Gemeinsam gegen den Klimawandel: CO2-Neutralität bis 2030 an der Universität Greifswald

Gemeinsam gegen den Klimawandel: CO2-Neutralität bis 2030 an der Universität Greifswald

Seit einem Monat ist es nun offiziell: Am 15.09.2021 beschloss der Akademische Senat der Universität Greifswald die letzten drei Punkte der Klimaschutzstrategie, die für unsere Uni eine CO2-Neutralität bis 2030 vorsieht. Die ersten beiden Unterziele des Beschlusses, die fest­legen dass und bis wann die Neutralität umgesetzt werden soll, wurden bereits auf der Junisit­zung des Senats angenommen. Wir haben beim Nachhaltigkeitsbeauftragten nachgefragt, was genau sich seitdem geändert hat und was die Neurungen für uns Studierende bedeuten.

Während im Juni, trotz breiter Zustimmung für eine Klimaschutzstrategie, noch einige Bedenken in Bezug auf die Umsetzung geäußert werden, fällt die Debatte am 15. September doch überraschend kurz aus: Frau Dr. Juliane Huwe und Herr Dr. Tiemo Timmermann führen in wenigen Sätzen die seit der Junisitzung beschlossenen Neuerungen an, Hannes Damm stellt eine Nachfrage, es wird geantwortet, dann abgestimmt. Nach gerade einmal 9 Minuten ist alles vorbei. Kurz und schmerzlos. Die letzten Worte der Sitzungsleitung wirken nach den vielen Jahren aus umfassenden Planungen und Verhandlungen fast schon etwas unzeremoniell: „Dann möchte ich den erweiterten Senat fragen, ob jemand nicht dafür stimmt? Enthaltungen? Sehe ich keine. Vielen Dank. Damit ist das Ganze angenommen.“

Was bisher geschah…

Denn es war ein langer Weg bis zu diesem finalen Beschluss. Schon 2012 wurde im Leitbild unserer Universität der Wunsch geäußert, klimaneutral zu werden, sechs Jahre später wurde dieser Wunsch dann auch als konkretes Ziel in den „Leitlinien zur Umsetzung des Ziels CO2-neutrale Universität“ festgehalten. So versuchte die Uni bereits vor der aktuellen Klimaschutzstrategie unnötige Emissionen zu vermeiden, und immer wieder wurden in den universitären Gremien Anträge gestellt, die weitere CO2-Reduzierungen fördern sollten.

Mit dem Beschluss im Juni dieses Jahres gibt es nun auch endlich ein Datum, das die festgelegten Leitlinien in einen genauen zeitlichen Rahmen zwängt und damit hoffentlich auch den Druck erhöhen kann, das Vorhaben CO2-Neutralität ohne weitere Umschweife anzugehen. Während im ursprünglichen Antrag von der Nachhaltigkeitskom­mission noch 2035 als Frist gesetzt worden war, stellte Hannes Damm auf der Senatssitzung den Änderungsantrag, diese auf 2030 herabzusetzen. Mit Erfolg. Damals sprachen wir bereits mit Hannes über die Klimaschutzstrategie und über die Hintergründe seines Antrags. Die Nachhaltigkeitskommission wollte – in Rücksprache mit Rektorat und Pressestelle – zunächst mit einer Stellungnahme bis nach der Septembersitzung des Senats warten.

September’s Not So Far Away

September bricht an, der Senat tagt und wir sind gespannt. Nach wenigen Minuten ist das, worauf wir Monate gewartet haben, auch schon wieder vorbei. Beinahe wünscht man sich eine Gegenrede, immerhin wurde doch auch im Juni noch Kritik geäußert, dass die CO2-Neutralität bis 2030 nur schwer umzusetzen sei. Auch der Nachhaltigkeitsbeauftragte Dr. Tiemo Timmermann, mit dem wir nach der Septembersitzung sprechen, zeigt sich positiv überrascht. Beide Ziele, sowohl 2030 als auch 2035, seien durchaus ehrgeizig. Dass man sich dennoch mit einer breiten Zustimmung auf die Strategie geeinigt hat, setze ein deutliches Zeichen, wie wichtig es unserer Uni ist, einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. „Es zeigt, wie stark der Wunsch an der Universität verankert ist, jetzt mit dem Klimaschutz wirklich schnell voran zu gehen“, so Timmermann.

Aber wie schnell geht die Universität Greifswald wirklich voran? Immerhin sind andere Universitäten Deutschlands schon längst klimaneutral, darunter zum Beispiel die Leuphana Universität Lüneburg, die bis zur Umsetzung des Ziels nur 7 Jahre brauchte. Und wie groß ist der Wunsch, unsere Uni CO2-neutral zu gestalten, auch unter den nicht-studentischen Mitgliedern der Universität? Der Änderungsantrag auf 2030 wurde vom Promotionsstudenten Hannes Damm eingereicht, während sich gerade unter der Statusgruppe der Professor*innen und unter Mitarbeiter*innen der Verwaltung Zweifel zeigten. Timmermann räumt ein, dass unsere Ambitionen natürlich nicht mit denen einer Leuphana Universität oder der Hochschule Eberswalde mithalten können, doch anders als wir haben beide Hochschulen von Anfang an alle Aspekte des universitären Lebens im Sinne eines „Whole Institution Approaches“ auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausgerichtet. Im gesamtdeutschen Vergleich sehe das aber anders aus: Hier haben sich bisher noch nicht einmal 10% aller Universitäten Ziele für Klimaneutralität gesetzt, sodass Greifswald sich mit dem aktuellen Beschluss zu den Vorreiterinnen zählen kann. Auch für die Bedenken der nicht-studentischen Mitglieder hat Timmermann Verständnis. So sei es nicht verwunderlich, dass sich bei Menschen, die seit Jahren in Lehre, Leitung oder Verwaltung einer Hochschule tätig sind, offene Fragen auftun, wie an einer so komplexen Institution in nur 9 Jahren ein solch umfangreiches Ziel umgesetzt werden könne. Timmermann möchte die Skepsis der Beteiligten aber nicht nur negativ sehen: „Sie kann auch hilfreich sein und uns motivieren, gerade die besonders kniffligen Punkte systematisch anzugehen.“

Epilog in Mehrautor*innenschaft

Dass Greifswald nicht die erste Universität sein wird, die sich das Ziel der Klimaneutralität vornimmt, bietet aber auch durchaus Vorteile. So möchte man sich im Laufe des Oktobers in einem ersten Auftakttreffen mit dem HIS-Institut für Hochschulentwicklung e.V. zusammensetzen und, basierend auf den Erfahrungen anderer Hochschulen, über konkretere Maßnahmen beraten. Ein wichtiger Grundsatz dabei sei aber, so Timmermann, „dass ein nachhaltiger und effektiver Klimaschutz, insbesondere an Hochschulen, nicht einfach ‚top down‘ vorgegeben werden kann“. So müssen die besonderen Bedingungen jedes einzelnen Handlungsfeldes der Universität für eine effektive Treibhausgasreduzierung mit einbezogen werden. Bereits jetzt wurden auf Grundlage von Einwänden aus der Universitätsverwaltung kleinere Änderungen an der Klimaschutzstrategie vorgenommen. So wurde die Anzahl der geplanten Arbeitsgruppen von 6 auf 5 reduziert, um die Arbeitsbelastung nicht ausufern zu lassen. Damit entfällt die AG Ernährung und Veranstaltungsmanagement, ihre Aufgaben sollen aber, so wurde es auf der Senatssitzung im September versichert, von den anderen Gruppen aufgefangen werden. Zudem wurde in der Strategie der wichtige Zusatz ergänzt, dass es sich bei allen hier aufgeführten Maßnahmen lediglich um Vorschläge handelt. Erst in den nächsten Wochen und Monaten und nach weiteren Arbeitstreffen mit dem HIS und den ersten Sitzungen der Arbeitsgruppen kann in gemeinsamen Entscheidungen ein Kurs eingeschlagen werden. Denn, das betont Timmermann immer wieder, „alle Akteur*innen an der Hochschule mit ihren jeweiligen Sichtweisen, Erwartungen, Möglichkeiten, Bedenken, bahnbrechenden Ideen, etc. sollen gut und mit gegenseitigem Respekt an einem Strang ziehen“.

Inwieweit Studierende auf diesem Kurs mitnavigieren sollen, steht noch nicht genau fest, nur dass sie beteiligt sein werden, ist „selbstverständlich und notwendig im Sinne eines breiten partizipativen Prozesses“. Auch weiterhin besteht seitens der Nachhaltigkeitskommission der Wunsch, dass Studierende direkt an den neuen Arbeitsgruppen beteiligt werden, auch wenn die genauen Rahmenbedingungen noch nicht festgelegt wurden. Unter den aktuell vorgesehenen maximal 10 Mitgliedern in einer AG sollen demnach ein*e Studierende*r und ein*e Vertreter*in von Scientists4Future sitzen. Aber auch darüber müsse noch offen und transparent diskutiert werden, zum Beispiel innerhalb der Nachhaltigkeitskommission. An dieser Stelle ruft Timmermann auch alle Studierenden zur Einbringung auf: Es sei jederzeit möglich, sich mit Wünschen und Vorschlägen direkt an ihn und die Nachhaltigkeitskommission zu wenden. Auch für Studierende, die selbst weitere Bedenken oder ungeklärte Fragen haben, kann die Kommission eine erste Ansprechpartnerin sein. Denn „auch hier gilt: Miteinander reden ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit!“

Die aktuellste Version der Klimaschutzstrategie findet ihr hier.
Über diesen Link gelangt ihr außerdem zur Webseite der Nachhaltigkeitskommission.
Der Nachhaltigkeitsbeauftragte Dr. Tiemo Timmermann ist unter tiemo@uni-greifswald.de zu erreichen.

Beitragsbild: Julia Schlichtkrull

Nachhaltigkeit an der Universität

Nachhaltigkeit an der Universität

Die Redakteur*innen der moritz.medien haben sich schon immer einen Kopf um unsere Umwelt gemacht und darüber berichtet. In unserer neuen Kolumne erzählen wir euch, was wir über das Thema Nachhaltigkeit denken und geben euch viele hilfreiche Tipps, um euer Leben (noch) nachhaltiger zu gestalten.

Unsere Universität ist breiter gefächert als man glauben mag. Wusstet ihr z. B., dass wir einen Nachhaltigkeitsbeauftragten an der Uni haben?

Seit Ende 2015 gibt es diese Stelle bereits. Ausgefüllt wird sie von Tiemo Timmermann, Biologe, der bereits seit über 20 Jahren an unserer Universität beschäftigt ist. Zudem ist er Koordinator im internationalen Studiengang M.Sc. Landscape Ecology and Nature Conservation (LENC) und organisiert in diesem Rahmen auch ein DAAD-Stipendienprogramm sowie die internationale Alumni-Arbeit.

Da die Stelle des Nachhaltigkeitsbeauftragten sehr jung ist, erscheint es nur logisch, dass in den letzten Jahren das wichtigste Ziel war, Schwerpunkte in die Arbeit zu legen, unter anderem durch Treffen mit den Organen an der Universität, um sich zu positionieren, zu vernetzen, Kontakte aufzubauen und das Bewusstsein der Nachhaltigkeit als Querschnittsthema an der Uni zu verankern. 

In den meisten Fällen hat Nachhaltigkeit direkt mit Klimaschutz oder teils indirekt damit zu tun. So ist es nicht verwunderlich, dass ein wichtiges Ziel das Thema CO2-neutrale Universität ist, das bereits seit 2012 in den Leitlinien der Universität zu finden. An diesen Leitlinien wird sich stark bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen orientiert.  

Ein erster Schritt dafür war, mit der Nachhaltigkeitskommission, einen Entwurf der Leitlinien zu verabschieden, um dem Ziel CO2-neutrale Uni näher zu kommen. Dieser Entwurf wurde letztes Jahr, 2018, verabschiedet. Die Leitlinien werden weiter konkretisiert, sodass auch der Senat bald dahinterstehen kann und erste Maßnahmen umgesetzt werden können. Der nächste Schritt soll sein, das Ganze institutionell mit Zielerklärung zu unterlegen.

Dass dieser Prozess langjährig ist, hat damit zu tun, dass man einen Gesamtüberblick über CO2-Emissionen benötigt. Wo entstehen diese überhaupt, wo befindet sich die Hauptquelle und wo ist die Universität verantwortlich für diese Emissionen? Wie kann man diese reduzieren oder ganz abstellen?

Da nur eine Person an unserer Universität für diese Stelle gedacht ist, eine umfangreiche Aufgabe, die nur in Zusammenarbeit mit allen möglich ist.

Deswegen sind die Forschung und Lehre an unserer Universität auch sehr wichtig, denn auch wir Studierenden können helfen diesen Prozess voranzubringen, unter anderem über unsere Abschlussarbeiten im Bachelor, Master oder in Doktorarbeiten. 

Zum Wintersemester 19/20 soll der erste Nachhaltigkeitsbericht  der Universität veröffentlicht werden. Damit würden wir zu den ca. 10-15% der Universitäten in Deutschland gehören, die Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Ziel soll es werden, diesen in regelmäßigen Abständen von drei Jahren herauszubringen. Darin können alle Interessierten nachlesen, was sich bereits an unserer Universität in puncto Nachhaltigkeit getan hat. 

An dem Bericht haben auch Studierende intensiv mitgearbeitet: im Redaktionsteam, durch Textbeiträge im Rahmen des Moduls „Nachhaltigkeit interdisziplinär“ sowie über Abschlussarbeiten zum CO2-Fußabdruck.

Eine Überlegung um Studierende stärker einbinden zu können ist z. B. die Gründung eines Green Office. Dies spiegelt auch den Wunsch der Studierendenschaft wider. Bereits im StuPa wurde das Konzept eines studentischen Nachhaltigkeitsbüros gefordert und ein Beschluss gefasst. Eine ähnliche Struktur kann man im AStA Referat Ökologie und der AG Ökologie finden. Über ein Green Office wäre es möglich, diese Institutionen noch stärker zu integrieren und Studierende, die darauf Lust haben, auch stärker in die Arbeit der Nachhaltigkeit an der Universität einzubinden. 

Zurzeit ist das Ganze nur ein schöner Gedanke, ein grobes Konzept wurde aber bereits erarbeitet. 

Jahrelang veranstaltete der AStA unserer Uni bereits Nachhaltigkeitswochen. 2018 und 2019 lief das Projekt in größerem Rahmen unter dem Schwerpunkt Bildung für nachhaltige Entwicklung, und wird seitdem auch von einem Team aus Studierenden, Wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und dem Nachhaltigkeitsbeauftragten organisiert. Dieses Jahr wurden in diesem Kontext verschiedene Kleinprojekte gestartet, darunter z. B. die Anlage einer Bienenwiese. Die nächste Nachhaltigkeitswoche 2020 soll in ähnlicher Form wie in den letzten zwei Jahren stattfinden. Motivierte und engagierte Studierende sind hier herzlich willkommen, bei der Planung und Durchführung mitzuhelfen. Dafür könnt ihr euch einfach bei Herrn Timmermann melden.  

Ein Praktikum im Rahmen der Berichterstattung zum internationalen „GreenMetric“ Nachhaltigkeitsranking der Universität Indonesia ist ebenfalls möglich. 

In diesem Jahr wird zudem zum ersten Mal der Nachhaltigkeitspreis verliehen, zusammen mit einem Preisgeld von 500 €. Zwölf Studierende hatten sich mit ihren Abschlussarbeiten zum Thema Nachhaltigkeit beworben. Am Donnerstag den 11.07. wurde ein Vorschlag für die Preisvergabe durch die Senatskommission für Nachhaltigkeit beschlossen. Die Entscheidung wird dann voraussichtlich zu Beginn des Wintersemesters 19/20 verkündet.

Nächste Woche werden wir erfahren was es mit dem AStA-Referat Ökologie auf sich hat.

Beitragsbild: Till Junker Banner: Jonathan Dehn