Live-Übertragung der Bundesversammlung auf dem Markt

Ob Bundespräsidentenkandidat Christian Wulff (CDU) ins Schloss Bellevue einzieht...

Am morgigen 30. Juni wählt die Bundesversammlung einen neuen Bundespräsidenten, nachdem Horst Köhler vor einem Monat seinen Rücktritt erklärte. Die Wahl wird morgen um 12 Uhr auf dem Marktplatz live übertragen. Einlass ist bereits 11 Uhr. Das „Public Viewing“ der Wahl des neuen Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland ist kostenlos.

Vorsitz der 14. Bundesversammlung, welche sich aus 1.244 Delegierten zusammen setzt, ist Norbert Lammert (CDU). Unter den Delegierten befinden sich die 622 Bundestagsabgeordneten sowie ebenso viele Wahlmänner und – frauen, die von den Länderparlamenten entsandt werden.Die Wahl erfolgt geheim.

Wie bereits seit einigen Wochen aus den Medienberichten bekannt, schlagen die Regierungsparteien CDU und FDP den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, SPD und Bündnis 90/ Grüne den ehemaligen Beauftragen für Stasi-Unterlagen Joachim Gauck als Nachfolger Köhlers vor.

Die große Mehrheit der Mitglieder Linkspartei hält weder Wulff noch Gauck als geeignet genug für das Amt des Bundespräsidenten, weshalb sie mit der Unterstützung der Bundestagsabgeordneten und ehemaligen TV-Journalistin Lukrezia Jochimsen eine eigene Kandidatin ins Rennen schickt.

...oder Joachim Gauck, wird sich morgen entscheiden.

Die rechtsextremistische NPD wünscht sich, dass der fremdenfeindliche Liedermacher Frank Rennicke Bundespräsident der Republik wird. Da für die Wahl des Bundespräsidenten ein Kandidat jedoch entweder in einem der beiden Wahlgänge die absolute Mehrheit der Delegierten der Bundesversammlung auf sich vereinigen muss, oder in einem Dritten Wahlgang die relative Mehrheit, ist es faktisch ausgeschlossen, dass Rennecke in das Amt des Bundespräsidenten gewählt wird.

Wenngleich die Linkspartei mit 9 Prozent im Bundesparlament sowie – mit gerade in den neuen Bundesländern deutlich mehr Mitgliedern –  in den meisten Länderparlamenten vertreten ist, erscheint auch eine Wahl Jochimsens als eher unwahrscheinlich.

Als Favoriten gelten die Kandidaten Wulff und Gauck. Um letztgenannten nominierten hat sich in den letzten Wochen ein regelrechter Online -Hype entwickelt.

Fotos:

Wikipedia (Wulff, Gauck, Reichstagsgebäude)

Professor Donges über Online-Hype um Gauck

Torsten Heil sprach mit Professor Patrick Donges

Internetblogs, Facebook, Twitter und Co haben Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck in kürzester Zeit zum Medienstar gepusht. In diesem Semester lehrt Kommunikationswissenschafts-Professor Patrick Donges (41) an der Universität Greifswald das Seminar: „Blogs, Foren und Online-Medien: Die Öffentlichkeit im Netz“. Der webMoritz sprach mit dem Greifswalder Professor über den Medien- und Online-Hype für den Bundespräsidentenkandidaten Gauck.

webMoritz: Herr Donges, erklären Sie uns zu Beginn die Macht von Blogs und Foren?

Patrick Donges: Es gibt Blogs und Foren, in denen auf hohem Niveau politisch diskutiert wird. Aber es gibt auch seitenweise Kommentare, die völlig irrelevant sind und kein Mensch liest.

Relevant ist, dass im Internet eine sehr schnelle Form der Kommunikation möglich wird. Ein Austausch, den politische Akteure auch nicht sehen. Es macht sie nervös, dass da was passiert, was sie nicht wissen. Im Netz ist es auch sehr leicht möglich, schnell Menschen zu mobilisieren, wie das Gauck Beispiel zeigt.

Kandidatur von Gauck als Symbol der Auseinandersetzung mit der Bundesregierung (mehr …)