Der Nordische Klang hat wieder in Greifswald stattgefunden. Für das diesjährige Fest übernahm Estland die Schirmherrschaft. Das Event, welches nun schon zum 33. Mal in Deutschland stattfand, war voller fantastischer und wunderbarer Eindrücke, die man nicht so schnell vergisst; egal ob Ausstellungen, Vorträge, Filme oder musikalische Darbietungen.
Letztes Jahr haben sich zwei webmoritz.Redakeurinnen für euch aufgemacht, um ein paar der musikalischen Eindrücke zu erlangen. Part 1 und Part 2 könnt ihr dazu noch einmal nachlesen. Auch dieses Jahr waren sie für euch unterwegs und haben sich diverse musikalische Darbietungen zu Gemüte geführt.
YrrY: Experimentell, Ehrlich, Erstaunlich
Am 07. Mai trat das Quartett YrrY auf, bestehend aus Carmen Bóveda (Cello), Mari Garcés (Gesang), Håkon Skjæret (Schlagzeug, Xylophon), und Owen Weaver (Schlagzeug). Die Band aus Norwegen verbindet ihre Liebe für neue Musik und ungewöhnliche Instrumente. Damit geht auch ein sehr ungewöhnlicher Sound einher, denn die jungen Musiker*innen begannen ihre Darbietung auf ganz andere Art und Weise: sie setzten den Fokus auf genau die Dinge, die bei einer guten Performance eigentlich vermieden werden sollten. Über fünf Minuten lang lauschten wir den Klängen von Räuspern, Stühleschaben, Feedback des Mikrofons, Quietschen eines Ständers, oder ungewollten Tönen eines Instruments.
Ein weiteres Stück der Band wird mir lange noch im Gedächtnis bleiben. Hintergrund dazu war die Geschichte eines Mannes, der über das Meer flüchtet, und genauso klang das Stück auch. Schweres Atmen ins Mikrofon simulierte die Brandung, Xylofon und Cello ahmten das Quietschen und Ächzen eines großen Frachtschiffes nach, und das Schlagzeug erzeugte einen sich tadellos einfügenden metallenen Sound dazu. Hört gern einmal in den Musikclip hinein und schließt dabei eure Augen. Ich ertappte mich dabei, wie ich angestrengt lauschte, um auch ja jeden Ton herauszuhören.
Zum Ende zeigten sich YrrY noch von ihrer schauspielerischen Seite. Zur Frage, was Musikalität eigentlich bedeutet, liefen sie auf der Bühne herum, schwenkten ihre Instrumente umher, tauschten sie auch mal untereinander aus, oder bauten alles komplett ab und dann wieder auf. Zum Schluss standen sie vor ihren zu einem Berg aufgestapelten Musikinstrumenten, rezitierten ein Gedicht und sangen dann a capella dazu, was es heißt, Musikalität zu besitzen.
Dieser einprägsame Abend traf sicherlich nicht den Geschmack von Allen – direkt neben uns saß jemand, der sich im Anschluss bei seiner Begleitung über die Band beschwerte, und gerade den letzten Akt schrecklich fand. Ich kann mir vorstellen, dass ein paar der Zuschauenden diese Meinung teilten (ich selbst fand das letzte Stück ebenfalls ungewohnt und etwas zu lang), aber grundsätzlich ist so eine Darbietung doch total spannend, gerade weil sie so anders und kontrovers ist. Eine angenehme Unterhaltung zum Zurücklehnen war es sicher nicht – doch das soll sie gar nicht sein.
Die dänische Band Kalaha trat am selben Abend auf. Niclas Knudsen (Gitarre & Talk Box), Emil de Waal (Drums & Percussion), Jens ‘Rumpistol’ Christiansen (Synths & Gesang), und Anders Stig Møller (Bass & Laptop) spielten energiegeladene Lieder und sorgten für einen angeregten Abend, an den ich gern zurückdenke.
Hier ging es um einiges rockiger zu, und schon bald schwangen die Ersten ausgelassen das Tanzbein. Die 2014 gegründete Band verbindet verschiedene Genres, von Acid Rock und improvisiertem Jazz bis hin zu anatolischem Funk und Acid Techno, was ihnen bereits einen Danish Music Award, einen Carl Award und zahlreiche Nominierungen einbrachte.
Auf der Bühne spielten sie ausgelassen und wild. Gerade der Schlagzeuger tobte sich richtig aus und steckte uns mit seiner Begeisterung an. Man merkte den Musikern das jahrelange Zusammenspiel und den Spaß auf der Bühne sehr an. Die türkische Sängerin Hilal Kaya, mit der die Band kollaborierte, kam ebenfalls für ein paar Lieder auf die Bühne. Mit klarer Stimme sang sie auf türkisch, was sich unerwartet gut mit dem rockigen Sound der Band verbinden ließ.
Hier findet ihr Kalaha feat. Hilal Kaya zum selbst Reinschnuppern.
Maja Mannila Trio: Fusion Jazz, der belebt
Am 08.05. trat das Maja Mannila Trio im St. Spiritus zur Jazznacht auf. Die finnische Band der Soul/Jazz-Sängerin hat bereits einen beträchtlichen Stein im Brett der europäischen Jazz-Szene. Zusammen mit Johannes Granroth (Bass) und Severi Sorjonen (Schlagzeug) performte Maja Mannila ihre selbst geschriebenen Lieder auf Englisch. Einflüsse des Jazz, Gospel und R’n’B finden sich in ihrem Stil wieder und machten auch diesen Abend zu einer musikalischen Delikatesse.
Letztes Jahr gehörte die Jazznacht zu einem meiner liebsten Abende des Nordischen Klangs, und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Mal langsam und nur mit Bass begleitend, mal laut, rhythmisch und kühn verzauberte das Trio die Gäste. Unter anderem wurden Songs wie „With you“, „Daydream“ oder „Fly“ gespielt – letzteren schrieb Maja Manilla mit gerade mal 16 Jahren. Besonders die verschiedenen Soli von Schlagzeug, Bass und Gesang, die nochmal die individuelle Stärke der Künster*innen zeigten, haben es mir angetan.
Rahel Talts Quartet: Zusammenspiel der feinsten Art
Der Jazzabend ging weiter mit der Band der estnischen Pianistin Rahel Talt. Sie performten ihre Stücke, welche akustischen Jazz mit Einflüssen aus dem Bebop und der Tradition fusionierten. Mit Mariusz Praśniewski (Polen) am Bass, Jesper Lørup Christensen (Dänemark) am Schlagzeug, Donatas Petreikis (Litauen) am Saxophon und Rahel Talts (Estland) am Klavier sorgte die Band für einen klangvollen, energetischen Abend.
Rahel Talt verbindet in ihrer Jazzmusik alte mit neuen Zeiten, was an Stücken wie „Present Moment“ oder „Russel“ gut zur Geltung kommt. Besonders beeindruckend war das Zusammenspiel der Vier. Das Saxofon fügte sich nahtlos mit dem Kontrabass und dem Klavier ein, und zwischenzeitlich muteten Rahel Talts Finger an, als flögen sie über die Pianotasten. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, von einem Tornado des Jazz überrollt zu werden – ein Erlebnis, das ich jederzeit wiederholen würde.
Beendet wurde der Abend mit einer jazzigen Interpretation eines Esti Folksongs. Tänan teid väga!
Es gibt, wie letztes Jahr auch, einen zweiten Teil – also stay tuned!
Zur Person der*des Autor*in
Marthe (sie/ihr) ist den weiten Weg von Rostock nach Greifswald im WiSe 2020/21 gekommen, um Kommunikationswissenschaften und Anglistik zu studieren. Seit März 2023 ist sie bei den moritz.medien als Autorin und Lektorin dabei. Einige ihrer liebsten Dinge sind Espresso, Katzen und Filme.
Lõpuks on aeg taas käes! – Endlich ist es wieder soweit! Greifswald ist auch 2024 erneut Austragungsort der 33. Spielzeit des „Nordischen Klangs“, bekannt als das „Fest des Nordens“. Vom 03. bis zum 12. Mai haben Besucher*innen des Festivals die Möglichkeit, die vielfältigen Kulturen Nordeuropas besser kennenzulernen. In Zusammenarbeit mit mehr als 150 Künstler*innen wird ein buntes Programm, verteilt auf 40 Veranstaltungen, geboten.
Grenzquerungen – 2024 geht es nach Estland
2023 hatten Nordeuropa-Fans die Möglichkeit, das alljährliche vielfältige Repertoire des Nordischen Klangs mit schwedischem Schwerpunkt zu genießen. In diesem Jahr geht die Schirmherrschaft bereits zum zweiten Mal an Estland über, dessen Universitätsstadt Tartu zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 ernannt wurde. Dabei greift der 33. Nordische Klang nicht nur den 20. Jahrestag des Eintritts Estlands in die EU, sondern auch den 250. Geburtstag Caspar David Friedrichs auf, welcher sich in vielen Programmpunkten widerspiegelt.
Unter dem Motto „Grenzquerungen“ zwischen verschiedenen Genres, Stilen und kulturellen Einflüssen warten auf die Besucher*innen Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, ein literaturwissenschaftliches Symposium, Diskussionen und vieles mehr. Auch Live Acts mit Bezug zum Eurovision Songcontest, welcher erneut parallel zum Nordischen Klang stattfindet, dürfen begeistern. Besonders hervorzuheben sind in diesem Jahr natürlich die estnischen Schwerpunkte des Festivals, beigetragen u.a. durch die Musiker*innen Rita Ray und Haldi, die A-cappella-Gruppe Greip, das Rahel Talts Quartet oder die Aufführungen der Estonian Sinfonietta. Für die kleinen Besucher*innen des KinderKlangs und ihre Familien gibt es aus Estland u.a. den Film „Der Geheimbund von Suppenstadt“, der die Zuschauer*innen in die geheimnisvolle Schönheit Tartus versetzt.
Konzerte, Ausstellungen, Kulinarisches – Ein Blick ins Programm
Bereits am 25. April bildet die Eröffnung der Ausstellung „Estnische Plakatentwürfe zum Nordischen Klang 2024“ in der Stadtbibliothek einen ersten Auftakt zum Festival. Präsentiert werden die verschiedenen Plakatentwürfe estnischer Kunst- und Design-Hochschulen, die das „Klingen“ der Veranstaltungen visualisieren sollen. Gewonnen hat in diesem Jahr der Entwurf von Anna-Liisa Sääsk, welcher nunmehr das Motiv des diesjährigen Klangs bildet.
Am 01. Mai stimmt der Nordische Klang auf die kommenden Veranstaltungen im Rahmen des Greifswalder Kulturfestes ein. Musik-Acts und Infostände unterschiedlicher Initiativen und Vereine präsentieren auf dem Marktplatz spannende Impulse zum Thema „Demokratie und Toleranz“. Wer Lust auf die Töne Norwegens hat, darf sich auf den Auftritt von Johanna Seims mit ihrer Hardangergeige freuen.
Zur alljährlichen feierlichen Eröffnung werden die Besucher*innen, Unterstützer*innen, Repräsentant*innen des Schirmherrschaftslandes und Landesvertreter*innen am 03. Mai, 18:00 Uhr, in die Stadthalle geladen. Der Eintritt ist frei. Im Rahmen des anschließenden Eröffnungskonzerts ab 20:00 Uhr durch Sängerin Rita Ray und ihre Band haben die Gäste erstmals im Rahmen des diesjährigen Klangs die Möglichkeit, estnischem Soul-Gesang zu lauschen. Ihr seid bereits neugierig auf den Act? Auf Spotify hat die Sängerin und estnische „Künstlerin des Jahres 2023“ über 10.000 monatliche Hörer*innen und über 1 Mio. Streams ihres zweiten Albums „A Life Of Its Own“. Die Preise zum Konzert sind hier im Programm einsehbar. Auch die vielen weiteren großartigen Künstler*innen und deren musikalische Auftritte sind an dieser Stelle zu finden.
Freund*innen der Literatur mit dem Fokus auf skandinavisch-deutsche Perspektiven dürfen auf das literaturwissenschaftliche Symposium „Erzählen in Kriegszeiten“ am 06. Mai im Alfried-Krupp-Kolleg gespannt sein. Von 10:00 Uhr bis 16:30 Uhr wird im Rahmen verschiedener Vorträge und einer Abschlussdiskussion auf die Frage eingegangen, mit welchen Sprach- und Bilderwelten dem Deutsch-Dänischen Krieg (1864) und dessen Folgen auf literarischer Ebene begegnet wird.
Wer Lust auf eine kleine „Kunstpause“ im Alltag hat, ist herzlich am 08. Mai (12:00 Uhr) zu einer Führung über das sogenannte „Kopenhagener Stammbuch“ und viele erstmalig präsentierte Archivalien und grafische Arbeiten des Caspar David Friedrich ins Pommersche Landesmuseum eingeladen. Der Eintritt kostet 5 Euro.
Auch das Theaterstück „Ach, Caspar!“ am 10. Mai in der STRAZE (20:00 Uhr) geht auf den berühmten Vertreter unserer Stadt ein. Hier wurden durch vier Künstler*innen aus dem Ostseeraum verschiedene Texte und Szenen mit Interpretationen einiger berühmter Werke Friedrichs entworfen. Das Stück wird musikalisch durch elektrische Soundscapes von vega vi untermalt. Informationen zu den Eintrittspreisen sind ebenfalls im Programm einsehbar.
Selbstverständlich hat der Nordische Klang auch kulinarisch wieder einiges zu bieten! Beteiligt sind erneut die Brasserie Hermann, das Café & Restaurant Lichtblick, das STRAZE Café, das Störtebeker Braugasthaus, das Fabelfrau Schmuckcafé, Café Bommelz und das Berufsbildungswerk Greifswald. Einen Einblick in die Speisekarten der genannten Einrichtungen gibt es im Programmheft ab Seite 36.
Eintritt und Ermäßigungen
Tickets für den Nordischen Klang gibt es sowohl online als auch in der Greifswald-Information und an der Theaterkasse.
Wie immer wird ab dem Besuch von zwei Veranstaltungen der Kauf einer KlangKarte empfohlen, um bei ausgewählten Veranstaltung eine Preisreduktion auf 6 Euro zu bekommen. Weitere Informationen zur KlangKarte gibt es im Programmheft auf Seite 35.
Auch Schüler*innen, Studierende, Auszubildende, Schwerbehinderte, Arbeitssuchende und KUS-Passinhaber*innen erhalten Ermäßigungen. Für Kinder bis einschließlich 12 Jahre ist der Eintritt bei allen Abendveranstaltungen bei vorheriger Anmeldung unter organisation-nokl@uni-greifswald.de frei.
Achtung an alle Bahnreisenden: Auch ihr könnt bei Vorlage des MV-Tickets, des Quer-durchs-Land-Tickets oder eures tagesaktuellen Fahrscheins an der Abendkasse Rabatte erhalten. Alle Informationen sind ebenfalls im Programmheft auf Seite 35 zu finden.
(Update: Die Klangkarte ist tatsächlich bereits ausverkauft, aber ihr könnt immer noch normale Tickets erwerben)
Der webmoritz. wünscht allen Besucher*innen und Beteiligten viel Spaß und ein gutes Gelingen!
Beitragsbild: Anna-Liisa Sääsk
Zur Person der*des Autor*in
Geboren und aufgewachsen im Kreis Ludwigslust-Parchim, ist Klara ihrer Heimat MV treu geblieben und studiert seit 2018 an der Uni Greifswald. Bei webmoritz. ist sie seit Ende 2020 vorrangig als Lektorin tätig. Zurzeit steht sie kurz vor dem Abschluss ihres Masters im Studiengang „Sprache und Kommunikation“.
Am Samstag, den 14.05.2022, fand das Abschlussfest des Nordischen Klangs im St. Spiritus statt, welches ein voller Erfolg war. Eingeladen waren dabei drei Bands. Gestartet haben um 18 Uhr bei strahlendem Sonnenschein im Innenhof des St. Spiritus Mall Girl aus Norwegen, als zweite Band war Whatclub von den Åland-Inseln am Start und das Finale gaben Lexsoul Dancemachine aus Estland in den Innenräumen des Veranstaltungsorts, wobei die Bands jeweils andere Musikrichtungen spielten.
Mit diesem Fest hat der Nordische Klang einen wirklich gebührenden Abschluss gefeiert. Die meisten der Zuschauer*innen haben irgendwann an diesem Abend mindestens einmal das Tanzbein geschwungen und durch die verschiedenen Musikgenres der Bands war auch für jede*n etwas dabei, was sich auch darin widergespiegelt haben könnte, dass das Publikum bunt gemischt war und alle Altersklassen vertreten waren. Seit Freitag war das Abschlussfest mit 250 Karten restlos ausverkauft, wobei eine normale Karte 18 Euro, ein Studierendenticket 12 Euro und ein Ticket mit Klangkarte 5 Euro gekostet hat.
Die erste Band des Abends – Mall Girl
Die erste Band des Abends war auch die jüngste, sowohl vom Alter der Bandmitglieder als auch vom Alter der Band selbst her. Mall Girl ist eine Indie-Rock-Band aus Oslo in Norwegen, die seit Herbst 2017 zusammenspielen. Erst vor kurzem, am 29. April 2022, ist ihr Debütalbum Superstar bei Jansen Records erschienen. Für die Band war der Auftritt sogar der erste außerhalb Skandinaviens. Auch in Zukunft würden sie gerne wieder in Deutschland spielen, aber aktuell sind hier noch keine weiteren Konzerte geplant. Bei ihren Liedern möchte man sich bewegen und den Klängen dieser talentierten, jungen Menschen lauschen. Man hat bei den Mitgliedern, gerade auch bei Eskild gemerkt, dass sie ihre Musik richtig fühlen. Da macht es als Zuschauer*in noch viel mehr Spaß, ihnen zuzuhören. Für alle, die nicht auf dem Konzert waren, ist hier ein Video, das ihr euch ansehen könnt, um einen Eindruck von der Band zu erhalten.
Als ich den Gitarristen Eskild nach dem Auftritt fragte, wie sie auf ihren Bandnamen gekommen sind, erzählte er mir, dass die Sängerin Bethany bei einer Probe den Namen vorschlug, ihn alle auf Anhieb cool fanden und dass ihnen am Namen gefällt, dass jede*r eine andere Assoziation mit diesem Begriff hat. Für ihn steht er für Spaß und Verspieltheit, was die Band für ihn repräsentiert. Allen Fans der Band fiel sicherlich auf, dass die Schlagzeugerin Veslemøy bei dem Auftritt nicht dabei war. Der Grund dafür war, dass sie als bekannte Schlagzeugerin in verschiedenen Bands spielt und am gleichen Tag mit einer anderen Band auf einem Jazzfestival einen Auftritt hatte. Der Schlagzeuger, der beim Nordischen Klang ihren Platz eingenommen hatte, hatte laut Eskild bereits mit der Band zusammengespielt, sodass die Konstellation gut gepasst hat.
Als letzte Frage stellte ich allen drei Bands folgende Frage: Wo wird die Band idealerweise in fünf Jahren sein? Eskild antwortete mir darauf, dass sie drei weitere Alben veröffentlicht haben und ausverkaufte Konzerte überall in Europa spielen. Meine Daumen sind gedrückt, dass dieser Traum in fünf Jahren Wirklichkeit geworden ist. Ich bin gespannt, was sie in den nächsten Jahren noch zaubern werden und möchte noch mehr von ihnen hören!
Die zweite Band des Abends – Whatclub
Nach einer Pause folgte das Quartett Whatclub von den Åland-Inseln, welche Gypsy-Jazz spielt. Ihr Stil stammt vom Hot Club de France, wovon auch ihr Bandname inspiriert wurde: Überall gibt es Hot Club Bands, sie wollten sich selbst aber nicht den gleichen Namen geben und dachten sich „What Club“? Angefangen hat die Band als Trio 2006/2007, Andreas Nyberg kam dann 2010/11 dazu. Es war für die Band auch das erste Mal, dass sie in Deutschland einen Auftritt hatten, was sie ebenfalls in Zukunft gerne wiederholen würden. Wie jede der drei Bands waren auch sie vom Publikum begeistert. Sie fanden es vor allem schön zu sehen, dass die Leute das Tanzen angefangen haben und sie so Kontakt mit den Zuschauer*innen aufnehmen konnten. Im Gegensatz zu den Bands vor und nach ihnen war ihre Musik etwas ruhiger, aber auch zu ihrer Musik konnte man sich bewegen und sich von ihr tragen lassen. Unter diesem Link findet ihr ein Video von einem Live-Auftritt der Band, falls ihr sie nicht auf dem Konzert gehört habt.
Auf meine Frage, wo die Band in fünf Jahren sein wird, antworteten alle Bandmitglieder, dass sie immer noch zusammenspielen wollen und weiterhin tolle Konzerte geben wollen, wie an diesem Abend. Ich wünsche ihnen, dass auch ihr Wunsch in Erfüllung geht und sie noch viele Menschen mit ihrer Musik begeistern können und zum Tanzen anregen können.
Die dritte Band des Abends – Lexsoul Dancemachine
Für die letzte Band ging es nach drinnen, worüber ich sehr froh war, da es mittlerweile doch ziemlich frisch draußen wurde. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Band den Zuschauer*innen draußen genauso eingeheizt hätte wie drinnen. Lexsoul Dancemachine aus Estland, die es seit 2013 gibt und die bereits drei Studioalben veröffentlicht haben, spielen vor allem Funk gemischt mit Soul, in ihren Liedern mischen sich aber oft mehrere Genres.
Eigentlich sollten sie bereits 2019 zum Nordischen Klang kommen. 2022 hat es nun endlich geklappt und das Warten hat sich mehr als gelohnt! Die Band wurde laut den Veranstaltenden absichtlich ans Ende des Abends gestellt, da sie dafür bekannt sind, ihr Publikum mit ihrer Live-Performance auszulaugen. Das kann ich bestätigen! Schon nach den ersten Takten ihres ersten Songs waren die Zuschauer*innen wie elektrisiert und in den Bann der Tanzmaschine gezogen; sie machten ihrem Namen also alle Ehre. Es gab sogar Zuschauer*innen, die nur wegen Lexsoul Dancemachine zu dem Abschlusskonzert gekommen sind. Ich muss auch sagen, dass mir die Band am besten gefallen hat, einfach weil ich richtig abtanzen konnte und sie so gute Stimmung gemacht haben! Aber nicht nur die Zuschauer*innen haben getanzt! Nein, auch einzelne Bandmitglieder haben immer wieder auf der Bühne getanzt, womit sie so viel Energie versprühten, die sich natürlich auf das Publikum übertragen hat. Mir ist auch völlig schleierhaft, wie der Keyboarder Joonas Mattias Sarapuu es geschafft hat, nebenbei zu tanzen. Ich habe selbst Klavier/Keyboard gespielt, musste dabei jedoch immer ganz still sitzen. Aber gut, schließlich steht auch er auf der Bühne und nicht ich. Ihr Konzert ging mit tosendem Applaus und zwei Zugaben zu Ende. Ich und viele andere hätten am liebsten noch viel länger getanzt. Wer nicht auf dem Konzert war, sollte sich unbedingt einen Live-Auftritt von ihnen anschauen.
Aber wie kamen sie überhaupt auf ihren Bandnamen? Darauf antwortet der Leadsänger Robert Linna, dass ihr Bassspieler Martin Laksberg heißt, den sie „Mister Lex“ nennen. Daraus haben sie schließlich den Bandnamen zusammengesetzt: Er steht für das, was sie musikalisch ausmacht. Auch sie hoffen, dass sie wieder in Deutschland spielen werden, sie sind wohl auch schon für nächstes Jahr für ein paar Festivals gebucht. Und wo möchte Lexsoul Dancemachine in fünf Jahren sein? In fünf Jahren machen sie gerade eine Welttour und geben das Abschlusskonzert in Greifswald. Besser hätte Robert Linna darauf nicht antworten können. Das Abschlusskonzert hier in Greifswald! Wenn es soweit kommt, werde ich auf jeden Fall dabei sein! So oder so möchte ich die Band unbedingt noch einmal erleben, im besten Fall jedoch nicht erst in fünf Jahren.
Fazit
Beim Schreiben des Artikels war ich immer noch beschwingt von diesem wirklich tollen Abend! Es war so schön, einfach mal wieder ausgelassen zu tanzen, ganz ohne Maske! Laut den Veranstaltenden sind sie auf einem Niveau von vor Corona angelangt und ihre Erwartungen an das Festival wurden übertroffen. Ich würde sagen, da ging es nicht nur den Veranstaltenden so! Ich muss jedoch gestehen, dass ich vor dem Konzert keine der Bands kannte (abgesehen davon, dass ich mir auf der Seite vom Nordischen Klang die verlinkten Videos angeschaut habe) und dachte, dass es ein netter, entspannter Abend werden würde. Aber meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen! Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel tanzen würde und SO viel Spaß haben würde. Es war auch wirklich erfrischend, mal andere Musik zu hören, als die, die täglich im Radio kommt, oder die man in eigenen Playlists hat und die dazu noch super klingt und die Füße in Bewegung versetzt. Man hat gemerkt, dass alle Bands einfach lieben, was sie tun und Spaß daran haben. Diese Energie hat sich natürlich auch auf das Publikum übertragen. Am liebsten hätte ich noch bis in die frühen Morgenstunden weiter getanzt. Ich wollte nicht, dass dieser Abend endet. Auch alle Bands waren vom Publikum begeistert, was natürlich nur widerspiegelt, dass das Publikum sie toll fand. Mir hat das Konzert auch erneut gezeigt, dass es einfach etwas anderes ist, eine Band live anzuhören, man wird viel mehr mitgerissen. Deshalb kann ich einer Zuschauerin, die zu mir sagte, dass es solche Konzerte in Greifswald öfters geben sollte, voll und ganz zustimmen! Wer es dieses Jahr zu keinem der Konzerte geschafft hat, dem kann ich nur wärmstens empfehlen, nächstes Jahr unbedingt zu mindestens einem zu gehen, selbst wenn ihr die Bands davor nicht kennt. Es lohnt sich auf jeden Fall!
Ich bin zu einem absoluten Fan geworden, nicht nur von den Bands, sondern auch vom Nordischen Klang. Ohne den Nordischen Klang hätte ich diese drei tollen Bands wahrscheinlich nie entdeckt, da wäre mir und den anderen sehr viel entgangen. Ich danke euch von Herzen dafür, dass ihr euch dieses Konzept überlegt habt und diese Bands eingeladen habt! Jedoch bin ich – und da schließen sich mir zweifellos viele der Zuschauer*innen an – der Meinung, dass ihr eine Regel unbedingt brechen müsst: nämlich, dass eine Band nur einmal beim Nordischen Klang auftreten darf. Vor allem Lexsoul Dancemachine würden bestimmt sehr viele gerne noch einmal hören!
Ein Gastbeitrag von Maria Beier und Lena-Lisa Michl
Das International Medical Students Project (IMSP) verbindet schon seit 15 Jahren Medizinstudenten aus dem Ostseeraum. Regelmäßig findet in einem der Länder eine Konferenz statt, um den fachlichen und kulturellen Austausch der Studierenden zu fördern. Im vergangenen Semester lag der Themenschwerpunkt bei der medizinischen Versorgung in Krisengebieten, wobei dieser dann bei verschiedenen Konferenzen in Estland, Polen, Schweden und Deutschland unter anderen Perspektiven betrachtet wurde. Die Greifswalder Medizinstudentinnen Maria Beier und Lena-Lisa Michl waren im Sommer bei einer dieser Konferenzen in Estland, wo als Schwerpunkt die Militärmedizin gewählt wurde. (mehr …)