Sag doch einfach Periode! I dare u

Sag doch einfach Periode! I dare u

Ich möchte euch mitnehmen durch mein Erlebnis, meine Gefühle, meine Reflektion der Situation und warum ich einen ganzen Artikel darüber schreibe.

Was ist passiert?

Vor ein paar Wochen hatte ich meine Periode (Überraschung), flüchtete aus der Bib und wollte nur nach Hause, in mein Bett. Natürlich wurde ich, während ich die beste Laune und Unterleibschmerzen hatte, mit der Aussage „Oh ist es etwa diese Zeit im Monat“, die in Tabu-Stimme geäußert wurde, konfrontiert.

Meine erste innere Reaktion war Wut und am liebsten hätte ich die Person zusammengeschrien, dass sie doch bitte einfach Periode; Tage; Regel; Menstruation etc. sagen soll und nicht flüstern muss! Und überhaupt, was fällt ihr eigentlich ein, mir das Gefühl der Scham zu vermitteln! Oh? Ich habe das Gefühl, ich müsste mich schämen? Dafür, dass ich eine Frau bin und meine Menstruationsblutung habe? Ja. Genau das ist das Problem. Ein gesellschaftliches Problem.

Warum habe ich nichts gesagt?

Nun habe ich die Person jedoch nicht angeschrien. Vielleicht nicht, weil ich grundsätzlich nicht mit Schreien reagiere. Vielleicht aber auch, weil es als Frau einfacher ist, nicht für sich selbst einzustehen und etwas zu sagen, dass sowieso nicht verstanden werden will. Ich sage nicht, dass ich glaube das es nichts gebracht hätte, wenn ich in der Stituation mit dieser Person ein klärendes Gespräch geführt hätte. Das glaube ich schon. Warum ich nichts gesagt habe? Ich war körperlich sehr angestrengt, wollte allein sein und hatte keine Kraft für ein Gespräch, in dem ich wieder das Leben einer Frau erklären muss. Einfacher ist es, da nichts zu sagen und zu gehen.

Einige von euch Leser*innen könnten nun sagen „Ja und? Sie soll mal nicht so überreagieren…“, andere mögen nun wütend oder empört auf ihre Bildschirme schauen, und wieder andere Leser*innen werden wahrscheinlich erstmal nichts als Gleichgültigkeit empfinden, da es einfacher ist, solche Kommentare nicht an sich heranzulassen.

Warum dann das hier schreiben?

Warum ist genau diese Gleichgültigkeit ein Problem und warum bringe ich nun den ganzen Aufwand für einen Artikel auf, wenn ich in dem Moment nicht für meine Gefühle und mein Dasein als Frau eingestanden habe? Dieses nicht für sich selbst einstehen, gilt für sehr viele Aspekte des Lebens. Doch ist es genau deshalb wichtig, den feministischen Diskurs aufzugreifen, gerade mehr denn je.

Insbesondere möchte ich nicht, dass unsere kleinen Schwestern sich mit genau der Scham belasten müssen, welche uns mitgegeben wurde. Für etwas, das nicht einfach abgestellt, ausgeknipst oder weg entschieden werden kann. Scham dafür, wie unsere Körper funktionieren. Menstruation ist normal. Deal with it, aber das musst DU ja noch nicht mal – Männer lol.

Ich habe viel mit meinen Freundinnen über die Situation gequatscht, weil es mich einfach nicht losgelassen hat. Ich dachte, dass es im Jahr 2024 von erwachsenen Menschen nicht mehr als Tabu angesehen wird, über seine Periode zu sprechen. Über einen normalen biologischen Ablauf. Leider musste ich feststellen, dass ich mich in den letzten Jahren wohl einfach nur in einer sehr fortschrittlichen Bubble bewegt hatte.

Mehr als nur Worte

Warum ist es nicht gut, Dinge nicht beim Namen zu nennen? Begriffe wie Erdbeerwoche und Ähnliche, sind welche, die verwendet werden, um nicht Periode oder Menstruation sagen zu müssen. Warum sind diese Begriffe überhaupt verletzend oder unangebracht?
Die Menstruation gilt als etwas ekeliges, dreckiges und unreines. Obwohl dies überhaupt nicht der Fall ist. Sie wird als ein Tabuthema behandelt. Umschreibende Begriffe oder Äußerungen wie „diese Zeit im Monat“ verstärken dieses Tabu und machen die Periode zu etwas, das geheimgehalten werden muss – etwas, über das nicht gesprochen werden darf.

Für Personen, die jedoch jeden Monat ihre Periode bekommen, fühlt sich das an, als müssten sie sich selbst verstecken, als würden sie etwas Falsches tun. Es kann dazu führen, dass sie sich selbst verachten oder ekelig finden. Es sind mehr als nur ein paar Wörter…. Bitte sag doch einfach Periode! Oder Tage oder Regel. Und wenn es dir wirklich so unangenehm ist, dann gebe mir nicht das Gefühl, ich müsste mich schämen und würde etwas falsch machen.

Das Gefühl, sich für seine Periode schämen zu müssen, kann einem auch von seinem eigenen persönlichen Umfeld gegeben werden, auch von Freundinnen, die ihre Periode noch nicht bekommen haben und überfordert mit „ihhhh!!“ reagieren, weil mit ihnen nie ausreichend über ihre bevorstehende Periode gesprochen wurde.
Familien und auch einfach eine Gesellschaft, in der kein Platz für das Thema Menstruation gemacht wird, können diese anfänglichen Erfahrungen mit der Menstruation zu etwas gruseligem machen. Fast jede* kennt das Gefühl, die Tampons auf dem Kassenband zu verstecken oder seine Mutter zu fragen, ob sie einem Menstruationsartikel kaufen kann. Diese Scham verlässt viele in ihren späten Teenager-Jahren. Jedoch kenne ich noch immer Leute, die es vermeiden, beim Kauf von Menstruationsartikeln gesehen zu werden. Vorallem dann, wenn beispielsweise ein Mann hinter ihnen an der Kasse steht.
Dazu muss ich jedoch sagen, dass es seit ein paar Jahren, im Gegensatz zu der Zeit, in der meine Freundinnen und ich mit dem Thema unserer Periode konfrontiert wurden, wesentlich mehr und besser reflektierten öffentlichen Diskurs gibt. Nicht zuletzt auch über die zusätzlichen Kosten und die zusätzliche körperliche Belastung in einem normalen Arbeitsleben.

Dennoch scheint es noch nicht genug Diskurs zu geben, oder es ist Personen, welche sich nicht mit der Menstruation beschäftigen müssen, möglich sich diesem zu entziehen. Deshalb muss noch mehr Diskurs über Themen, welche hauptsächlich Frauen betreffen, entstehen. Es muss mehr zugehört werden und auch mehr Wille entstehen, zuzuhören. Auch bei vielleicht auf den ersten Blick nicht nachvollziehbaren Themen. Wenn man sich nie mit etwas auseinander setzten musste, dann tut man dies schnell als unwichtig oder als Witz ab. Es gibt eine lange Reihe von Themen, welche da in den Kopf kommen und die Menstruation ist da ein noch vergleichbar seichtes Thema.
Dies wurde beispielsweise in den letzten Wochen noch einmal klar – wenn man auf Social Media unterwegs ist. Dort ist der Clip einer Talkshow viral gegangen, in der eine Frau sich wieder Gehör verschaffen musste und wieder einmal die Tür für den Diskurs des Lebens von Frauen geöffnet hat. Auch dort war es Unüberlegtheit und eine Unberührtheit mit dem Thema, die bei vielen auf einen – nett ausgedrückt – flauen Magen schlug. Es geht hier jedoch nicht um diese Talkshow und doch ist es ein passendes Beispiel.

Sei ein Girls Girl

Dieser Artikel ist eine Bitte, dass sich nicht nur Frauen gegenseitig unterstützen müssen, so wie sie es tun. Oft sind mir komplett fremde Frauen mit einer solchen Einfühlsamkeit entgegengetreten, die nur durch die eigene Betroffenheit oder durch die Auseinandersetzung mit Themen möglich ist. Denn ganz ehrlich: Es ist eines der besten Aspekte des Daseins als Frau das Gefühl, aufgefangen zu werden und unausgesprochene Solidarität und Sicherheit bei seinen Freundinnen zu haben.

Es ist auch ein großer Dank an alle Mütter, Omas, Tanten, Schwestern und Freundinnen, die ihre Erfahrungen weitergeben und sensibel und geduldig die ersten Erfahrungen der Menstruation begleiten. Diese ist nämlich, um offen und ehrlich zu sein, nicht für alle im positiven Sinne aufregend und spannend, sondern für viele im ersten Moment einfach nur verdammt gruselig.

Es ist eine Bitte an Väter, Brüder und Freunde, sich zu informieren und zuzuhören und die eigene Meinung nicht allem voran erst einmal zugute zugeben. Wie wunderbar wäre es, wenn eine Tochter zu ihrem Vater kommen könnte, weil sie ihre Periode bekommen hat und eine dicke, versichernde Umarmung bekommen könnte mit helfenden Worten. Diese tollen Situationen gibt es zwar, aber es sind noch immer viel zu wenige.

Um nun aber noch etwas zu ranten: Informiere dich, es gibt genug Orte, an denen du dies bequem von der Couch machen kannst. Oder lass uns einfach in Ruhe. I dare you.

Ein Ende dem geflüsterten „Hast du eine Binde für mich?“! – Hier geht’s zum Perioden 101:
Menstruation, gesellschaftliche Tabus und Diskriminierung
Die Tabuisierung der Menstruation – Eine lange Geschichte
Menstruation 101: Die wichtigsten Perioden-Facts kurz erklärt
Period Stigma and the Unacknowledged System of Oppression
Queering Menstruation: Trans and Non-Binary Identity and Body Politics

Beitragsbild: Hannah van Gerpen


Zur Person der Autorin

Kostenlose Menstruationsprodukte auf Greifswalder Uni-Toiletten

Kostenlose Menstruationsprodukte auf Greifswalder Uni-Toiletten

Die Menstruation ist eine teure Angelegenheit und nicht jede*r kann sich die nötigen Periodenprodukte leisten. Damit der Zugang zu den Universitätsgebäuden trotz der monatlichen Blutung für alle gewährleistet ist, wurden nun insgesamt 15 Spender für kostenlose Menstruationsprodukte in den Damentoiletten der Zentralen Universitätsbibliothek, der Bereichsbibliothek, dem Hörsaalgebäude „Neues Audimax“ sowie in den Mensen angebracht. Bis zum Ende des Semesters läuft nun die Testphase für deren Nutzung.

Ein Beitrag von Adrian Siegler und Juli Böhm

Ein nicht kleiner Anteil der Studierenden ist womöglich von der sogenannten Menstruationsarmut betroffen und kann sich die nötigen Menstruationsartikel nicht leisten. Bei einer Studie, welche von der Kinderrechtsorganisation Plan International im Jahr 2022 durchgeführt wurde und an der bundesweit je 1.000 Frauen und Männer zwischen 16 und 45 Jahren teilnahmen, haben 25 % der Frauen angegeben, Probleme bei der Finanzierung von Menstruationsprodukten zu haben. Betroffene Studierende bleiben daher unter anderem Lehrveranstaltungen oder Mensen- und Bibliotheksbesuchen fern. Dem sollen die kostenlosen Menstruationsprodukte auf den Universitätstoiletten entgegenwirken. Aber auch wenn die Periode überraschend eintrifft oder aus anderen Gründen gerade keine Binden oder Tampons zur Hand sind, können die Spender genutzt werden. In diesen befinden sich Tampons der Größen normal und klein sowie Binden.

An anderen Hochschulen in Deutschland wurden solche oder ähnliche Projekte bereits umgesetzt und die Universität Greifswald könnte nun die erste Hochschule in Mecklenburg-Vorpommern mit kostenlosen Menstruationsprodukten für Studierende werden. Vorerst läuft aber eine sechsmonatige Testphase, in der die Kosten und die Nutzung evaluiert werden sollen. In dieser Zeit wird das Projekt vom AStA durch Wohnsitzprämienmittel finanziert. Eine Weiterfinanzierung ist noch nicht geklärt, aber Ziel ist es, dass nach erfolgreicher Testphase mit der Zeit auf allen Universitätstoiletten Spender angebracht werden.

Bereits bei der studentischen Vollversammlung im Wintersemester 2021/22 wurde von Ellen Wittenberg, Tina Andrasch und Felix Willer ein Antrag gestellt und angenommen, der den AStA damit beauftragen sollte, Spender mit Menstruationsprodukten auf den Universitätstoiletten anzubringen. Seitdem wurde sich immer wieder mit dem Projekt auseinandergesetzt. So hatte Ellen Wittenberg, die damalige Referentin für Soziales und Gleichstellung, im letzten Sommersemester einen Wohnsitzprämienmittel-Antrag für die Finanzierung des Projekts gestellt, welcher im Mai 2022 bewilligt wurde. Im Januar hatte Hanna Schifter das Referat für Soziales und Gleichstellung übernommen und bereits in ihrer Bewerbung angekündigt, dem Projekt etwas „Feuer unter dem Hintern“ zu machen. Gemeinsam mit Robert Gebauer (Referatsleitung Administration & Geschäftsführung) hat sie das Projekt nun umgesetzt.

Auch die Senatsgleichstellungskommission sowie die Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Universität Greifswald und die Gleichstellungsbeauftragten der Universitätsmedizin unterstützen das Projekt des AStA. In ihrem Schreiben heißt es, dass Menstruationsprodukte als Teil des grundsätzlichen Hygienebedarfs, genauso wie Seife und Toilettenpapier, den Studierenden kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollten. Zudem sehen sie in diesem Projekt eine Möglichkeit zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit, sozialer Ungleichheit und zur Anerkennung von Vielfalt. Sie setzen sich außerdem dafür ein, dass das Projekt künftig aus dem Haushalt der Universität finanziert wird.

Hanna und Robert sind sehr glücklich, dass das Projekt umgesetzt werden konnte und sich ihre Arbeit auch ausgezahlt hat, da der Aufwand dahinter schon recht groß war. Eine Gefahr darin, dass das Angebot missbraucht werden könnte, sehen die beiden übrigens nicht. Sie sind zuversichtlich, dass die Studierenden mit dem Angebot verantwortlich umgehen werden und selbst wenn jemand ein paar Tampons mitnimmt, werden sie wahrscheinlich trotzdem für den richtigen Zweck eingesetzt.

Nun bleibt abzuwarten, wie das Projekt angenommen wird und ob eine Anschlussfinanzierung möglich ist. Wenn es Feedback, Fragen oder Sonstiges bezüglich der Spender gibt, kann man sich gerne bei Hanna Schifter per E-Mail melden: asta_soziales@uni-greifswald.de

Das Wichtigste auf einen Blick:

Was? Spender mit kostenlosen Menstruationsprodukten (Tampons in normal und klein sowie Binden)

Wann? Die Testphase läuft vom 11.04. für sechs Monate bis zum Ende des Semesters

Wo? Alle Damentoiletten in der Zentralen Universitätsbibliothek, der Bereichsbibliothek, der Mensa Loefflerstraße, der Mensa Beitzplatz und dem Hörsaalgebäude „Neues Audimax“

Beitragsbild: Adrian Siegler

Mimimi-Mittwoch: Menstruation

Mimimi-Mittwoch: Menstruation

Wut, Hass, Zorn: All diese Gefühle verbindet man so manches Mal mit seinen Mitmenschen. Genau für solche Momente ist diese Kolumne da. Wann immer wir uns mal gepflegt über Leute auslassen wollen oder uns auch generell mal der Schuh drückt, lest ihr das hier.

Wie man’s macht, macht man’s verkehrt. Das ist wahrscheinlich die Devise meiner Menstruation. Denn egal, ob sie kommt oder ob sie nicht kommt; ich freue mich weder über das eine noch das andere. Wir führen so eine Art Hassliebe, denn miteinander ist es echt nicht schön, ohne einander aber noch schlimmer.

Meine körperlichen Symptome bei der Menstruation sind zum Glück nicht besonders dramatisch, aber nervig. Es reicht von Ziepen im Unterbauch, ausstrahlend in die Beine, bis zu schwächelndem Kreislauf und Verdauungsbeschwerden. Es gibt leider genügend Personen, die sich mit deutlich mehr auseinandersetzen müssen, Stichwort Endometriose, PCOS, etc. Auch wenn inzwischen immer mehr dazu bekannt wird, haben es die meisten sehr schwer, zufriedenstellende Hilfe zu finden.

Aber es sind nicht nur die körperlichen Symptome, die diese Zeit so anstrengend machen. Blut hat leider die unschöne Kombination aus leuchtendem Rot und sehr haltbaren Färbeeigenschaften. Somit habe ich jedes Mal die Sorge, dass es ein Leck gibt und sich weithin sichtbare Flecken auf Hosen und Möbelstücken verteilen. Auch wenn es inzwischen die Bewegung gibt, dass solche Flecken einfach dazugehören, fühle ich mich damit genauso wie mit einem Ketchupfleck auf dem T-Shirt: einfach nur unwohl. Sobald es an fremdes Eigentum, wie zum Beispiel Sessel, Autositze oder Betten geht, die sich in der Regel auch sehr schlecht in die Waschmaschine stecken lassen, geht es mir damit noch schlechter. Ich habe häufig das Gefühl, dass meine Berührungspunkte beim Sitzen oder Liegen feucht zu sein scheinen. Deswegen versuche ich mich so zu platzieren, dass selbst wenn etwas ausläuft, kein Kontakt zu der darunterliegen Fläche besteht. Das ist super anstrengend und auch, wenn seit Jahren kein solcher Vorfall mehr passiert ist, besteht die Sorge weiterhin.

Das sind alles Probleme, mit denen man sich herumschlägt, wenn die Blutung am Laufen ist, aber es gibt noch eine weniger offensichtlich nervige Zeit und zwar die, vor der eigentlichen Menstruation. Gerade bei einer unregelmäßigen Blutung schwingt das große Thema Schwangerschaft jedes Mal mit, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür sehr klein bis nicht vorhanden ist. Doch mit jedem Tag, der blutungsfrei bleibt, wird man etwas unruhiger bis die Bestätigung der im besten Fall Nicht-Schwangerschaft endlich da ist. Außer eine Schwangerschaft ist gewollt, dann zerstört jede Menstruation erneut die Hoffnung auf eine erfolgreiche Einnistung,
Unabhngig von dem Thema Schwangerschaft hat ein unregelmäßiger Zyklus auch noch andere Nachteile. Er macht das Planen unglaublich schwer. Wenn die Periode statt regelmäßig alle 28 Tage, im Schnitt nach 30-35 Tagen kommt, kann sich der Startzeitpunkt des 3. Zyklus in einem Zeitraum von drei Wochen verstecken. Damit sind Planungen zu Reisen oder Feierlichkeiten, bei denen man gerne auf seine Menstruation verzichten möchte, echt schwierig bis unmöglich. Bei manchen schwankt die Periode nach stärker. In meinen ersten 4 Jahren war der Zeitraum einer Periode zwischen 30 und 70 Tagen. Diese Unsicherheit, wann es endlich losgeht, zermürbt. Und auch, wenn es inzwischen etwas besser läuft und man so immerhin seltener durch die eigentliche Blutung muss, macht es einfach keinen Spaß.

Beitragsbild by JillWellington from pixabay

In der Regel nachhaltig

In der Regel nachhaltig

Wir, die Redakteur*innen der moritz.medien, machen uns natürlich auch weiterhin Gedanken über unsere Umwelt und berichten daher in einem zweiten Teil unserer Nachhaltigkeitskolumne über weitere Themen, Tipps und Gedanken, damit ihr euer Leben (noch) nachhaltiger gestalten könnt.

Bis zu 17 000 Tampons und Binden werden pro menstruierender Person im Leben für die Periode verwendet. Binden und Tampons sind die Hygieneprodukte, mit denen wahrscheinlich die meisten Leute aufgewachsen sind. Abgesehen davon, dass solche Hygieneprodukte, auf die die Hälfte der Menschheit angewiesen ist, in Deutschland erst seit letztem Jahr nicht mehr unter die sogenannte Luxussteuer fallen, ist es bemerkenswert, dass die durchschnittliche Frau* in ihrem Leben etwa 7000€ für Verhütung und Menstruation zahlen muss. Umso fortschrittlicher ist es, dass das schottische Parlament erst diese Woche beschlossen hat: Wer Tampons oder Binden braucht, bekommt sie zukünftig kostenlos. Neben diesen Wegwerfartikeln gibt es aber inzwischen einen riesigen Markt an wiederverwendbaren Produkten. Das spart nicht nur eine Menge Geld, sondern ist auch besser für die Umwelt und zudem noch praktischer.

Auch Abfall, aber immerhin bio

Inzwischen gibt es viele Firmen, die die herkömmlichen Tampons und Binden aus Bio-Baumwolle anbieten. Klassische Tampons bestehen oft aus Zellulose, Baumwolle oder Viskose und sind zusätzlich mit Kunststoff beschichtet, um das Einführen zu erleichtern. Außerdem besteht das Rückholbändchen oftmals aus Plastik. Bio-Tampons sind im Vergleich zu nicht-bio Artikeln chlorfrei gebleicht, kompostierbar, ohne synthetische Zusatzstoffe und plastikfrei. Damit sind sie ein Produkt, das zwar auch weggeschmissen werden muss, aber nicht schädlich für den Körper und die Umwelt ist. Nachteil dieses Menstruationsprodukts ist der Preis: Bio-Tampons können bis zu 30 % teurer als herkömmliche sein. Wichtig ist natürlich immer noch, dass diese Artikel im Müll und nicht in der Toilette entsorgt werden müssen. Außerdem besteht wie bei gewöhnlichen Tampons die Gefahr des toxischen Schocksyndroms (TSS). Wohl ist das Risiko dafür bei Bio-Tampons geringer, trotzdem sollten auch diese spätestens nach 6 Stunden gewechselt werden.

Klassische Tampons und Binden enthalten Plastik, sind mit Chlor gebleicht und bestehen aus viel Verpackungsmaterial.

Auch Binden gibt es inzwischen in der Bio-Version. Ähnlich wie die Tampons werden sie chlorfrei gebleicht und ohne synthetische Zusatzstoffe aus Biobaumwolle hergestellt. Weiterhin sind in Bio-Binden keine Duftstoffe oder Plastik aus Erdöl enthalten. Durch die natürlichen Inhaltstoffe ist hier das Risiko von Intiminfektionen viel geringer, dafür sind sie ebenso wie Tampons in der Bio-Version etwas kostspieliger.

Schwamm drüber

Ähnlich wie Tampons können Menstruationsschwämme verwendet werden. Die feinporigen Schwämme sind ein nachwachsendes Naturprodukt und wiederverwendbar. Dafür ist das Produkt nicht vegan, denn bei diesen Naturschwämmen handelt es sich genaugenommen um ein wirbelloses Tier, das an Mittelmeerküsten abgebaut wird. Die Schwämmchen werden wie Tampons eingeführt und passen sich dann in ihrer Form an. Ähnlich wie Tampons müssen sie nur alle 2 bis 8 Stunden gewechselt werden. Dafür können sie nicht mit einem Rückholbändchen entfernt werden, sondern müssen mit den Fingern gegriffen und danach mit Wasser ausgespült werden. Ein Vorteil ist, dass es durch seine Flexibilität auch mit eingeführtem Schwamm möglich ist, Geschlechtsverkehr zu haben. Im Vergleich zu den anderen Produkten sind sie mit etwa 4 € sehr günstig.

Krasse Tasse

Seit einigen Jahren gewinnt ein neues Produkt auf dem Periodenartikelmarkt an Beliebtheit: Die Menstruationstasse. Ein trichterförmiges Gefäß aus Silikon, das durch eine spezielle Falttechnik eingeführt wird. Das Einführen bedarf zwar einiger Übung, entlastet dann aber den Alltag: Der Becher kann bis zu 35 ml Blut auffangen und muss daher nur etwa zweimal am Tag entleert und gesäubert werden. Nach der Periode kann die Menstruationstasse in kochendem Wasser oder der Mikrowelle desinfiziert werden. Zwar besteht die Tasse aus Kunststoff, kann aber für einen hochgerechnet niedrigen Preis (10 bis 30 Euro) gekauft und jahrelang verwendet werden.

Zwar aus Silikon, aber dafür langlebig: Menstruationstassen.

Period Panty

Wer die Nase (oder die Vagina) voll davon hat, sich Produkte einzuführen, wird vielleicht mit Periodenunterwäsche glücklich. Die Unterhosen sind mit einer Saugschicht ausgestattet, die einen Auslaufschutz garantiert – ähnlich wie klassische Binden. Die Slips können nach dem Tragen einfach ausgespült und in der Waschmaschine gewaschen werden. Vorteil der Unterwäsche ist nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern auch der Komfort: Die Hose kann in jeder Situation getragen werden und das Anziehen bedarf keiner Übung. Dafür kann die Aufnahmefähigkeit für Menschen mit starker Periode ein Problem darstellen, denn im Durchschnitt kann eine Hose so viel aufnehmen, wie etwa zwei Tampons. Außerdem sind die Produkte recht teuer, denn der Preis geht bei etwa 20 € los und man muss sich natürlich mit mehreren Exemplaren ausstatten. Dafür produzieren die meisten Hersteller unter fairen Bedingungen, achten auf nachhaltige Materialien und die Panties sind sehr langlebig.

Gib mir Stoff(binden)!

Eine Mischung aus Periodenunterwäsche und Einwegbinden bieten Stoffbinden. Ähnlich wie die Unterwäsche können die Binden nach dem Tragen gewaschen werden. Außerdem wird damit geworben, dass es durch die natürlichen Materialien zu einer geringeren Geruchsbildung kommen soll. Nachteil ist erneut der Anschaffungspreis, der sich bei mehreren Exemplaren – je nach Hersteller – stark summieren kann.

Herkömmliche Menstruationsprodukte verursachen viel Abfall – mit Produkten wie wiederverwendbaren Stoffbinden kann er reduziert werden.

Free Bleeding

Um die Menstruation zu enttabuisieren und die Umwelt zu schonen, gibt es die Methode des „Free Bleedings„. Dieses Prinzip erfordert Übung, Körperkenntnisse und Timing: Der Blutfluss ist nicht permanent, sondern erfolgt in Schüben. Daher soll beim Toilettengang „kontrolliert geblutet“ werden, indem der Beckenboden entspannt wird. Gerne wird das Free Bleeding in Verbindung mit (Stoff-)Binden oder Periodenunterwäsche ausgeübt. Vorteil ist natürlich, dass bei Übung selbst langfristig keine Abfälle entstehen und das Körpergefühl wächst. Zusätzlich besteht kein Infektionsrisiko durch die Produkte, es wird Geld gespart und viele Personen geben an, weniger unter Regelschmerzen zu leiden. Problematisch kann der häufige Toilettengang sein. Auch der eigene Körper kann manchmal unberechenbar sein, sodass man es nicht rechtzeitig zur Toilette schafft.

Der Luxus der Wahl

Insgesamt haben alle Produkte ihre Vor- und Nachteile. Einige Artikel sind vielleicht auf den ersten Blick teurer und brauchen Zeit zur Eingewöhnung oder Umstellung. Eindeutig ist aber, dass sie oft nicht nur mit dem ökologischen Aspekt punkten können, sondern langfristig günstiger und praktischer sowie überwiegend hygienischer und bequemer sein können.

Neben all dem Für und Wider ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass diese Auswahl an Möglichkeiten (leider) ein Luxus ist. In vielen Ländern haben Menstruierende oft keinen Zugang zu sanitären Anlagen, geschweige denn Periodenprodukten. Selbst in Deutschland ist die Periode für sozial schwache oder obdachlose Menschen ein Problem, da sie sich oftmals keins der aufgeführten Produkte leisten können. Projekte wie Social Period und UNICEF setzen sich daher für einen Zugang zu Periodenprodukten für die Menschen ein, die nicht diesen „Luxus“ genießen können.

Mehr Infos für euch
In unserer Nachhaltigkeitskolumne haben wir bereits genauer über die Menstruationstasse berichtet.
Auf VICE berichten Frauen, wie das Leben mit Periode auf der Straße ist.
Auf der Website von Erdbeerwoche, könnt ihr euch über das Thema Periode und Nachhaltigkeit informieren.

Beitragsbilder: Lilli Lipka
Banner: Jonathan Dehn

STOP TAXING MY PERIOD!

STOP TAXING MY PERIOD!

Die Redakteur*innen der moritz.medien haben sich schon immer einen Kopf um unsere Umwelt gemacht und darüber berichtet. In unserer neuen Kolumne erzählen wir euch, was wir über das Thema Nachhaltigkeit denken und geben euch viele hilfreiche Tipps, um euer Leben (noch) nachhaltiger zu gestalten.

Menstruationstassen. Die einen lieben sie, die anderen ekeln sich wohl eher vor ihnen.

Aber was ist das überhaupt – eine Menstruationstasse?

Man (oder Frau, haha) kann doch nicht wirklich in eine Tasse menstruieren, …oder?
Also wie zum HENKER funktionieren diese Teile?

Fangen wir von vorne an.
Einmal im Monat bluten menstruierende Wesen (zumeist Frauen) für durchschnittlich fünf Tage aus ihrer Gebärmutter. Und das bis über 400 Mal in ihrem Leben. Hochgerechnet sind das etwa 6 Jahre.
Herkömmlicherweise nutzen die meisten menstruierenden Wesen/Frauen Binden oder Tampons während ihrer Periode, um das Menstruationsblut aufzusaugen. Weltweit werden so jährlich 45 Milliarden Tonnen Müll allein durch Tampons und Binden produziert. Müll, der wieder mal möglicherweise im Meer landet. Und den man vermeiden könnte.

Die Materialien, aus denen Binden und Tampons bestehen, durchlaufen während des Herstellungsprozesses außerdem einen Schritt, in dem sie gebleicht werden. Üblicherweise mit Chlor. Dabei entstehen als Nebenprodukte Dioxine und Furane, welche nicht nur die Umwelt schädigen, sondern auch den eigenen Körper.
Diese Stoffe können im Körper bleibende Schäden hinterlassen. Dioxine gehören zu den tödlichsten Chemikalien, die produziert werden. Sie kommen unter anderem auch in Pestiziden, Reinigungsmitteln und Kunststoffen vor. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden sie als krebserregend eingestuft. Krebs erregen kann Alkohol auch. Trotzdem trinkt ihn fast jede*r. Solange es nicht direkte Auswirkungen hat, die wir spüren können, ist uns oft egal, was wir unserem Körper alles zumuten.

[EDIT 18.04.19: Anmerkung aus der Stellungnahme von o.b.: „Wir möchten anmerken, dass Tampons der Marke o.b. sowie der meisten anderen deutschen Tampons frei von Schadstoffen sind. Die hohe Qualität unserer Tampons wurde erst kürzlich von zwei renommierten Test-Instanzen bestätigt. So hat der aktuelle ÖKO-Test aus November 2017 15 Tampons und 6 Menstruationstassen getestet und den Produkten o.b. Original normal und o.b. Pro-Comfort normal die Bestnote “sehr gut” verliehen. Der Test bestätigt, dass in unseren Tampons keine kritischen Stoffe wie Formaldehyd, optische Aufheller, Chlor oder Pestizide nachgewiesen werden konnten. Erst vor Kurzem wurden außerdem alle o.b. Tampons von nach dem STANDARD 100 by OEKO-TEX® zertifiziert. Sie erfüllen deren höchste Sicherheitsanforderungen nach Klasse 1, wie sie auch für Textilprodukte, die in Kontakt mit (Baby-)Haut kommen, gelten. Die Zertifizierung basiert auf der Prüfung aller o.b. Materialien auf Schadstoffe, unter Verwendung der ÖKO-TEX Kriterien für (Baby-)Textilien.

Auch bei der Herstellung der o.b.® Wattefasern werden ausschließlich total chlorfreie Bleichprozesse eingesetzt. Elementares Chlor, das eventuell zur Dioxinbildung während des Bleichens führen könnte, wird in der Tamponproduktion schon seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet. Zudem befinden sich Dioxine fast überall in unserer Umgebung, und geringe Spuren können in der Erde, im Wasser, in der Luft und in vielen alltäglichen Gegenständen gefunden werden. Die wesentliche Aufnahme von Dioxinen in den Körper erfolgt über Lebensmittel. Basierend auf wissenschaftlichen Beurteilungen und verfügbaren Informationen gibt es kein Sicherheitsrisiko durch Dioxinspuren in Verbindung mit (o.b.®) Tampons.“]

Davon abgesehen: Habt ihr Euch schon einmal überlegt, wie viel Geld ihr am Ende für Eure Periode ausgegeben haben werdet?
Klar, es wäre ohne die „Period Tax“ etwas weniger, immerhin werden in Deutschland Hygieneprodukte mit 19% versteuert. Warum sie nicht einfach mit dem ermäßigten Steuersatz von 7% versteuert werden, fragen sich viele. Oder einfach die Steuern für Tampons und Binden komplett abschaffen, wie es bereits in Kanada, Kenia, Indien oder Australien der Fall ist. Aber selbst, wenn wir die Steuer nicht mehr hätten, müssten wir die Produkte immer noch kaufen. Ergo: Am Ende habt ihr so oder so eine ganze Menge Geld für Tampons oder Binden ausgegeben – für Produkte, die eurem Körper wohlgemerkt nicht guttun.

Menstruationstassen hingegen bedeuten eine einmalige, den Verhältnissen entsprechende, recht hohe Investition von 20-30€, halten dafür aber bis zu 10 Jahre.
Im Gegensatz zu Binden und Tampons absorbieren Menstruationstassen das Blut nicht, sondern fangen es auf. (Menstruierende Wesen können sich jetzt denken, warum das, gerade am Ende der Periode, angenehmer ist als ein Tampon, der der Scheide [EDIT: gefühlt] jegliche Feuchtigkeit entzieht.) Wenn die Menstruationstasse richtig sitzt, erzeugt sie einen Unterdruck, was dazu führt, dass sie dicht hält.
So wie es verschiedene Hersteller für Binden oder Tampons gibt, so existieren auch verschiedene Hersteller für Menstruationstassen. Und genauso wie es Tampons und Binden in unterschiedlichen Größen und Stärken gibt, gibt es auch Menstruationstassen in unterschiedlichen Größen und Stärken.

Woher weiß man nun also welche Tasse die richtige ist?
Da jeder Mensch anders gebaut ist, ist es sehr wichtig, sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Einfluss auf die Größe und den Härtegrad der Tasse haben die Stärke der Blutung, die Position des Muttermundes während der Menstruation sowie die Stärke der Beckenbodenmuskulatur.
Es sollte außerdem darauf geachtet werden, dass man eine Tasse aus medizinischem Silikon kauft.
Bei dm erhält man die Me Luna aus TPE. TPE ist ein Stoff, der sich unter Wärmeeinfluss verformen kann, was dazu führen kann, dass die Tasse undicht wird. Also bitte, kauft Euch keine Me Luna!

Es gibt viele gute Gründe, sich eine Menstruationstasse zuzulegen. Man spart sowohl viel Müll als auch Geld ein, es ist gut für den eigenen Körper und zudem muss eine Tasse nicht so häufig gewechselt werden wie ein Tampon oder eine Binde.

Wer neugierig geworden ist, kann sich einfach in die Facebook-Gruppe „Menstruationstasse aufnehmen lassen, dort mitlesen und sich beraten lassen oder auf „Ladyways“ vorbeischauen.

Nächste Woche folgt: DIY Badezimmer! Whoop whoop!

Beitragsbild: Olivia Schuster, Banner: Jonathan Dehn