Adventskalender Türchen 23: Unsere Weihnachtsbräuche & Traditionen

Adventskalender Türchen 23: Unsere Weihnachtsbräuche & Traditionen

Jedes Jahr aufs Neue zaubert Weihnachten eine besondere Atmosphäre. Doch welche Rituale und Traditionen pflegen wir eigentlich? Unsere Redaktion hat ihre ganz persönlichen Geschichten und Anekdoten rund um das Fest der Liebe zusammengetragen. Mehr dazu in Türchen Nummer 23 unseres Adventskalenders.

Ein Beitrag von einigen fleißigen webmoritz.-Redakteur*innen

Lucas: 
Was bei uns immer wieder eine Tradition ist, ist der abendliche Spaziergang vor der Bescherung. Früher hat meine Mutter meinen Vater, meinen Opa und mich immer rausgeschickt, damit sie und meine Oma die Geschenke schön unter dem Baum anrichten konnten. Der kleine Lucas war damals noch komplett von der Illusion des Christkinds überzeugt und weil dies auch weiterhin so bleiben sollte, hat meine Familie die Geschenke immer erst kurz vor der Bescherung unter den Baum gelegt, damit ich weiterhin im Glauben sein konnte, dass das Christkind die Geschenke gerade erst vorbeigebracht hat. Um das durchführen zu können, durfte ich natürlich nicht Zuhause sein zu dem Zeitpunkt, daher wurden wir immer auf einen Spaziergang geschickt. Auch, wenn die Illusion des Christkinds heutzutage nicht mehr wirklich präsent ist, wird der Spaziergang trotzdem noch durchgeführt bei uns, um die Vorfreude auf die Bescherung aufzubauen.

Adrian:
Ein neuerer Weihnachtsbrauch in unserer Familie ist das einigen bestimmt bereits bekannte Aufhängen der „Weihnachtsgurke“. Vor ein paar Jahren hat meine Mama eine grüne „Weihnachtskugel“ in Gurkenform an den Weihnachtsbaum gehängt. Seitdem hängt sie jedes Jahr gut versteckt an einer anderen Stelle am Baum im Wohnzimmer. Wegen der grünen Färbung ist sie oft nicht gut oder teilweise gar nicht zu erkennen – und genau das ist die Idee hinter der Gurke. Wer an Heiligabend zuerst die Gurke entdeckt, darf das erste Geschenk auspacken. Mir gefällt der Brauch wegen seiner Einfachheit und der etwas skurrilen Natur der Gurke. Auch funktioniert dieser Brauch mittlerweile besser als früher, da meine Schwester und ich nun schon vor einer Weile von Zuhause ausgezogen sind. Das heißt zum einen, dass wir nicht den halben Dezember damit verbringen können die Gurke zu suchen und wir als Kinder wahrscheinlich den ganzen Baum auf den Kopf gestellt hätten. 

Miriam:
Ein Brauch bei uns ist das Aufsagen von Gedichten und das gemeinsame Singen mit der Familie. Die „Tradition“ besteht schon seitdem wir „Kinder“ klein waren. Das Einprägen von Gedichten war jedes Jahr aufs Neue ein Struggle.

Nessa: 
Bei uns gibt es den jährlichen „Wettkampf“ um den schönsten Weihnachtsbaum. Jeder versucht den anderen zu übertrumpfen und rühmt sich damit den schönsten Weihnachtsbaum zu haben – was die anderen natürlich dementieren. Das ganze hat seinen Höhepunkt gefunden, als mein Vater mir den Auftrag gegeben hat, ihm eine vom Weihnachtsmann unterschriebene Urkunde zu designen. 

Jan-Niklas: 
So richtig geht Weihnachten erst los, wenn Heiligabend angebrochen ist. Wir gehen alle zusammen in die Kirche, danach gab es immer ein kleines Zeitloch und im Anschluss essen wir meistens sehr groß mit der Family. Gekocht wird das Essen von meiner Mutter, die sich jedes Jahr selbst übertrifft. Danach wird das Wohnzimmer aufgeschlossen (ja das ist den ganzen Tag zu, weil wir die Geschenke ja nicht sehen sollen) und es gibt die Bescherung. Meistens wird das Ganze begleitet von Weihnachtsmusik und einem Blitzlichtgewitter. Danach wird bei den Verwandten angerufen und wir verbringen einen schönen Abend miteinander, bevor Weihnachten dann so richtig los geht. 

Ida:
Bei mir in der Familie wird am 24. morgens der Baum geschmückt und sehr spät gefrühstückt. Am Nachmittag treffen sich alle in der Küche und wir machen gemeinsam Sushi. Am 25. morgens ist es bei uns ein absolutes Muss im Schlafanzug und mit Kakao „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu schauen. Zwar haben wir den auch auf DVD, das ist aber nicht das Gleiche.

Wie ihr sehen könnt, hat jeder seine und ihre eigenen Bräuche und Traditionen, die sich durch die Weihnachtsfeiertage ziehen. Habt ihr auch eigene oder familiäre Weihnachtsbräuche oder Traditionen, auf die ihr euch schon freut? Schreibt sie gerne in die Kommentare.

Beitragsbild: Vanessa Finsel

Adventskalender Türchen 6: Bischof Nikolaus von Myra

Adventskalender Türchen 6: Bischof Nikolaus von Myra

Am 06. Dezember ist in allen christlichen Kirchen der Gedenktag Bischof Nikolaus von Myra. Dieser war ein Bischof der Spätantike, über dessen wohltätiges Wirken und sein Vollbringen von Wundern viele Legenden existieren. Aus einigen davon haben sich kulturelle Bräuche entwickelt, die bis heute bestehen. Über sein tatsächliches Leben ist nur wenig bekannt.

Biographie

Bischof Nikolaus wurde 283 nach Christus vermutlich in Patara – heute nur noch Ruinen – nahe Kalkan in der Türkei, geboren. Er wurde im Alter von ungefähr 19 Jahren von seinem Onkel zum Priester geweiht und später zum Bischof von Myra – heute Demre in der Türkei. Er starb zwischen 345 und 351 nach Christus, in jedem Fall am 06. Dezember. Sein gesamtes Vermögen vermachte er Armen. Im Kult wurde er vermutlich mit Abt Nikolaus von Sion – heute untergegangener Ort in der Türkei – vermengt, der später zum Bischof von Pinara – ebenfalls heute untergegangener Ort in der Türkei – geweiht wurde und 564 nach Christus starb. Bischof Nikolaus lebte während einer Welle von Christ*innenverfolgungen in seiner Region. Legenden berichten, dass auch er inhaftiert wurde. Zeitgenössische Quellen belegen, dass er am ersten Konzil von Nicäa teilnahm. Ein Konzil ist eine Versammlung aller Bischöfe, bei der theologische Fragestellungen diskutiert und einzelne Lehrmeinungen als richtig festgelegt werden. Dort hat er hitzig gegen die aus christlicher Sicht falsche Lehre des Arianismus argumentiert. Diese geht im Gegensatz zum Christentum davon aus, dass Jesus Christus nicht gleichzeitig Mensch und Gott sei, sondern nur dessen bedeutendste Schöpfung, weil er im Gegensatz zu Gott gezeugt worden sei. Die Falschheit der Lehre aus christlicher Sicht wurde auf dem Konzil festgelegt. Bischof Nikolaus argumentierte auf dem Konzil laut Überlieferung mit starker Vehemenz wurde aber auch als Vermittler wahrgenommen. Viele Legenden ranken sich um seinen Lebenslauf.

Die Legenden

Seine Eltern seien an der Pest gestorben. Ihr Erbe habe er an Arme verteilt und so unter anderem verhindern können, dass einige junge Frauen zur Prostitution gezwungen wären. In einer anderen Fassung der Legende stahl er das Geld seinen Eltern zu deren Lebzeiten. Nach dem Tod seines Onkels sei er ins Heilige Land gepilgert und im Anschluss von der Gemeinde von Myra – heute Demre – zum Bischof gewählt worden. Drei zu Unrecht Gefangene habe er je nach Variante der Legende befreit, indem er entweder dem Kaiser im Traum erschienen sei oder das Henkersschwert festgehalten und ihn so daran gehindert habe, die Hinrichtung zu vollstrecken. Er habe mehrere Schiffbrüchige gerettet; einmal sei er auf einem kleinen Boot unsichtbar mitgefahren und habe einen aufgezogenen Sturm beendet. Drei Jungen, die ermordet und von Kannibalen zu Nahrung zubereitet worden seien, seien von ihm von den Toten auferweckt worden. Er habe mehrere Tempel der griechischen Göttin Artemis zerstört, die in der Region von Seefahrerenden angebetet wurde. Der 06. Dezember ist in der griechischen Mythologie Artemis Geburtstag. Während einer Hungersnot in Myra habe er von Seefahrerenden, die Getreideschiffe zum römischen Kaiser gebracht. Er bat ihn von jedem Schiff jeweils 100 Scheffel (35,24 l) Getreide behalten zu dürfen und ihnen versprochen, dass durch sein Gebet trotzdem die gesamte Menge Getreide beim Kaiser ankommen würde, was auch geschehen sei. Dadurch habe er die Lebensmittelversorgung Myras für mehrere Jahre sicherstellen können und sogar noch Saatgut für neue Getreidepflanzen übrig gehabt.

Bräuche zum Nikolaustag

In einigen christlichen vor allem katholischen Kulturen bringt Bischof Nikolaus am 06. Dezember die Geschenke und nicht das Christkind oder der Weihnachtsmann an Weihnachten. Hintergrund ist die Legende, nach der er mehrere junge Frauen beschenkte. Der Brauch entwickelte sich im Spätmittelalter und begann zunächst damit, dass sich ein Kind als Bischof verkleidetet und die anderen Kinder als solcher belohnte oder bestrafte. Später taten dies Erwachsene und es kam Knecht Ruprecht als Strafender zu einem gütigen, belohnenden Nikolaus hinzu. Dieser Brauch wird heute nur noch selten praktiziert. Verbreiteter ist es, leere Schuhe am Vorabend vor die Haustür zu stellen, die dann in der Nacht befüllt werden. In der Vergangenheit wurden anstelle von Schuhen kleine, selbstgebastelte Papierschiffe vor die Tür gestellt, was auf die Legende, nach der Bischof Nikolaus mehrere Schiffbrüchige rettete, zurückgeht. Die Tradition, dass stattdessen das Christkind an Weihnachten die Geschenke bringt entstand durch die Reformation, die die Heiligenverehrung ablehnte. Im 19. Jahrhundert entstand in den Vereinigten Staaten von Amerika die Tradition des Nikolauses als Geschenkbringer. Diese wurde mitgebracht von niederländischen Auswanderer*innen. Der Weihnachtsmanns als solcher, wurde dort zu einer säkularen Figur, deren Popularität durch eine Marketing-Kampagne von Coca-Cola stark anstieg.

Fazit

Bischof Nikolaus von Myra ist also bis heute eine unter Christ*innen sehr populäre Figur, um die sich zahlreiche Legenden ranken, über die es aber kaum historisch belegbares Wissen gibt. Aus diesen Legenden entstanden im Laufe der Kirchengeschichte einige Bräuche, die bis heute fortbestehen. Auch deshalb ist er wohl trotz der wenigen bekannten Fakten noch heute einer der bekanntesten Heiligen.

Beitragsbild: Laura Schirrmeister