EILMELDUNG: DONG gibt Kraftwerkspläne für Lubmin auf

Am Freitagmittag teilte der dänische Energiekonzern DONG Energy in einer Pressemitteilung mit, dass man sich entschieden habe die Kraftwerksplanungen für den Standort Lubmin aufzugeben. Der mögliche Kraftwerksbau hatte seit mindestens anderthalb Jahren die Gemüter in MV, speziell in der Region Greifswald, bewegt.

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Mehrfach hatte es in Greifswald große Demionstrationen gegen das Kraftwerk gegeben.

Viele Bürger hatten sich mit Initiativen, Unterschriftensammlungen, Flashmobs und vielen anderen Aktionen gegen den Bau des Steinkohlekraftwerks stark gemacht. Der Beginn des UN-Klimagipfels in Kopenhagen hatte dazu geführt, das die Proteste sich in den letzten Wochen noch einmal verstärkt hatten.

Bereits vor einigen Wochen war in vielen Medien offen über einen möglichen Rückzug von DONG spekuliert worden. Unternehmenssprecher Michael Deutschbein hatte damals gegenüber dem webMoritz noch erklärt: „Der Bau des Kraftwerks hat nie in Frage gestanden“

In der heutigen Presseerklärung heißt es:

Der Aufsichtsrat von DONG Energy hat in seiner heutigen Sitzung den Rückzug von einer weiteren Teilnahme an den Untersuchungen für einen Kraftwerkbau in der Nähe von Greifswald in Norddeutschland beschlossen. (…)

Im Zuge der jüngsten Meldungen der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns ist DONG Energy nicht mehr davon überzeugt, dass das Projekt den erforderlichen politischen Rückhalt genießt. Hinzu kommt, dass sich das Genehmigungsverfahren seit Einreichung des ersten Projektantrages vor drei Jahren, ohne Aussicht auf baldige Klärung, sehr in die Länge gezogen hat.

„DONG Energy ist auf eine enge Kooperation mit der örtlichen Gemeinschaft angewiesen, die wir bedienen. Da wir den Eindruck haben, dass das Projekt bei der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns die erforderliche politische Unterstützung nicht findet, ziehen wir die entsprechenden Konsequenzen. Deshalb haben wir die Einstellung unserer Projektteilnahme beschlossen, um uns fortan vollends auf andere geplante Investmentprojekte konzentrieren zu können“, so der geschäftsführende Direktor Anders Eldrup. (…)

Besonders seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) vor gut einem Jahr hatte sich das politische Blatt für DONG gedreht, im Gegensatz zu seinem Vorgänger vermied Sellering öffentliche Unterstützungsbekundungen für die Pläne des Energiekonzerns. Lediglich der kleinere Koalitionspartner in der Landesregierung, die CDU, hatte in den letzten Monaten den Bau offen befürwortet.

Zusatzinfos:

Vollständige Pressemitteilung von DONG Energy

Bilder:

webMoritz-Archiv

20 Jahre danach: Besuch im Kernkraftwerk Lubmin

Wenn heute in Deutschland von der Stadt Greifswald die Rede ist, verbinden die meisten damit höchstens die hiesige Universität. Die gab es zwar auch zu DDR-Zeiten, damals war es aber noch eine zweite Einrichtung, die viele DDR-Bürger mit der Stadt am Bodden assoziierten: Das Greifswalder Kernkraftwerk. Die Energiefabrik, die sich eigentlich in Lubmin, knapp 25 km entfernt von Greifswalds Stadtzentrum, befand, deckte in den 80er Jahren etwa 10% des Strombedarfs der DDR und war das größte Kernkraftwerk in den heutigen neuen Bundesländern.

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Vom Hafen aus realisiert man besonders gut die enorme Größe des Kraftwerks mit seiner endlos langen Maschinenhalle.

Dass das Kraftwerk seit Mitte der 90er Jahre zurückgebaut wird, wissen die meisten. Es ist in den Medien immer wieder ausführlich thematisiert worden, zum Beispiel hier und hier und hier. Auch dass es vor Ort ein Zwischenlager mit rätselhaften Zukunftaussichten gibt, ist vielen bekannt. Dass aber einer der insgesamt acht geplanten Reaktoren noch größtenteils existiert und besichtigt werden kann, ist indes auch im nahen Greifswald nicht unbedingt bekannt. Die bundeseigene Gesellschaft „Energiewerke Nord“ (EWN), die mit dem Rückbau des Kraftwerkes betraut ist, führt Besucher auf Anfrage durch den alten „Block 6“ – in der Regel zwei Mal täglich.

So alt ist Block 6 allerdings gar nicht: Er wurde in den achtziger Jahren gebaut, doch noch vor seiner Fertigstellung kam die Wende. Das Projekt wurde umgehend auf Eis gelegt – das Vertrauen in Reaktorbau nach sowjetischen Muster war spätestens seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986 zerstört, zu gravierend war die Rückständigkeit der Sicherheitstechnik. (mehr …)