von Archiv | 16.04.2008
Dr. Konrad Ott skeptisch gegenüber embryonaler Stammzellforschung
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist ein Grund, warum in Deutschland die Herstellung von embryonalen Stammzellen zu Forschungszwecken verboten ist. Trotzdem experimentieren unter anderem Zellbiologen und Mediziner in der Bundesrepublik mit solchen menschlichen Körperzellen.
„Für uns ist die Stammzellforschung von immenser Bedeutung“, sagt ein Mediziner aus Greifswald, der aus beruflichem Grund unbekannt bleiben möchte. „Wir leben in einer alternden Gesellschaft und haben den Auftrag, sie gesund zu erhalten. Von der Stammzellforschung profitiert im Prinzip jeder medizinische Bereich“, fährt er fort. In Zukunft sei es möglich, die besonderen Fähigkeiten der Stammzellen zur Heilung von Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer einzusetzen. Eine wichtige Eigenschaft der embryonalen Stammzellen ist nämlich ihre so genannte Pluripotenz, („zu Vielem mächtig“). Das heißt, dass sie sich in spezifische Gewebezellen, zum Beispiel Herzmuskel- oder Nervenzellen verwandeln können.
„Menschenfreundliche Medizin völlig deplatziert“
Darf man für die Heilungswünsche zukünftiger Generationen die absolute Schützungswürdigkeit menschlichen Lebens ausspielen? Dr. Konrad Ott verneint diese Frage. Der Professor für Umweltethik und angewandte Ethik an der Uni Greifswald findet, dass die „Formulierung für eine menschenfreundliche Medizin“ völlig deplatziert ist. „Ich persönlich sehe diesen Forschungsbereich mit Befürchtungen unliebsamer Überraschungen und Dammbruch-Risiken“, sagt er.
Trotzdem: Es ist in Deutschland erlaubt, an embryonalen Stammzellen zu forschen. Allerdings dürfen die Wissenschaftler nur Zellen benutzen, die sie vor dem 1. Januar 2002 aus dem Ausland importiert haben. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Seit einiger Zeit klagen Experten, dass die eingeführten Stammzelllinien verknappen oder veraltern. Die Stammzellen wurden über Jahre gehalten und kultiviert. „Sie haben in dieser Zeit bestimmte Eigenschaften, wie zum Beispiel Pluripotenz, verloren“, erklärt der Greifswalder Medizinprofessor. „Dies ist der Punkt, weshalb permanent über neue Stichtage nachgedacht und diskutiert wird“, sagt er.
„Im Vergleich zu den USA im Mittelalter“
Genau das geschieht zurzeit im Bundestag. Die Politiker diskutieren über vier Gesetzesvorschläge. Die Positionen der Abgeordneten liegen zum Teil so stark auseinander, dass sie die Fraktionen spalten. Petra Sitte von den Linken paktiert zum Beispiel mit Ulrike Flach von der FDP. Die meisten Befürworter hat der Vorschlag des SPD-Politikers René Röspel. Er möchte den Stichtag einmalig auf den 1. Mai 2007 verschieben. Die Gruppe um Ulrike Flach will den Stichtag wegfallen lassen. Hubert Hüppe (CDU) schlägt vor, die Einfuhr von Stammzellen ganz zu verbieten; und Anhänger des Vorschlages von Julia Klöckner (CDU) wollen keine Stichtagsveränderung. Bei der Debatte haben die Politiker mehr im Blick als nur moralische Aspekte. Sie wollen auch sicherstellen, dass sich der Forschungsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb behaupten kann. „Was Deutschland betrifft, so befinden wir uns bei der Stammzellforschung im Vergleich zu den USA im Mittelalter“, sagt der Mediziner aus der Hansestadt; nicht zuletzt stecken wirtschaftliche Interessen einer großen Industrielobby hinter den Bemühungen der Wissenschaftler.
Für Dr. Konrad Ott geht es bei der Diskussion vor allem um die Frage, ob embryonale Stammzellen einfuhrfähig sind. „Wir importieren einiges, dessen Produktion im deutschen Recht unzulässig ist, zum Beispiel Kinderarbeit oder Umweltstandards. Insofern finde ich, nur die beiden Lösungen, entweder Importe ganz zu verbieten oder ohne Stichtagsregelung freizugeben, in sich schlüssig“. Ein Verbot der Forschung kann man aus Sicht des Ethikprofessors mit Kant rechtfertigen. Nämlich: Der menschliche Embryo besitzt die volle Menschenwürde und bei der Tötung von Embryonen zu Forschungszwecken liegt ein schwerer Verstoß gegen die Menschenwürde vor. „Die liberale Position wird eine andere Prämisse setzen“, erklärt Ott, „Hier sind Früh-Embryonen“ Schutzgüter, die mit anderen Schutzgütern – wie das Grundrecht auf Forschungsfreiheit oder das Anspruchsrecht der Patienten auf Heilung- abgewogen werden dürfen.“
Geschrieben von Benjamin Vorhölter
von Archiv | 16.04.2008
Als Ulrich Adam 1990 CDU-Mitglied wurde, ahnte er noch nichts. Und als er im selben Jahr das Direktmandat im Bundestag gewann, freute sich der gebürtige Mecklenburger zwar, fuhr aber am nächsten Tag wie gewohnt zu seinem Arbeitsplatz in die Greifswalder Möbel GmbH. Dort wunderten sich seine Mitarbeiter nur, ihren Geschäftsführer zu sehen. Kurz darauf wurde ihm per Anruf mitgeteilt, dass er am Abend zu einer ersten Sitzung im Bundestag in Bonn erscheinen sollte. In einer Kurzschlussaktion besorgte sich der studierte Mathematiker noch ein halbwegs neues und schnelles Auto und erreichte seinen Termin. In der inzwischen fünften Amtszeit nutzt der heute 58-Jährige doch lieber den Flieger.
Privat lebt Adam mit seiner Frau in Greifswald. Seine zwei erwachsenen Kinder studierten hier auch Jura. Inzwischen leben beide, zum Bedauern ihres Vaters, in Hamburg.
Geschrieben von Maria Trixa
von Archiv | 16.04.2008
In Mecklenburg-Vorpommern existieren zurzeit nur noch zwei beschrankte Bahnübergänge. Einer davon befindet sich in Greifswald. Seit 13 Jahren ist Manfred Plötz hier am Bahnübergang Gützkower Straße Schrankenwärter. Ursprünglich machte der 49 Jährige eine Ausbildung zum Facharbeiter für Gleisbautechnik. Später nahm er an einer Umschulung zum Schrankenwärter und zum Rangierleiter teil. Seit 1982 ist er nun durchweg als Schrankenwärter tätig.
moritz: Hunderte Studenten passieren täglich „Ihren“ Bahnübergang und immer ist jemand dort im Häuschen. Was machen Sie hier tagein tagaus?
Manfred Plötz: Ich bin für die Sicherheit an diesem und für die am Bahnübergang Feldstraße verantwortlich. In Absprache mit der Fahrdienstleitung am Hauptbahnhof schließe ich die Übergänge und kontrolliere, dass sich keine Personen, Fahrzeuge oder Tiere mehr zwischen den Schranken befinden, wenn ein Zug kommt. Diese Kontrolle kann nicht technisch erfolgen, das muss jemand persönlich überwachen. Die Züge fahren hier mit bis zu 120 Stundenkilometer durch, da darf keiner hinter den Schranken sein. Die Sogwirkung eines fahrenden Zuges ist riesig.
moritz: Woher kommen Sie?
Plötz: Usedom, aus der Nähe von Karlshagen, wo ich jetzt wohne.
moritz: Haben Sie Frau und Familie?
Plötz: Ja, eine Frau, einen Sohn und einen Rauhaardackel, der heißt Eiko vom Rügendamm.
moritz: Was sind Ihre Hobbys?
Plötz: Angeln. Mein größter Fang war ein 1,29 Meter langer Hecht aus dem Greifswalder Bodden! Ich bin sowieso ein Naturfreund. Ich fahre auch Motocross und sammle Bernsteine.
moritz: Ich dachte, die findet man nur an der polnischen Küste.
Plötz: Nein. In Peenemünde nach einem Nord-Ost-Wind mit Watthose ins Meer, da findet man eine ganze Menge. Mein größter wiegt 960 Gramm, der liegt bei mir Zuhause.
moritz: Was verbindet Sie mit Mecklenburg-Vorpommern?
Plötz: Es ist das herrlichste Land, das es gibt!
moritz: Andere Menschen haben ein Haus auf dem Land, Sie haben eins am Bahnübergang. Wo ist der Unterschied?
Plötz: Es ist kleiner. Aber ich hab auch noch ein Haus auf Usedom, das ist ein bisschen größer.
moritz: Haben Sie auch eine Eisenbahn zuhause?
Plötz: Klar, eine in N und eine in Z, das sind Größen bei den Modelleisenbahnen.
moritz: Eisenbahnromantik?
Plötz: Ach na ja, ich mag Dampfloks. Ab und zu fahren hier auch Traditionszüge lang, da guck ich immer gerne.
moritz: Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?
Plötz: Dass ich seit 35 Jahren dabei bin. Nicht einmal kam das Gehalt unpünktlich und ich hab hier ja alles. Außerdem bietet die Bahn gute Weiterbildungsmöglichkeiten. Was braucht man mehr?
moritz: Was ist nicht so schön?
Plötz: Dass ich nicht so oft Zuhause bin. Mein Sohn ist 17 und da wäre man schon gerne öfter da.
moritz: Wie ist Ihr Tagesablauf?
Plötz: Also die Frühschicht beginnt um 5.45 Uhr. Da muss ich um drei Uhr aufstehen, der Hund muss ja auch noch raus. Die Fahrt von Usedom dauert eine Stunde. Ansonsten gibt es 8- und 12-Stunden-Schichten. Hier ist rund um die Uhr jemand.
moritz: Wie viele Züge fahren pro Tag durch Greifswald?
Plötz: Zirka 70. Früher waren es deutlich mehr. Zu DDR-Zeiten fuhren noch an die 150. Zu diesen Zeiten war auf den Schienen mehr los, da LKWs knapp waren.
moritz: Beobachten Sie manchmal die Menschen, die an Ihrem Bahnübergang vorübergehen oder –fahren?
Plötz: Klar, immer! Zu gucken ist doch mein Job, ich muss hier für Sicherheit sorgen. Da darf man nicht einen Fehler machen.
moritz: Was bringt die Zukunft für Sie?
Plötz: Na ja, muss man sehen. Wenn die Unterführung am Hauptbahnhof fertig ist, wird dieser Übergang hier geschlossen. Ich hoffe, ich bekomme dann einen neuen Job.
moritz: Was würden Sie studieren wollen, wenn Sie noch mal könnten?
Plötz: Rechtsmedizin, das ist interessant.
moritz: Angenommen, Sie haben drei Wünsche frei…?
Plötz: Einmal, dass ich noch zehn Jahre bei der Bahn bin. Außerdem will ich gesund bleiben. Und ich wäre gerne mal Landesmeister im Motocross.
moritz: Ihr Lebensmotto?
Plötz: Immer lustig und gut drauf sein, das ist wichtig.
moritz: Wenn Sie einmal einfach in einen Zug einsteigen und hinfahren könnten, wo sie wollen. Wo würden Sie da ankommen?
Plötz: In Kanada.
moritz: Was liegt Ihnen am Herzen?
Plötz: Dass meine Familie gesund bleibt.
moritz: Gibt es etwas, dass Sie den Studenten sagen wollen?
Plötz: Jungs und Mädels, passt auf mit den Fahrrädern! Hier verlaufen die Gleise fast parallel zur Straße und es gibt hier ständig Stürze!Geschrieben von Arik Plazek
von Jabbusch | 16.04.2008
Habt Ihr euch auch gewundert was heute bei der Mensa am Wall, dem Eingang zur Stadt los war? Ich habe bei eine interessante Meldung gefunden. Gestern Abend fanden Kinder (!) beim Spielen einen alten Luftschutzbunker:
„Ein großes Aufgebot an Polizei, Feuerwehrkräften und Mitarbeitern des Katastrophenschutzes sowie der Wasserbehörde ist derzeit im Einsatz am Mühlentor. Kinder hatten beim Spiel am Dienstag auf dem Greifswalder Wall einen Luftschutzbunker aus dem 2. Weltkrieg entdeckt. Darin verborgen fanden die Einsatzkräfte bei einer ersten Sichtung gegen 20 Uhr 50 angerottete Fässer mit einer noch unbekannten Flüssigkeit.“
(mehr …)
von Archiv | 16.04.2008
Aloha,
packt Der Spiegel mal wieder eine seiner Enthüllungsgeschichten über die dunkle Epoche des 20. Jahrhunderts aus, wälzt sich sogleich eine Welle der Entrüstung durch die Republik. Die Auflagen sind regelmäßig die Höchsten.
moritz hat seinen schönsten und beständigsten Aufreger scheinbar in seinem Namensgeber, dem Herrn Arndt gefunden. An dieser Stelle: Vielen Dank für die Leserbriefe!
Ein Mindestmaß an Emotionalität ist aber angebracht: Seltsam anmutende Pläne zur Beschränkung studentischer Mitspracherechte und Abschaffung von Freiversuchen kursieren in Form eines Diskussionspapiers durch das Schweriner Bildungsministerium.
Noch sprechen die Studenten mit: Doch machen diese im Studentenparlament auch von ihren Rechten Gebrauch? Nachdem wir im letzten Heft eine Tour durch den AStA gemacht haben, dürfen sich jetzt dessen Kontrolleure im StuPa über eine Beachtung ihrer Arbeit freuen.
Auf der Leipziger Buchmesse traf moritz auf eine Greifswalder Autorin, zur Berlinale kam Scarlett Johansson und auch die isländische Kulturministerin lässt Grüße ausrichten.
Wir schließen uns an und wünschen viel Spaß mit dem ersten Heft im Sommersemester 2008.
Euer moritz