von Christin Brauer | 24.06.2011
Zwei Sportveranstaltungen ganz unterschiedlicher Art finden am Wochenende in Greifswald statt. Am Samstag und Sonntag gibt es am Ryck das 10. Greifswalder Drachenbootfest, zu dem 1.500 Sportler erwartet werden. Wer die Kraft eher in den Beinen hat, ist beim Benefizlauf für Afrika auf dem Marktplatz gut aufgehoben. Der Verein „Afrikas Renaissance und Wiederaufbau e.V.“ sammelt dort Spenden für Hilfsprojekte. Aber auch Sportmuffel kommen am Wochenende auf ihre Kosten. Bei beiden Veranstaltungen wird es ein unterhaltsames Rahmenprogramm geben.
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von Laura Brehme | 11.12.2008
Im Rahmen des „Greifswalder Babelfischs“, einer monatlichen Länderabendreihe im IKuWo, hielt der Kongolese Lucien Ilibi Dienstag Abend einen Vortrag über sein Heimatland. Der Medizinstudent ist Vorstand des Vereins „Afrikas Renaissance und Wiederaufbau e.V.„, der sich für den Austausch zwischen Deutschland und Afrika einsetzt.

Vortrag im Ikuwo
35 Gäste lauschten Luciens Ausführungen zur Geschichte der Demokratischen Republik Kongos, die er auf die Kolonisation fokussierte. So schaffte er es knapp, aber umfassend die komplexen Probleme im Osten Kongos zu erläutern. Bis hin zu dem aktuellen Konflikt zwischen den Hutu und den Tutsi.
Die zwei Volksgruppen, die sich seit Jahrzehnten bekriegen und um die Macht ringen. Aus dieser Feindschaft resultiert unter anderem der Konflikt im Grenzgebiet zwischen Kongo, Ruanda, Uganda und Burundi, der zuletzt wieder weltweit Schlagzeilen machte.
Was einige im Publikum erschreckte, waren Ilibis Schilderungen, wie die letzten Wahlen im Kongo 2006 unter Aufsicht Europas gefälscht werden konnten. Auf Nachfrage erklärte er, dass Joseph Kabila, der selbsterklärte Sieger der Wahl 2006, zu allem ja sage. Diese Haltung begünstige die Europäer in ihren Interessen um Ressourcen.
Gerade im Osten Kongos gibt es zahlreiche wichtige Rohstoffe. In letzter Zeit ist vor allem das Metall Coltan gefragt, das in fast allen Handys zu finden ist. Ein kurzer Film zeigte, wie Minenarbeiter unter der gewaltsamen Aufsicht der Rebellen arbeiten müssen.
In der Pause öffnete ein Buffet mit afrikanischen Spezialitäten. Im Angebot waren Köstlichkeiten wie Bananenbrot und Bananen-Kokos-Pudding, sowie Couscous und Maniok.
Danach zeigte Lucien Ilibi Bilder aus dem Alltag der Kongolesen. Hierbei betonte er die Bedeutung der Kinder, die die Zukunft jeder Gesellschaft seien. Zudem hob er auch die Bedeutung der Frauen hervor, die eine wichtige Rolle in Afrika spielen. Ihre Arbeit wird meist unterschätzt. Sein Verein bemüht sich daher vor allem um die Themen Schulen und Gleichberechtigung der Frauen.
Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Besucher angeregt über Machtverhältnisse und das politische System Kongos. Lucien Ilibi beeindruckte die Gäste hier mit Detailwissen und eigenen Erfahrungen.
Es war ein sehr informativer Abend und eine schöne Gelegenehit einen gebürtigen Kongolesen über sein Land erzählen zu hören. Seine persönlichen Erfahrungen belebten den Vortrag. Trotz der Komplexität des Konflikt gelang es ihm die Problematik übersichtlich darzustellen.
Tipp: Im Januar führt das IkuWo dann den „Greifswalder Babelfisch“ mit Bulgarien fort.
Foto: Laura Brehme
(Der Artikel wurde ursprünglich am 10. Dezember veröffentlicht)
von Philipp Labisch | 09.12.2008
Der webMoritz stellt zusammen mit der Greifswalder Gruppe von amnesty international vom ersten bis zehnten Dezember einzelne Menschenrechte vor.
Artikel 3
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.
Für den folgenden Text zeichnet sich die Greifswalder Gruppe AI verantwortlich:
Beispiel Kongo:

Quelle: Nomad Photography via flickr
Seit 1996 wird die DR Kongo von einem Krieg zerrüttet, der mehr Todesopfer forderte als jeder andere Krieg seit 1945 – 5,4 Millionen.
Die Geschichte des Konfliktes, die große Menge an Konfliktparteien, die unterschiedlichen Motive der bewaffneten Gruppen und die die Vorstellungskraft übersteigende Masse an Gräueltaten lassen diesen Krieg nicht nur auf den ersten Blick verwirrend, erschreckend und unverstehbar erscheinen. Eine Zuordnung in Gute und Böse ist nicht möglich. Es gibt keine bewaffnete Gruppe, die nicht für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht wird.
Die Gründe für den Krieg sind vielfältig. Zum einen befinden sich insbesondere im Osten des Kongo zahlreiche Rohstoffvorkommen wie Öl, Diamanten und Coltan. Zum zweiten verlaufen die Grenzen zwischen verschiedenen Milizen entlang ethnischer Zugehörigkeiten. Während die FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) aus geflohenen Hutus besteht, die am Völkermord in Ruanda beteiligt waren, gibt die CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes) unter der Führung von Laurent Nkunda an, die Tutsi des Landes vor Übergiffen durch die Regierungsarmee und anderer Milizen zu schützen. Als ein weiterer Faktor kommt hinzu, dass benachbarte Länder zum Beispiel durch Waffenlieferungen im Konflikt mitmischen.
Während es im Krieg bis 2003 um die Vorherrschaft im gesamten Kongo ging, beschränken sich die aktuellen Kampfhandlungen vor allem auf den Osten des Landes, insbesondere die Provinz Kivu. Mehrere Friedensabkommen, erfolgreiche Demobilisierungen verschiedener Milizen und die halbwegs geglückten Wahlen im Jahr 2006 stabilisierten die Situation in weiten Teilen des Landes.

Quelle: Jayel Aheram via flickr
Bisherige Bilanz des Krieges sind über 5 Millionen Tote, wenigstens 1,4 Millionen Inlandsflüchtlinge, wenigstens 322.000 Flüchtlinge im Ausland, Vergewaltigungen, Massenvergewaltigungen, Folter, Plünderungen, die „Rekrutierung“ tausender Kindersoldaten und die Entführung von Frauen, zum Zwecke des Missbrauchs als Sexsklavinnen und Zwangsarbeiterinnen. Die aktuellen Kämpfe im November und Dezember 2008 sorgten dafür, dass eine Viertelmillion Menschen ihre Heimat verlassen mussten. Die Nahrungsmittel- und Hygienesituation hat sich durch die große Menge an Flüchtlingen weiter verschlechtert, so dass die Menschen nun mit Cholera und Diarrhö zu kämpfen haben.
Alle Konfliktparteien machen sich des Verbrechens schuldig, die Würde vieler Menschen nicht zu achten, indem sie sich an der Zivilbevölkerung, besonders den Frauen und Kindern vergreifen und sich als marodierende Banden persönlich bereichern.
Nachdem die CNDP de facto die Macht im Osten des Kongo besitzt und sich die Regierungseinheiten aus der Provinz Kivu zurückzogen, geht die Regierung auf die Forderung Laurent Nkundas ein. Für den 08. Dezember sind Friedensgespräche zwischen der CNDP und der Regierung in Nairobi(Kenia) geplant. Ein gemeinsames Vorgehen der DR Kongo und Ruandas gegen die Hutu Milizen(FDLR ) wurde am 04. Dezember beschlossen.
Weiterführende Links:
Aktuelle Fotos aus dem Krisengebiet
Bericht zur Kongo-Krise von Amnestey International
Bericht der TAZ zu den aktuellen Friedensverhandlungen