von Julian Schlichtkrull | 14.09.2020
Das letzte Semester erscheint einem gleichzeitig wie eines der kürzesten und längsten bisher. Die Corona-Pandemie hat sowohl die Lehrveranstaltungen als auch die Freizeitgestaltung dazwischen für mehrere Monate auf die eine oder andere Weise lahmgelegt. Gleichzeitig kamen viele neue Herausforderungen auf die Studierenden zu, gerade wenn es um finanzielle Fragen ging. Mittlerweile ist September, das neue Semester steht kurz bevor, aber noch immer gibt es viele Fragezeichen, bei einigen von euch sind vielleicht sogar gerade erst neue dazugekommen. Um ein paar davon aufzulösen, haben wir euch hier die wichtigsten aktuellen Infos rund um BAföG, Überbrückungshilfe und Kredite zusammengestellt.
BAföG
- Das wichtigste zuerst: Seit einiger Zeit ist das BAföG-Amt nun wieder für persönliche Termine geöffnet. Unter bafoeg@stw-greifswald.de könnt ihr ein Gespräch vereinbaren.
- Es gibt zwar keine speziellen Fristen für euren BAföG-Antrag, das Studierendenwerk weist aber darauf hin, dass Gelder erst ab dem Monat ausgezahlt werden können, in dem ihr euren Antrag stellt. Solltet ihr also bereits mit Beginn des neuen Semesters euer Geld beziehen wollen, denkt unbedingt daran, den Antrag noch diesen Monat oder spätestens im Oktober einzureichen! Bis das Geld da ist, dauert es außerdem auch ein wenig, also besser früher als später.
- Falls ihr erst im November ins neue Semester startet: Auch in pandemiebedingt verlängerten Semesterferien habt ihr Anspruch auf Förderung.
- Wenn ihr für euren BAföG-Antrag, einen Kredit oder ähnliches auf einen Leistungsnachweis angewiesen seid, aber die entsprechenden Leistungspunkte im Sommersemester 2020 nicht erbringen konntet, gibt es gute Neuigkeiten für euch: Die Regelstudienzeit wurde offiziell verlängert, ihr habt also noch mindestens ein Semester länger Zeit.
- Wer gerade nicht in Greifswald ist und seinen BAföG-Antrag daher nicht persönlich einreichen kann, hat auch immer die Möglichkeit, das per Post zu erledigen. Die Anträge findet ihr auf der Seite des Studierendenwerks oder auf der BAföG-Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Hier wird euch auch aufgeschlüsselt, welche Formblätter konkret für euch wichtig sind.
- Im Corona-FAQ des Studierendenwerks werden noch mehr Fragen geklärt. Beachtet aber, dass vieles davon bereits seit April nicht mehr aktualisiert wurde! Solltet ihr euch also unsicher sein, fragt gerne noch einmal direkt vor Ort im Studierendenwerk nach oder schreibt eine Mail an kommunikation@stw-greifswald.de. Von dort werden eure Fragen an die entsprechenden Stellen weitergeleitet.
- Weitere Infos liefern euch die Internetseiten http://www.bafög.de und www.das-neue-bafög.de.
Zusätzliche Unterstützung
- Die Überbrückungshilfe des Bundesministeriums für Bildung und Forschung:
- Die BMBF-Überbrückungshilfe sollte ursprünglich nur für Juni, Juli und August gelten, am 20.08. gab Bildungsministerin Karliczek aber die Verlängerung bis September bekannt.
- Die Hilfe gilt für alle, die nachweislich pandemiebedingt in Geldnot sind (falls also entweder eure Arbeit, die eurer Eltern oder eurer Ehe-/Lebenspartner*innen direkt betroffen ist).
- Der Förderungsbetrag liegt zwischen 100 und 500 €. Die Höhe hängt von eurem Kontostand ab.
- Die Überbrückungshilfe kann über das Studierendenwerk beantragt werden.
- Der KfW-Studienkredit:
- Je nach Bedarf stehen euch bis zu 650 € im Monat zu.
- Ab Mai 2020 bis einschließlich März 2021 entfallen die Zinsen für den Kredit. Seit Juni gilt das auch für ausländische Studierende.
- Hier geht’s zum Online-Antrag.
- Die Corona-Nothilfe für Studierende
- Hierfür stellten die Hochschulen Stralsund und Neubrandenburg und das Greifswalder Studierendenwerk 10.000 € aus Eigenmitteln zur Verfügung. Mittlerweile sind noch mehr Spenden dazugekommen.
- Die Nothilfe orientiert sich an den gleichen Bedarfssätzen wie das BAföG. Ihr geltet also nicht als bedürftig, wenn ihr mehr als 744 bzw. 853 € (wenn ihr eure Krankenversicherung selbst tragt) zur Verfügung habt.
- Die Nothilfe ist nur für Studierende gedacht, die speziell durch Corona in Notlage geraten sind.
- Bei Fragen steht euch jederzeit die Sozialberatung unterstützend zur Seite.
Beitragsbild: Arek Socha auf Pixabay
von Martin Hackbarth | 11.12.2010
„Ich wäre so gerne Millionär, dann wäre mein Konto niemals leer.“ 1991 erschien das Lied Millionär von den Prinzen, welche mit ihren Songs eine steile Karriere starteten. Einige Studierende waren zu dieser Zeit noch gar nicht geboren oder noch zu jung, um sich ernsthaft Gedanken bezüglich der Problematik eines leeren Kontos zu machen.

Die 19. Sozialerhebung der Deutschen Studentenwerke für die neuen Bundesländer.
Ein in Deutschland lebender Studierender hatte 2009 durchschnittlich rund 812 Euro im Monat zur Verfügung. Diese Zahl geht aus einer Statistik des Deutschen Studentenwerkes hervor. Greifswalder Studierende erreichen hingegen nicht diesen Wert und landen mit circa 700 Euro weit unter dem Bundesdurchschnitt. Diese 700 Euro ergeben sich dabei aus der Summe des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG): Kindergeld, Studienkrediten, Stipendien, Geld von den Eltern oder Nebenjobs. Damit gehören die Greifswalder Studierenden zu den 18 Prozent bundesweit, die deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Rund 19 Prozent verfügen über 700 bis 800 Euro, 43 Prozent bekommen über 800 Euro. Bachelor und Masterstudierende haben im Bundesdurchschnitt geringfügig weniger Geld zur Verfügung, als Studierende auf Diplom und Magister. Im Ergebnis müssen sich Bachelor- und Masterstudierende auch mehr hinzuverdienen, als Diplom und Magister Anwärter. Der durchschnittlich monatliche Hinzuverdienst liegt bundesweit bei rund 250 Euro. Ungeachtet dessen existieren unter Studierenden Befürchtungen, dass das monatlich zur Verfügung stehende Geld nicht ausreicht. Etwa 16 Prozent der Studierenden schätzen ihre Studienfinanzierung als ungesichert ein. Der Anteil an Studierenden mit der Herkunft aus finanziell schwächer gestellten Familien ist dabei wesentlich höher, als der aus finanziell gesicherten Familien. Daraus resultiert ein wachsender finanzieller und auch psychischer Druck auf die Studierenden, welcher sich auch auf die Studienleistungen auswirkt.
Bevor die Studienfinanzierung in Greifswald geklärt werden kann, muss ein kurzer Überblick über die Studienausgaben erfolgen. Die durchschnittlichen Ausgaben für die Miete betragen in Greifswald rund 255 Euro. Weitere 140 Euro werden für die Ernährung veranschlagt sowie 59 Euro für Medikamente, Arztkosten oder der Krankenversicherung, Telefon, Internet, Rundfunk und Fernsehgebühren machen rund 35 Euro aus, 63 Euro für weitere Bildungs-, Kultur- und Freizeitangebote sowie 43 Euro für Kleidung und 33 Euro für Lernmittel. Fahrtkosten schlagen mit rund 75 Euro zu buche. Daraus ergibt sich ein monatlicher Aufwand von circa 700 Euro. Diese Zahlen stammen aus der 19. Sozialerhebung der Deutschen Studentenwerke für die neuen Bundesländer. Greifswald gehört somit zu den 18 Prozent, welche bundesweit ein monatliches Plus von 0 bis 50 Euro besitzen.
Studienfinanzierung in Greifswald

Sicherheit durch Verschuldung.
Im Jahr 2009 stellten 3595 Studierende einen BAföG-Antrag, davon wurden 2846 bewilligt. 1131 bekommen den Höchstsatz, welcher derzeit noch 584 Euro, ohne den Zuschlag für Kranken- und Pflegeversicherung, beträgt. Die Förderquote (Relation: Empfänger zur Gesamtstudierendenzahl) liegt bei lediglich 23,3 Prozent. Dieser Wert liegt sogar unter dem Bundesdurchschnitt von 29 Prozent. In der Hansestadt liegt der durchschnittliche Förderbetrag bei 389 Euro im Monat, welcher damit weit unter dem Wert der vollen Förderung angesiedelt ist. Der Anteil von Studierenden mit Vollförderung in Greifswald liegt bei fast 40 Prozent. Deutschlandweit bekommen über die Hälfte der Studierenden die volle Summe. Knapp die Hälfte der Greifswalder Studierenden gehen neben dem Studium arbeiten. Damit liegt die Quote unter dem Bundesdurchschnitt von 65 Prozent. Bundesweit erhalten 87 Prozent der Studierenden Unterstützung durch ihre Eltern unterstützt.
Studienkredit oder Darlehen
Neben dem BAföG, der Unterstützung der Eltern und dem Nebenjob gibt es eine weitere Einnahmequelle, welche einen immer höheren Stellenwert einnimmt. Diese Einnahme nennt sich Studien- oder Bildungskredit. Derzeit beziehen rund 5 Prozent der Studierenden einen Studien- oder Bildungskredit. Laut Studentenwerk ist diese Zahl steigend. Die Mehrheit besitzt einen Studienkredit der KfW-Bankengruppe. Des Weiteren stieg die Zahl an Darlehen durch das Studentenwerk. 2009 bekamen 162 Studierende ein kurzfristiges Darlehen in Notsituation und 52 ein Überbrückungsdarlehen. Die Gesamtausgaben beliefen sich dabei auf 83.554 Euro. 2010 stiegen die Gesamtausgaben um 5,1 Prozent auf 87.788 Euro und die Anzahl der Bedürftigen um 9,6 Prozent auf 240 Darlehensnehmer.
Insgesamt ist zu betrachten, dass die Mehrheit der Greifswalder Studierenden ihre Studienfinanzierung gesichert hat. Doch diese Sicherung entsteht bei rund 26 Prozemt durch Verschuldung. Die Mehrheit muss mindestens 10.000 Euro, aufgrund der Studienförderung durch BAföG, zurück zahlen. Ein kleiner Teil der BAföG-Empfänger bezieht zudem einen Studienkredit aus der Privatwirtschaft, welcher verzinst ist. Es ist nicht selten, dass Greifswalder Studierende nach erfolgreichen oder erfolglosen Studium Verbindlichkeiten in Höhe von 15.000 Euro oder mehr haben. Teilweise gehen sogar Studierende mit Verbindlichkeiten von über 30.000 Euro aus dem Studium. Nicht mit einberechnet sind dabei die Tilgung von Zinsen während der Kreditauszahlung, welche den Verschuldungsgrad deutlich erhöhen. Bundesweit stieg die Zahl der Studierenden, die nach dem Studium stark verschuldet sind, schneller als in Greifswald. Doch auch hier ist laut Studentenwerk eine ähnliche Tendenz zu vermelden.
Bemerkung des Autors: Die kürzlich entschiedenen Veränderungen zum BAföG wurden noch nicht beachtet.
Fotos: Torsten Heil (DSW-Broschüren), (Juso-Geld/Archiv)
Um den Verschuldungsgrad eines Studierenden zu vergegenwärtigen, führte der Autor ein Kurz-Interview mit einem KfW-Studienkredit-Inhaber. Die Person möchte anonym bleiben.
webMoritz Wieso sind Sie auf ein Studienkredit der KfW-Bankengruppe angewiesen?
Kreditnehmer „Ich bin auf den Studienkredit der KfW angewiesen, da meine Eltern ‚zu viel’ verdienen als das ich mein Studium über BAföG finanzieren könnte, aber nicht genug verdienen, als dass sie mich ausreichend unterstützen könnten. Des Weiteren möchte ich möglichst wenig nebenbei arbeiten müssen, um mich so noch besser auf das Studium konzentrieren zu können.“
webMoritz Wie kamen Sie auf dieses Angebot?
Kreditnehmer „Ich bin auf das Angebot selber aufmerksam geworden, als ich mich vor dem Studium Gedanken gemacht habe, wie ich dies am besten finanzieren könnte.“
webMoritz Was mussten Sie machen, um den Kredit zu bekommen?
Kreditnehmer „Die Antragstellung ist sehr unkompliziert über das Internet möglich. Der Antrag wird dann über einen Vertriebspartner der KfW (im Wesentlichen alle großen deutschen Geschäftsbanken) an die KfW weitergeleitet. Es müssen keinerlei Sicherheiten für die KfW beigebracht werden.“
webMoritz Wie hoch ist die monatliche Auszahlung?
Kreditnehmer „Die monatliche Auszahlung beträgt 650,00 EUR minus der bereits aufgelaufenen Zinsen.“
webMoritz Wie hoch ist die voraussichtliche Verschuldung am Ende der Studienzeit?
Kreditnehmer „Bei einer Studiendauer von 10 Semestern (so beim KfW-Antrag angegeben) würde die Verschuldungssumme am Studienende 39.000,00 EUR betragen. Dies wäre die effektive Summe, da die aufgelaufenen Zinsen bereits während der Auszahlungsphase bezahlt worden sind. Allerdings ist die Gesamtrückzahlungssumme wesentlich höher, abhängig von der Länge der Rückzahlungsphase und der Marktzinsentwicklung.“
webMoritz Vielen Dank für das Gespräch.
von Archiv | 07.07.2008

Ende des Jahres 2003. Erleichtert hält der damals 27-jährige Jens Glatzer einen Brief in der Hand. Der Lehramtsstudent für Philosophie und Kunst steht kurz vor seinem Studienabschluss an der Uni Greifswald. Allerdings bereitet eine akute Geldnot ihm Schwierigkeiten. Er empfängt kein BAföG mehr, seine Eltern zahlen nicht und ein Nebenjob ist mit den Prüfungsvorbereitungen nur selten vereinbar.
Also beantragte Glatzer einen Bildungskredit der KfW, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, den er nun in der Hand hält. „Ich schaute den Vertrag nur kurz durch. Die Erleichterung über die finanzielle Hilfe war groß und ich brauchte mir um meinen Abschluss keine Sorgen mehr machen“, schildert der gebürtige Brandenburger. Nun weiß er, dass solch ein Vertrag genauer durchgelesen werden sollte. (mehr …)
von Archiv | 07.07.2008
Die Entscheidung für eine Hochschule ist schnell gefallen. Die Antwort auf die Frage, wie man sich das Studium finanzieren wird, hingegen nicht. Die finanzielle Unterstützung seitens der Eltern reicht selten aus. Eine Förderung durch BAföG steht nicht allen zu. Die heiß begehrten Stipendien können nur Wenige ergattern. Am Ende bleibt nur noch der Nebenjob. „Aber die Wenigsten sind bereit und dazu in der Lage, sich ihr ganzes Studium über die eigene Arbeit zu finanzieren“, merkt Aniisa Paul (AStA-Referentin für Studienfinanzierung) an. Seit kurzem möchte jedoch eine neue Finanzierungsform die Sorge vieler Studenten erleichtern: der Studienkredit.
Attraktive Konditionen
Eingeführt wurde der Kredit für Studenten erstmalig vor knapp zwei Jahren von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfWFörderbank). Das Ziel war es, die in zwölf Bundesländern eingeführten Studiengebühren, abzufedern und den angehenden Akademikern eine Fortführung des Studiums trotz dieser Mehrbelastung zu ermöglichen. Mit Hilfe des Studiendarlehenssollen die Lebenshaltungskosten während des Erststudiums finanziert werden. Seine Attraktivität erhält dieser Kredit vor allem dadurch, dass er sich den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Studenten anpasst. Zum einen erfolgt die
Auszahlung des Geldes nicht in einem Zuge, sondern pro Semester. Die Höhe des Betrages kann den individuellen Erfordernissen entsprechend angepasst werden und von einem zum anderen Semester variieren. Die Rückzahlung des Kredites muss frühestens ein Jahr nach der Hochschulausbildung erfolgen. Die jeweilige Rückzahlungssumme wird von den meistens Banken einkommensabhängig erhoben. Die Voraussetzungen für die Bewilligung des Kredites sind von Bank zu Bank unterschiedlich. Essentiell ist in jedem Fall die Immatrikulation an einer (mehr …)