PolenmARkT und Fußball passt wie fettige Wurst zu Salzgurken

PolenmARkT und Fußball passt wie fettige Wurst zu Salzgurken

Nun sind zwar schon ein paar Tage seit meiner Abreise aus Greifswald ins Land gezogen, aber der Blick richtet sich häufig noch auf die webmoritz-Seite, auch die pdf-Version des Magazins ziehe ich mir gerne. Obwohl ich jetzt hier in Polen Wurzeln geschlagen habe, interessiert mich das Geschehen an alter Wirkungsstätte – eine Heimat war Mecklenburg-Vorpommern für mich als Märker allerdings nie so richtig. Ick sage immer noch kleen anstatt lütt. Und so besteht auch nach wie vor das Interesse am PolenmARkT.

Im letzten Jahr wurde der Grundstein für die interkulturelle Fußballveranstaltung des Greifswalder Kulturfestes gelegt, diese Tradition gilt es nun auszubauen. Der SV 90 Görmin unterstützte 2018 tatkräftig dieses Vorhaben, richtete die Veranstaltung in seinem Peenetal-Stadion aus und wurde nun nach Szczecin zum Verein Czarni 44 Szczecin eingeladen.

Während das Leben in Vorpommern noch tief schlief, zog ich mir die Schuhe an und lief zur Haltestelle. Polen hat sich in den letzten zehn Jahren rasend schnell entwickelt. Es beginnt schon bei der Bushaltestelle. Früher war es manchmal ein Schuss ins Blaue, ob ein Bus kommt oder nicht. Teilweise gab es keine Information über den Abfahrtsort. Jetzt ist alles haargenau im Netz und an der Tafel zu lesen. Bei der Eisenbahn bzw. dem Bahnhof geht es weiter. Der ehemalige Ort Klebstoff schnüffelnder Jugendlicher ist heute ein steril wirkendes Gebäude mit Einkaufszentrum. Die Ticketpreise bei der polnischen Bahn sind sehr human. Das Wochenendticket ist in den letzten 15 Jahren nur um ca. 10 zl im Preis gestiegen (81 zl). Und wie sieht es in dieser Kategorie in Deutschland aus…? Vieles ist hier im Alltag wesentlich besser organisiert und gestaltet. Die Gastfreundlichkeit ist darüber hinaus enorm. Das galt es heute wieder unter Beweis zu stellen.

Während der Bus aus Görmin auf die A20 fuhr, war von meinem modernen Zug aus, in dem man auf Knopfdruck einen Haken für seine Kleider bekommt, Szczecin schon in Sichtweite. Ein paar Stündchen später gab es dann ein großes Wiedersehen mit Freund*innen aus Polen, aus der Slawistik, aus Görmin und aus der deutschen Fußballwelt – hier im kleinen Stadion an der ul. Hoża. Wir befinden uns hier im traditionsreichen Nordteil der Stadt (Stichwort: Aufstand 1970, Werft). Am Stadion nagt der Zahn der Zeit, was an vielen Ecken sichtbar ist. Dieser Umstand wurde trotzdem als äußerst charmant und positiv aufgenommen. Es ist einfacher und authentischer Fußball. Der savannenartige Rasen passte sich den heutigen Witterungsbedingungen an. Über ein Auftauchen von Löwen und Zebras hätte sich niemand mehr gewundert.

Ohne großes Trara ging es gleich ans Eingemachte. Bei Görmin wurde im Vergleich zum letzten Jahr stark aufgerüstet. Es war ein Mix aus erster und zweiter Mannschaft. Nach zähem aber fairem Kampf stand es nach 90 Minuten 0:0. Die eine oder andere Chance war nett anzusehen, doch ließen die Torhüter auf beiden Seiten nichts anbrennen. Und wenn der Torwart schon geschlagen war, dann half das Aluminium. Kurz vor Schluss knallte der Ball noch einmal so richtig bis nach Deutschland hörbar an den Pfosten von Czarni, bevor die Entscheidung im Elfmeterschießen getroffen werden musste. „Nein! Keine Verlängerung!“, kreischte der weibliche Anteil des 30-köpfigen Gästetrosses. Kurz und schmerzlos mit einigen schönen Paraden beider Torhüter wanderte der Siegerpokal in die Hände des SV 90 Görmin. Czarni Szczecin ging auch nicht leer aus und konnte sich über einen kleineren Pokal freuen. Das Ergebnis war schnell vergessen. Noch fix das Foto beider Mannschaften gemacht, ehe gemeinsam gespeist und geplaudert wurde. Die Kohle glühte längst während des Spiels, da waren die Würste später nur noch Formsache. Für Vegetarier*innen bzw. Abnehmwillige wurden klassisch polnisch sehr schmackhafte Schnellgurken gereicht. Während die Akteure noch schmausten, rief bereits die Heimfahrt nach mir.

Eine Punktlandung wäre übertrieben, viel später hätte ich dennoch nicht im Zug sein dürfen. Bei untergehender Sonne tuckerte das Eisenross der älteren Generation nun gen Osten. Wie früher. Muffige Polster, 8er-Kabinen und Schiebetür. Schuhe aus und sich in die Horizontale begeben. In der tiefen Nacht erreichte auch ich dann mein Domizil, während in Görmin schon lange alles fest schlief.

Fotos: Michael Fritsche

Das Pokal-Wochenende steht vor der Tür

Das Pokal-Wochenende steht vor der Tür

Länderspielpause im September heißt Landespokal-Wochenende in unserer Region. Die Losziehung ergab schon ziemlich harte Brocken für unsere Greifswalder Teams. Der Pokal-Hit dürfte auf dem St. Georgsfeld steigen. Blau-Weiß tritt dort mit breiter Brust gegen das schwächelnde Neustrelitzer Team an, das in der Regionalliga bisher auf nur drei Punkte aus fünf Spielen kommt. In der ersten Pokalrunde gab es einen Sieg in Groß Plasten. TSG-Trainer Hollerieth meint, dass sie in dieser Situation viele Spiele nötig sind. Die TSG ist noch nicht richtig eingespielt. Ungünstigerweise wartet da der FSV Blau-Weiß, der den Abstieg und die Abgänge gut verdaute und nun sogar an der Spitze der Landesklasse-Tabelle zu finden ist. Aus den Derbys gegen die Hengste und Sturmvogel Lubmin holten sie sechs Punkte und machten dabei acht Tore. Gegen den schweren Gegner aus Pasewalk gab es einen achtbaren Punktgewinn. Die TSG ist der klare Favorit, ein Wunder aber vielleicht möglich. Noch nicht einmal ein Duell „David gegen Goliath“ ist es. Alles ist drin.

Der GFC muss nach Siedenbollentin reisen. Weit ist die Fahrt nicht, aber schwer dürfte es gegen den Landesligisten dennoch werden, da die ganze Gemeinde hinter dem SVS steht. Da können sich Spiele auf Messersschneide sehr schnell in einem Hexenkessel wiederfinden. In der Liga gab es noch keinen „Dreier“, aber das Remis gegen den haushohen Favoriten gibt Mut für das noch ungleichere Duell mit dem Greifswalder FC.

Einfacher wird es auch die HSG Uni nicht haben. Das Uni-Team zog den FSV 1919 Malchin. Von dort bis nach Greifswald ist’s schon ein ordentlicher Ritt. Seitens der HSG heißt es: „Wir sind natürlich der Außenseiter, keine Frage, dennoch haben wir durchaus die Möglichkeit auf’s Weiterkommen. Wenn wir hinten stabil stehen und vor allem unsere bisherige Schwäche, die teils katastrophale Chancenauswertung, besser in den Griff bekommen, dann können wir die Malchiner durchaus vor Probleme bzw. ihnen ein Bein stellen.“ Die HSG blickt dabei auf das Vorbereitungsspiel gegen Grimmen, in dem man lange Zeit gut mithalten konnte. Der Fokus liegt aber auf der Liga. Am Samstag werden nicht alle an Bord sein können. Das Spiel gegen Malchin wird eher Testspielcharakter haben.

Und hier gibt es alle Landespokaltermine in der Übersicht:

Samstag

14:00 Blau-Weiß Greifswald – TSG Neustrelitz

14:00 SV Siedenbollentin – Greifswalder FC

14:00 HSG Uni Greifswald – FSV 1919 Malchin

15:00 Empor Richtenberg – SV 90 Görmin

Kreispokaltermine

Samstag

14:00 Riemser FV – SV Kröslin II

Sonntag

10:00 Blau-Weiß Greifswald II – SV Ducherow

14:00 Einheit Strasburg II – Fichte Greifswald

14:00 Greifswalder FC III – VSG Weitenhagen

14:00 SV Blankensee – Greifswalder SV Puls

Damen:

10:00 Greifswalder FC II – TSV 1814 Friedland