ein paar Volldeppen nicht imstande sind einen kleinen Handgriff zu tätigen. (Meine Lampe ist kaputt und solches blabla zählt nicht. Wenn euer Herd nicht funktioniert fangt ihr ja auch nicht an in der Wohnung eine Feuerstelle zu bauen.)

Lauchin Biking GIF - Lauchin Biking Wasted GIFs

Doch was tun?

Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. So steht es zumindest in der StVO. Ich weiß, das Fußgängerdiplom und die Fahrradprüfung damals in der Grundschule sind lange her. Aber wir wollen doch alle pünktlich und vor allem unfallfrei ans Ziel kommen. Deshalb denkt immer schön daran, auf eure Mitmenschen zu achten. Der oder die Klügere gibt nach. Und die klügsten Köpfen tragen sogar Helme.

Bike Mascot GIF by IUPUI

Gibt es nervige Dinge an Radfahrenden, die wir vergessen haben? Schreibt uns doch eure Ergänzungen oder Aufreger über Radler*innen in die Kommentare. Beim nächsten Mal regen wir uns über Weihnachten auf und keine Sorge, bald knöpfen wir uns auch Autofahrende vor.

Gifs von Tenor:
https://tenor.com/view/anime-cartoon-japanese-biking-gif-9404462
https://tenor.com/view/travelling-in-slow-motion-chill-biking-biking-with-friends-slow-motion-gif-14639334
https://tenor.com/view/no-left-biking-bikers-look-at-all-gif-13888516
https://tenor.com/view/lauchin-biking-wasted-gif-8833430

Gif von Giphy:
https://giphy.com/gifs/goiupui-bike-mascot-pG0bel9vcNKqYKmSfO


Beitragsbild: Felix Michau
Banner: Julia Schlichtkrull

Wenn Critical Mass auf die Polizei trifft

Wenn Critical Mass auf die Polizei trifft

Artikelbild Critical Mass-David VössingAm gestrigen Freitag, den 28. März, fand in Greifswald wieder eine Critical Mass statt. Etwa 30 Teilnehmer radelten gemächlich über die Greifswalder Hauptstraßen, um auf ihre Belange gegenüber dem motorisierten Verkehr aufmerksam zu machen. Erst kam es zu einer Autoschlange in der Anklamer Straße, dann zu einem kurzweiligen Stau in der Wolgaster Straße, da die Radfahrer von der Polizei gestoppt wurden. (mehr …)

Bewohnerparkausweise nur noch mit Erstwohnsitz

Demnächst häufiger in Greifswald zu sehen.

Wer in der Innenstadt oder am Rand der City wohnt, bekommt für sein Auto einen Bewohnerparkausweis. Dieser berechtigt den Bewohner, das eigene Fahrzeug auf speziell gekennzeichneten Parkplätzen abzustellen. Im Rahmen eines neuen Parkraumkonzeptes kann es demnächst zu deutlichen Veränderungen kommen. Denn der Bauausschuss votierte am 16. November für eine Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung bis zum Karl-Liebknecht-Ring. Als Gründe werden städtebauliche Veränderungen und die Umzüge von Universitätsbereichen genannt.

Mehr Bewohnerparkplätze

Schlecht sieht es für die Studenten aus, die nur mit Zweitwohnsitz in Greifswald gemeldet sind. Denn künftig erhalten nur noch Einwohner mit Erstwohnsitz einen Bewohnerparkausweis. „Studenten werden dadurch benachteiligt“, kritisierte Jörn Kasbohm (Die Linke.). „Diese Privilegierung ist so gewollt“, entgegnete Thilo Kaiser, Leiter des Stadtbauamtes. Er wollte diese Entscheidung aber der Politik überlassen. Die Ausschussmehrheit stimmte dem Vorschlag zu.

In einem kurzen Vortrag machte Marlies Hagemann von der beauftragten Ingenieurplanung Ost deutlich, dass die Parkplätze in der Fettenvorstadt und in der Innenstadt Tag und Nacht eine hohe Auslastung hätten. Um die Parkplatzsituation für die Anwohner zu entspannen, soll die Zahl der Bewohnerparkplätze, beispielsweise im Umfeld der Marienkirche, steigen. Ziel dieses Konzeptes ist dabei die Stärkung des Bewohnerparkens zugunsten des Auswärtigenparkens.

Steffen Burkhard: Es wurde nur an Autos aber nicht an Radfahrer gedacht

Thilo Kaiser, Leiter Stadtbauamt: "Privilegierung der Bewohner mit Erstwohnsitz so gewollt".

Am Parkraumkonzept vermisst Steffen Burkhard vom ADFC die Berücksichtigung von Radfahrern: „Es wurde leider nur an Autos gedacht“, so Burkhard, wenngleich er einräumte, dass in der Vergangenheit bereits viel für die Radfahrer getan wurde. In diesem Zusammenhang forderte er mehr Fahrradparkplätze und machte dabei zwei spezielle Vorschläge: So sollen demnach künftig am Bahnhof Parkboxen eingerichtet und in der Innenstadt mehr Ablegebügel errichtet werden.

Darüber hinaus plant die Stadt mittelfristig die Einrichtung weiterer Autoparkplätze in der Innenstadt. Darunter fällt auch die Errichtung von 150 neuen Parkstellflächen am Bahnhof.  Hinzu kommt, dass vor der Mensa ein Parkhaus entstehen soll, wo momentan ebenerdige Stellflächen vorhanden sind. Dazu fasste der Bauausschuss einen Aufstellungsbeschluss, nachdem Verwaltung einen Bebauungsplan für das Parkhaus erstellt, gegen den Anwohner und Betroffene Einwände erheben können.

Bürgerschaft entscheidet im Dezember

Mittelfristig sollen mehrere hundert Parkplätze entstehen, unter anderem durch ein Parkhaus vor der Mensa.

Stimmt die Bürgerschaft im Dezember dem Entwurf zu, gilt das Parkraumkonzept neben der Innenstadt auch für einen großen Teil der Fleischervorstadt, der südlichen Mühlenvorstadt, entlang der Loitzer Straße sowie für zahlreiche Straßen zwischen Wolgaster-, Anklamer- und Rathenau-Straße. In diesem Zusammenhang soll zugleich eine Veränderung der Parkgebühren in der Innenstadt erfolgen. Demnach soll das Parken dann im Durchschnitt genau so viel kosten, wie eine Hin- und Rückfahrt mit dem Bus. Die durchschnittlichen Parkgebühren lägen dann bei 3,40 Euro. Ausschussmitglieder begründeten den Vorschlag damit, Autofahrer zum Umstieg auf den Öffentlichen Personnennahverkehr (ÖPNV) zu animieren. Darüber hinaus soll zukünftig das Falschparken stärker als bisher mit Bußgeldern geahndet werden.

Fotos: David Vössing

Brennpunkt Europakreuzung

Wer kennt ihn nicht in Greifswald: der Knotenpunkt Platz der Freiheit, besser bekannt als Europakreuzung. Die Kreuzung funktioniert nur aus Autofahrersicht zufriedenstellend – für Fußgänger und Radfahrer nicht und bildet ein Ort des Wartens. Aus diesem Grund überqueren viele Radfahrer die Kreuzung Quer. Was vor ein paar Jahren noch undenkbar war, wird jetzt von breiten Mehrheiten im politischen Raum diskutiert. Die Sanktionierung der diagonalen Querung der Europakreuzung durch Radfahrer gleichzeitig mit den linksabbiegenden Autos.

Verkehrsplaner Gerhard Imhorst

Imhorst: „Diagonalquerung, mit neuer Lichtsignalanlage, löst eine Menge Probleme“

Aus Sicht der Verkehrssicherheit, werden somit „ausreichende Abstände und gute Sichtbeziehungen zwischen Kfz und Radfahrern“ geschaffen. Die Stadt teilt ebenso mit, dass seit 15 Jahren kein Unfall bei illegalem Queren verursacht wurde. Problematisch hingegend sind die Unfälle zwischen Radfahrern und rechtsabbiegenden Autos. Die sollen durch die Diagonalquerung reduziert werden. „Alle Genehmigungen liegen vor und die Idee muss nur noch umgesetzt werden“, teilt der städtische Verkehrsplaner Gerhard Imhorst mit. Die Maßnahme sei ein zentrales Projekt des Klimaschutzkonzepten und des Radverkehrsplans, so Imhorst weiter. Die Bürgerschaft der Hansestadt hat sich in mehren Beschlüssen zum Klimaschutz und zur Förderung des Fußgänger und Radverkehrs bekannt. „Die Diagonalquerung, mit neuer Lichtsignalanlage (LSA), löst eine Menge Probleme, fördert den Radverkehr und hat nur einen Nachteil, sie ist ungewöhnlich“, freut sich der Stadtentwickler.

Vorhaben gerät ins stocken

Doch nun gerät das Vorhaben ins stocken. „Es ist bisher noch keine Entscheidung gefallen, ob mit den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln 2010 begonnen werden kann. Die Verwaltung wird die Kosten der Gesamtmaßnahme für den Haushalt 2011 anmelden“ , sagte Pressesprecherin der Stadt Greifswald Andrea Reimann. „Die Bürgerschaft muss jetzt entscheiden, ob sie das Projekt möchte oder nicht“, so Reimann zur aktuellen Debatte weiter.

Hintergrund: Die CDU-Fraktion der Bürgerschaft steht nicht mehr hinter dem Projekt. In der geplanten Beschlussvorlage für die Bürgerschaftssitzung am 27. September, die dem WebMoritz vorliegt, heißt es: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die Haushaltsstelle 1.63200.961000 die nach dem Haushaltsplan zum Umbau des Platzes der Freiheit festgelegt wurde umzuwidmen. Das Geld soll stattdessen zur Sanierung von Radwegen genutzt werden.“ Begründet wird der Antrag, dass das „Projekt zur Diagonalquerung nicht für die geplanten 100.000 Euro möglich“ ist. In der Planungsphase ergab sich eine Kostenspanne der Varianten von 128.000 bis 205.000 Euro. Die von der Verwaltung favorisierte Variante wird rund 160.000 Euro kosten zuzüglich 25.000 Euro für die LED-Ausstattung der neuen Ampel.

Linke nicht für Tod des Projektes

„Die Fraktion hat zwar noch nicht abschließend beraten aber den Tod des Projektes wird sie nicht unterstützen“, sagt Linksfraktiongeschäftsführer Marian Kummerow. Auch die Linke sieht die momentane Variante und die Finanzierungsfrage zum jetzigen Zeitpunkt skeptisch, möchte die Idee aber letztendlich umgesetzt sehen. „Es ist eine pfiffige Idee aber es muss auch ausreichend Akzeptanz in der Bevölkerung für eine so hohe Summe geschaffen werden“, so Kummerow weiter.

Bild: Gabriel Kords (Imhorst)