von Carsten Schönebeck | 11.12.2008
Kaum sind die offiziellen Erörterungstermine um das geplante Kohlekraftwerk in Lubmin vorüber, werden die politischen Befürworter des Kraftwerks unruhig.
Vor wenigen Tagen behauptete der Landtagsabgeordnete und Präsident der Greifswalder Bürgerschaft Egbert Liskow (CDU) noch öffentlichkeitswirksam, die Erörterung hätte keinerlei neue Erkenntnisse gebracht, die gegen den Bau des Milliardenprojekts sprächen. Peinlich für ihn, dass kurz darauf durch einen Leserbrief in der Ostseezeitung, bekannt wurde, dass Liskow an dem mehrwöchigen Verfahren lediglich für wenige Stunden teilgenommen hatte. Weitergehend informiert hatte er sich wohl auch nicht, denn reihenweise waren neue Studien und Erkenntnisse eingebracht worden. Das nun folgende Genehmigungsverfahren muss sich mit 9000 (sic!) Einwendungen beschäftigen.
Nach dem auch Naturschutzorganisationen und Bürgerinitiativen eine abschließende Erklärung herausgaben und darin (sicherlich erwartungsgemäß) das Kraftwerk als „nicht genehmigungsfähig“ einstuften, wird die Luft für die Kraftwerksbefürworter immer dünner. (mehr …)
von Felix Schulze | 11.12.2008
Endlich wieder Running Dinner! Doch zu Beginn geht alles schief. Obwohl ich unser Team zusammengestellt hatte, trenne ich mich aufgrund meiner momentanen super Beziehung zur Universitäts-Bibliothek erst kurz vor sechs vom Ort des unbegrenzten Wissens und gesellte mich viel zu spät zu meiner Gruppe.
Diese sind schon voll im Vorbereitungsstress und wuseln aufgeregt durch die Küche. Die einen schnippeln Salat, der später mit leckerem Käse überbacken werden sollte, während gleichzeitig ein zweites Team aus unserem Haus ein verführerisches Tiramisu, für deren Nachtisch, zaubert. Doch kaum bin ich da, verabschieden sich plötzlich alle.

Mein Mitstreiter packt seine Sachen, da er pünktlich um sechs zur Musikschule muss. Und meine Kameradin gibt an einen gestressten Tages gehabt zu haben. Sie fühlt sich schlicht nicht mehr in der Lage am Dinner teilzunehmen und verschwindet.
Zu dem Zeitpunkt schlägt die Uhr Zehn nach Sechs und zwei Teams stehen in meiner Küche. Also versuchte ich zu rekapitulieren, was es denn eigentlich zu essen gibt… Na gut – zunächst mal begrüßen wir den Abend gemeinsam mit einem leckeren Sanddorn Schnaps. Danach beginnt die antrainierte Routine aus zahlreichen früheren Running Dinnern:
Auf zum nächsetn Futtertrog
Hier verbindet sich interessantes, selbstgemachtes Essen mit angenehmen Small Talk, während man konsequent Alkohol trinkt. Zum Glück kehrt nach einer Stunde auch mein Teammitglied vom Klavierspielen zurück und ich habe wieder eine „Gruppe“. Die von uns kredenzte Vorspeise ist schnell verzehrt und wir ziehen in freudiger Erwartung zum nächsten Futtertrog.
Dort begehe ich tragischerweise einen, wenn nicht „den“, Running-Dinner-Kardinalfehler: Das Essen ist so lecker und die Gastgeber so liebreizend, dass ich keinen Stopppunkt finde. Zur Hauptspeise tafelt das zweite Team Wraps mit einer gigantischen Auswahl an Füllungen auf. Da gibt es von gebratenen Pilzen, über jegliche erdenkbaren Salate, plus allerhand schmackhaft Gebratenes bis zu einer ganzen Kollektion von Soßen alles was das Herz begehrt. So passiert es, dass mein Magen am Ende zum bersten gefüllt ist.
Dies erschwert mir ungemein die Anfahrt zum Nachtisch. Dort bieten unsere neuen Gastgeber – wie nicht anders zu erwarten war – weiterer Leckerbissen auf: Selbstgemachter Apfelstrudel mit Sahne. Da kann ich dann trotz aller Schmerzen natürlich nicht nein sagen.
Allerdings beschäftigte ich mich dann auch 45min mit einem Stück, bis ich auch dieses endlich in meinen Magen verfrachtet ist. Puuh! Dennoch stimmte die Konversation.
Greifswald mein Dorf, ich liebe Dich.
Schließlich trifft man ja immer ein buntes Potpore von Greifswaldern. Und nachdem die Standardfragen wie „Wohin geht’s noch und wo wart ihr schon?“, bearbeitet sind, lernt man anderen Leute am Tisch näher kennen. Dies führt oft zu überraschenden Bekanntschaften über fünf Ecken und offenbart andere soziale Verstrickungen der Stadt. Greifswald mein Dorf, ich liebe Dich.
Und wenn dann doch mal die unangenehm, beißende Stille einkehrt, greift der gekonnte Running-Dinner-Sportsmann einfach zurück auf Bier, Wein und Co.
Um zwölf sind wir fertig für die letzte Instanz des Abends. Die „After-Dinner Party“ im IKUWO. Dort können wir wahlweise zwischen zappeln in der Gruft und quatschen im (sehr) blauen Salon wählen. Das sind nach dem zurückliegenden Essmarathon zwei willkommene Alternativen. So treffen wir hier reihenweise andere Mitstreiter…
Mit 108 teilnehmenden Teams stellte das Gristuf-Team einen neuen lokalen Runnig Dinner Rekord auf, den wir gebührend zelebrieren. Und spät am Abend schlägt dann sogar noch unser vorher geflohenes Teammitglied auf, und wir sind endlich vereint. Den Abend lassen wir zusammen bis früh um fünf ausklingen, bevor wir dann dann zum wohlverdienten Verdauungsschlaf wanken.
Wie sehen uns das nächste Mal! Vielen Dank an die Organisation. GrIStuF rocks!
Foto: Martin Lenk
von Laura Brehme | 11.12.2008
Im Rahmen des „Greifswalder Babelfischs“, einer monatlichen Länderabendreihe im IKuWo, hielt der Kongolese Lucien Ilibi Dienstag Abend einen Vortrag über sein Heimatland. Der Medizinstudent ist Vorstand des Vereins „Afrikas Renaissance und Wiederaufbau e.V.„, der sich für den Austausch zwischen Deutschland und Afrika einsetzt.

Vortrag im Ikuwo
35 Gäste lauschten Luciens Ausführungen zur Geschichte der Demokratischen Republik Kongos, die er auf die Kolonisation fokussierte. So schaffte er es knapp, aber umfassend die komplexen Probleme im Osten Kongos zu erläutern. Bis hin zu dem aktuellen Konflikt zwischen den Hutu und den Tutsi.
Die zwei Volksgruppen, die sich seit Jahrzehnten bekriegen und um die Macht ringen. Aus dieser Feindschaft resultiert unter anderem der Konflikt im Grenzgebiet zwischen Kongo, Ruanda, Uganda und Burundi, der zuletzt wieder weltweit Schlagzeilen machte.
Was einige im Publikum erschreckte, waren Ilibis Schilderungen, wie die letzten Wahlen im Kongo 2006 unter Aufsicht Europas gefälscht werden konnten. Auf Nachfrage erklärte er, dass Joseph Kabila, der selbsterklärte Sieger der Wahl 2006, zu allem ja sage. Diese Haltung begünstige die Europäer in ihren Interessen um Ressourcen.
Gerade im Osten Kongos gibt es zahlreiche wichtige Rohstoffe. In letzter Zeit ist vor allem das Metall Coltan gefragt, das in fast allen Handys zu finden ist. Ein kurzer Film zeigte, wie Minenarbeiter unter der gewaltsamen Aufsicht der Rebellen arbeiten müssen.
In der Pause öffnete ein Buffet mit afrikanischen Spezialitäten. Im Angebot waren Köstlichkeiten wie Bananenbrot und Bananen-Kokos-Pudding, sowie Couscous und Maniok.
Danach zeigte Lucien Ilibi Bilder aus dem Alltag der Kongolesen. Hierbei betonte er die Bedeutung der Kinder, die die Zukunft jeder Gesellschaft seien. Zudem hob er auch die Bedeutung der Frauen hervor, die eine wichtige Rolle in Afrika spielen. Ihre Arbeit wird meist unterschätzt. Sein Verein bemüht sich daher vor allem um die Themen Schulen und Gleichberechtigung der Frauen.
Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Besucher angeregt über Machtverhältnisse und das politische System Kongos. Lucien Ilibi beeindruckte die Gäste hier mit Detailwissen und eigenen Erfahrungen.
Es war ein sehr informativer Abend und eine schöne Gelegenehit einen gebürtigen Kongolesen über sein Land erzählen zu hören. Seine persönlichen Erfahrungen belebten den Vortrag. Trotz der Komplexität des Konflikt gelang es ihm die Problematik übersichtlich darzustellen.
Tipp: Im Januar führt das IkuWo dann den „Greifswalder Babelfisch“ mit Bulgarien fort.
Foto: Laura Brehme
(Der Artikel wurde ursprünglich am 10. Dezember veröffentlicht)
von Gabriel Kords | 10.12.2008
Der Greifswalder Professor Helmut Klüter hält den den Verlust von bis zu 7.792 Arbeitsplätzen im küstennahnen Gastgewerbe Ostvorpommerns und Rügens für möglich, falls dass das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin gebaut wird. Laut Kraftwerksbetreiber Dong Energy sollen 130 neue Arbeitsplätze im Kraftwerk entstehen.

Professor Helmut Klüter
Professor Klüter, der den Lehrsuhl für regionale Geographie innehat, hatte noch im Rahmen des Erörterungsverfahrens den Kraftwerksbau in Lubmin mit dem Kraftwerksstandort Brunsbüttel verglichen. Dort hat sich der Bau mehrerer Kraftwerke äußerst negativ auf das Gastgewerbe ausgewirkt. Im Kontext des Kraftwerksbaus siedelte sich auch Industrie in der Stadt an, die zu einem Absinken der touristischen Attraktivität geführt hat. Und das, obwohl die Stadt sehr attraktiv an der Mündung des Nord-Ostsee-Kanals in die Elbe liegt, wie Klüter betont. Er hält es für möglich, dass die Übernachtungszahlen im Seebad Lubmin von jährlich etwa 41.000 auf ungefähr 4.200 sinken.
In Klüters Augen besteht beim Steinkohlekraftwerk „Inkompatibilität mit der bestehenden Wirtschaftsstruktur an der Küste Ostrügens und Ostvorpommerns.“ Weiter schreibt der Forscher in einem fünfseitigen Papier, das er dem STAUN (staatliches Amt für Umwelt und Naturschutz) während des Anhörungsverfahrens zu Protkoll gab: „Für Lubmin würde eine solche Zukunft bedeuten, dass die privaten und von der öffentlichen Hand getätigten Investitionen in die touristische Infrastruktur von Ostvorpommern, des Ostteils von Rügen, in die von Swinemünde und Wollin entwertet würden.“
Quellen:
Nachtrag vom 11. Dezember, 10:38:
(Anmerkung: Das Bild auf der Startseite ist keine realistische Darstellung des Bauherren, sondern eine Darstellung der Kohlekraftwerk-Gegner. Die Sicht des Bauherrn haben wir hier dargestellt. Dort fehlt eine Rauchwolke allerdings vollständig.)
von Oliver Wunder | 10.12.2008
Vor knapp zwei Wochen wurde bekannt, dass die Kommunale Wohnen AG (KWG) vom Kaufvertrag über den Anteilskauf an der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald mbH (WVG) zurückgetreten ist.
Die KWG sollte für den Kaufpreis von 60 Millionen Euro einen Geschäftsanteil von 49,9 Prozent an der stadteigenen WVG erhalten. Der vereinbarte Betrag war eigentlich bis 31. Juli 2008 fällig, doch die KWG zahlte bis heute nicht. Laut Interview mit dem KWG-Finanzvorstand Sy Schlüter zahle die KWG nicht, da kein wirksamer Bürgerschaftsbeschluss vorliege.
Die Stadt, vertreten durch Oberbürgermeister Arthur König, äußerte sich heute in einer Presseerklärung erneut zu dem Vorgang. Laut Ansicht des Rathauses ist der Rücktritt der KWG unwirksam. „Nach Rücksprache mit unseren Anwälten gehen wir als Stadt nach wie vor davon aus, dass ein wirksamer Beschluss der Bürgerschaft vorliegt und damit alle Bedingungen des Kaufvertrages erfüllt sind“, teilte Oberbürgermeister Dr. Arthur König mit.
Nun werde man aber den Kaufvertrag von Seiten der Stadt aufkündigen, heißt es weiter. Dies sei möglich, da sich die KWG mit der Zahlung des vereinbarten Kaufpreises „in Verzug“ befinde. Damit erlösche dann die Verpflichtung der Stadt der KWG die Anteile der WVG zu übertragen, sowie die Zahlungsverpflichtung der KWG an die Stadt.

Zudem soll geprüft werden, ob ein Schadensersatzanspruch der Stadt gegen die KWG besteht. „Gegenwärtig wird geprüft, in welcher Höhe dieser geltend gemacht werden sollte, damit er Aussicht auf Erfolg hat“, so Dr. König. „Bevor wir allerdings Klage erheben, würden wir über unsere Anwälte versuchen, uns mit der KWG außergerichtlich zu einigen.“