Bei einem Pressetermin informierte der Bau- und Umweltausschuss der Stadt Greifswald am Dienstag über die geplanten Maßnahmen eines Radverkehrsplanes im Rahmen des Klimaschutzkonzepts der Hansestadt. Hauptaugenmerk der Maßnahmen sei die Verbesserung der Infrastruktur des Radwegnetzes, sagte Gerhard Imhorst, Verkehrsplaner der Stadt. Die vorgestellten Maßnahmen sind aber vorerst nur Planungen, was davon umgesetzt wird, ist noch nicht entschieden.

In der Vergangenheit wurden bereits die Diagonalquerung der Europakreuzung und die Fahrradmagistrale vom Berthold-Beitz Platz über die Domstraße zum Bahnhof ins Gespräch gebracht. Ersteres soll möglichst noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

Gerhard Imhorst und Karl Hildebrand stellen den Radverkehrsplan vor

Gerhard Imhorst und Karl Hildebrand stellen den Radverkehrsplan vor

Basierend auf den Erhebungen im Mai 2009, in deren Folge sich Greifswald selbst den Titel „Fahrradhauptstadt“ verlieh, wurde ein Plan zur Verbesserung der Bedingungen des Radverkehrs erstellt.  Ziel des Radverkehrsplanes sei es, mehr Menschen aufs Rad zu bringen und so einen Teil zum Schutz des Klimas beizutragen, heißt es bei der Stadt. Neben der Infrastruktur soll auch der Service sowie die Öffentlichkeitsarbeit für den Radverkehr verbessert werden. Beim Service mangelt es derzeit wohl am meisten – zu erkennen an den ungeräumten Fahrradwegen.  Aber auch bei der Öffentlichkeitsarbeit gibt es noch Nachholbedarf: So soll hier künftig mit den Schulen zusammengearbeitet werden, um Kindern das Radfahren näher zu bringen. Die Idee wäre eine Art Mobilitätserziehung mit Kindern. „Mit dem Rad zur Schule statt mit Mama-Taxi“ könnte das Motto lauten.

Die Querung der Walther-Rathenau Straße - Autofahrer mussen Vorfahrt gewähren

Die Querung der Walther-Rathenau Straße - Autofahrer müssen Vorfahrt gewähren

Anklamer Straße: Straße oder Gehweg?

Die weitreichendste Idee zur Verbesserung der Infrastruktur  ist es, die Radwegbenutzungspflicht auf der Anklamer Straße aufzuheben und Radschutzstreifen auf der Fahrbahn einzuführen. Die Radfahrer sollen dann die Wahl haben, ob sie auf der Straße fahren oder den weiter bestehenden kombinierten Rad- und Fußweg nutzen. Verkehrsplaner Imhorst ist sich bewusst, dass dies die Wahl zwischen zwei unangenehmen Alternativen ist. Auch langfristig ist aber eine Umgestaltung der Anklamer Straße wohl nicht in Sicht. Eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit wäre dann ebenfalls denkbar, teilte uns Imhorst auf Nachfrage mit.

Weitere Radwege in Planung

Neue Radwege oder Radfahrstreifen könnten unter anderem hier eröffnet werden:

  • beidseitige Freigabe des Hanseringes von der Europakreuzung bis zum Fangenturm, einseitig bis zur Stralsunder Straße.
  • Auf der Franz-Mehring Straße soll ein Radfahrstreifen entstehen.
  • Die Stephaniestraße soll auch in Gegenrichtung freigegeben werden.
  • Die Grimmer Str. bis zum neuer Friedhof soll ebenfalls einen Radweg oder Radfahrstreifen erhalten.
Die 14 Hauptrouten der Stadt

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Durchgehende Fahrradmagistrale vom Neuen Campus bis in die Innenstadt

Die Mühlenstraße soll zur Errichtung der Fahrradmagistrale zur Fahrradstraße umfunktioniert werden und dann über den Markt zur Domstraße weitergeführt werden. Damit wären der Campus Berthold-Beitz-Platz und der Campus an der Rubenowstr, per Fahrrad direkt verbunden – vorausgesetzt, die Diagonalquerung an der Europakreuzung wird umgesetzt. Dies ist aber nach Angaben der Stadt inzwischen sehr wahrscheinlich, da im  Haushalt für bereits 100.000 Euro für dies Maßnahme eingestellt wurden und auch der politische Wille zur Umsetzung besteht. Wie allerdings die Walther-Rathenau-Straße gequert werden soll ist noch nicht klar. Ein erster Vorschlag vom verantwortlichen Planungsbüro aus Greifswald liegt vor.

Ein Neubau von Radwegen ist an den Hauptverkehrsstraßen Gützkower Landstraße und Stralsunder Landstraße angedacht. Vor allem an der Stralsunder Landstraße gibt es großen Nachholbedarf. So ist es derzeit nur auf der vielbefahrenen B106 möglich, das Einkaufszentrum „Marktkauf“ per Rad zu erreichen.

Auch touristisch könnte die Radwege genutzt und erschlossen werden. So schwebt den Planern eine „Greifswald-Route für Touristen und Neubürger“ vor.  Diese Route selbst ist zwar schon vorhanden, müsse aber noch besser vermarktet werden.

Fahrradparkhaus in der Domstraße

Neu ist der Vorschlag der Errichtung eines Fahrradparkhauses in der Domstraße. Hier sollen vor allem die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Fahrradtouristen die Möglichkeit erhalten, ihr Rad sicher und trocken abzustellen. Zusätzlich soll ein Infoladen, eine Selbsthilfewerkstatt und das Büro des ADFC integriert werden. Trotz des Titels „Fahrradhauptstadt“ fehle es doch an einer gewissen „Radkultur“, wie man sie in Münster beispielsweise finden würde, so Imhorst. Dies könne sich nun ändern mit den angestoßenen Projekten.

Der vorgestellte Entwurf wird bei der 3. Bürgerversammlung für mehr Klimaschutz am 27. Januar um 18 Uhr im Rathaus den Greifswaldern vorgestellt und diskutiert.

Kommentar von Sandro Teuber

Der Radverkehrsplan hat viele gute Ideen zu bieten. Er verbindet, die wichtigsten Achsen der Stadt. Die Fahrradfahrer erhalten Vorfahrt und gewinnen an Bedeutung. Die Innenstadt rückt ein wenig näher an den Mediziner-Campus und umgekehrt.  Auch die Fußgänger profitieren von den Vorschlägen, da die Radler vermehrt auf die Straße geschickt werden. Das entspannt die Situation auf den Gehwegen, mussten sich doch viele Radfahrer in der letzten Zeit mit kritischen Tönen auseinandersetzen. Das gipfelte in der vergangenen Woche mit der sinnfreien Forderung von Bußgeldern für Radfahrer in der Ostseezeitung, der sich denn auch brav alle genervten Verkehrsteilnehmer anschlossen.

Was die Autofahrer davon halten, ist klar. Sie fühlen sich von allzu vielen „Verkehrshindernissen“ in ihrem Bleifußgehabe gestört. Berührungsängste sollten die Radfahrer dennoch nicht haben, denn laut Verkehrsstudien ist das Fahrradfahren auf der Straße sicherer als auf Radwegen.

Nun schlägt die Stunde aller Radverkehrsbefürworter. Welchen Sinn machen überhaupt der Durchgangsverkehr in einer Stadt, in der der Großteil der Wege zu Fuß oder per Rad zurück gelegt werden? Wie sehe es denn damit aus, den Autoverkehr zumindest im Stadtkern zu sperren und den geräuschlosen Verkehr Vorrang zu gewähren?

Bilder: Sandro Teuber (Pressekonferenz), Stadtverwaltung (Sonstige)