Aktiver Klimaschutz und lukrative Geldanlage: Die AG Uni-Solar im Interview

Name des Vorsitzes: Juliane Hille
Studienfach: Jura
Semester: 4
Wie lange schon Vorsitz: seit dem 15.07.2009
Name der AG: AG Uni Solar

Wie lange gibt es diese AG schon?: Die AG gibt es seit dem 01.07.2009.

Wie viele Mitglieder?: Derzeit haben wir circa 11 Mitglieder.

Wie kam es zur Gründung der AG?

Die Gründungsmitglieder der AG Uni-Solar

Bei einer Sitzung der Grünen Hochschulgruppe hörte ich das erste Mal vom Projekt UniSolar aus Leipzig. Ich setzte mich zunächst mit dem Konzept auseinander und setzte es dann im Rahmen meines AStA-Referats für Nachhaltigkeit und Ökologie als thematischen Schwerpunkt um. Mit Uni Solar verfolgte ich die Idee der Sensibilisierung für regenerative Energien bei den Studierenden. Dies implizierte, dass die Studierenden selbst aktiv in das Projekt eingebunden werden sollten – Klimaschutz zum Mitmachen eben. Aus diesem Gedanken heraus gründete ich die AG Uni Solar.

Was sind die Ziele und Aufgaben der AG und mit welchen Inhalten wird sich beschäftigt?

Thematisch setzt sich die AG Uni Solar mit regenerativen Energieformen auseinander. Den Schwerpunkt bildet die Solarenergie, weil faktisches Ziel der Bau einer Photovoltaikanlage ist. Geistiges Ziel ist es, die Studierenden durch aktive Einbeziehung in ein Klimaschutzprojekt für regenerative Energien zu sensibilisieren und somit den Klimaschutz an der Universität Greifswald zu fördern. Die Studierenden können auf zwei verschiedenen Wegen bei dem Projekt mitmachen, aktiv oder investiv. Uni Solar basiert auf einem besonderen Finanzierungskonzept: Der Bau der Solaranlage wird durch Mikrodarlehen aus der Studierendenschaft mitfinanziert. Das heißt, dass die Studierenden mit mindestens 250 Euro in den Anlagenbau investieren können und das Projekt somit ermöglichen. Sonstige Hochschulmitarbeiter sind natürlich auch herzlich willkommen und können mit mindestens 500 Euro mitmachen. Ab dem Folgejahr der Vertragsunterzeichnung bekommen sie jährlich 2,5 Prozent Zinsen. Nach fünf Jahren Vertragslaufzeit erhalten sie zusätzlich den Einzahlungsbetrag zurück. Uni Solar verbindet also aktiven Klimaschutz mit einer lukrativen Geldanlage. Wer uns aktiv oder investiv unterstützen möchte, kann sich jederzeit bei uns melden. Bis zum November werden dringend Investoren gesucht. Die Einzahlung der Mikrodarlehen beginnt am 1.November und endet am 14.November. Falls ihr Lust habt, zu investieren, könnt ihr euch allerdings auch jetzt schon jederzeit bei uns anmelden.
Welchen Nutzen hat die AG für die Studierendenschaft?

Uni Solar bietet den Studierenden die Möglichkeit, sich in der AG zusammen mit anderen Leuten aktiv für den Klimaschutz an unserer Uni einzusetzen und dabei eine ganze Menge neues über regenerative Energien zu lernen. Außerdem haben die Studierenden die Möglichkeit, ihr Geld sicher, sinnvoll und nachhaltig anzulegen. Der Zinssatz bei Uni Solar liegt mit 2,5 Prozent immerhin über dem Sparbuchzinssatz. Es lohnt sich also!

Was wurde bisher erreicht?

Aufs Dach gestiegen: Ende November soll auf dem Dach des Unihauptgebäudes eine Solarzellenanlage entstehen.

Derzeit befinden wir uns in der Endphase unseres Projekts. Wir haben in den vergangenen Monaten den Verein Uni Solar Greifswald e.V. gegründet. Mit unserem Projektpartner, der Fernwärme Greifswald GmbH haben wir zudem einen Kooperationsvertrag abgeschlossen und verschiedene Dächer der Uni bestiegen. In der AG haben die Studierenden zudem tolle Flyer und Plakate entworfen, mit Logos und allem drum und dran. Damit konnten wir im Sommer die Institute und Wohnheime plakatieren. Neuerdings erscheint außerdem alle zwei Wochen der „Newsletter der AG Uni Solar“ mit verschiedenen Neuigkeiten zum Projekt, Politik, Wirtschaft und aktuellen Veranstaltungen.

Was steht in Zukunft auf dem Plan? Gibt es bestimmte Ziele, die in nächster Zeit verwirklicht werden sollen – oder sind Aktionen, Veranstaltungen etc. geplant?

Ende November 2010 soll die Anlage gebaut werden. Momentan sind wir daher mitten in der Investorengewinnung. Wir wollen bis zum November 2010 so viele Studierende und Unimitarbeiter wie nur möglich von unserem Projekt überzeugen. Jeder, der in Uni Solar investieren möchte, ist herzlich willkommen. Auf dem Markt der Möglichkeiten werden wir definitiv wieder dabei sein. Bis dahin freuen wir uns natürlich auf eure Unterstützung.

Wie kann man euch erreichen oder mehr über die AG erfahren?

Wir sind über die E-Mail-Adresse, uni-solar@asta-greifswald.de erreichbar. Infos zu unserem Projekt findet ihr auf unserer Homepage unter: www.unisolar-hgw.de. Viel Spaß beim Anschauen!

Das Interview wurde per E-Mail geführt.

Fotos: AG Uni-Solar (Gruppenfoto, Aufs Dach gestiegen)/keine CC-Lizenz

Rechtsextreme machen mit Parolen Jagd auf Erstis

von Luisa Pischtschan

Volle Hörsäle, volle Mensen, vollgesprühte Wände – Die rechtsextreme Szene Greifswalds scheint mit großflächigen Spray- und Klebeaktionen immer weiter mobil zu machen.

Der Treppenabsatz vor der Mensa mit der Parole.

Seit Beginn der Erstsemesterwoche sind in Greifswald auffällig viele Sprühereien aus dem rechtsextremen Spektrum zu beobachten. Mit Slogans wie „Komm in die Bewegung Ersti“ an öffentlichen Plätzen wird der Eindruck einer Mobilmachung innerhalb Greifswalds erweckt. Insbesondere an geläufigen Orten wie das Toilettenhäuschen neben der Mensa am Wall, das bereits zum zweiten Mal die Parole „NS-Hochschulgruppe!!“ trug, soll anscheinend eine Aufbruchstimmung in der Szene präsentiert werden. Auch die Treppen der großen Mensa wurden in großem Maße „pünktlich“ zur Begrüßung der neuen Studierenden in der Hansestadt beschädigt. Nachdem dort die Reinigung schon einmal erfolgte, wurden diese auch ein weiteres Mal besprüht. „Die Beschädigung der Mensa ist für uns eine Straftat, deswegen wurde auch sofort Strafanzeige gestellt“, erklärte am Mittwoch die Geschäftsführerin des Studentenwerks, Cornelia Wolf-Körnert, gegenüber dem webMoritz. Die Reinigung erfolge durch eine Fremdfirma, die vom Studentenwerk als „Betreiber des Hauses“ finanziert wird.

Schmierereien als „reine Provokation“

Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hat während der Vorbereitungen zur 24h-Vorlesung „demokratiefeindliche Sachbeschädigungen“ hinnehmen müssen, wie die AStA-Vorsitzende Daniela Gleich berichtet: „Das Banner der 24h-Vorlesung ist mit diversen Aufklebern beschädigt worden, welche sich nur schwer beziehungsweise gar nicht ohne weiteren Schaden entfernen lassen.“ Der AStA hoffe, dass die Polizei „gegen diese Aktionen“ vorgehe und „die Verantwortlichen zur Rechenschaft“ gezogen werden würden.

Für Günther Hoffmann, Experte für die Neonazi-Szene, sind die vermehrt auftretenden Parolen allerdings kein Indiz für einen steigenden Rechtsextremismus – die gehäuften Schmierereien stellten eine „reine Provokation“ dar. Dass die Sprühereien in letzter Zeit häufiger aufgetaucht sind, hänge auch mit den Erstsemestern zusammen. „Die Szene in Greifswald ist relativ klein“ und sie existiere mehr „für sich“, erklärt Hoffmann, der sich auch in der Anklamer Initiative „Bunt statt Braun“ engagiert. Und doch betont er: „Für mich sind diese Slogans ganz klar rechtsextremistisch.“

Gewalt keine strategische Komponente

Das verunreinigte WC-Häuschen

Bei der Stadt Greifswald ist der Schwerpunkt „rechtsextreme Schmierereien“ schon länger bekannt, wie die Präventionsbeauftragte Christine Dembski am Mittwoch dem webMoritz bestätigte. Um Sachbeschädigungen dieser Art zu melden, wurde eine „Grafitti-Hotline“ ins Leben gerufen: „Die Hotline wurde eingerichtet, weil eine hohe Belastung durch illegale Graffiti vorhanden ist“, erklärt Dembski. Eine getrennte Erfassung von extremistischen und nicht extremistischen Farbschmierereien erfolge allerdings nicht. Während eines Anrufs des webMoritz bei der Hotline ging  allerdings nur der Anrufbeantworter der – von der Stadt beauftragten – Firma ABS gGmbH ans andere Ende der Leitung, der nach dem Namen des Anrufers bzw. der Anruferin, der persönlichen Adresse als auch die genauen Ortsangabe der Sachbeschädigung fragte.

Auch das Studierenparlament (StuPa) positionierte sich in einer Stellungnahme deutlich gegen die rechtsextremen Taten. „Gerade im Hinblick auf unsere ausländischen Kommilitonen und dem Bemühen der Studierendenschaft, sich für Integration und Weltoffenheit einzusetzen, muss diese Entwicklung mit großer Sorge betrachtet werden“, schildert Erik von Malottki, Präsident des StuPas, dem webMoritz. Günther Hoffmann allerdings sieht keine direkte Gefahr bezüglich Gewaltausübung durch die hiesige Szene. „Gewalt wird hier nicht als strategische Kompenente zur Rate gezogen“, erklärt er. „Die Leute sind eher in ihrem internen Bereich, als dass sie in die Offensive gehen.“

Fotos: Luisa Pischtschan

Tanztendenzen enden

Die Tanztendenzen enden am 22. Oktober.

Seit dem 19. Oktober wurde in Greifswald zu Musik getanzt, gesprungen, spannende und abwechslungsreiche Choreographien präsentiert. Nun neigen sich die Tanztendenzen dem Ende zu. Am Samstag, dem 23. Oktober, tritt das „Theater der Klänge“ aus Deutschland, sowie „Cie Blanck Blanc Beur“ aus Frankreich im Theater Vorpommern Greifswald um 20 Uhr zur Abschlussveranstaltung auf. Bereits zum 17. Mal finden die Festtage für den zeitgenössischen Tanz in Greifswald statt.

In diesem Jahr sind Nachwuchschoreographen aus England, Israel, Italien, Burkina Faso, Frankreich, Senegal und der Schweiz anlässlich der Veranstaltungsreihe in die Universitäts- und Hansestadt gereist, um ihre Kunst vorzustellen. Das Festival wurde vor fast einer Woche traditionell im sozio-kulturellen Zentrum St. Spiritus feierlich eröffnet. Den vorläufigen Höhepunkt stellte die Begegnung zwischen Andréya Ouamba und Matthias Sperling (Großbritannien) mit ihrem Duo „Diplomacy II“, einem Auftragswerk des Dance Umbrella Festivals London, dar. Die Abschlussveranstaltung beginnt am 23. Oktober um 20 Uhr, der Eintritt beträgt 14, ermäßigt neun Euro.

Fotos: Laura Lietzmann/ jugendfotos.de (Aufmacher), Jara Lenz/ jugendfotos.de (Artikel)

Heinrich von Kleist ist zu Gast bei Koeppen

Das Literaturzentrum Vorpommern präsentiert ab Freitag eine neue Veranstaltungsreihe. „Zu Gast bei Koeppen“ heißt diese und verspricht, durch Zusammenarbeit mit Literaturmuseen und literarischen Zeitschriften, dass sich Literatur vielschichtig genähert wird. Den Auftakt dieser Veranstaltung bildet die Beschäftigung mit dem deutschen Dramatiker und Lyriker Heinrich von Kleist, der 1777 in Frankfurt/Oder geboren wurde. Im kommenden Jahr wird das Kleist-Jahr zelebriert, sein Todestag jährt sich zum 200. Mal.

Zu Gast bei Koeppen: Heinrich von Kleist.

Am Freitag, dem 22. Oktober, ist der Direktor des an der Oder gelegenen Frankfurter Kleist-Museums, Dr. Wolfgang de Bruyn, also zu Gast zu im Koeppen. Ab 20 Uhr wird er über den Schriftsteller sprechen, einige Texte Kleists lesen und über das Kleist-Jahr referieren. Außerdem möchte er dem Publikum nahe bringen, warum es sich heute noch lohnt, „Der zerbrochne Krug“, „Der Prinz von Homburg“ oder die Novellen „Die Marquise von O…“, „Das Erdbeben von Chili“ und „Michael Kohlhaas“ zu lesen.

Heinrich von Kleists Werke sind vielschichtig und auf den ersten Blick inhaltlich und sprachlich nicht immer leicht zu begreifen. Beispielsweise die Novelle „Die Marquise von O…“, die 1808 erschien. Die Novelle beginnt mit einer Zeitungsannonce, in der die Marquise nach dem Vater ihres ungeborenen Kindes sucht. Während des Krieges wurde sie vergewaltigt und nun sucht sie den Täter, der sie dann heiraten solle. Eine verzwickte Geschichte wird dann erzählt. Zuerst rückblickend, wie sich der Vorfall ereignete, bis hin zur Annonce und den Folgen aus dieser. Erzähltheoretisch gehört Kleist unbestritten zu den Klassikern der deutschen Literatur, er wurde allerdings zu seiner Lebzeit von seinen Zeitgenossen nicht gewürdigt. Skeptisch stand ihm seinerzeit die geistige Elite gegenüber. Heute jedoch erfährt Heinrich von Kleist Anerkennung, seine komplexe Persönlichkeit und seine zahlreichen Werke, die oft mit dem Extremen spielen, faszinieren.  Im kommenden Jahr wird es neben der Ausstellung im Kleist-Museum auch eine Ausstellung im Ephraim-Palais in Berlin geben. In der Hauptstadt verstarb der Schriftsteller nämlich am 21. November 1811.

Für die Veranstaltung beträgt der Eintritt fünf, ermäßigt drei Euro. Karten gibt es im Vorverkauf im Café Koeppen, im Antiquariat Rose und in der Greifswalder Stadtinformation.

Fotos: Christine Fratzke (webMoritz-Archiv)

CD-Rezension: „Rotten Roma Casino“ von Spiritual Front

Albumcover "Rotten Roma Casino"

Rom, die ewige Stadt: In einem heruntergekommenen Vorort, in dem tagsüber Obdachlose und nachts Prostituierte die Straßen beherrschen, lädt ein Casino ein, den Sorgen des Alltags für eine gewisse Zeit zu entfliehen. In den verrauchten Räumen – zügelloses Glücksspiel, käuflicher Sex und Whiskey, der einen tiefer und tiefer in einen Abgrund ohne Wiederkehr zu ziehen scheint.

Dieses Szenario hat sich die italienische Band Spiritual Front als Rahmen für ihr neues Album „Rotten Roma Casino“ gewählt, das vor einigen Wochen erschienen ist. Spiritual Front – das sind Frontmann Simone „Hellvis“ Salvatori und seine Mitstreiter. Seit Ende der Neunziger Jahre im Untergrund aktiv, wandte man sich nach martialisch- bis neofolkloristischen Anfängen vor einigen Jahren einer poppigeren Gangart akustischer Musik zu.

Der Sound der Truppe, den sie selbst „Nihilist Suicide Pop“ tauften, setzt sich aus Akustik- und Westerngitarren, Violinen und Trompeten, hin und wieder einem Klavier und Simones variantenreichem Gesang zusammen. Spiritual Front verweben diese zu einem Klangteppich, der den Hörer in besagtes Casino versetzt. Doch auch Assoziationen zu alten Spaghetti-Western werden wach. Allzu oft sieht man sich als Hörer Django über die Schulter in das Gesicht seines Gegners blicken. Oft erinnern die Stücke mit ihren Westerngitarren, Tormpetensoli und der zeitweise eingestreuten Mundharmonika an Soundtracks von Ennio Morricone. Dies verwundert nicht, griff die Band doch tatsächlich auf das Orchester zurück, mit dem bereits Morricone arbeitete.

Inhaltlich jedoch beschäftigen sich die zwölf Stücke jedoch kaum mit Colts schwingenden Desperados. Simone singt in den größtenteils schnelleren, teilweise regelrecht beschwingten Stücken von Liebe, Sex und Sehnsucht. Eine tiefe Verbeugung vor dem „Man in Black“ Johnny Cash ist zudem der „Song for Johnny“. Alle Lieder graben sich tief in die Gehörgänge ein und bleiben dort, bis sie von einem anderen Stück dieser Platte abgelöst werden. Einzig das letzte Lied „Overkilled Heart“, ein Duett mit Sonja Kraushofer, weiß nicht zu gefallen. Kraushofers musicalhafter Gesang, den einige Leser sicher bereits von L’Âme Immortelle oder Persephone kennen, mag sich nicht so recht in das verottete Casino, das Spiritual Front ausmalen, einfügen.

Insgesamt aber besticht die Platte durch grandiose Instrumentierung, abwechselungsreichen, gefühlvollen Gesang und einen Ohrwurmcharakter, der seines Gleichen sucht. Bleibt nur noch Platte kaufen, und sich hineinversetzen lassen in den heruntergekommenen Saloon oder das abgewrackte Casino.

Bildnachweis: Spiritual Front (Albumcover)