Vorpommern ist nicht unbedingt für seine Großstädte bekannt. Mit Stettin befindet sich jedoch eine sehr sehenswerte und geschichtsträchtige Großstadt im polnischen Teil der Region. Spannende Einblicke in die Kirchen- und Profangeschichte sowie die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt, die ich bei einer Exkursion im letzten Semester näher kennenlernen konnte, liefert dieser Artikel.
Gründung im Mittelalter
Bereits in slawischer Zeit war eine Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Stettins vorhanden. Zur Zeit der Pommernmission, über die ein anderer webmoritz.-Artikel informiert, stand der Ort wie weite Teile Pommerns immer wieder unter polnischer Lehnsherrschaft und wurde teilweise von Dänemark beherrscht. Die Entstehung der heutigen Stadt Stettin geht aber auf deutsche Siedelnde zurück, die sich neben dem slawischen Ort ansiedelten. Ab dem 12. Jahrhundert entstand so eine typische römisch-deutsch-mittelalterliche Stadt mit drei Kirchen und einem Rathaus als markanten Punkten. Hinzu kommen einige auffällige Wohnhäuser, darunter eines einer reichen mittelalterlichen Bankierfamilie. Durch den Dreißigjährigen Krieg ist leider ein großer Teil der mittelalterlichen Gebäude bereits im 17. Jahrhundert zerstört worden. Durch weitere Kriege in der frühen Neuzeit und den 2. Weltkrieg erfolgten weitere Zerstörungen. Noch vorhanden sind aber unter anderem das Rathaus und mit der Jakobikirche eine der drei Kirchen. Diese erfuhr im Innenraum mehrfach Veränderungen, da Stettin wie ganz Pommern nach der Reformation protestantisch wurde, nach dem 2. Weltkrieg aber polnisch und somit katholisch geprägt wurde, sodass die Jakobikirche gewissermaßen zwei Mal die Konfession gewechselt hat. Zudem wurde ein großer Teil der Kirche im 2. Weltkrieg durch eine Bombe zerstört. Die heutige Innengestaltung besteht daher aus zusammengewürfelten Teilen aus verschiedensten mittelalterlichen pommerschen Kirchen.
mittelalterliches Rathausmittelalterliche JakobikircheInnenraum Jakobikirche mit mittelalterlichem Flügelaltar und Kruzifix, ursprünglich aus anderen KirchenWohnhaus der reichen mittelalterlichen Bankierfamilie
Stettiner Schloss
Nahe der mittelalterlichen Altstadt befindet sich das Stettiner Schloss, das bis zum Aussterben des pommerschen Herzogsgeschlecht der Greifen im 17. Jahrhundert während des Dreißigjährigen Krieges den Herzögen von Pommern-Stettin als Herrschaftssitz diente. Im 16. Jahrhundert wurde es von ihnen zu einem Renaissance-Schloss umgebaut. In der preußischen Zeit wurde es zu einem funktionalen Verwaltungsgebäude umgebaut, das im 2. Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Im sozialistischen Polen dann, wurde es in seiner Renaissance-Form wiederaufgebaut, da man das damals herrschende Greifengeschlecht als slawisch ansah und somit keine wirklich reale polnische Vergangenheit. Heute kann man darüber froh sein, da es sonst wohl eine Ruine geblieben wäre. So kann man heute das sehr schöne Renaissance-Bauwerk von außen und von seinem Innenhof aus betrachten. Im Inneren befindet sich die Stettiner Oper.
Stettiner SchlossBlick aus dem Innenhof des Stettiner Schlosses
Klein-Berlin
Neben den Resten der mittelalterlichen Altstadt ist vor allem das wilhelminische Stettin sehr schön. Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt nach dem Vorbild Berlins in weitläufigen Boulevards systematisch vergrößert. Die Architektur war hierbei sehr typisch preußisch und erinnert an Berliner Altbauten aus der gleichen Zeit, weshalb die Stadt damals auch „Klein-Berlin“ genannt wurde. Die Siedlungen dieser Zeit wurden als Planstadt entworfen. In der Zeit der Volksrepublik Polen sind viele dieser Gebäude wie in der DDR durch mangelnde Sanierungen marode geworden, wurden aber nach dem Ende des Sozialismus sehr schön restauriert. Der Zweite Weltkrieg hat in diesem Teil der Stadt glücklicherweise kaum Schäden hinterlassen.
Aus dieser Zeit stammen auch zwei sehr konträre einander gegenüber liegende Kirchen, die beide bis zum Polnischwerden Stettins evangelisch waren; seitdem sind sie wie fast alle Kirchen Stettins katholisch. Eine davon ist die neobacksteingotisch gebaute St. Adalbert Garnisonkirche, bis 1945 die Bugenhagenkirche, benannt nach dem pommerschen Reformator Johannes Bugenhagen. Vor 1945 war sie eine evangelische Gemeindekirche. Bei meiner Exkursion war sie leider nicht geöffnet, konnte also nur von außen betrachtet werden.
St. Adalbert Garnisonkirche, bis 1945 Bugenhagenkirche
Ihr gegenüber steht die Herz-Jesu-Kirche, die bis 1945 preußische beziehungsweise deutsche Garnisonkirche war. Sie war eine der ersten deutschen Kirchen, die aus Stahlbeton gebaut wurden. Vorbild war die Petruskirche, eine evangelische Garnisonkirche in Kiel.
Herz-Jesu-Kirche, bis 1945 Garnisonkirche
Ihr Kirchenschiff besteht aus einem einzigen Stahlbetonguss, was man besonders gut von innen sehen kann. Ansonsten ist die ursprüngliche Inneneinrichtung leider nur bedingt erfahrbar, weil die Kirche mit der Einführung des Katholizismus im Inneren eine Umgestaltung erfahren hat.
Seitenschiff der Herz-Jesu-Kirche (bis 1945 Garnisonkirche), InnenansichtSeitenschiff der Herz-Jesu-Kirche (bis 1945 Garnisonkirche), Außenansicht
Katholizismus im preußischen Stettin
Neben den vielen ehemals protestantischen Kirchen, kann man in Stettin auch eine katholische Kirche aus preußischer Zeit betrachten. Das ist durchaus etwas besonderes. Die Anzahl der katholischen Kirchen in Preußen außerhalb des katholischen Oberschlesiens war nämlich lange Zeit einstellig. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm sie langsam zu, nicht gerade zum Gefallen der protestantischen Herrscherdynastie der Hohenzollern. Wie die einst evangelische Bugenhagenkirche, wurde auch die katholische St. Johannes-der-Täufer-Kirche im Stil der Neobacksteingotik errichtet.
St. Johannes-der-Täufer-Kirche
Ihr Innenraum ist sehr bunt verziert. Das Deckengewölbe ist wie ein blauer Sternenhimmel dargestellt. Eine Besichtigung der Kirche ist sehr empfehlenswert.
Innenraum der St. Johannes-der-Täufer-KircheDeckengewölbe der St. Johannes-der-Täufer-Kirche
Lohnenswertes Ausflugsziel
Alles in allem ist Stettin ein sehr schöne Stadt, mit vielen verschiedenen Bauwerken aus unterschiedlichsten Epochen. Durch die vielen Kriege sind zwar leider viele schöne Gebäude der Stadtgeschichte heute nicht mehr vorhanden, zugleich sorgten sie aber auch dafür, dass in etlichen Epochen neue Gebäude gebaut werden mussten, sodass die Bebauung heute sehr vielseitig ist. Ich hoffe, dieser Artikel kann davon einen Eindruck vermitteln und dazu anregen, die schöne Stadt einmal selbst zu besichtigen. Mit dem Auto ist sie in etwa eineinhalb und mit dem Zug in etwa zwei Stunden von Greifswald aus zu erreichen. Die Fahrt lohnt sich.
Beitragsbilder: Allan Kant
Zur Person des Autors
Allan wuchs im urbanen Ruhrgebiet in Bochum in Nordrhein-Westfalen auf. Um an der Ostsee zu leben, zog er zum Studium nach Greifswald, was eine sehr gute Entscheidung war. Er studiert seit dem Wintersemester 2022/23 Geschichte und Politikwissenschaft auf Bachelor und engagiert sich in vielen Gruppen in der Stadt.
Im Mai 2023 habe ich mit einem Freund einen Tagesausflug zur Insel Hiddensee unternommen. Da er aufgrund einer Armverletzung nicht Fahrrad fahren konnte, waren wir nur zu Fuß unterwegs und konnten so nur den südlichen Teil der Insel sehen, den dafür genauer.
Landschaft
Unser Hauptziel war es die wunderschöne Landschaft der Insel zu erkunden. Mein Freund war bereits zuvor einige Male auf Hiddensee, kannte also einige der schönen Stellen bereits. Wir sind mit der Fähre in Neuendorf, dem südlichsten Hafen der Insel, angekommen. Hiddensee ist in Ost-West-Richtung nur wenige hundert Meter lang, in Nord-Süd-Richtung dagegen mehrere Kilometer. Alle Häfen liegen an der Ostküste. Von Neuendorf aus gingen wir zunächst durch das Dorf und zwischen kleineren Wiesen und Weiden hindurch zur Westküste mit Sandstrand. Dieser erstreckt sich über mehrere Kilometer und, wenn man nach Norden guckt, kann man die dortigen endmoränen Hügel und den Leuchtturm sehen. Der Strand selbst ist sehr schön und der Weg dorthin verläuft unmittelbar vor der Küste über einen leichten Hügelkamm, der mit Hagebutten und anderen Büschen bedeckt ist.
Von der Westküste auf Nord-Süd-Höhe Neuendorfs aus gingen wir durch das Inland weiter nach Norden. Die Landschaft ist geprägt von leichten Erhebungen, Weiden, Wiesen und Büschen. Auch durch ein kurzes Waldstück sind wir gegangen. Zwischendurch sind wir immer wieder zum Strand an der Westküste gegangen. Der Ausblick blieb dabei durchgängig sehr ähnlich. Ein landschaftlicher Höhepunkt war eine leicht hügelige Heidelandschaft. Dort wachsen kleinere Heidepflanzen und dazwischen immer wieder Büsche und kleinere Bäume. Das Panorama ist sehr schön.
Ziemlich direkt an diese Heidelanschaft schloss sich bereits das nächste landschaftliche Highlight an. Nördlich der Heide- befindet sich eine Dünenlandschaft, die in ihrem Süden in die Heidelandschaft übergeht, sodass ein fließender Übergang besteht.
Zwischen den Dünen wachsen Gras und weitere Heidepflanzen. Durchzogen wird diese Landschaft immer wieder von kleinen Nadelwaldflächen. Es ist ein sehr schöner Anblick.
Nach diesem landschaftlichen Höhepunkt kamen wir in das Dorf Vitte, dem größten Ort auf Hiddensee und nördlichsten Punkt unserer Wanderung. Nach dem Kauf eines Fischbrötchens, fuhren wir von dort mit dem Bus zurück nach Neuendorf und sahen uns dort erneut den Strand an.
Anschließend gingen wir von dort aus nun nach Süden an der Ostküste entlang. Dabei kamen wir in eine Wasserlandschaft, in der sich östlich von uns die Meeresküste und westlich von uns größere Seen befanden. Auch das war ein schöner Ausblick.
Nach diesem letzten landschaftlichen Highlight konnten wir in Neuendorf noch ein Eis essen, bevor wir mit der Fähre zurück zum Festland fuhren. Wir haben sehr schöne Landschaften gesehen.
Verkehr
Ein weiterer Vorzug der Insel Hiddensee ist die Autofreiheit. Autos dürfen dort nur in Ausnahmefällen mit Sondergenehmigung, beispielsweise für Paketlieferdienste oder Linienbusse, fahren. Dafür gibt es größere Straßen für Radfahrer und viele kleine Fußwege. Zudem werden Kutschenfahrten angeboten, wozu wir allerdings keine Lust hatten. Diese Ursprünglichkeit im Verkehr macht die Insel zusätzlich sehenswert.
Dörfer
Die Dörfer bestehen größtenteils aus alten, kleinen Einfamilienhäusern, die teilweise noch Reetdächer hatten. Auch das sorgte für eine Atmosphäre der Ursprünglichkeit und einen schönen Ausflug. Es gibt zudem viele Cafés und Restaurants, in denen Tourist*innen speisen können, wozu wir jedoch ebenfalls keine Zeit eingeplant hatten. Uns ging es mehr um die Landschaft, aber wir konnten sehen, dass ein Ausflug mit längerer Essenspause für Personen, die das wünschen, auf Hiddensee auch möglich ist.
Klare Empfehlung
Abschließend kann ich aufgrund dieser Aspekte einen Besuch auf Hiddensee ausdrücklich empfehlen. Es war für mich ein schöner Tag auf einer sehr schönen Insel, die für Liebhaber*innen schöner Landschaften, aber auch für gemütliche Tagestourist*innen viel zu bieten hat.
Der Teil des historischen Pommerns, in dem auch Greifswald liegt, stand während des gesamten 18. Jahrhunderts unter schwedischer Herrschaft. In diese Zeit fällt außerdem eine wichtige Epoche der europäischen Geschichte – die Aufklärung. Die Kontroversen ihrer Anhänger*innen und Gegner*innen in Kombination mit der fremden Herrschaftsgewalt prägten auch die Universität Greifswald.
Ein wesentliches Ziel der Aufklärung bestand darin, eine auf Vernunft und Freiheit ausgelegte Staats- und Gesellschaftsordnung zu schaffen. Damit stellte sie eine Reaktion auf die Konfessionskriege zwischen Katholik*innen und Protestant*innen im 17. Jahrhundert und die seit dem Mittelalter bestehende Ständegesellschaft dar. Deren Einteilung in Geistliche, Adelige und Bürger*innen, wurde von Letztgenannten durch die Steigerung des allgemeinen Bildungsniveaus zunehmend kritisch hinterfragt.
Konflikte an der Universität Greifswald
Innerhalb der Universität ergaben sich bei der Besetzung von Professuren immer wieder Konflikte zwischen dem Senat und der schwedischen Regierung. Obwohl der Senat als einzige Instanz die Befugnis besaß, diese Stellen zu besetzen, versuchte die schwedische Regierung mehrfach Einfluss zu nehmen, um Dozierende mit aufklärerischen Ideen einstellen zu lassen. Senat und Dozierende sahen dadurch die Autonomie der Universität gefährdet, welcher per Gesetz eine eigene Gerichtsbarkeit zugesichert worden war, die also von der Regierung Pommerns – der vorherigen herzoglichen wie auch der neuen schwedischen – unabhängig war. Hinzu kamen vermutlich, zumindest teilweise, konservative Gesinnungen und eine grundsätzliche Ablehnung einer fremden, also nicht pommerschen, Regierung in Pommern.
Ein Beispiel für diesen Autonomiestreit ist die Berufung des pro-aufklärerischen Konrad Friedlieb an die Universität Greifswald. Die schwedische Regierung versuchte mehrmals Einfluss auf die Universitätsleitung zu nehmen, ihn als Dozierenden einzustellen, und war damit schließlich trotz Widerständen innerhalb des Kollegiums erfolgreich. Am Ende des 17. Jahrhunderts ernannte die Regierung zudem mehrere Naturrechtler, also Aufklärer, die sich mit allgemeinen Rechten – im heutigen Sinne „Menschenrechten“ – befassten. Hiergegen hatte vor allem der Theologe Johann Friedrich Mayer vorzugehen versucht.
Moderne Wissenschaft
Im Jahr 1763 wurde der Botanische Garten mit dem Ziel naturwissenschaftlicher Forschungsbeobachtungen errichtet. Das stellte einen klaren Bruch mit den bisher üblichen Forschungsmethoden dar, die ausschließlich in theoretischer Untersuchung der Natur und primär auf der Grundlage antiker Bücher bestanden. Nun sollten durch den Botanischen Garten eigene Untersuchungen am lebenden Objekt die Forschungsmethode bilden. Das entspricht der Grundlage heutiger empirischer Forschung.
Zwölf Jahre später wurden durch König Gustav III. von Schweden weitere Änderungen des Lehrbetriebs in diese Richtung beschlossen. Dazu wurde im Fangelturm – am heutigen Hansering, direkt am Ryck gelegen – ein Observatorium für astronomische Beobachtungen eröffnet. Zusätzlich wurden ein Medizinkolleg für praktische medizinische Lehre (anstelle des Lesens antiker medizinischer Texte), sowie die Stelle eines Zeichenmeisters eingerichtet. So wurde weitere empirische Forschung ermöglicht.
Ergebnisse
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass an der Universität Greifswald im Zuge der Aufklärung während der schwedischen Herrschaft über Vorpommern einige heftige Kontroversen bestanden. Dennoch konnten sich einige aufklärerische Entwicklungen durchsetzen. Diese wirken sich teilweise bis heute auf Grundlagen der Lehre an der Universität Greifswald, beziehungsweise an modernen deutschen Universitäten grundsätzlich aus. Empirische praxisorientierte Forschung ist heute im Lehrbetrieb naturwissenschaftlicher und medizinischer Fächer grundlegend, obwohl auch weiterhin zusätzlich theoretisches Wissen vermittelt wird. Aber ein naturwissenschaftliches oder medizinisches Studium ohne Praxisanwendung ist heute unvorstellbar. Wenn ihr euch weiterhin für das Thema interessiert und gerne mehr darüber erfahren möchten, kann ich euch folgende Quellen ans Herz legen, die ich verwendet habe:
diese Bücher: Schubel, Friedrich: Universität Greifswald (Mitteldeutsche Hochschulen Bd. 4), Frankfurt am Main 1960, S. 34-41 Wilhelmus, Wolfgang et al.: Universität Greifswald 525 Jahre, Berlin (DDR) 1982, S. 18-22
Stettin möchte Kulturhauptstadt Europas 2016 werden. Dieser Titel könnte Aufschwung für die gesamte Region Pommern bedeuten und daher unterstützt auch Greifswald die Kandidatur Stettins. Doch wie sieht es dort eigentlich aus? Weit entfernt ist die polnische Stadt nicht und so packten mein guter Freund Markus und ich unsere Sachen und fuhren spontan für einen Tag nach Stettin. Was uns da erwartete?
Stettin: Ein Schloss, viele Kirchen und zwischendurch Plattenbauten
Zwei Freunde, zwei Bier, ein Regenschirm. Was braucht man mehr?
Gut zwei Stunden fuhren wir von Greifswald, mit Aufenthalt in Pasewalk. Wir verspürten Abenteuerlust. Der Gedanke an Polen, Osteuropa – das weckte in uns Vorfreude und Neugier. Angekommen in Szczecin Glowny, dem Hauptbahnhof, ignorierten wir zunächst die Sehenswürdigkeiten der Altstadt und gingen über die Oder zum Hafen. Alte Schiffe sahen wir dort, einige rosteten friedlich vor sich hin. Auch viele alte Häuser, größtenteils baufällig, befanden sich direkt am Ufer. Markus deutete auf die Fassaden: Zahlreiche Hakenkreuze verschandelten die Hauswände. Irritiert zogen wir weiter und genossen später, an der Oder sitzend, ein polnisches Bier. Über Stettin hingen schwere, graue Regenwolken. Es sollte den ganzen Tag nieseln. Unbeirrt erkundeten wir die Stadt weiter. Unsere erste Station war die Jakobikirche. Vom Kirchturm aus – auf diesen gelangt man nicht über Treppen, sondern durch zwei Fahrstühle – kann man die Größe und Vielfalt Stettins erkennen. Die Oder schlängelt sich durch das Stadtbild, man sieht Kirchen, das Schloss der pommerschen Herzöge und etwas weiter entfernt Plattenbauten.
Das Schloss der pommerschen Herzöge. Auch Hochzeitstorte genannt.
Das Schloss sticht schon von weitem hervor. „Wie eine Hochzeitstorte“, bemerkte Markus. Und tatsächlich: Ein weißer, viereckiger und verschnörkelter Prachtbau – mit der Errichtung wurde 1346 unter Herzog Barnim III. begonnen und im 16. und 17. Jahrhundert weiter ausgebaut. Das Gebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs erheblich zerstört und erst in den 80er Jahren rekonstruiert. Nicht weit vom Schloss entfernt, befindet sich das Alte Rathaus und der Heumarkt, der uns an den Greifswalder Markt erinnerte. Auch in der Altstadt hinterließ der Zweite Weltkrieg Spuren, viele Neubauten findet man hier. Dazwischen gibt es wieder alte, baufällige Häuser und überall sahen wir Streetart.
Sleep- and homeless in Stettin
Später trafen wir uns mit Tiffany, einer jungen Chinesin, die in Stettin ein Praktikum absolviert. Wir wollten bei ihr couchsurfen und fuhren mit ihr in ein Plattenbaugebiet. Sie fand uns „awesome“, aber auch „crazy“, weil
Tiffany aus China. Im Hintergrund Schlecker aus Deutschland.
wir nur für einen Tag nach Stettin gekommen sind. Ein wenig enttäuscht war sie darüber auch. Zur Entschädigung wollten wir ihr was typisch Deutsches kochen, kauften ein, gingen in ihre Wohnung. Dort blieben wir allerdings nicht lange, Tiffanys Mitbewohnerin hatte ein starkes Problem, mit Fremden (Deutsche und dann noch unterschiedlichen Geschlechts, das war wohl zu viel) in ihrer Wohnung. Für uns hieß es also: Wieder raus in den Dauerregen, nicht wissend, wo wir die Nacht verbringen werden. Quer durch die Stadt ging es mit dem Bus. Und während Tiffany von einem anderen Fahrgast eindringlich gemustert und beschimpft wurde, organisierte sie uns einen Schlafplatz. Bei Zbyszek, einem jungen Polen aus Breslau. Bei ihm trafen wir auf zwei weitere Couchsurfer, Onat und Gönül aus der Türkei. Später bereiteten wir für alle Bratkartoffeln zu, es gab polnisches Bier und Zbyszek zeigte uns viele Fotos, die er in Japan machte. Ein gelungener und wunderbar internationaler Abend.
Zwei Kilo Kleidung für fünf Euro
Der nächste Morgen brach an. Markus und ich erkundeten weiterhin Stettin und zogen vorbei am Berliner Tor, am Grunewald-Platz und befanden uns auf einmal in einer Gegend, die nun ganz anders aussah, als das Bisherige. Nur Altbauten, mit Ornamenten an den (unrenovierten) Fassaden und verschnörkelten Balkonen. Dazu hübsche Cafés, weite Straßen und Second-Hand-Läden, wo wir sogar fündig wurden: Zwei Kilo Kleidung für umgerechnet fünf Euro. Auch generell zahlten wir für Essen und Getränke wenig, sehr angenehm für den Studentengeldbeutel. Später trafen wir uns noch einmal mit Zbyszek, um ihm seinen Wohnungsschlüssel wiederzugeben. Er lud uns ein, irgendwann mit ihm Breslau zu erkunden. Noch schnell eine Umarmung, dann ging es wieder zum Hauptbahnhof und von dort aus zurück nach Greifswald. Im Zug resümierten wir unseren Ausflug: Stettin ist eine vielseitige, aufregende, traditionelle und moderne Stadt – und auf jeden Fall eine Reise wert. Wir drücken die Daumen für die Kandidatur zur Kulturhauptstadt und freuen uns darauf, Breslau zu entdecken.
Am 09. Juni wird im Pommerschen Landesmuseum die neue Dauerausstellung „Von der Schwedenzeit zum Kaiserbad – Pommern von 1600 bis 1900“ eröffnet. Der webMoritz hat für euch vorab einen Blick in die Ausstellung geworfen.
Die Ausstellung erzählt auf 450 Quadratmetern mit rund 1200 Objekten 300 Jahre Geschichte. Dazu haben die Mitarbeiter des Museums in den letzten Jahren allerlei Exponate zusammengesucht. Besonders stolz ist man darauf, dass 22 nationale und sieben internationale Leihgeber für Ausstellungsstücke gefunden werden konnten. Mit dem fertiggestellten Teil kann nun fast die gesamte Landesgeschichte Pommerns nachvollzogen werden.
Geschichte erleben
Mehr als 1200 Exponate zeigt die neue Dauerausstellung
Das Ziel der Macher der Ausstellung ist es, dass der Besucher an der Geschichte teilnimmt, um sich so besser in sie hineinzuversetzen. Die Ausstellung beginnt mit dem deutschen Volkslied „Maikäfer flieg“. Mit dem Lied wird verdeutlicht in welcher Situation sich Pommern nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges befand. Der Besucher begegnet den schwedischen Königen und erfährt wie sie das Land geprägt haben. So wurde von den Schweden das Land vermessen, um die Steuern besser berechnen zu können. Dies kann der Besucher auch an einem praktischen Beispiel selbst nachvollziehen. Über einen Touchscreen Monitor können die historischen Karten betrachtet werden. Diese sind heute eine wichtige Grundlage für wirtschaftshistorische Forschungen.
Pommern aus allen Blickwinkeln
Im Laufe der Ausstellung werden verschiedene, für Pommern wichtige, Themenbereiche behandelt. Im Bereich der Kunst in Pommern kann man beispielsweise die Stralsunder Fayencen betrachten. Auch der Austausch über die Ostsee mit anderen Ländern wird in der Ausstellung gleich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Religion, Kriege, die Preußenzeit, Auswanderer und Landwirtschaft sind weitere große Themenkomplexe. Insgesamt wurde beim Ausstellungskonzept darauf geachtet eine für den Besucher abwechslungsreiche Mischung aus traditionellen Darstellungsformen und neuen Medien zu gestalten.
Mit dem IPod durchs Museum
Eine weitere Besonderheit der Ausstellung ist der Audioguide. Im Pommerschen Landesmuseum wurde nicht,wie bei anderen Ausstellungen üblich, ein spezielles Tourguide-Audiosysteme eingesetzt, sondern ein modifizierter „IPod touch“. 120 Geräte stehen zum Ausleihen bereit. Der Besucher hinterlegt dazu beim Ausleihen am Eingang seinen Personalausweis als Pfand.
Vor allem für ausländische Besucher bietet dieses System Vorteile. Die deutschen Texte der Ausstellung sind über den „Ipod“ auf Englisch, Polnisch und Schwedisch abrufbar. Auch für deutsche Besucher bietet der IPod einen Mehrwert, da auf dem Gerät Multimediainhalte angezeigt werden können. Neben dem Jüdischen Museum in Berlin ist das Pommersche Landesmuseum bisher das einzige Museum deutschlandweit, das dieses neue System nutzt.
Jetzt kommt das 20. Jahrhundert dran
Die feierliche Eröffnung der Ausstellung findet am 09. Juni um 17 Uhr im Pommerschen Landesmuseum statt. Neben Oberbürgermeister Dr. Arthur König werden auch Henry Tesch (Minister für Bildung und Kultur in MV) und Ruth Jacoby (Botschafterin von Schweden) anwesend sein. Nach den Eröffnungsreden wird es eine musikalische Einlage geben und die Möglichkeit die Ausstellung zu besuchen. Die Ausstellung ist ein Kulturtipp für alle, die sich für ihre (neue oder alte) Heimat interessieren. In den nächsten Jahren werden sich die Mitarbeiter des Museums damit beschäftigen die Geschichte des 20. Jahrhunderts in einem weiteren Teil der Dauerausstellung darzustellen.
Preise:
Studenten zahlen 2,50 € Eintritt. Der Audioguide ist kostenlos. Als Pfand wird der Personalausweis benötigt.
Hier könnt ihr das aktuelle Video von moritz.tv sehen.
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