von Allan Kant | 27.04.2023
Kennt ihr das, wenn man mal was Neues ausprobieren will, aber am Ende alles beim Alten bleibt? Uns jedenfalls kommt das sehr bekannt vor, deswegen haben wir uns für euch auf einen Selbstoptimierungstrip begeben. In dieser Kolumne stellen wir uns sieben Tage als Testobjekte zur Verfügung. Wir versuchen für euch mit unseren alten Gewohnheiten zu brechen, neue Routinen zu entwickeln und andere Lebensstile auszuprobieren. Ob wir die Challenges meistern oder kläglich scheitern, erfahrt ihr hier.
Hintergrund
Jährlich etwa 40 Tage vor Ostern beginnt am Aschermittwoch die Fastenzeit und endet in der Nacht zum Ostersonntag. Traditionell verzichtet man in der katholischen Kirche in diesem Zeitraum auf den Konsum von Fleisch. Ziel ist es, in dieser Zeit bodenständig zu leben und eine bessere Beziehung zu Gott zu finden, in Vorbereitung auf Ostern, das höchste christliche Fest; die Zahl 40 hat dabei symbolische Bedeutung. Es ist jedoch unter den fastenden Christ*innen durchaus üblich, auf eine andere als die traditonelle Art und Weise zu fasten.
Die Wahrung der Schöpfung ist für mich ein zentrales Anliegen, dass sich auch in den ersten Kapiteln des Alten Testaments der Bibel widerspiegelt. Da der Konsum tierischer Produkte ein Faktor, wenn auch natürlich nicht der einzige, in der Ernährung ist, der eine verstärkte Emission von Treibhausgasen verursacht, erschien mir der traditonelle Fleischverzicht als Fasten sinnvoll. Da ich jedoch onehin eher wenig Fleisch esse und andere tierische Produkte auch ähnlich viele Treibhausgase verursachen, habe ich mich dazu entschieden, das Konzept zu erweitern und die Fastenzeit vegan zu verbringen. Auch die grausamen Haltungsformen moderner Massentierhaltung, die für mich christlich und allgemein ethisch unvertretbar sind, haben mich dazu bewogen, in der Fastenzeit vollständig auf tierische Produkte zu verzichten.
Ablauf
Diese Verzicht gestaltete sich für mich in Bezug auf die verschiedenen üblichen Mahlzeiten deutlich verschieden. Für die warmen Mahlzeiten zu Hause in Greifswald war es keine nennenswerte Umstellung. Ich koche hier onehin nur sehr einfach und vegetarisch und musste eigentlich nur Sahne als Sauce weglassen. Als Alternative habe ich Saucen auf Mehlschwitzen-Basis entdeckt, was mir sogar besser schmeckt als Sahne. Während der Zeit bei meinen Eltern im Laufe der Semesterferien, wo ich stets etwas ausgefallener essen kann, war der Unterschied zwar etwas deutlicher, da es aber auch bei meinen Eltern meistens vegetarisches Essen gibt, war der Verzicht auch hier zwar spürbarer aber immer noch recht gut machbar. Schwierig war es in der Gastronomie zu essen, da es dort häufig extrem wenige oder gar keine vegane Speisen gibt. Bei einem Ballabend eines Vereins, in dem ich Mitglied bin, gab es zum Beipiel nur eine Gemüsebeilage und Kartoffeln als veganes Angebot. In einem Eiscafé, in dem ich mich mit einer Freundin getroffen habe, wurde überhaupt kein veganes Essen angeboten, sodass ich nur einen Tee trinken konnte. Das war natürlich nicht schön. Gerade weil ich wusste, dass ich mich nicht dauerhaft vegan ernähren würde, konnte ich mich aber ganz gut darauf einlassen, in solchen Situationen dann nur ein eingeschränktes Angebot oder gar nichts zu essen. Ich weiß dadurch nun, dass man, wenn man sich vegan ernährt und ein Café besuchen möchte, sich im Voraus darüber informieren sollte, ob es dort ein veganes Essensangebot gibt. Auch Essen bei Freund*innen war oft schwierig, da ich immer Sonderwünsche stellen musste, um dort vegan mitessen zu können. So konnte ich beispielsweise einmal bei Nudeln mit Käsesauce nur die Nudeln essen und konnte dann dazu nur Tomaten, die eigentlich als Salatbeilage gedacht gewesen waren, essen. Das wurde jedoch von Freund*innen nie als störend empfunden. Die größte Einschränkung war für mich, wie ich bereits im Vorfeld erwartet hatte, der Verzicht auf Käse, den ich sehr gerne esse und der eigentlich mein einziger Brotbelag ist. Als Alternative fand ich Hummus, veganes Pesto und Fruchtaufstriche als Brotbelag. Gerade in den letzten ein bis zwei Wochen der Fastenzeit war diese Umstellung jedoch diejenige, die ich mir mit Abstand am deutlichsten wieder weg wünschte, was daran lag, dass ich eben so gerne Käse esse. Normalerweise esse ich nur Brote mit Käse und habe immer mehrere Sorten zu Hause im Kühlschrank. Daher habe ich ihn auch am meisten vermisst.
Fazit
Durch diese Fastenzeit habe ich nun für mich eindeutig bewiesen, dass ich mich theoretisch vegan ernähren könnte, wenn ich bereit dazu wäre. Dazu bin ich allerdings nicht bereit, weil ich einige Lebensmittel, vor allem Käse, doch zu sehr vermisst habe und durchaus den Ansatz habe, dass eine Absolutheit in dieser Hinsicht nicht angemessen ist, man sich aber über den eigenen Konsum und seine Auswirkungen bewusst sein sollte. Ein solches Bewusstsein über die Vorzüge tierischer Produkte aber auch vorhandener Alternativen habe ich nun durch diese Fastenzeit verstärkt entwickelt. Ich möchte außerdem versuchen, im Zuge der Bewahrung der Schöpfung auch über die Fastenzeit hinaus einige Alternativen für tierische Produkte weiterhin zu verwenden. So esse ich weiterhin vegane Mehlschwitzen-Saucen und kann mir vorstellen, einige Wochne nach Ostern auch wieder gelegentlich Hummus auf dem Brot zu essen. Erst einmal esse ich aber wieder recht viel Käse, nachdem ich das rund 40 Tage lang nicht tun konnte.
Beitragsbild: Allan Kant
von Adrian Siegler | 28.04.2021
Kennt ihr das, wenn man mal was Neues ausprobieren will, aber am Ende alles beim Alten bleibt? Uns jedenfalls kommt das sehr bekannt vor, deswegen haben wir uns für euch auf einen Selbstoptimierungstrip begeben. In dieser Kolumne stellen wir uns sieben Tage als Testobjekte zur Verfügung. Wir versuchen für euch mit unseren alten Gewohnheiten zu brechen, neue Routinen zu entwickeln und andere Lebensstile auszuprobieren. Ob wir die Challenges meistern oder kläglich scheitern, erfahrt ihr hier.
Der Hintergrund für diesen Umgekrempelt-Artikel liegt in der Fastenzeit, welche auch für viele nicht-religiöse Menschen einen Anlass für Verzicht darstellt. Fasten selbst beschreibt dabei traditionell den Verzicht auf bestimmte Speisen, Getränke oder Genussmittel, hat seinen Ursprung in der katholischen Kirche und symbolisiert dort die Vorbereitung auf das Osterfest. Mittlerweile wird der Begriff jedoch synonym für jedwede Form von Verzicht benutzt. Beliebte Beispiele sind das Smartphone– oder das Social-Media-Fasten. Der in meinem Fall korrekte Begriff wäre die Abstinenz von Fleisch in meiner Ernährung.
Ich habe meine Ernährung vom 17.02. bis zum 03.04. komplett vegetarisch gestaltet. Das mag sich zwar nach keiner großen Herausforderung anhören und auch ich muss gestehen, dass ich nicht damit gerechnet habe mich einer schwierigen Aufgabe gegenüber zu sehen. Jedoch fiel es mir tatsächlich nicht immer so leicht, Fleisch komplett aus meinem Speiseplan zu kürzen. In welchen Situationen dies der Fall war, erfahrt ihr hier.
Der vegetarische Lebensstil ist heutzutage immer verbreiteter und hat den Ruf eines Trends längst abgestreift. Gleiches zeigt auch der Markt, welcher seine Produktpalette an die steigende Nachfrage nach vegetarischen oder veganen Alternativen angepasst hat. Eine Entwicklung, die in vielerlei Hinsicht einen Fortschritt darstellt. Auf der einen Seite bedeutet das einen Rückgang in der Massentierhaltung, auf der anderen Seite entsteht durch den Verzicht auf Fleisch Platz auf dem Speiseplan für andere Lebensmittel, was in einer ausgewogeneren Ernährung resultiert.
Da hab ich mir die Frage gestellt, warum ich nicht schon früher den Versuch gewagt habe, mich fleischfrei zu ernähren. Schließlich ist vegetarisch leben heutzutage einfacher und zugänglicher als je zuvor.
Aller Anfang ist schwer?
In das Experiment bin ich ohne allzu große Vorbereitung gestartet. Ich habe mir auch wenig Gedanken über die ersten Tage gemacht, da ich bereits vor dem Fasten nur gelegentlich Fleisch gegessen habe. Das bedeutet, vielleicht an zwei bis drei Mahlzeiten die Woche. Trotz dessen habe ich noch nie für einen längeren Zeitraum vegetarisch gelebt.
Wie zu erwarten, verflogen die ersten 10 Tage wie im Flug, bis zu dem Punkt, an dem ich in meinem Alltag zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe, wie lange ich bis dato eigentlich schon ganz ohne Fleisch gelebt habe. Diese Erkenntnis brachte große Motivation mit sich, das Experiment ohne Probleme durchzuziehen. Ich war selbst überrascht, dass ich gar nicht daran gedacht habe, dass ich ja vegetarisch lebe.
Hochmut kommt vor dem Fall
Kaum motiviert, hat sich ein paar Tage danach immer wieder ein starkes Bedürfnis eingestellt, ein schönes Wiener Schnitzel oder einen Döner zu essen. Irgendwas anderes als Reis mit Scheiß oder Nudeln mit Pesto, die mich bis dahin gut über Wasser gehalten haben. Das bedeutete für mich, dass ich mich auf die Suche nach Alternativen machen musste, um meine Ernährung etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Gleichzeitig hatte ich aber in der noch herrschenden Prüfungsphase wenig Lust darauf, aufwendigere Gerichte zuzubereiten. So stieß ich nebenbei auf Joghurt sowie Soja-, Mandel- oder Hafermilch, da mir diese besser schmecken als normale Milch. Das hat zwar nichts mit meiner Aufgabe an sich tun, dennoch wollte ich diesen willkommenen, neuen Trend in meiner Ernährung festhalten. Von den tatsächlichen Fleischalternativen habe ich schon vor dem Experiment nicht allzu viel gehalten und auch während meines Experiments konnte ich nicht so ganz über meinen eigenen Schatten springen. Musste ich aber auch nicht.
Selbst nach den ersten zwei Wochen konnte ich die „Fleischeslust“ gut unterdrücken und habe mich im Großen und Ganzen sehr wohl gefühlt. Die nächtlichen Albträume von riesigen Rinderfilets, die sich vor meinen Augen in Kohlrabi, Blumenkohl oder Rote Beete verwandelt haben und mich schweißgebadet haben aufwachen lassen, blieben also aus.
Habe ich durchgehalten?
Die weiteren Wochen haben sich nicht großartig anders angefühlt. Deswegen möchte ich darauf auch nicht besonders eingehen. Mein meal of choice blieb weiterhin Nudeln mit allem, was mir in die Finger kam und meinen Fleischbedarf konnte ich weiterhin gut unterdrücken. Die Lust nach Fleisch trat immer in Kombination mit einem generellen Hungergefühl auf und ging auch wieder mit dem Hunger. Demnach hat es immer gereicht, wenn ich einfach irgendwas gegessen habe. Und da ich kein Fleisch im Haus hatte, war das Problem schnell erledigt.
Mit voranschreitender Zeit habe ich die Beobachtung gemacht, beziehungsweise das Gefühl gehabt, entweder den Geschmack von Fleisch vergessen zu haben oder anderen Speisen einen fleischähnlichen Geschmack zuzuordnen. So habe ich die typische Deftigkeit, die Fleisch nun einmal mit sich bringt, in anderen Lebensmitteln und Gerichten wiedergefunden. Besonders, wenn ich zum Beispiel Zwiebeln angebraten oder Spiegeleier zubereitet habe. Anfangs war ich auch gespannt, ob ich mich nach den Mahlzeiten generell fitter oder schlapper fühle. Jedoch ist mir diesbezüglich nichts aufgefallen. Das lag wohl auch daran, dass mein Fleischkonsum schon vor dem Experiment eher in Maßen statt in Massen ausgefallen ist.
Fazit
Während des Experiments kam mir überschwänglich der Gedanke, mich vegan zu ernähren. Nach kurzer Evaluation warf ich diesen Gedanken jedoch schnell wieder über den Haufen. Das lag vor allem an den Produkten auf Milchbasis, die wegfallen würden. So hat schon Erfolgsrapper Moneyboy in seiner Kult-Kochshow Traphouse-Kitchen formuliert: „Butter kann durch nichts ersetzt werden.“
Auch wenn mir bereits bewusst war, dass ich ein Leben komplett ohne Fleisch führen könnte, hat mir dieser Versuch nochmal vor Augen gehalten, dass ich in dieser Annahme durchaus Recht behalten habe. Dennoch wird sich an der Höhe meines Fleischkonsums voraussichtlich nicht allzu viel ändern. Dafür schmeckt mir Fleisch einfach zu gut. Darüber hinaus habe ich erneut gelernt, wie sehr ich Fleisch doch zu schätzen weiß und auch zu schätzen wissen sollte. Ohne jetzt zu sehr die Moralkeule schwingen zu wollen, möchte ich doch darauf hinweisen, dass ein regelmäßiger Verzehr von Fleisch alles andere als selbstverständlich ist und als Privileg angesehen werden sollte. Deswegen kann ich nur allen, die es nicht ohnehin schon tun, ans Herz legen, auch den Versuch zu wagen, mal Schnitzel oder Filet von der Karte zu streichen.
Beitragsbild: Adrian Siegler