von Marco Wagner | 17.09.2010

Professor Kohler, Lehrstuhlinhaber für Prozessrecht
Nachdem ab etwa 7. September anfänglich sämtliche Medien titelten, dass das Tragen der Modemarke „Thor Steinar“ an der Ernst-Moritz-Arndt Universität verboten sei, stellte Pressesprecher Jan Meßerschmidt wenige Tage darauf klar, dass dies nicht der Fall sei.
Am 3. September änderte das Rektorat der Ernst-Moritz-Arndt Universität die Hausordnung dahingehend, “dass Verhaltensweisen zu unterlassen sind, die geeignet sind, die öffentliche Wahrnehmung der Universität als weltoffenes, pluralistisches, freiheitliches und demokratisches Zentrum von Forschung und Lehre zu beeinträchtigen.” Außerdem wird demnach “die Verwendung von Kennzeichen mit verfassungswidrigen, rassistischen, fremdenfeindlichen, gewaltverherrlichenden oder anderen menschenverachtenden Inhalten” sowie “Verhaltensweisen, die geeignet sind, diesbezügliche Missverständnisse hervorzurufen” untersagt.
In der letzten Senatssitzung vom 15. September hob Professor Jürgen Kohler hervor, dass die Änderung der Hausordnung in den Zuständigkeitsbereich des Senats, nicht des Rektorats, falle. Es handele sich hierbei somit um einen Verfahrensfehler. Darüber hinaus sei das Ganze dem Juristen zufolge ein „Regulativ der Meinungsäußerung“, das in seiner Form unverhältnismäßig und unzweckmäßig sei. Es sei zudem einerseits unbestimmt und ziele andererseits nur darauf ab, einen einzigen Fall zu behandeln. Kohler betonte, dass für die Behandlung eines Einzelfalles keine Änderung der Hausordnung nötig sei, sondern ein Disziplinarverfahren genügen würde.
„Wollen wir illiberaler sein, als unsere Vorgängergeneration?“, warf Kohler während der letzten Senatssitzung die Frage in den Raum. Schließlich hätten in den 68er Jahren Studenten mit Mao-T-Shirts in den Vorlesungen gesessen und damit nachweisbar einen der größten Massenmörder des letzten Jahrhunderts glorifiziert.
Im folgenden bekräftigte der Jurist die Position des FDP-Abgeordneten Sebastian Ratjen, in dem er hinterfragte, ob es „nicht besser“ sei, „die Signifikanz der Symbolik zu zerstören, indem jeder solche Sachen trägt, anstatt die Aussagekraft durch ein Verbot noch zu stärken?“ Erik von Malottki, Präsident des Studierendenparlamentes äußerte Kritik an der Position Kohlers, von Seiten des Rektorats meinte man, die Bedenken prüfen zu wollen.
Bilder:
Universitästgebäude – Markus Studtmann via Wikipedia
Professor Kohler – Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Zivilprozessrecht
von Christine Fratzke | 17.09.2010
Das Programm zur achten Kulturnacht, die am 17. September beginnt, kann sich sehen lassen: 37 Stationen, darunter unter anderem das Pommersche Landesmuseum, die Galerie Schwarz, die Theologische Fakultät und das Antiquariat Rose. Doch auch an anderen Schauplätzen wird Kultur greifbar.
Das Theater Vorpommern beispielsweise bietet nicht nur einen Blick hinter die Kulissen ab 18 Uhr. Kulturinteressierte können öffentlichen Theaterproben von „Orpheus und Eurydike“ zwischen 19 und 21 Uhr beiwohnen. Das Stück wird ab Ende September wieder in Greifswald aufgeführt.
Koeppen: Labyrinth des Schreibens, Impro und mehr

Im Koeppenhaus: eine Ausstellung, zwei improvisierte Aufführungen und ein Konzert.
Auch das Koeppenhaus in der Bahnhofstraße 4 hat einiges zu bieten: Im Literaturzentrum ist bis 23 Uhr die Ausstellung „Im Labyrinth des Schreibens“ geöffnet, welche das Wirken des Schriftstellers Wolfgang Koeppen darstellt. Im Café Koeppen tritt die Improvisationsgruppe des Studententheaters Ma´ma ernst! um 20 und 21.30 Uhr auf. Ab 23 Uhr spielt die Band Rolando Random & The Young Soul Rebels eine Mischung aus Ska und Reggae.
Außerdem werden verschiedene Lesungen angeboten. Im Falladahaus, Steinstraße 59, tragen ausländische Studierende Gedichte ihrer Heimatländer vor. Ein Kontrastprogramm dazu wird in der Boutique Sarabande stattfinden: Um 19.30 Uhr und 21.30 Uhr gibt es erotische Lesungen in der Kuhstraße 24.
Die ersten Veranstaltungen beginnen um 18 Uhr, um 24 Uhr endet dann die Kulturnacht, die vom Kulturamt Greifswald organisiert wurde. Das komplette Programm kann unter kulturmodul.de nachgelesen werden. Bei den meisten Veranstaltungen ist der Eintritt frei.
Fotos: Torsten Heil (Theatersessel, webMoritz-Archiv), Christine Fratzke (Literaturzentrum. webMoritz-Archiv)
Annegret Adam, Christine Fratzke (Galerie)
von David Vössing | 16.09.2010
Brüssel, die belgische Hauptstadt und gleichzeitig Sitz der Europäischen Union: Vom Freitag, 10. September bis Sonntag, 12. September habe ich ein verlängertes Wochenende dort verbracht. Weihnachten 2008 besuchte ich die Stadt schon einmal, wo ich dann bei den europäischen Institutionen war, sodass ich jene dieses Mal nicht besuchte.
Vom Hund angefallen worden

Das milliardenfach vergrößerte Atom ist ein Wahrzeichen Brüssels.
Am Freitag morgen um fünf ging es im Sauerland los und dann mit dem Zug via Hagen und Köln nach Brüssel Midi-Zuid, wo ich mich erst einmal zurechtfinden musste. Auch das Hostel zu finden, war nicht so einfach. Am Nachmittag war ich im Brüsseler Atomium, das eine milliardenfache Vergrößerung eines Atoms darstellt. Von hier aus hatte man einen schönen Überblick über die Stadt. Beim späteren Joggen wurde ich von einem Hund im Park angesprungen, der zum Glück nur spielen wollte, aber nicht gebissen hat. Am Abend ging es auf den Grand Place, den Mittelpunkt Brüssels, mit seinen historischen Gebäuden.
Am Samstag stand Mini-Europa auf dem Programm. Dort sind viele europäische Sehenswürdigkeiten verkleinert dargestellt. An deutschen Miniaturen waren das Brandenburger Tor oder das Lübecker Stadttor zu sehen, aber auch der Eifelturm oder holländische Windmühlen. Anschließend habe ich mich im Oceade, einem benachbarten Spaßbad etwas erholt mit Sauna, Whirlpool und Rutschen.
Sprachprobleme?
Bevor ich am Abend beim Chinesen gegessen habe, war ich in verschiedenen Geschäften unterwegs, die aber fast alle gerade schließen wollten. In einem machte man die Tür zu und signalisierte mir ironisch auf französisch, dessen ich nicht mächtig bin, anscheinend, dass ich dort nicht mehr rauskomme. In der Nacht war ich noch mit zwei Franzosen und einem Amerikaner in einer Bar. An den Franzosen wunderte ich mich, dass sie einfach Englisch sprachen, auch wenn einige Franzosen dort recht eigenwillig sind.
Nach einer kurzen Nacht musste ich morgens auschecken. Vorher bin ich beim Joggen

Der Grand Place befindet sich im Herzen Brüssels.
ziemlich nass geworden. Anschließend war ich in einem Geschichtsmuseum Belgien, dessen Unabhängigkeit 1830 von den Niederlanden begann. Vor meiner Rückfahrt bin ich noch einmal über den Grand Place gegangen und war auf einem riesigen Trödelmarkt, wo es von Lebensmitteln bis Kleidung alles Mögliche gab.
Fotos: David Vössing
von Christine Fratzke | 15.09.2010
Greifswald gestern und heute – mit dieser Thematik beschäftigt sich eine Fotoausstellung, die am 16. September in der Kleinen Rathausgalerie beginnt. Die Fotografien stammen von Zsolt Kemény, der als Kind von 1986 bis 1989 in Greifswald lebte. Mit zwölf Jahren begann er, seine Umwelt zu fotografieren. Nun hat er die Bilder wieder entdeckt, reiste noch einmal in die Universitätsstadt und fotografierte die alten Motive in der heutigen Zeit.

Der Fischmarkt. Gestern und heute.
Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Greifswalder Stadtarchiv erarbeitet wurde, wird vom 16. September bis zum 14. Oktober andauern und zeigt Fotografien von Greifswald in der Vorwendezeit und heute vergleichend. Eröffnet wird die Ausstellung am 16. September um 19 Uhr. Auch während der achten Kulturnacht, bei der Zsolt Kemény anwesend sein wird, wird die Ausstellung von 19.30 bis 21.30 Uhr geöffnet sein. Weitere Bilder über Greifswald zur Wendezeit zeigte eine Ausstellung von November 2009 bis Februar 2010 im Koeppenhaus, die nun auch online zu betrachten ist. Ebenfalls empfehlenswert ist das Flickr-Fotoalbum Greifswald 1993 und heute, das den Wandel der Hansestadt dokumentiert.
Foto: Zsolt Kemény
von Christine Fratzke | 15.09.2010
Die Wohnraumsituation ist jedes Jahr zum Beginn des Wintersemesters eine schwierige. Es ist nicht leicht, ein Zimmer zu finden und zusätzlich war gerüchteweise zu hören, dass viele Wohnungen in einem unzumutbaren Zustand seien. Der Allgemeine Studierendenausschuss, AStA, wollte sich selbst ein Bild von der Lage machen. So erkundigte sich der Referent für Soziales, Philipp Helberg, in der vergangenen Woche bei der WVG (Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald) nach freien Wohnungen, ohne preiszugeben, dass er Mitglied des AStAs ist.
Eine Wohnung, die man sich zu dritt teilen kann und jeder nicht mehr als 250 Euro zahlen muss, das war seine Vorstellung. Die freundliche WVG-Mitarbeiterin stellte vier Angebote vor: Zwei in der Maxim-Gorki-Straße in Schönwalde, eine Wohnung im Ostseeviertel und eine in der Fischstraße, Innenstadt. Während des Gesprächs klingelte unaufhörlich das Telefon, es wurde allerdings großzügig von der Bearbeiterin ignoriert.
Tapetenbeihilfe bis 250 Euro
Die Wohnungen konnten sofort angesehen werden. So ging der Weg zuerst in die Maxim-Gorki-Straße. Die erste Wohnung präsentierte sich in einem guten Zustand: frisch tapeziert, vier Zimmer, mit Balkon für 440 Euro warm. Eine Hausnummer weiter befindet sich die zweite Wohnung, vom Schnitt ist sie identisch mit der ersten. Allerdings fehlte hier die Tapete an der Wand, der Beton zeigte sich in seiner grauen unverputzten Eleganz. Der PVC-Boden im Wohnzimmer wies tiefe Löcher auf, und das Schwalbennest auf dem Balkon hinterließ bereits schon unansehnliche Spuren. Insgesamt muss an dieser Wohnung noch einiges getan werden, doch unterstützt die WVG Renovierungsarbeiten mit „Tapetenbeihilfe“. Diese kann, abhängig vom Zustand der Wohnung, maximal 250 Euro betragen. In anderen Fällen wird Grundmietenerlass gewährt.
Weiter ging es in das Ostseeviertel, Vitus-Bering-Straße. Die Vier-Raum-Wohnung ist frisch renoviert, Mängel ließen sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Trotz der Gerüchte zeigte sich, dass noch genug Wohnungen angeboten werden, die sich größtenteils in einem guten Zustand befinden. Der Referent für Soziales Philipp betont dennoch, wie schwer es jeden Herbst im überfüllten Greifswald sei, ein Zimmer zu finden. Er rät: „Wer auf der Zimmersuche kein Glück hat, sollte sich entschließen, eine neue WG zu gründen.“ Dass es noch freie Wohnungen gibt, die sich für ein WG-Leben eignen, hat er nun selbst erfahren. So könne man sich mit zwei weiteren Studierenden direkt bei der WVG nach freien Wohnungen erkunden. Um dies zu erleichtern, möchte der AStA nun wieder eine WG-Börse einführen, die dann auf der AStA-Homepage zu finden sein soll. Damit könnten sich die Erstsemester schon vorab verabreden, um sich kennenzulernen, so der Referent für Wohnen Tommy Kube.
Jährlich grüßt das Murmeltier
Weiterhin hat Tommy versucht, gemeinsam mit der WVG eine WG-Börse einzurichten. „Aber der erste Versuch wurde von Seiten der WVG abgelehnt, ohne eine standfeste Begründung“, erklärt Tommy. Die derzeitige Problematik verdeutlichte er im Ausschuss der Bürgerschaft für Soziales und Wohnen. Der städtische Senator für Jugend, Soziales, Bildung und Kultur Ulf Dembski (SPD) äußerte gegenüber dem Wohnraumreferenten, dass es ihm wie ein Déjà-vu vorkomme, jedes Jahr im Herbst gebe es ein Wohnraumproblem. Doch scheint von städtischer Seite aus das Problem erkannt und ernst genommen zu werden, es wurde ein persönliches Gespräch mit dem AStA-Referenten initiiert. Derzeit sammelt Tommy Informationen für einen Flyer „Wohnen in Stralsund und Umland, eine Alternative?!“ und möchte das Couchsurfing zur Erstsemesterwoche weiterhin bewerben.
Fotos: Christine Fratzke