Viel reden hilft nicht viel

Viel reden hilft nicht viel

Sophie Lagies (22) schreibt seit über zwei Jahren für das moritz-Magazin, und leitet dort seit Ende letzten Jahres das Ressort "Feuilleton". Die Wahl ihrer Studienfächer Musikwissenschaft & Anglistik/Amerikanistik zeigt ihr Interesse an Kultur und Sprache. Bis 2008 lebte sie im Provinzstädtchen Wittenburg bei Hamburg.

„Und was machst du so?“, „Na wie gehts?“, „Ganz schön voll hier, ne?“ – Fragen dieser Art finde ich unfassbar öde, und die Antworten dazu interessieren mich auch äußerst selten. Richtig geraten: Small Talk ist wohl eher nicht so mein Ding, um es mal gelinde zu formulieren. Der Sinn dieses Phrasendreschens erschließt sich mir einfach nicht. Wer hat bitte diese grauenhafte Idee in der Gesellschaft verbreitet, derlei Fragen seien der richtige Gesprächseinstieg? Wer auch immer das ist, er gehört verhauen und ins Kämmerchen gesperrt!

Tatsächlich findet man im Internet Tipps für die „gelungene Plauderei nebenbei“, demnach soll man als Vorzeige-Small Talker doch unbedingt folgende Themen beplaudern: die Situation, den Ort, das Gegenüber und sich selbst. Unbedingt vermeiden soll man aber doch bitte Religion, Politik, die finanzielle Situation, persönliche Probleme. Geht’s noch? Was sind das denn für bizarre Lebensweisheiten, die da durch die Gesprächswelt wandern?

Ich bin niemand, der sich zu Hause verschanzt und Kontakt zur Außenwelt tunlichst vermeidet. Ich schätze die Greifswalder Kultur, besuche Konzerte, gehe in Bars und setze mich an den Hafen. Tatsächlich schätze ich die Gesellschaft anderer Menschen sogar und führe gerne stundenlange Gespräche bei Wein und Schummerlicht. Aber diese Gespräche sollen doch bitte von Inhalten und Erkenntnissen geprägt sein anstatt von oberflächlichem Geseiere und hirnlosen Witzen. (mehr …)

Frauenquote: Haben wir Männer nicht andere Probleme?

Frauenquote: Haben wir Männer nicht andere Probleme?

Torsten Heil (29) schreibt momentan seine Abschlussarbeit in Politikwissenschaft, hat für verschiedene Medien geschrieben und war stellvertretender Chefredakteur beim webMoritz. Derzeit arbeitet er im Bildungsministerium M-V. An dieser Stelle vertritt er aber ausschließlich seine Privatmeinung.

Mittwoch, den 29. Juni 2011

Werte Leserinnen und Leser,

ich habe die webMoritz-Redaktion gebeten, meinen am Dienstag, 28. Juni, unter diesem Titel erschienenen Text zu löschen. Ich hätte nicht gedacht, dass ein glossenartiger Kommentar solch eine Aufregung auslöst.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal klarstellen, dass der Text ausschließlich meine Privatmeinung wiedergibt. Zudem wollte ich lediglich zur Diskussion anregen. Ich hoffe, niemanden persönlich beleidigt oder angegriffen zu haben und entschuldige mich aufrichtig bei allen Leserinnen und Lesern, die dies anders empfunden haben.

Mit freundlichen Grüßen,
Torsten Heil

Anmerkung der Redaktion: Den Text des ursprünglichen Artikels haben wir auf Bitten des Autors entfernt.

(Diese Kolumne gibt ausschließlich die Meinung des Autors als Privatperson wieder.)

Foto: Christine Fratzke (Porträt), Jakob Pallus (Grafik)

Dieser Text ist Teil des webMoritz-Projekts „fünf x fünf – Die Kolumne“. Vom 20. Juni bis 22. Juli schreiben werktags fünf Autoren an je einem festen Tag eine Kolumne für den webMoritz. Weitere Infos gibt es hier. Morgen ist an der Reihe: Sophie Lagies.

Zu alt für die Bravo

Zu alt für die Bravo

Christine Fratzke (22) schreibt gerne und viel - klar, sie studiert ja auch Germanistik. Zum Beispiel: To-do-Listen, Artikel, Postkarten (zuletzt aus Kopenhagen), facebook-Nachrichten und Bachelorarbeit. Seit 2007 ist sie bei den moritz-Medien und gehört mittlerweile zum Inventar.

Vergangenes Wochenende feierte eine Freundin ihren 21. Geburtstag – zum dritten Mal. Witze, die auf ihr Alter anspielten, fand sie nicht sehr lustig. Nach der Party konnte ich lange nicht schlafen und dachte nach: Warum steht sie nicht zu ihrem neuen Lebensjahr? 24. Das ist doch kein Alter! Und wie sieht das bei mir aus? Habe ich mich nicht neulich über die Lachfältchen, die sich bei mir so langsam um die Augen- und Mundpartie schleichen, erschrocken? Bei anderen finde ich sie sympathisch, bei mir eher überraschend und irgendwie auch unheimlich. Kann ich auch nicht zu meinem Alter stehen? Ein wenig verunsichert fragte ich am Freitagabend dann in einer gemütlichen Runde meinen Gegenüber: „Wie alt, denkst du, bin ich?“ Er, keine Sekunde später: „35!“ Was ein Scherz sein sollte, fand ich gar nicht mal so witzig. Blitzschnell um 13 Jahre älter. Und das, obwohl ich einen Hello Kitty-Ohrring trug und beim Lottospielen immer nach meinem Ausweis gefragt werde! Nachdenklich fragte ich mich so langsam – frei nach Britney Spears – selbst, was ich eigentlich bin: Kein Mädchen mehr, aber auch noch keine Frau? (mehr …)

Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft und Ich

Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft und Ich

Oleg Maximov (23) studiert in Greifswald Kunstgeschichte und Wirtschaft auf B.A. Er arbeitet seit 2008 vor und hinter der Kamera bei MoritzTV. Nebenbei interessiert er sich für jegliche (pop-)kulturelle Bereiche und das Feiern.

„Mama, was ist eigentlich Sperma?“, fragte das kleine Mädchen. Vor ihr war ein Glaskasten, in dem 18 Liter dieser Substanz in Glaszylindern ausgestellt waren. Ich stand daneben und fragte mich, was ich eigentlich in meinem desaströsen Zustand hier zu suchen hätte. Und dass ich mein Vergangenheits-Ich nicht mag.

Den Abend davor hatte ich Musik im Ravic aufgelegt. Es gibt dabei nicht viel zu beachten. Sie sollte nicht zu laut und nicht zu grenzwertig sein. Es sei denn, das Publikum will es so. Dem Publikum war es an diesem Abend scheißegal.

Neben mir an der Bar saßen „die drei Weisen“. Sie waren Spezialisten darin, einem auf den Sack zu gehen. Während „Weiser Nr. 1“ nach einem Song fragte, der irgendwas mit Ibiza hieße, grinste der „Weise Nr. 2“ hämisch in meine Richtung. Der Dritte saß die ganze Zeit nur grenzdebil strahlend daneben. Den Interpreten oder den Titel konnte mir „Nr.1“ natürlich nicht nennen. Stattdessen fuchtelte er mit seinem Smartphone vor meinem Gesicht herum, auf dem er per Google herausgefunden hatte, wie Ibiza richtig ausgesprochen wird: „Ibitsa“ nämlich und dass er hier auch sehen könne, wie es aussieht. Oha. (mehr …)

Verdammt, schon wieder Single!

Verdammt, schon wieder Single!

Oliver Wunder (28) wohnt im fünften Stock eines Plattenbaus. Er studiert Geographie, Politikwissenschaft und BWL. Seit sechs Jahren schreibt er regelmäßig in seinem Blog. Ansonsten zeltet er schwarz und frittiert leidenschaftlich.


Aus dem Nichts wurde ich abserviert. Und auf einmal stehe ich nach drei glücklichen Monaten vor dem Scherbenhaufen meiner Beziehung. Wieder mal. Wo eben noch Schmetterlinge waren, haben sich Traurigkeit und Wut breit gemacht. Meine Freunde sind für mich da. Dabei fallen auch typische Sätze wie „Zeit heilt alle Wunden“ oder „die Richtige kommt bestimmt noch.“

Klar, mag ja alles richtig sein. Doch besser geht es mir deswegen nicht. Ich erwische mich dabei, wie ich ihr Profil auf Facebook anklicke. Freundschaft gekündigt. Das war es jetzt also endgültig. Wege trennen sich, ein gemeinsames Leben findet nicht mehr statt. Schluss aus vorbei. Und eigentlich wieder der Startschuss für die Suche nach der perfekten Partnerin. Ich hab aber keinen Bock mehr drauf. Diese ganze Dating- und Kennenlernphase würde ich am liebsten überspringen. Ja, es mag spannend und aufregend sein: der Reiz der Jagd. Doch wenn ich nach etlichen Jahren weder Lust auf Jagen noch auf gejagt Werden habe? (mehr …)

Viel reden hilft nicht viel

Regelstudienzeit? Nicht mit mir!

Sophie Lagies (22) schreibt seit über zwei Jahren für das moritz-Magazin, und leitet dort seit Ende letzten Jahres das Ressort "Feuilleton". Die Wahl ihrer Studienfächer Musikwissenschaft & Anglistik/Amerikanistik zeigt ihr Interesse an Kultur und Sprache. Bis 2008 lebte sie im Provinzstädtchen Wittenburg bei Hamburg.

Gerade befinden wir uns mal wieder im größten Prüfungswahn – so viele Prüfungen, so wenig Zeit, so viel schönere Dinge im Leben. Ein ständiges Hin und Her der Gefühle, das schlechte Gewissen omnipräsent im Nacken, den Musterstundenplan im Hinterkopf. „Ich müsste das Buch noch lesen“ und „verdammt, nur noch zwei Wochen bis“ dominieren die Gespräche in der Mensa; vor der Unibibliothek bilden sich bereits vor acht Uhr lernhungrige Studenten und warten auf den Einlass. Nach nunmehr sechs studierten Semestern meinerseits stelle ich langsam, aber sicher fest: Die Idee der Regelnstudienzeit von sechs Semestern ist bei einem Großteil der Studierendenschaft von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Mittlerweile bin ich jedoch diesbezüglich zu einem passablen Konsens gekommen. Und der lautet: Scheiß doch drauf!

Ganz im ernst: Welcher Arbeitgeber möchte denn lieber einen Absolventen einstellen, der sein Studium in Rekordzeit abgeschlossen hat, dafür aber keine Zeit mehr für kulturelle Vergnügungen, den Aufbau sozialer Kompetenzen, Horizonterweiterung im Auslandssemester und die eigene Persönlichkeitsfindung hatte? Ich als Arbeitgeber würde Letzteres mit ein paar Semestern mehr auf dem Buckel nun wirklich vorziehen. (mehr …)