Studieren in Polen – Teil 3

Studieren in Polen – Teil 3

Im Rahmen unserer Serie “Greifswalder rund um den Globus” erscheinen in loser Abfolge Berichte von Kommilitonen über Erfahrungen im Ausland. Dieses Mal berichtet die Greifswalder Studentin Jenny Dittberner über die bisherigen Eindrücke ihres Auslandssemesters im polnischen Zielona Góra. (mehr …)

4 – Schoko-Tannenbäumchen zum Selbermachen

4 – Schoko-Tannenbäumchen zum Selbermachen

Immer der alte Trott aus Baum kaufen, Kugeln ran, Spitze drauf, abbauen und zur Tonne bringen? Nicht dieses Jahr. Diesmal ist alles anders. Diesmal könnt ihr den Baum einfach aufessen, wenn er weg muss.

Dekoration und Essen –  dieser Tannenbaum macht es möglich

Für einen dekorativen und auch essbaren Tannenbaum braucht ihr:

Die Zutaten

Die Zutaten

  • Schokolade / Kuvertüre
  • Smarties, sowie zerhackte Smarties
  • Mandelsplitter, sowie mit grüner Lebensmittelfarbe eingefärbte Mandelsplitter
  • Gummibärchen
  • Backdekoration
  • grüne Lebensmittelfarbe
  • Kekse
  • Puderzucker
  • Zitronensaft
  • Butterbrotpapier
  • Klebestreifen

 

Zunächst formt ihr aus dem Butterbrotpapier kleine Tütchen, die ihr mit Klebestreifen fixiert.

Das Arbeitsmaterial

Die Papiertütchen

 

Nun lasst ihr die Schokolade oder Kuvertüre im Wasserbad schmelzen und….

Die Koverture ist geschmolzen

Die Koverture ist geschmolzen

 

… fügt sie abwechselnd mit den zerhackten Smarties und den Mandelsplittern in die kleinen Tütchen. Achtet dabei darauf, dass die Schichten sich mit der flüssigen Schokolade verbinden.

es wird getrocknet

Das Befüllen der Tütchen

 

Wenn die Tütchen komplett gefüllt sind, lasst ihr die Schokolade abkühlen (im Tiefkühlfach dauert’s nicht mal 30 Minuten!)

In der Zwischenzeit könnt ihr euren Zuckerguss herstellen:

  • einen grünen für die Tannenbaumglasur: Puderzucker mit grüner  Lebensmittelfarbe und Zitronensaft zu einer klebrigen Masse verrühren
  • und einen weißen Zuckerguss (Lebensmittelfarbe einfach weglassen) für das Befestigen der Süßigkeiten auf dem Keks
Zuckerguss

Der Zuckerguss

 

Nachdem ihr den Tannenbaum vorsichtig aus den Tütchen geholt und mit dem grünen Zuckerguss bestrichen habt, wälzt ihr ihn in den grün eingefärbten Mandelsplittern. Zusammen mit den Gummibärchen und den Smarties (die ein Geschenk darstellen sollen) klebt ihr nun den Schokobaum auf den Keks und schmückt ihn mit Backdekorperlen. Um eventuelles Zerlaufen des Zuckergusses zu stoppen, befördert den Weihnachtsbaum nochmals in die Tiefkühltruhe/den Kühlschrank.

Selbstgebackener Weihnachtsbaum

Die fertigen Bäumchen

Je nach Laune könnt ihr so eine kleine lustige und essbare Dekoration gestalten.

Viel Spaß und lasst es euch schmecken!

P.S. Aufräumen nicht vergessen

Aufräumen

Ein Glück gibt es Staubsauger

 

Ein Rezeptvorschlag von Vivien Janner und Jasmin Sarah Hahn

Ein Fundstück – Ozeano Nox

Eine Rezension von Stephanie Napp

Wie eine Erinnerung, die man vergessen hat und langsam wiederfindet – so muten die alten Filmaufnahmen aus dem Jahre 1912 an, die der Filmemacher Georg Wasner ausgehend von einem sechsminütigen Zeitdokument in ein mondänes Stück Kunst verwandelt hat, das den Namen „Oceano Nox“ trägt. Die Bilder, die uns zerkratzt und staubig entgegen flackern, wurden kurz nach der schicksalshaften Fahrt der Titanic aufgenommen. Lediglich die erste Aufnahme springt vor das Ereignis. Wir sehen Kapitän Edward John Smith, einer der 1500 Menschen, die den Untergang nicht überlebten.

In den folgenden Bildern ist die Katastrophe schon vergangen. Überlebende Mitglieder der Crew stehen in Position für die Kamera und starren in das Objektiv, ganz fasziniert von diesem neuen, unbekannten Medium. Einer setzt ein Lächeln auf, ein anderer stiert – wie in Trance – mit offenem Mund. Man sieht ihnen nicht an, dass sie erst vor Kurzem den eisigen Wellen entkommen sind. Unser Blick wandelt über die einzelnen Gesichter der Besatzungsmitglieder. Dabei hat der Regisseur die alten Bilder jedoch nicht einfach aneinander geschnitten, sondern künstlerisch instrumentalisiert.

Stasis des Augenblicks

Beobachter im Hintergrund – ein Spiegelbild des Zuschauers?

Die ursprüngliche Länge des Filmmaterials dehnt der gebürtige Wiener auf 15 Minuten. Dabei wiederholt Wasner einzelne Momentaufnahmen in Zeitlupe: Eine reiche Dame mit Federhut holt aus ihrem Wagen Kleidung für die überlebenden Passagiere. Große Säcke, aus denen etwas Stroh herausragt. Vielleicht gefüllt mit warmem Schuhwerk. Normale Koffer folgen, auch hier lässt sich der Inhalt nur erahnen. Aber: wir haben Zeit, darüber nachzudenken. Die Aufnahme ist um ein Vielfaches verlangsamt. Schwarzbild.

Dann läuft die gleiche Sequenz in normaler Geschwindigkeit ab. Wieder Schwarzbild.

Es folgt dieselbe Aufnahme in Zeitlupe, aber dieses Mal mit einem anderen, vergrößerten Bildausschnitt. Zwei Männer, ein langer und ein kurzer, stehen hinter dem Vehikel. Sie beachten die Dame nicht, sondern blicken ungläubig und gespannt in die Kamera. Die Beiden scheinen mehr Interesse an diesem neuen Instrument, als an dem Geschehen zu haben, das sich vor ihnen abspielt.

Nach diesem Muster verfährt der Filmemacher mit allen Momentaufnahmen. Als würde man immer wieder versuchen, die Zeit anzuhalten, um der Wahrnehmung des Bildes genug Raum zu lassen. Zweifelsohne aber eine gelenkte Wahrnehmung, denn der Betrachter bekommt nur die Details zu sehen, die der Regisseur ihn sehen lassen will. Dabei gelingt es Wasner, dem Zuschauer einen Spiegel vor die Augen zu halten. Während wir einen Einblick in den Nachklang der Katastrophe erhalten, nehmen wir als Zuschauer eine ähnliche Position wie die Personen hinter der reichen Dame ein – Beobachter, Gaffer, Voyeure. Die Spiegelfläche zwischen ihnen und uns bildet das Zelluloid.

Die Momentaufnahmen sind stetig durchsetzt mit Schwarzbildern, die uns die Möglichkeit geben, das gerade Gesehene wieder zu erinnern. Wie bei eine Schallplatte mit Sprung, werden wir stets von Neuem an dasselbe Bild herangeführt. Um zu starren.

Die stummen Filmaufnahmen sind mit einfachen Klavierklängen unterlegt, die die Nostalgie des Visuellen auch auf die auditive Ebene hinübertragen. Die nachdenklichen Töne machen grundlegend die Stimmung von „Oceano Nox“ aus; sie bilden den melancholischen Nachklang, der uns neben den Gaffern stets an die nicht sichtbaren Verunglückten erinnert.

Schwarzbild. „Oceano Nox! O Wellen! von welch traurigen Ereignissen könnt ihr erzählen“ heißt es im Zwischentitel. Der Ausruf stammt aus Victor Hugos gleichnamigem Gedicht. „O flots! Que vous savez de lugubres histoires!“ Nachdem der Romantiker im Jahre 1836 einen gewaltigen Sturm an der nordfranzösischen Küste beobachtet hatte, schrieb er das kurze Versepos über diese düsteren Nächte auf dem Ozean. Das Gedicht erzählt von den unzähligen Seefahrern, deren Körper im Meer und deren Namen in der Zeit versunken sind. Dieses Bild macht sich Wasners Titel zunutze und lässt es wie einen dunklen Schatten über den Aufnahmen schweben.

Alte Filmstreifen üben immer eine gewisse Faszination aus. Ein vergangener Moment wird aus der Rumpelkammer gekramt und uns – staubig wie er ist – präsentiert. Aber der Moment ist mehr als nur ein voyeuristischer Blick in die Vergangenheit. Er ist eine zu Kunst gemachte Geschichtsaufnahme. Ein Fundstück aus dem Filmarchiv, das uns in knappster Form an das Schicksal derer heranführt, die gerade nicht auf dem zerkratzten Zelluloidstreifen zu sehen sind.

Am Ende bleibt das weite, endlose Meer. Wir blicken auf den Atlantik und eine hinter den Wolken durchschimmernde Sonne aus dem Jahre 1912. „Oceano Nox“ schließt wie das Gedicht von Victor Hugo. Die Seelen ruhen auf dem Meer, ihre Namen geraten der Vergessenheit an. Doch mit diesem Film hat Georg Wasner den Schiffbrüchigen eine Erinnerung geschaffen, die über ein bloßes Zeitdokument hinausgeht. Er macht sich die Faszination der Nostalgie und den voyeuristischen Charakter der Menschen zunutze, um ein Stück Filmpoesie zu schaffen. Wir blicken auf die Menschen, dessen Leben sich mit dem der Verunglückten kreuzt und wissen nicht recht, ob wir weiter hinschauen sollen oder nicht.

Regie: Georg Wasner, Österreich, 2011

Anmerkung: Am 9. Dezember wurde diese Rezension von der Autorin überarbeitet.

 

Wie eine Erinnerung, die man vergessen hat und langsam wiederfindet – so muten die alten Filmaufnahmen aus dem Jahre 1912 an, die der Filmemacher Georg Wasner ausgehend von einem sechsminütigen Zeitdokument in ein mondänes Stück Kunst verwandelt hat, das den Namen „Oceano Nox“ trägt. Die Bilder, die uns zerkratzt und staubig entgegen flackern, wurden kurz nach der schicksalshaften Fahrt der Titanic aufgenommen. Lediglich die erste Aufnahme springt vor das Ereignis. Wir sehen Kapitän Edward John Smith, einer der 1500 Menschen, die den Untergang nicht überlebten.

In den folgenden Bildern ist die Katastrophe schon vergangen. Überlebende Mitglieder der Crew stehen in Position für die Kamera und starren in das Objektiv, ganz fasziniert von diesem neuen, unbekannten Medium. Einer setzt ein Lächeln auf, ein anderer stiert – wie in Trance – mit offenem Mund. Man sieht ihnen nicht an, dass sie erst vor Kurzem den eisigen Wellen entkommen sind. Unser Blick wandelt über die einzelnen Gesichter der Besatzungsmitglieder. Dabei hat der Regisseur die alten Bilder jedoch nicht einfach aneinander geschnitten, sondern künstlerisch instrumentalisiert.

Die ursprüngliche Länge des Filmmaterials dehnt der gebürtige Wiener auf 15 Minuten. Dabei wiederholt Wasner einzelne Momentaufnahmen in Zeitlupe: Eine reiche Dame mit Federhut holt aus ihrem Wagen Kleidung für die überlebenden Passagiere. Große Säcke, aus denen etwas Stroh herausragt. Vielleicht gefüllt mit warmem Schuhwerk. Normale Koffer folgen, auch hier lässt sich der Inhalt nur erahnen. Aber: wir haben Zeit, darüber nachzudenken. Die Aufnahme ist um ein Vielfaches verlangsamt. Schwarzbild.

Dann läuft die gleiche Sequenz in normaler Geschwindigkeit ab. Wieder Schwarzbild.

Es folgt dieselbe Aufnahme in Zeitlupe, aber dieses Mal mit einem anderen, vergrößerten Bildausschnitt. Zwei Männer, ein langer und ein kurzer, stehen hinter dem Vehikel. Sie beachten die Dame nicht, sondern blicken ungläubig und gespannt in die Kamera. Die Beiden scheinen mehr Interesse an diesem neuen Instrument, als an dem Geschehen zu haben, das sich vor ihnen abspielt.

Nach diesem Muster verfährt der Filmemacher mit allen Momentaufnahmen. Als würde man immer wieder versuchen, die Zeit anzuhalten, um der Wahrnehmung des Bildes genug Raum zu lassen. Zweifelsohne aber eine gelenkte Wahrnehmung, denn der Betrachter bekommt nur die Details zu sehen, die der Regisseur ihn sehen lassen will. Dabei gelingt es Wasner, dem Zuschauer einen Spiegel vor die Augen zu halten. Während wir einen Einblick in den Nachklang der Katastrophe erhalten, nehmen wir als Zuschauer eine ähnliche Position wie die Personen hinter der reichen Dame ein – Beobachter, Gaffer, Voyeure. Die Spiegelfläche zwischen ihnen und uns bildet das Zelluloid.

Die Momentaufnahmen sind stetig durchsetzt mit Schwarzbildern, die uns die Möglichkeit geben, das gerade Gesehene wieder zu erinnern. Wie bei eine Schallplatte mit Sprung, werden wir stets von Neuem an dasselbe Bild herangeführt. Um zu starren.

Die stummen Filmaufnahmen sind mit einfachen Klavierklängen unterlegt, die die Nostalgie des Visuellen auch auf die auditive Ebene hinübertragen. Die nachdenklichen Töne machen grundlegend die Stimmung von „Oceano Nox“ aus; sie bilden den melancholischen Nachklang, der uns neben den Gaffern stets an die nicht sichtbaren Verunglückten erinnert.

Schwarzbild. „Oceano Nox! O Wellen! von welch traurigen Ereignissen könnt ihr erzählen“ heißt es im Zwischentitel. Der Ausruf stammt aus Victor Hugos gleichnamigem Gedicht. „O flots! Que vous savez de lugubres histoires!“ Nachdem der Romantiker im Jahre 1836 einen gewaltigen Sturm an der nordfranzösischen Küste beobachtet hatte, schrieb er das kurze Versepos über diese düsteren Nächte auf dem Ozean. Das Gedicht erzählt von den unzähligen Seefahrern, deren Körper im Meer und deren Namen in der Zeit versunken sind. Dieses Bild macht sich Wasners Titel zunutze und lässt es wie einen dunklen Schatten über den Aufnahmen schweben.

Alte Filmstreifen üben immer eine gewisse Faszination aus. Ein vergangener Moment wird aus der Rumpelkammer gekramt und uns – staubig wie er ist – präsentiert. Aber der Moment ist mehr als nur ein voyeuristischer Blick in die Vergangenheit. Er ist eine zu Kunst gemachte Geschichtsaufnahme. Ein Fundstück aus dem Filmarchiv, das uns in knappster Form an das Schicksal derer heranführt, die gerade nicht auf dem zerkratzten Zelluloidstreifen zu sehen sind.

Am Ende bleibt das weite, endlose Meer. Wir blicken auf den Atlantik und eine hinter den Wolken durchschimmernde Sonne aus dem Jahre 1912. „Oceano Nox“ schließt wie das Gedicht von Victor Hugo. Die Seelen ruhen auf dem Meer, ihre Namen geraten der Vergessenheit an. Doch mit diesem Film hat Georg Wasner den Schiffbrüchigen eine Erinnerung geschaffen, die über ein bloßes Zeitdokument hinausgeht. Er macht sich die Faszination der Nostalgie und den voyeuristischen Charakter der Menschen zunutze, um ein Stück Filmpoesie zu schaffen. Wir blicken auf die Menschen, dessen Leben sich mit dem der Verunglückten kreuzt und wissen nicht recht, ob wir weiter hinschauen sollen oder nicht.

 

 

 

Wer ist Emanuel? – Imagining Emanuel

Jedes Jahr versuchen tausende von Afrikanern ihre Heimatländer zu verlassen und in Europa einen Neuanfang zu starten. Bürgerkriege, Armut und Krankheiten sind nur einige Gründe. Auch nach Norwegen fliehen sie und hoffen auf Asyl. Emanuel kommt ursprünglich aus Liberia, ist von dort mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg nach Ghana geflohen und nach dem Tod seiner Mutter alleine weiter nach Norwegen. Versteckt in einem Hohlraum über einer Schiffsschraube ohne Essen und ohne Trinken. Nach fünf Tagen kommt er nass, durchfroren und entkräftet an.

Emanuel auf der Suche nach etwas zu Essen in den Straßen Oslos

„Imagining Emanuel“ von dem Norweger Thomas A. Østbye erzählt Emanuels Geschichte in Bildern aus seinem Leben. Außerdem durch Gespräche mit Behörden, einen neu gewonnenen Freund und vor allem ihn selbst. Akribisch versucht der Regisseur jedes kleine Detail über das Leben von Emanuel zu erkunden. Dabei konzentriert er sich natürlich auf das Leben in Norwegen. Alleine läuft er durch die Hauptstadt Oslo mit der Hoffnung etwas Geld für Essen zu bekommen. Er will in dem Land bleiben, trotz der Erfahrungen, die er mit den Behörden und deren Umgang mit ihm gemacht hat.

Abschiebe- und Isolationshaft für den Wunsch zu leben

Während der Ermittlungen zu seiner Person ist Emanuel eingesperrt in der Abschiebehaft in Trandum. Dort gibt es laut Aussagen der Beamten eine solch hohe Suizidgefahr bei den Häftlingen, dass sie alle halbe Stunde geweckt werden. Ein ausführliches Protokoll wird über jeden angefertigt. Der 31-jährige Filmregisseur zeigt die Zellen, in denen Emanuel inhaftiert war. Ein langsamer Schwenk durch diese und die Beklemmung wird einem deutlich. Teilweise geschieht es so langsam, dass man selbst kaum noch hinsehen kann. In der ersten waren noch vier Betten und ein Fenster, später saß er in Einzelhaft ohne natürliches Licht in einem sterilen Raum. Dort verbrachte er nach eigenen Angaben vermutlich zwei Wochen alleine. Mit dem Bild der Zelle im Hintergrund ist ein Ausschnitt des Protokolls zu lesen.

Die Behörden drängen auf Emanuels Abschiebung

Beeindruckend intensiv zeigt Østbye die Gesichter der beteiligten. Langes Warten bevor das eigentliche Interview beginnt. Es ist förmlich zu sehen, wie die drei Herren im Dienste des Staates überlegen, was sie denn zu der Geschichte erzählen sollen. Oder überlegen sie sogar, was sie erzählen dürfen? Dies erzeugt bei weitem kein Verständnis für das Handeln. Der Unterstützer und Freund von Emanuel gibt klare Antworten und schiebt den Behörden die Schuld zu.

Nach Einordnung der Behörden, kann die Geschichte von Emanuel nicht stimmen und sie identifizieren ihn als ghanaischen Staatsbürger. Dies geschieht nach mehreren Befragungen und einem Sprachtest. Als er abgeschoben werden soll, wird die Aufnahme in Ghana abgelehnt, weil Emanuel der örtlichen Polizei auch sagt, dass er aus Liberia komme. So gelangt er vorerst wieder zurück nach Oslo. Dort lebt er ohne Bildung, ohne Arbeit, ohne Perspektive, aber vor allem ohne eine Identität. Wer ist Emanuel und was ist seine Geschichte? Der Film versucht Antworten zu geben, so gut er kann. Doch einige Fragen bleiben offen.

Regie: Thomas A. Østbye, Norwegen, 2011, 52 Minuten

Romantisches Schweigen – A Piece of Summer

Romantisches Schweigen – A Piece of Summer

Eine Rezension von Katrin Haubold

Bisons verfolgen, mit den Händen Fische fangen, Schlangennester ausheben – was nach Abenteuer klingt, erlebt der polnische Junge Patryk, als er seine Sommerferien bei seinem Opa in der Wildnis des Bieszczady-Gebirges verbringt. Umgeben von Wäldern und Wiesen wird in Piece of Summer von Marta Minorowicz das Verhältnis zwischen den beiden Darstellern betrachtet: Ein pubertierender Junge zu Besuch bei einem alten Mann – das birgt Konfliktpotenzial. Von dem ist anfangs allerdings nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: Die Sonne scheint golden durch die Baumwipfel, die Landschaftsaufnahmen mit Feldern, die von Nebel durchzogen sind, werfen auf die Zurückgezogenheit einen verträumten Blick; der alte Mann allein vor seinem roten Wohnbus unterstützt das romantische Bild ebenso wie das Vogelgezwitscher und der rauschende Bach.

Großvater und Enkel beim einträchtigen Angeln

Die Regisseurin Marta Minorowicz arbeitete fünf Jahre beim polnischen Fernsehen und führte Regie bei mehreren Sozialreportagen. Sie machte 2010 an der Andrzej Wajda Master School of Film Directing in Warschau ihren Abschluss. Im selben Jahr brachte sie ihren Dokumentarfilm Piece of Summer (orig. Kawałek lata) heraus. Der Film konnte einige Preise einheimsen, gerade weil er Naturaufnahmen mit der Beobachtung der beiden Darsteller verknüpft. Es scheint, als wären sowohl Patryk als auch der Großvater nicht begeistert davon, die Sommerferien miteinander verbringen zu müssen. Anfänglich noch schweigsam, tauen sie aber nach und nach auf und lassen mit ihren Gesprächen die vorherrschenden Vögel und den Bach zu Hintergrundgeräuschen verkommen. Das beklommene Verhältnis entspannt sich, Großvater und Enkel unternehmen immer mehr miteinander. In 23 Minuten zeigt die Regisseurin die wachsende Bindung zwischen den beiden, lässt dabei trotzdem Konfliktsituationen nicht aus. Die Szenen scheinen willkürlich zusammengestellt, eine zeitliche Abfolge lässt sich schwer erkennen: Ist der Junge eine Woche oder gar einen Monat bei seinem Großvater? Es ist jedenfalls lange genug, dass der Junge dem einsamen, alten Mann ans Herz wächst.

Der Film ist nicht synchronisiert, nur englische Untertitel geben wieder, worüber sich Großvater und Enkel unterhalten. Oft jedoch kommt der Film ohne Worte und nur mit den Hintergrundgeräuschen und Handlungen aus. Irgendwann sind aber auch Patryks Sommerferien vorbei. Er ist fort, zurück bleibt der Großvater: Allein sitzt er vor seinem roten Wohnbus, umgeben vom Wald, Vogelgezwitscher, dem Geplätscher des Bachs – der romantischen, einsamen Idylle.

Regie: Marta Minorowicz, Polen, 2010, 24 Minuten