Eine irre Tour – mit einem Rad durch die Republik Irland

Eine irre Tour – mit einem Rad durch die Republik Irland

Nach dem Abitur unternehmen viele Personen erst einmal kurze Reisen. So war es auch bei mir. Die Art der Reise war allerdings, denke ich, deutlich anders als bei den allermeisten anderen Abiturient*innen. Im August 2022 war ich 13 Tage allein in der Republik Irland unterwegs. Davon bin ich acht Tage lang jeweils 40 Kilometer Einrad gefahren.

In diesen acht Tagen habe ich jeden Abend eine neue Unterkunft im Norden der Westküste der irischen Insel angefahren, die ich vorab gebucht hatte. Den Start bildete das kleine Dorf Blacksod in der Grafschaft Mayo in der Provinz Connaught. Das schöne an dieser Art des Reisens war die Unbekanntheit des Sportgeräts Einrad. Sie führte dazu, dass mich extrem viele Einheimische ansprachen und ich auch stets ein Gesprächsthema hatte, wenn ich selbst Personen ansprechen wollte. Das ist natürlich sehr hilfreich, wenn man alleine reist und dadurch niemanden hat, mit dem man sprechen kann.

Die Republik Irland bietet als Urlaubsland Alleinreisenden den großen Vorteil, dass es vergleichsweise einfach ist, fremde Leute zu treffen, da selbst kleinste Dörfer oft einen Pub haben. Diesen habe ich dann auch an den meisten Abenden aufgesucht und bin dabei ganz unterschiedlich mit Leuten in Kontakt gekommen. An einem Abend hatte ich bereits im Hostel andere Reisende kennengelernt und mich anschließend mit ihnen im Pub getroffen. An einigen anderen Abenden habe ich aktiv fremde Personen angesprochen, wobei es dann oft schwierig war, längere Gespräche zu führen. Einmal wurde ich von einer größeren Gruppe von Leuten in meinem Alter in ein Gespräch verwickelt und verbrachte mit ihnen den gesamten Abend. Häufig habe ich aber auch einfach der schönen Live-Musik gelauscht, gerade dann wenn Irish Folk, die klassische irische Volksmusik, die ich bereits vor der Reise kannte und schön fand, gespielt wurde.

Daneben genoss ich natürlich die wunderschöne Landschaft der Republik Irland, die ich bei dieser Reise zum ersten Mal sah; ich war zuvor noch nie in diesem Land. Die Ansichten waren dabei sehr abwechslungsreich. Es gab einige Sandstrände, viele Steilküsten mit eindrucksvollen Klippen, hügelige Moore in der braunen Farbe von Torf, einige felsige Berge und Weiden. Am letzten Tag auf dem Einrad habe ich die berühmten Felsklippen Slieve Leagues in der Grafschaft Donegal in der Provinz Ulster gesehen. Dafür habe ich an einer eindrucksvollen Bootstour teilgenommen, bei dem man diese Klippen vom Atlantik aus aus der Froschperspektive betrachten konnte. Ich hatte sogar die Möglichkeit, im Ozean vor diesen Klippen zu schwimmen.

Das Wetter auf meiner Reise war sehr ungewöhnlich für das Land – fast durchgängig Sonnenschein und über 25 Grad Celsius. Vielleicht war das angenehmer als das übliche irische Regenwetter, aber eigentlich hatte ich mein Reiseziel unter anderem deshalb ausgewählt, weil ich warme Temperaturen grundsätzlich eher unangenehm finde. Den gesamten Tag in der Sonne Sport zu treiben macht es dann natürlich auch nicht wirklich einfacher. Auf der irischen Insel gibt es nahezu keine Wälder. Aber auch das sorgte natürlich nicht dafür, dass ich die Reise nennenswert weniger genossen hätte.

40 Kilometer am Stück Einrad zufahren, gestaltete sich gegen Ende der Reise zunehmend schwieriger. Anfangs war es noch eher einfach. Am Ende des Tages war ich aber immer stolz, es geschafft zu haben.

Alles in allem war diese Reise eine sehr große Bereicherung für mich, die ich sehr genossen habe. Ich habe zahlreiche tolle neue Erfahrungen gesammelt und viele nette Menschen kennengelernt.

Beitragsbilder: Allan Michael Kant

Abitur 1,0 muss nicht immer Segen sein

Einser Absolventen stehen nicht nur einer Vielzahl von Studienoptionen gegenüber, sondern auch hohen Erwartungen anderer.

Das Abitur ist für viele die erste wirkliche Hürde im Leben und dazu noch eine wichtige! Die Durchschnittsnote des Abschlusses bestimmt oft, welche Türen sich für das zukünftige Berufsleben öffnen und welche für immer verschlossen bleiben. Ein Schnitt im Einserbereich ist für den Großteil der Schulabgänger eher ein Wunschdenken als wirkliche Realität. Nur wenigen gelingt es, sich die begehrten Noten auch zu erarbeiten und damit das Tor zum Wunschstudium aufzustoßen. Dann aber sind die Möglichkeiten vielfältig: entweder man studiert beispielsweise Medizin an der nächstgelegenen Universität oder besucht eine Privatschule für Wirtschaft in einem ganz anderen Bundesland. Leider wird es von einem Großteil der Gesellschaft schon fast erwartet, dass Spitzenabiturienten entsprechende Berufswege, wie den eines Arztes, einschlagen.

Doch wie trifft man die richtige Entscheidung, wenn man die freie Qual der Wahl hat? „Nach meinem Abi war ich erstmal ziemlich planlos, was genau ich denn nun studieren wollte. Ich wusste nur, dass es irgendetwas in Richtung Naturwissenschaften und Forschung werden sollte“, erzählt Jörn, der erst nach einem Studienwechsel das richtige Fach für sich gefunden hat.

Trotz einer Traumnote von 1,1 schrieb er sich zunächst für ein zulassungsfreies Fach ein: „Ich hatte mich damals recht spontan entschieden, aber relativ schnell gemerkt, dass es doch das falsche Fach für mich war.“ Er hat dann die Zeit bis zum nächsten Semesterstart genutzt und sich in verschiedenste Vorlesungen zur Orientierungshilfe gesetzt. So ist er letztendlich bei den Humanbiologen gelandet. Jörn steht somit stellvertretend für viele andere und zeigt, dass selbst Einser-Abiturienten keinen Masterplan in der Hand haben und Zeit zur Entscheidungsfindung brauchen.

Für Maja war dagegen schon in der Schulzeit klar, wohin ihr Weg gehen sollte: „Ich habe mein Schulpraktikum in der 10. Klasse in einer Reha-Klinik gemacht und durfte dort bei den Neuropsychologen reinschauen. Danach war Psychologie eine Studiumsoption. Ich habe mich informiert und seit der 11. Klasse stand es dann für mich fest.“ Sie hat sich mit einem Schnitt von 1,4 beworben und studiert heute im fünften Semester. Psychologie gehört wie Humanbiologie an der Universität Greifswald neben (Zahn-)medizin zu den höchsten NC-Fächern. (mehr …)

TITEL Vom Meister zum Master – Studieren ohne Abi

In den Köpfen vieler Menschen ist der Gedanke, ein Studium sei nur durch Abitur oder Fachabitur zu erreichen, tief verwurzelt. Auch Melanie Amberg, 25 Jahre, aus Würselen an der deutsch-niederländischen Grenze war hiervon fest überzeugt. Für sie war klar, dass sie erst ihr Abitur macht, um dann studieren gehen zu können. Doch eine schwere Krankheit verhinderte dies und Melanie musste das Gymnasium verlassen. Sie begann nun eine Ausbildung zur Ergotherapeutin, hatte den Traum vom Studium schon fast aufgegeben. Durch einen Freund erfuhr sie dann, dass es auch möglich ist, ohne das klassische Abitur zu studieren.

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