Die Uni macht sich nackig

Die Uni macht sich nackig

Nach nunmehr fast zehn Jahren ist es wieder soweit. Die Universität befindet sich in finanzieller Not. Dazu haben nicht zuletzt die Corona- und Energiekrise ihr Übriges geleistet. Um Aufmerksamkeit auf diese finanzielle Misere zu lenken, wurde die AG Aktkalender ins Leben gerufen und damit beauftragt, eine neue Auflage des Aktkalenders aus dem Jahre 2015 zu erstellen.

In Mecklenburg-Vorpommern sieht die Situation für Studierende wie auch universitäre Einrichtungen nicht gut aus. Das bekommt auch die Studierendenschaft direkt zu spüren. Steigende Mensapreise, höhere Mietkosten in den Wohnheimen und eine kaum existente Unterstützung durch die Regierung können mittlerweile fast als Gewohnheiten angenommen werden. Als Resultat wurden im vergangenen Jahr zu mehreren Bildungsdemos an den Universitätsstandorten Rostock und Greifswald aufgerufen. Mit gemischtem Erfolg. Zeitgleich startete mit einem Antrag auf der Vollversammlung im WiSe 22/23 die Planung einer Wiederaufnahme des Aktkalenders.

Die Ursprünge des Aktkalenders an der Uni Greifswald gehen bis in das Jahr 2014 zurück. Dort startete erstmals die Planung eines Aktkalenders, damals noch als Erotikkalender bezeichnet, in einer ganz ähnlichen Notlage, wie wir sie heute vorfinden. Auch damals stand zur Debatte, Stellen abzubauen mit einem noch größeren Augenmerk auf sanierungsbedürftige Unigebäude. Damals brachte die PARTEI den Vorschlag in das Studierendenparlament ein. Zwar konnte dieser Kalender im Alleingang nicht die Finanznöte der Uni beenden, hat jedoch mit einer vierstelligen Auflage durchaus Aufmerksamkeit auf die Situation gelenkt.

Inspiriert von der Aktion und während der Vollversammlung angehalten durch die Studierendenschaft, hat sich dann im April diesen Jahres die AG Aktkalender konstituiert und ihre erste Sitzung abgehalten. Seitdem hat die AG große Schritte in Richtung eines fertigen Kalenders gemacht. Laut AStA-Vorsitzenden Robert Gebauer ist die Akquise von Fotomodellen bereits abgeschlossen und die Shooting-Phase beginnt.

Der Kalender soll auf diesem Weg von der Studierendenschaft herausgegeben werden und die Einnahmen wieder in die Studierendenschaft investiert werden. Im Design soll sich der Kalender, am Exemplar von 2015 lose orientiert, in schwarz-weiß gedruckt werden mit dem Hauptaugenmerk auf die finanziellen Missstände der Uni. Gleichzeitig soll eine klare Abgrenzung zu Pornographie vorgenommen werden und klar gekennzeichnet sein, dass hier nicht die Nacktheit im Vordergrund stehen soll. Der Kalender soll eine Protestaktion darstellen.

Beitragsbild: Lars Heidemann

Umgekrempelt: Eine Woche ohne industriellen Zucker

Umgekrempelt: Eine Woche ohne industriellen Zucker

2021/2022 nahmen die Menschen in Deutschland laut Statista im Jahr 34,8 Kilogramm Zucker zu sich, was einem täglichen Verzehr von ca. 95 Gramm entspricht. Die WHO empfiehlt jedoch, nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag zu verzehren. Sie raten sogar eher, den Zuckerkonsum auf 25 Gramm pro Tag zu reduzieren, was etwa 6 Teelöffeln entspricht. Zu viel Zucker kann langfristig verschiedene gesundheitliche Probleme nach sich ziehen, wie Diabetes Typ 2, Schädigung der Leber etc. Ein großes Problem: Es gibt in vielen Lebensmitteln versteckten Zucker! In einer Tiefkühlpizza stecken beispielsweise ca. 4,5 Würfel Zucker, in einem 100g Fruchtjoghurt 4,4 Würfel Zucker. Das ist ganz schön viel, finde ich! Deshalb dachte ich mir, ich starte ein Experiment, bei welchem ich eine Woche komplett auf industriellen Zucker verzichte (nicht jedoch auf frisches Obst).

Eine Woche ohne industriellen Zucker. Ich dachte zuerst, dass das ja nicht so schwer sein könnte, da ich mich eigentlich schon relativ gesund ernähre – würde ich zumindest behaupten. Zugegebenermaßen habe ich dieses Experiment schon einmal starten wollen. Als ich mich dann aber damit auseinandergesetzt habe, wo überall Zucker versteckt ist und damit, dass ich deshalb einige meiner normalen Rezepte nicht kochen könnte, war ich entmutigt und habe das Experiment erst einmal verschoben. Aber jetzt gibt es keine Ausreden mehr, diese Woche wird es in Angriff genommen!

Tag 0 – Vorbereitungen
Bevor es überhaupt los ging, habe ich mich in meiner Küche auf Spurensuche nach verstecktem Zucker gemacht. Leider musste ich nicht lange suchen, bis ich etwas gefunden hatte. Nein, ich rede nicht von Schokolade oder anderen Süßigkeiten, welche ich nur ab und zu esse. Ich meine Konservendosen. Das wissen vielleicht schon einige von euch, dass in Dosen Industriezucker zu finden ist. Mir war es auch bewusst, aber hin und wieder habe ich zum Kochen trotzdem Mais, Kichererbsen, Erbsen oder Bohnen aus der Dose verwendet. Das wird für diese Woche verbannt aus meiner Küche, denn ich denke mir: Aus den Augen, aus dem Sinn! Vielleicht komme ich weniger in Versuchung, solche Lebensmittel zu mir zu nehmen, wenn ich sie gar nicht griffbereit habe. Wenn ich also jetzt etwas mit den besagten Lebensmitteln kochen möchte, muss ich die Hülsenfrüchte eben einige Stunden davor in Wasser einlegen, damit sie leichter bekömmlich sind. Das geht, aber es dauert eine gewisse Zeit und man muss schon eine Weile vor dem Kochen daran denken, sonst kann man sie nicht verwenden.
Sojasauce und Tomatenmark muss ich auch aus der Küche verbannen, genauso wie natürlich Tomaten in der Dose.
Bei manchen Lebensmitteln bin ich mir nicht sicher, ob natürlicher oder zugesetzter Zucker enthalten ist. Bei meiner Gemüsebrühe steht beispielsweise dabei „enthält von Natur aus Zucker“ – das finde ich bei den Tomatendosen nicht, also lasse ich sie diese Woche lieber weg. Auch bei meinem Erdnussmus ist Zucker enthalten, es steht aber bei der Zutatenliste nichts von industriellem Zucker, genauso wenig findet sich jedoch ein Hinweis, dass von Natur aus Zucker enthalten ist. Ich lasse das also auch sicherheitshalber weg.
Bei der Sojasoße hingegen steht bei der Zutatenliste der zugesetzte Zucker explizit mit drauf, die wird diese Woche also auf jeden Fall nicht verwendet.
Bei den Konservendosen mit Mais etc. steht zwar „natursüß, ohne Zuckerzusatz“, in den Sternchen darunter findet sich aber zu lesen: „bezogen auf das abgetropfte Produkt“. Da vertraue ich aber lieber nicht drauf, dass beim Abspülen mit Wasser auch wirklich jeglicher Zucker weggeht.

Nächster Punkt: Morgens esse ich meistens Porridge. In Mandel-, Hafer-, Soja oder den anderen Milchalternativen findet sich aber leider meistens Zucker auf der Inhaltsliste. Da ich keine Lust hatte, sämtliche Milchalternativen zu studieren, ob in diesen natürlicher Zucker enthalten war oder dieser zugesetzt wurde, entschied ich mich einfach, zuckerfreie Pflanzenmlich zu verwenden. Teilweise esse ich mein Porridge mit Banane und etwas Kakao. Leider steht auf der Verpackung des Kakaos auch Zucker drauf. Ich finde jedoch keine Hinweise, ob dieser zugesetzt ist oder von Natur aus enthalten ist, also lasse ich ihn auch lieber weg.

Nachdem ich meine Küche „entrümpelt“ hatte, machte ich mich auf die Suche nach geeigneten Rezepten für diese Woche. Beim Frühstück musste ich zum Glück nicht so viel anpassen, ich hatte in letzter Zeit eh schon darauf geachtet, zuckerfreie Pflanzenmilch zu kaufen und auf den Kakao konnte ich diese Woche auch verzichten. Manche meiner sonst üblichen Rezepte waren eher schwer umsetzbar. Nudeln mit Linsen, Karotten und gestückelten Tomaten aus der Dose koche ich eigentlich gerne. Das ging diese Woche nicht, es sei denn, ich würde die Dose mit Tomaten durch natürliche Tomaten ersetzen…vielleicht sollte ich das ausprobieren. Oder natürlich jegliche Gerichte mit Sojasauce oder Erdnussmus.

Tag 1 – Aller Anfang ist schwer
Das Frühstück aus zuckerfreier Mandelmilch, Blaubeeren, Zimt und Kardamom stellte keine Probleme dar, das esse ich so normal auch öfter. Auch das Mittagessen, bestehend aus Nudeln, Tomaten, Spinat, Rucola, Lauchzwiebeln und Sprossen schmeckte mir und ich hatte nicht das Gefühl, dass ich auf etwas verzichten würde.
So weit, so gut. Nachmittags hatte ich dann ein Blockseminar und unser Dozent hat Snacks und Süßigkeiten für uns mitgebracht. Das war eine wirklich nette Geste, aber ich konnte davon ja nichts essen, obwohl mich alles vier Stunden lang angelacht hat. Ich blieb jedoch standhaft, auch wenn es nicht immer leicht war; vor allem, wenn andere zugriffen und ich ihnen beim Essen der Süßigkeiten zusehen musste. Das nächste kleine Problem offenbarte sich, als mich zwei Freundinnen fragten, ob ich am Montag mit ihnen essen gehen würde. Da ich jedoch nicht wusste, welche Zutaten in dem Restaurant verwendet werden, musste ich leider absagen und habe die beiden stattdessen zu mir nach Hause eingeladen, um zusammen ein Gericht zu kochen.
Mein Abendessen hat mir auch geschmeckt und ich hatte nicht das Gefühl, als würde etwas fehlen. Es gab Hirse mit Mango, Gurke, Minze und gerösteten Mandeln.

Tag 2 – Der Versuchung erfolgreich widerstanden
Mein Frühstück bestand an diesem Morgen aus Porridge mit Banane, Zimt und Kardamom, aber ohne Kakao. Heute war der zweite Teil des Blockseminars und wieder hatte der Dozent Süßigkeiten und Snacks für uns dabei…heute starrten sie mich noch länger an als gestern, aber ich konnte dennoch der Versuchung widerstehen. Ich versuchte einfach, über sie hinweg zu sehen, sie nicht zu beachten, jedoch war das nicht immer so einfach, wenn die Komiliton*innen sich etwas davon schnappten. Okay ich gestehe: Dadurch, dass ich wusste, ich darf es nicht essen, quälte mich der Anblick der Süßigkeiten mehr, als wenn ich dieses Experiment nicht durchgeführt hätte

Zu essen gab es heute die Reste von gestern. Bei meinen eigenen Kreationen habe ich bisher nicht das Gefühl, als würde ich etwas vermissen, aber es war ja auch erst der zweite Tag und ich war noch voll motiviert. Zudem war für den nächsten Tag kein Blockseminar angesetzt, ich konnte Süßigkeiten also gut aus dem Weg gehen.

Für morgen hatte ich auch schon Rezepte rausgesucht: Spinat und Pilz mit Polenta und abends sollte es einen Linsen-Eintopf geben.


Tag 3 – Aus den Augen, aus dem Sinn
Mein morgendliches Porridge gab es heute mit frischen Erdbeeren und Mango. Hat mir wieder sehr gut geschmeckt!
Da heute vor meinen Augen keine Süßigkeiten für mehrere Stunden platziert waren und ich die Rezepte schon herausgesucht hatte, hatte ich heute keine Probleme mit dem Zuckerverzicht. Der Spruch „Aus den Augen, aus dem Sinn“, passte somit bei mir.

Tag 4 – Kochen mit Freundinnen
Das Frühstück bestand an diesem Morgen zur Abwechslung nicht aus Haferflocken, sondern aus Milchreis mit Mandelmilch, Zimt und Blaubeeren. Mittags gab es dann Linsensuppe mit Salat.
Die zwei Freundinnen, die mit mir Essen gehen wollten, kamen stattdessen zum Abendessen zu mir und wir haben gemeinsam ein Spargel-Pilz-Risotto gekocht. Natürlich alles ganz ohne industriellen Zucker, dafür aber sehr lecker!
Zucker oder irgendeine Süßigkeit habe ich heute nicht vermisst. Ich hatte aber auch keine Süßigkeiten vor meiner Nase stehen. Mal sehen, wie es die nächsten Tage wird!

Tag 5 – Einkaufen und Rezeptsuche
Vom Milchreis habe ich extra mehr gekocht, weshalb es diesen auch heute morgen wieder mit Zimt, Kardamom, Blaubeeren und Erdbeeren gab. Heute musste ich mal wieder einkaufen gehen und mir neue Rezepte suchen. Die Rezeptsuche wurde langsam immer schwieriger, da in vielen meiner veganen/vegetarischen Rezepten Sojasoße, Erdnussbutter, Kokosmilch oder Tomatendosen verwendet werden und das einfach wegzulassen oder zu ersetzen, ist gar nicht so einfach. Ich hatte mich dafür entschieden, am nächsten Tag die vegane Linsen-Bolognese ohne die gestückelten Tomaten in der Dose zu probieren und stattdessen echte Tomaten weich zu kochen.
Neben meinem Porridge mit Beeren gab es heute die Reste vom Spargel-Pilz-Risotto und vom Linseneintopf.

Tag 6 – Linsen-Bolognese geht auch ohne Tomaten aus der Konservendose!
Mein Frühstück bestand heute aus Porridge mit einer Banane, Kardamom und Zimt, es war wieder sehr gut!
Ich muss sagen, dass ich mittlerweile den Zucker gar nicht mehr vermisse und ich habe auch kein Verlangen danach. Außerdem habe ich mich daran gewöhnt, bei Rezepten genau hinzuschauen, ob in einer Zutat versteckter Zucker enthalten sein könnte. Ich habe auch gemerkt, dass ich Dosen gar nicht brauche, denn mein Versuch, die vegane Linsen-Bolognese mit weichgekochten Tomaten zu kochen, war ein voller Erfolg! Sie schmeckte mir so sogar fast noch besser als mit den Tomaten aus der Dose, auch wenn es etwas mehr Arbeit war. Abends gab es eine Süßkartoffel-Suppe mit zuckerfreier Hafermilch.

Tag 7 – Experiment erfolgreich geschafft
Juhu, der letzte Tag des Experiments war gekommen! Es gab natürlich wieder Porridge, aber heute mit einer Birne. Mittags gab es die Reste der veganen Linsen-Bolognese und abends die Reste der Suppe.

Die Zeit ging dann doch schneller vorbei, als ich anfangs dachte. Als ich zu Beginn nach Rezepten gesucht und meine Küche auseinander genommen habe, kam mir das Experiment sehr kompliziert vor. Mit einer guten Vorbereitung und Durchhaltevermögen ging die Zeit dann doch relativ schnell vorbei. Aber ich freue mich jetzt auch darauf, wieder essen gehen zu können oder mal ein Eis etc. zu essen.

Fazit
Was mich wirklich schockiert hat, war, in wie vielen Lebensmitteln Zucker zu finden ist und dass es durchaus schwierig ist, ihn immer zu umgehen und, dass man sich auch einschränken muss. Essengehen ist beispielsweise schwierig, da man keine Kontrolle darüber hat, ob sich irgendwo im Essen Zucker versteckt hat.
Ich esse zwar nicht jeden Tag Süßes und koche auch nicht jeden Tag etwas mit Konservendosen o.ä., aber wenn man sich für eine Woche den Verzicht auferlegt, werden solche Dinge gefühlt doch schmackhafter. Es stimmt also schon, dass man durch Verbote noch mehr Verlangen nach den genau diesen Dingen hat, das habe ich bei dem Blockseminar-Wochenende selbst erlebt.

Ich habe jedoch in dieser Woche gelernt, dass man sehr wohl ohne Konservendosen auskommt und ich habe noch einmal mehr auf meine Ernährung geachtet. Komplett ohne Industriezucker auszukommen, geht also schon, aber es ist etwas mühselig, da man bis auf Gemüse und Obst jedes Produkt umdrehen und studieren muss. Außerdem darf man auch nicht essen gehen, weil man nie weiß , was sich in den Zutaten versteckt.
Wo es geht, werde ich in Zukunft darauf achten, die natürlichen Lebensmittel zu verwenden, auch wenn es vielleicht mehr Arbeit macht, aber für den Körper ist es auf jeden Fall besser! Man ist schließlich, was man isst. Ich werde aber trotzdem ab und zu mit Freund*innen essen gehen und auch ab und an Kichererbsen aus der Dose essen oder Tomatenmark verwenden.

Deshalb: den Zuckerkonsum einschränken: JA! Aber nie mehr Essen gehen oder Süßes essen? NEIN!

Beitragsbild: Kirstin Seitz

Mimimi-Mittwoch: Ins Kino gehen

Mimimi-Mittwoch: Ins Kino gehen

Wut, Hass, Zorn: All diese Gefühle verbindet man so manches Mal mit seinen Mitmenschen. Genau für solche Momente ist diese Kolumne da. Wann immer wir uns mal gepflegt über Leute auslassen wollen oder uns auch generell mal der Schuh drückt, lest ihr das hier.

Ins Kino gehen – wenn 200 Leute dabei zusehen, wie Kate Winslet einfach keinen Platz auf ihrer Tür machen möchte und die Romantik trotzdem nicht versinkt. Das Kino ist wohl der Ort, an dem die meisten menschlichen Zustände parallel nebeneinander auftreten können. Manche schauen den Film und lieben es, manche schauen den Film und hassen es, manche schauen den Film und empfinden gar nichts, manche schauen den Film nicht und schlafen, manche schauen Schindlers Liste nicht und machen drei Stunden lang dabei rum und manche wollen den Film eigentlich schauen und sind dann so abgelenkt von der wilden Haarfarbe der Person drei Reihen weiter vorne leicht links (ist das rot, ist das grün, was soll das sein?). Das Kino ist also ein Ort, an dem man sich gerne etwas stoßen kann. Daher ist es an der Zeit aufzuzeigen, wo die Probleme des Kinos liegen und welche cleveren Ideen es geben kann, damit die Unterhaltung auf 21 mal 12 Metern trotzdem für die Zukunft gesichert ist.

Aber fangen wir ganz vorne an. Denn bereits an der Kinokasse treten die ersten elementaren Probleme auf. Man muss es einfach mal so drastisch formulieren: Wer hat damit angefangen, die Snacktheke zum extremsten Ausläufer des Kapitalismus zu machen? Denn für ein kleines Popcorn soll es wohl zum guten Umgang gehören, sein Erstgeborenes an den*die 15-jährige*n Aushelfende*n zu opfern. Der Materialwert eines Produktes, welches aus Zucker (dazu kommen wir gleich noch) und Maiskörnern besteht, kann sich wohl nicht darauf belaufen, dass Snackfreund*innen dafür Teile des Bernsteinzimmers eintauschen müssen. So wird sich das Kino in seinem Überlegenheitskomplex bestimmt in sein vergoldetes Fäustchen lachen.
Über die Kinopreise selbst muss wohl nicht mehr viel gesagt werden, wenn man sich für einen Film mit Überlänge auch einen Monat eines beliebigen Streaminganbieters leisten kann, bei dem mitunter die Filme schon während der Kinolaufzeit verfügbar sind. Es lässt sich jedoch darüber streiten, ob Zuhause schauen und ins Kino gehen das gleiche Erlebnis bietet.

Als nächstes folgt unvermeidbar auch die Frage, warum die Kinospaßunterdrückenden ihren lieben Bürger*innen die Ideologie aufzwingen müssen, dass Popcorn süß zu sein hat. Wozu haben Menschen Jahrhunderte lang Kriege um Salz geführt, um dann nicht dessen volles Potenzial auszuschöpfen? Daher würde ich es mir von ganzem Herzen wünschen, rein salziges oder gemischtes Popcorn nicht nur in wenigen Ausläufern der großen Ketten zu sehen, sondern in jedem Kino des Landes. Zudem ist es langsam mal an der Zeit, neue Snackideen einzuführen, um die verstaubte Tüte M&M’s aus dem Regal zu vertreiben. Mein Vorschlag dazu wäre, die Modern Bowl noch einmal umzudenken und eine umso postmodernere Snackbowl daraus zu machen. Die gemischte Tüte in Zeiten von Metaspace.

Angekommen im viel zu weichen Sitz beginnt das Leinwanderlebnis mit einer angenehmen halben Stunde Werbung. Das wäre auch absolut in Ordnung, würde sich das Kino über die Werbung ausreichend finanzieren, sodass Ticket- und Snackpreise verträglich wären. Ist aber — wie besprochen — wohl nicht so. Daher ich gehe nicht ins Kino um einen Film zu sehen, der kommt natürlich auch, aber später, viel später. Nein, ich gehe ins Kino um Werbung zu schauen. Und so sehe ich: „Ooh der neue Lambogotti Fasterossa, ooh der neue Keili, das ist ja toll, uuuund Eispause.“

Auf den Film selbst hat das Kino natürlich keinen Einfluss. Dennoch schaffen sie es, mit der Erfindung der sogenannten Sneak Previews oder Sneak Peaks, bei denen man nie weiß, welchen Film es zu sehen gibt, künstlich Spannung zu erzeugen. An diesem Konzept kann trotzdem noch weitergearbeitet werden. So wäre es beispielsweise möglich, den Anfang von einem Film und dann das Ende von einem anderen Film zu zeigen. Dann könnten Zuschauer*innen erst den Anfang von Sinn und Sinnlichkeit sehen und dann das Ende von Saw. So hat wirklich niemand Spaß.

Zudem hat das Kino leider auch die Eigenschaft, dass dort von Zeit zu Zeit andere Menschen anzutreffen sind. Über Menschen braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Aber wer ins Kino geht, um ein Gespräch zu führen, der ist fehl am Platz. Man geht doch auch nicht ins Schwimmbad, um Tennis zu spielen, oder auf ein KIZ Konzert, um gute Musik zu hören.

Zum Schluss muss noch einmal eine Frage gestellt werden: 3D ist doch wirklich nicht so das Ding, oder? Dabei meine ich, es hat gut angefangen und man konnte fliegende Gummibärchen im All fangen. Doch im Film war es schon immer eine Enttäuschung, die niemand wirklich vermissen würde. Dabei ist das Potenzial von mehr Dimensionen durchaus da. Aber wo sind die versprochenen Dimensionen 4 bis 17? Wo sind sie? Obwohl es doch so viele Ideen für ein immersiveres Erlebnis geben würde: Geruch, Wasser tropft von der Decke, bunte Lichteffekte oder deine Versagensangst schreit dich an, weil du alles falsch machst.

Somit bleibt uns nichts anderes übrig, als begeistert festzustellen, dass ein Film ins Kino kommt, den man unbedingt sehen muss, es dann zu vergessen und drei Wochen später festzustellen, dass es den Film schon bei Disney+ gibt.

Beitragsbild von Geoffrey Moffett auf unsplash.com
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