von Archiv | 16.04.2008
„Horton hört ein Hu!“ von Jimmy Hayward und Steve Martino
Animationsfilme begeistern erfahrungsgemäß Klein und Groß. Mit „Horton hört ein Hu!“ soll wieder einmal auch das Kind in jedem Erwachsenen angesprochen werden. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch des amerikanischen Autors Theodor Geisel, „Dr. Seuss“.
Bereits andere seiner weltbekannten Geschichten wie „Der Grinch“ und „Ein Kater macht Theater“ fanden ihre filmische Umsetzung. Der von Christoph Maria Herbst gesprochene Elefant Horton, nimmt eines Tages Stimmen aus einem Staubkorn wahr. Während ihn die anderen Dschungeltiere für verrückt erklären, leben tatsächlich in einer mikroskopisch kleinen Welt mitten im Staubkorn Lebewesen, die sich als Hus bezeichnen. Aufgrund ihrer Winzigkeit sind die Hus einer Menge an riesigen Gefahren ausgesetzt. Horton nimmt sich der Aufgabe an, ihr Leben zu retten. Die ursprüngliche Science-Fiction-Idee von der Existenz von Parallelwelten wurde hier aufgegriffen und in eine kindgerechte Geschichte eingebaut. Sowohl die Dialoge als auch das Aussehen der Figuren wurden von den Drehbuchschreibern Cinco Paul und Ken Daurio fast identisch an das Kinderbuch angelehnt, wodurch dem Film eine gelungene und getreue Umsetzung der literarischen Vorlage zugesprochen werden kann. Die Darstellung grenzt wider den Erwartungen technisch und optisch, wohl dank den Animateuren von „Ice Age“, an Perfektion. Der Unterhaltungsfaktor ist passabel. Der Film besticht nicht durch seine Pointen und seinen Humor. Vielmehr glänzt er durch die kreative Darstellung und liebenswürdigen Charakterzüge seiner Figuren. Dennoch wirkt das Werk weder kitschig noch plump.
Auf die fingerzeigende „Moral der Geschicht“ wurde auch nicht verzichtet. Mit „Ein Mensch ist ein Mensch, wie klein er auch sei“, wird dem Zuschauer nicht zuletzt die Reflexion über das eigene Leben und die Welt, in der er lebt, ans Herz gelegt. Somit kann der Einzelne dem Animationsfilm „Horton hört ein Hu!“ etwas Positives abgewinnen. Ob dieser dadurch auch ein Gang ins Kino wert ist, sollte jeder selbst entscheiden.
Geschrieben von Cornelia Bengsch
von Archiv | 16.04.2008
„Juno“ von Jason Reitman
Juno McGuff (Ellen Page) ist bei ihren ersten sexuellen Gehversuchen mit ihrem Langzeit-Kumpel Paulie gleich etwas übers Ziel hinaus geschossen: Die Sechzehnjährige ist ungewollt schwanger und die Lösung dieses Problems erweist sich erwartungsgemäß als schwierig. Denn die örtliche Abtreibungsklinik ist auch der des Öfteren in spröden Zynismus abgleitenden Juno dann doch zu unsympathisch. Und auch der Plan, das Kind an ein Bilderbuchehepaar (Jason Bateman, Jennifer Garner) aus der Hochglanz-Vorstadt abzugeben, entwickelt bald seine ganz eigenen Tücken…
Jason Reitman, Sohn des Komödien-Veteranen Ivan Reitman und Regisseur der Public Relations-Satire „Thank you for smoking“, gelingt mit geschliffenen Dialogen und sympathischen Charakteren ein konstant amüsanter Film. Besonders die ungewohnt seriöse Jennifer Garner und der herrlich nerdige Marathon-Bubi Paulie, gespielt von Michael Cera („Superbad“), stechen aus dem Ensemble hervor. Die durch eine Oscar-Nominierung gehypte dauer-lakonische Perfomance von Ellen Page als Juno wirkt dagegen bisweilen ein wenig zu eindimensional.
Als großer „Indie“-Erfolg wandelt „Juno“ auf den Spuren des Vorjahreshits „Little Miss Sunshine“ – ohne allerdings dessen Klasse vollends zu erreichen. Gelang diesem der Spagat zwischen sperriger Indie-Komödie und souveräner Massentauglichkeit, kommt „Juno“ bereits ein bisschen zu kalkuliert und wohltemperiert daher. Nichtsdestotrotz: Wer auf leichte, schräge Komödien mit feinsinnig konstruierten Charakteren steht, der kommt bei „Juno“ – wie übrigens auch bei dem neuesten Pseudo-Indie „Dan in Real Life“ – voll auf seine Kosten. Wer das Genre in Hochform erleben will, dem sei eher der Griff in die DVD-Kiste („Station Agent“, „Garden State“, „Transamerica“) ans Herz gelegt.
Geschrieben von Johannes Kühl
von Archiv | 16.04.2008
„Die Welle“ von Dennis Gansel
Lehrer Wenger (Jürgen Vogel) ist Projektwochenleiter einer Gruppe von Gymnasiasten aus dem gehobenen Mittelstand. Die sind aus Beispielen eines ausgeprägten Individualismus, wie auch Abbildern der Unfähigkeit zu diesem zusammengesetzt. Im Rahmen einer Projektwoche diskutieren sie autokratische Systeme und auch das „Dritte Reich“. Die Aussage eines Schülers, dass „wir viel zu aufgeklärt“ wären, so etwas erneut zuzulassen, veranlasst Wenger zu dem Versuch, autokratische Elemente in den Unterricht einzubinden. Das wird zunächst auch akzeptiert.
In den nächsten Tagen entwickelt dieses „Spiel“ jedoch ungeahnte Konsequenzen. Grundlage des Films von Dennis Gansel ist ein Experiment eines US-amerikanischen Lehrers von 1967. Dieses wurde schon 1981 zu einem „One-hour-drama“ für das Fernsehnetwork ABC verarbeitet und nun ins heutige Deutschland verlegt. Dem unbefangenen Zuschauer wird hier der Spiegel vorgehalten, so gern er sich insgeheim die genannte Aufgeklärtheit bescheinigen würde. Jene, die das Original kennen, muss die zeitgemäße und starke Authentizität des Verhaltens von Lehrer und Schülern beeindrucken. Es bleibt wenig Platz für ein ehrliches „Das hätte ich als Schüler nie mitgemacht“. Wer heute das Original belächelt oder das nachfolgende Buch schlecht fand, für den macht dieser Film den Gedanken über unsere eigene Aufgeklärtheit zum Thema. Es fehlt ihm zuletzt nur eine Aussage darüber, wo zwischen übertriebenem Individualismus, Egoismus und zu starkem Gemeinschaftsdenken der richtige Weg entlangführt: Die Moral von der Geschicht.
Geschrieben von Arik Plazek
von Archiv | 16.04.2008
„10.000 BC“ von Roland Emmerich
Wer in Greifswald mal ein bisschen gehobene Kinounterhaltung geboten bekommen will, hat es ja nicht immer leicht. Während man auf echte Filmperlen wie „There will be Blood“ oder „No Country for Old Man“ meist vergebens oder bis zum nächsten CineExtra wartet, kann man sich die Zeit allenfalls mit filmischen „Highlights“ wie „Step Up 2“, „Meine Frau, die Spartaner und ich“ oder „Rambo“ vertreiben – oder eben mit dem neuesten „Wumms!“ von Roland Emmerich.
Doch mal ehrlich liebes CineStar: Wer will hier diesen Mist eigentlich sehen? Das neueste, zum Monumentalfilm aufgepumpte B-Movie des Exil-Deutschen, der Hollywoodklischees immer wieder besser bedient als jeder andere, durfte sich der Rezensent jedenfalls fast alleine anschauen. Das hiesige Programm zielt offensichtlich auf eine Zielgruppe, die den langen Weg aus dem Ostseeviertel scheut und die knappen Geldreserven wahrscheinlich lieber in Haartönung und Goldkrone investiert. Dabei hätten die Studenten doch so viel Zeit sind in der Innenstadt reichlich vertreten und meist von Papa mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet. Kleiner Tipp, liebes CineStar: Leere Sitze bringen kein Geld. Aber wer nicht will, der hat schon.
Und während man sich über Programmgestaltungen ärgert, die keinem etwas nutzen, vollzieht sich auf der Leinwand Hollywood-Elend erster Klasse: Emmerich inszeniert seinen vorzeitlichen Kulturclash ohne auch nur die Absicht erkennen zu lassen, geographisch, biologisch oder anthropologisch korrekt zu bleiben. Was bei solider Unterhaltung noch verzeihlich ist, aber spätestens dann nervt, wenn auch die dramaturgische Logik über Bord zu gehen droht. Irgendwo zwischen „Pathfinder“ und „Am Anfang war das Feuer“ zelebriert Emmerich einen pseudohistorischen Fantasytrash, der einem bald mit seinen überflüssigen Dialogen und einem bedeutungsschwanger aus dem Off raunzenden Armin Müller-Stahl nur noch auf den Keks geht.
CGI-Säbelzahntiger, die auch nicht viel echter aussehen als in „Ice Age“, ausgenudelte Landschaftsaufnahmen von Neuseeland und ein müder Neuaufguss des Finales aus Emmerichs erstem großen Hit „Stargate“ tun ihr übriges.
Wem nach einer wirklich gelungenen archaischen Hatz der Sinn steht, der ist mit der DVD von Gibsons filmisch perfektem „Apocalypto“ deutlich besser bedient.Geschrieben von Johannes Kühl
von Archiv | 16.04.2008
„Innenräume“ lautet der Titel des Tresenlesens am Montag, dem 21.April, ab 22 Uhr im Café Koeppen und nimmt bezug auf die aktuelle Ausstellung in der Galerie des Literaturzentrums Vorpommern. Diese Ausstellung im Rahmen der „Insomnale 2008“ zeigt grafische Arbeiten von Studierenden des Caspar-David-Friedrich-Instituts, die durch literarische Vorlagen angeregt wurden. Beim Tresenlesen sollen diese literarischen Anregungen vorgestellt werden. Die Schauspielerin Anke Neubauer und der Schauspieler Markus Voigt lesen Texte von Haruki Murakami, Wolfgang Koeppen, Viktor Pelewin, Amanda Aizpuriete, Tanja Dückers, Andri Snær Magnason u. a.
Der Eintritt kostet 1,19+ Euro.