von Jabbusch | 03.09.2008
Am 8. Juli beschloss die Greifswalder Bürgerschaft die größte, städtische Wohnungsgesellschaft WVG zur Hälfte zu verkaufen. Die Stadt erhoffte sich dadurch, vom Schuldenberg über Nacht zu befreien. Doch Pustekuchen! Sy Schlüter, Finanzvorstand der Käuferfirma KWG AG, erklärt im Interview mit dem Stadtgespräch: „Wir werden vorerst nicht zahlen“.
Die „Kommunale Wohnungsgesellschaft AG“ (KWG) aus Hamburg hatte den Zuschlag zum anteiligen Kauf der WVG für 60 Millionen Euro erhalten. Die Summe wäre eigentlich bereits zum 31. Juli fällig gewesen – die KWG jedoch zahlte die Summe bisher nicht.
Am Freitag erscheint dazu im Greifswalder Magazin „Stadtgespräch“ ein ausführliches Interview mit KWG-Finanzvorstand Sy Schlüter, der dem Magazin die Beweggründe seiner Firma darstellt. Dem webMoritz liegt dieses Interview bereits vor. Auszüge daraus veröffentlichen wir bereits heute:
„Stadtgespräch: Herr Schlüter, wann werden Sie die 60 Millionen Euro zahlen?
Schlüter: Nun, der Vertrag den wir mit der Stadt Greifswald geschlossen haben, sieht verschiedene Konditionen vor, die erfüllt sein müssen, damit der Vertrag rechtskräftig ist. Eine dieser Konditionen ist ein wirksamer Bürgerschaftsbeschluss. Und den gibt es eben noch nicht. Wir werden bis zur Klärung nicht zahlen.
Stadtgespräch: Nun, vor den Verwaltungsgerichten sind ja alle bisherigen Eilanträge gegen den
Beschluss gescheitert…
Schlüter: Nein – uns geht es nicht um die Klagen der Bürgerschaftsmitglieder. Wir wollen eine grundsätzliche Entscheidung in der Sache. Der Ablauf der Sitzung ist angreifbar. Ein Gericht könnte noch nach einem Jahr den Beschluss für schwebend unwirksam erklären, was zu einer Rückabwicklung des WVG-Vertrages führen könnte. Als Manager müssen wir seriös mit dem Geld unserer Aktionäre umgehen. Hier geht es um Millionen – ein solches Risiko trägt auch keine Versicherung mehr.
[…]
Stadtgespräch: In Greifswald kursieren Gerüchte, dass Sie nicht zahlungsfähig seien. Angeblich würden Sie die notwendigen 60 Millionen Euro erst durch die nächste Aktienausgabe erhalten.
Schlüter: Nein, das macht ja keinen Sinn. Wenn wir wirklich den WVG Kauf über neue Aktien finanzieren wollten, hätten wir die Hauptversammlung ja nicht verschoben. Das passierte aus rein formellen Gründen, weil ein Gericht neue Regeln für die Einladungen festgelegt hat. Das betrifft im Übrigen viele deutsche Aktiengesellschaften. Wir verschicken bereits nächste Woche neue Einladungen. Die Hauptversammlung wird
auch weiterhin in Greifswald stattfinden.
[…]
Schlüter: […] Aber ich muss Ihnen gestehen, wir fühlen hier uns etwas in die Defensive gedrängt. Noch mal klar gesagt: Der Fehler liegt im Beschluss der Bürgerschaft, nicht bei uns. Selbst wenn wir 300 Millionen Euro hätten – so wie es jetzt steht, würden wir nicht einen Euro überweisen.“
Die Stadt bleibt nach Informationen der OZ weiterhin bei der Auffassung, dass der Beschluss der Bürgerschaft rechtmäßig ist. Am Donnerstag um 11 Uhr wollen KWG und Rathaus nun gemeinsam über die Zukunft des WVG-Verkaufs informieren.
Das Magazin Stadtgespräch mit dem ganzen Interview ist ab Freitag in vielen Geschäften Greifswalds, im Rathaus, in der Stadtinfo sowie an vielen weiteren Standorten kostenlos verfügbar. Das ganze Interview ist voraussichtlich ab Sonntag auch auf dem webMoritz online.
Foto: Pressebild der KWG AG
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von Jabbusch | 02.09.2008
Mit einem letzten Kommentar verabschiedet sich der Fachschaftsrat Sportwissenschaften in die Selbstauflösung. Wir möchten Euch diesen Kommentar hier zugänglich machen:
„Abschlusskommentar zur Schließung des Sportinstituts der Uni Greifswald
In einer Zeit in der dem Sport eine immer größer werdende Bedeutung beigemessen wird, mussten wir hautnah miterleben, wie das Institut für Sportwissenschaften der EMAU Greifswald den Einsparungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen zum Opfer fiel.
Im Sommersemester 2003 ereilte die Dozenten und Studenten des Instituts die Nachricht von einem Immatrikulationsstopp, der in unmittelbarer Zukunft auch die Schließung bedeuten würde. Trotz vielfältiger Bemühungen aller Beteiligten in Form von Demonstrationen, Debatten und Diskussionen war es nicht möglich, dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Folgen wie das Aufgeben einer langen Tradition in der Universitätsstadt Greifswald, das Fehlen des sportwissenschaftlichen Bereiches an einer gesundheitlich orientierten Universität und insbesondere das Fehlen von Übungsleitern im Hochschulsportbereich beziehungsweise in Vereinen sind nun zu befürchten.
So ist aktuell beispielsweise der Turnverein Greifswald, der von Sportstudenten gegründet und am Leben gehalten wurde, und mit dem Kinderturnen einen immens wichtigen Nachwuchsbereich fördert, mit vielen Problemen konfrontiert. Dazu gehört unter anderem die Abdeckung der zahlreichen Trainingseinheiten mit qualifizierten Übungsleitern.
Mit dem Wissen über die Schließung trat dennoch keinesfalls Resignation ein. Stattdessen wurde das vielfältige Sportangebot nicht aufgegeben, um den bestehenden Studenten ein umfangreiches Studium zu gewäh
rleisten. Ein besonderer Dank gilt hier den Dozenten, die das „sinkende Schiff“ nicht verlassen haben und somit den Studenten und Studentinnen einen adäquaten Abschluss ermöglichten. Mit ihrer Hilfe wurden nicht nur die allgemeine sportwissenschaftliche Lehre am Leben erhalten und Wanderfahrten wie Segeln oder Eisklettern in Polen in der semesterfreien Zeit verwirklicht, sondern auch das „Spowi-For-Ever“ Wochenende im Juni 2006 auf die Beine gestellt. Alle ehemaligen und aktiven Studenten und Studentinnen wurden eingeladen, um gemeinsam bei Grillabenden, Kanutouren auf dem Bodden und Beachwettkämpfen am Strand sportlich aktiv zu werden oder gemeinsam in Erinnerung zu schwelgen. Das Highlight war der traditionelle Sportlerball. Spätestens an diesem Wochenende wurde allen bewusst, dass es nun in Greifswald endgültig mit der Sportwissenschaft vorbei ist.
Mit der nun anstehenden Streichung aus der Satzung steht es jedoch nicht nur in den Köpfen aller Beteiligten fest, sondern wird nun auch auf dem Papier „schwarz auf weiß“ nachzulesen sein. Welche Folgen das wirklich für die Universität und die Stadt Greifswald haben wird, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.
Abschließend bedanken wir uns bei allen, die uns in der vergangen
Zeit unterstützt und die Treue gehalten haben.
FSR Sportwissenschaft“
Nach Informationen des AStA-Referenten für Fachschaften und Gremien, Jörn Sander, gibt es am 31. September eine letzte Aktion und standesgemäße Verabschiedung des FSR Sport auf dem Markt.
Über weitere Folgen, welche die Schließung für die gesamte Universität haben kann, hat das Moritz Magazin bereits in einem kritischen Artikel berichtet, der zu großen Teilen noch aktuell ist: Klicke hier, um weiterzulesen.
Bildquelle: darkroom11 via Flickr
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