von Archiv | 16.04.2008
Das neue Studentenparlament
„Mehr Stellungnahmen, mehr Protest, mehr Polarisierung“ sind die erklärten Ziele von Sebastian Jabbusch, seines Zeichens Wahlsieger der diesjährigen Wahl zum Studierendenparlament (StuPa). 219 Stimmen erhielt der selbsternannte Gesellschaftskritiker. Für den Magisterstudenten ist es wichtig, „das, was die Studenten bewegt, ins StuPa zu bringen und die Stimme der Studenten an der Uni insgesamt zu stärken.“
Damit das politische Auseinanderdriften nicht eintritt, müssen „Debatten um Sachthemen“ geführt werden. Diese Forderung stellt Thomas Schattschneider auf. Der angehende Lehrer trat ebenfalls bei der Wahl im Januar an, wird sein Mandat aber erst nach dem Amtszeitende als Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) antreten können. Die Trennung von AStA-Amt und StuPa-Mandat ist der Grund. Da die Greifswalder Uni einige Probleme wie marode Bauten oder Engpässe bei der Lehrkapazität aufweist, fordert Schattschneider vom StuPa „eine deutliche Positionierung“, auch wenn es „die Probleme nicht alle lösen könne.“
Die Wahlversprechen eines im Jahr der Ratte Geborenen
Obwohl Studenten vor 40 Jahren hart für die Teilhabe an den Entscheidungsprozessen an Hochschulen kämpften, werden die Wahlen zum StuPa mehr oder weniger ignoriert. Und dass, obwohl das Studentenparlament das höchste beschlussfassende Organ aller zukünftigen Akademiker ist.
Mehr ignoriert, weil nur jeder Zehnte die Wahlkabine aufsuchte – auch wenn die Beteiligung um 1,6 Prozent höher als bei der vorherigen Wahl ausfiel. Dass aber noch Potential nach oben vorhanden ist, zeigen die 12,2 Prozent aus dem Jahr 2006.
Weniger ignoriert wurde die StuPa-Wahl dagegen von den Kandidaten: Es wurden tausende von Flyern gedruckt und verteilt, Hochglanzplakate aufgehängt und schöne Wahlversprechen abgegeben. Trat zum Beispiel das alte und auch neue StuPa-Mitglied Florian Bonn vor einem Jahr noch mit dem Wahlversprechen an, einen Boxring anzuschaffen, um die Debatten zu verkürzen, liegen seine Absichten für diese Legislaturperiode darin, „den AStA zu verkleinern und in Zukunft besser zu kontrollieren.“ In diesem Jahr wird sich der Biochemie-Student auch für eine Antibürokratieabgabe bei Personaldebatten und Satzungsänderungsanträgen einsetzen. Die Wähler dürfen gespannt sein.
Inoffizielle Fraktionsbildung
Auffällig am diesjährigen Wahlergebnis ist die Zunahme an Hochschulgruppenzugehörigkeit unter den gewählten StuPa-Mitgliedern. In der letzten Legislatur waren noch 60 Prozent keiner politischen Hochschulgruppe zuzuordnen. Jetzt sind es nur noch 41 Prozent. Durch das Mehrheitswahlsystem soll der Einfluss hochschulpolitischer Gruppen beschränkt werden. Auch wenn Kandidaten einzeln antraten, sich ebenfalls einzeln wählen ließen: Kummuliert man deren politische Einstellung, stellt der CDU-nahe Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) fünf der insgesamt 27 Studentenvertreter. Die Liberale Hochschulgruppe (LHG) entsendet vier Mitglieder. Beide arbeiteten schon in der Vergangenheit zusammen, um ihre Interessen und Ziele im Parlament durchzusetzen. Ebenfalls vier Kandidaten kommen von den Jungen Sozialisten (Jusos). Die Grüne Hochschulgruppe (GHG) sowie Die Linke.SDS errangen jeweils ein Mandat.
Ob sich die Zugehörigkeit zu Hochschulgruppen auf den Aufbau des AStA und dessen zukünftige Besetzung auswirkt, bleibt abzuwarten. Für Sebastian Jabbusch stehen bei der AStA-Wahl Kompetenz und Charakter im Vordergrund. „Ich gehe aber davon aus, dass wieder diejenigen gewählt werden, die sich aufstellen – mangels Alternativen“, bedauert der Wahlsieger. „Dann könnten wieder gewisse inkompetente Kader und politische Hardliner gewählt werden, die ich gern endlich in den Hörsälen sehen würde“, fährt der angehende Politikwissenschaftler fort. Frische Köpfe würden seine Unterstützung erhalten. Florian Bonn hält die Fraktionsbildung nicht für bedrohlich, da „Grüne in Sachfragen auch mal mit RCDSlern zusammenarbeiteten.“ Jetzt würden zu viele darauf gucken was der Rest macht, deshalb fordert Bonn auf: „Ihr seid Studenten, keine Schafe!“
Geschrieben von Isabel Bock
von Archiv | 16.04.2008
Der Blog des Sebastian Jabbusch – kommentiert
Der diesjährige Wahlkampf zu den Stupa-, Fakultätsrats- und Senatswahlen war hitziger als es der gegenüber der Hochschulpolitik gleichmütig desinteressierte Durchschnittsstudierende gewohnt ist. Aufgestachelt durch den provokant bis polemischen Wahlkampf Sebastian Jabbuschs, der mit seinen Wahlplakaten („Ich hasse Hochschulpolitiker!“, „Alles nur großes Bla Bla!“) voll auf die hochschulpolitische Verdrossenheit der studentischen Wählerschaft setzte, entwickelten sich wilde Wahlkampfgefechte: Nicht nur wurden nach physischen Attacken gegen Wahlmittel (unter denen allerdings auch die Hochglanzprodukte des RCDS zu leiden hatten) parodierende Gegenkampagnen gestartet, sondern auch die politische Auseinandersetzung in nicht unerheblichen Maße in den virtuellen Raum verlegt, in den von Jabbusch zu diesem Zweck ins Leben gerufenen „StuPa-Info-Blog“ (inzwischen: Uni-Greifswald-Blog.de).
Wohl auch angesichts des unbestreitbaren Erfolges von Jabbuschs Kampagne bei StuPa- und Senatswahlen konnte der amtierende StuPa-Präsident Frederic Beeskow gegenüber unseren Kollegen von MoritzWeb nur noch konstatieren, dass der „Erfolg der Wahlwerbung kritisch hinterfragt“ werden solle.
Bei den im Blog ausgetragenen Kommentarschlachten ging es nicht selten heiß zu. Thomas Schattschneider, Vorsitzender des AStA, bezeichnet den Blog als eine „Plattform, um Frust abzubauen.“ Der „Blog“ sei „kein geeignetes Diskussionsforum“ (ebenfalls gegenüber MoritzWeb).
Deutlich konkreter werden die unzähligen ablehnenden Kommentare auf dem Blog, die oftmals, wenn auch meist den Schutz der Anonymität suchend, bei den Autoren einen hochschulpolitischen Hintergrund und viel verletzte Eitelkeit erkennen ließen. Es wird gemunkelt, dass AStA-Referenten wie Christian Müller ihre Sprechstunde genau dazu verwendeten.
„Ich kann nix, ich bin nix, wo bitte geht´s zum AStA“
Als politischer Schaumschläger abgestempelt wird Jabbusch in den Kommentaren zumeist jegliche Fähigkeit zu konstruktiver Mitarbeit jenseits der provozierenden Kritik abgesprochen. Jenen Stimmen entgegnet Jabbusch: „Es gibt einen Grund für die zahlreichen Protestwähler. Dieser Grund liegt im Frust über die Hochschulpolitik, die sich entweder undurchsichtig gibt und faktisch nicht-öffentlich handelt oder die Studierenden durch das, was nach ‚außen‘ dringt, schlicht deprimiert. Ich war selbst deprimiert. Ich bin aber nicht Ursache der studentischen Politikverdrossenheit, wie mir meine Kritiker vorwerfen, ich habe den Frust bloß kanalisiert. Das Problem liegt bei jenen, die über meinen Populismus klagen.“
Auch wenn man Jabbusch, der als eines von zehn Geschwistern aufgewachsen ist, bei all seinen Aktivitäten eine gewisse aufmerksamkeitsheischende Geltungssucht gepaart mit dem Hang zur polarisierenden Polemik nicht ganz absprechen kann, so traf sein Ansatz doch einen empfindlichen Nerv bei den Studierenden.
Denn die studentische Hochschulpolitik hat ein ernsthaftes Imageproblem. Dafür spricht nicht nur die geringe Wahlbeteiligung: Auch StudiVZ-Gruppen wie „Ich kann nix, ich bin nix, wo bitte geht’s zum Asta“ erfreuen sich steigender Beliebtheit. Kein Wunder, wenn die Greifswalder Hochschulpolitiker vor allem durch das Basteln lustiger Parteiwimpel (RCDS) oder durch die Verbreitung von E-Mails mit schlüpfrigen Details über die sexuellen Aktivitäten von anderen Hochschulpolitikern von sich reden machen. Gleichzeitig wird die Fortführung der Diskussion um den umstrittenen Namenspatron unserer Uni nicht als „treibendes Thema“ angesehen, dass es wert wäre die knappen Kräfte der Studentischen Selbstverwaltung zu belasten (sinngemäß: Schattschneider auf Uni-Greifswald-Blog.de), während andererseits eben jene Ressourcen in das – anscheinend äußerst dringliche – Anliegen investiert werden, der Landesregierung per Postkartenaktion für etwas zu danken, was selbstverständlich sein sollte: für die Nichteinführung von Studiengebühren. Spätestens jetzt fragt sich der anfangs erwähnte gleichmütig desinteressierte Durchschnittsstudierende schließlich doch mal: „Was soll der Scheiß?“
Hochschulpolitischer Raum?
Dass AStA-Chef Schattschneider in Bezug auf den Blog der Ansicht ist, „Debatten sollten lieber im hochschulpolitischen Raum geführt werden“, ist bezeichnend für das geringe Problembewusstsein hinsichtlich der mangelnden Transparenz. Dass eine gesonderte Öffentlichkeit jenseits der unattraktiven Sitzungstermine durchaus ihre Berechtigung hat, zeigen nicht zuletzt auch die bisweilen selbst entlarvenden Kommentare der Blog-Kritiker, die trotz filternder Moderation irgendwie an einen aufgescheuchten Kindergarten erinnern.
Derweil plant Jabbusch den Ausbau des Blogs über die Themen der Hochschulpolitik hinaus, hin zu allgemeinen studentischen Themen. Da dazu auch weitere Redakteure angeworben werden sollen, scheint eine Konkurrenzsituation zu anderen lokalen – studentischen! – Internetmedien nicht ganz unwahrscheinlich.
Geschrieben von Johannes Kühl
von Archiv | 16.04.2008
Diskussionen ebben nach dem Wahlkampf ab
Blognutzer und -schreiber Thomas Schattschneider, nebenbei Vorsitzender des Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) und Mitglied im Studentenparlament, steht auch moritz gegenüber zu seinem Wort.
moritz: Vor einem Jahr nutzte Justus Richter StudiVZ für den Gremienwahlkampf. In diesem Jahr thematisierte Sebastian Jabbuschs-Blog Mängel an der studentischen Hochschulpolitik und machte somit Werbung in eigener Sache. Wie bewertest Du diese Wahlkampfmethode?
Thomas Schattschneider: Dies war ein innovativer Wahlkampf, denn am Internet kommt heute schließlich kein Student mehr vorbei. Zumal Diskussionen zeitnah und ohne großen Aufwand geführt werden können.
moritz: Viele Leser des StupPa-Info-Blogs nutzten die Diskussionsmöglichkeit. Schafft dies nicht eine größere Öffentlichkeit, da nicht nur der hochschulpolitische Mikrokosmos an der Uni erreicht wird?
Schattschneider: Sicherlich wurde eine größere Teilöffentlichkeit erreicht. Man muss sich aber bewusst machen, dass die dort geführten Diskussionen keinesfalls Ersatz für parlamentarische Debatten sein dürfen.
moritz: Du selbst beteiligtest Dich ebenfalls an Diskussionen. Gelten die Aussagen noch heute?
Schattschneider: Zu den Kommentaren stehe ich!
moritz: Der Blog entwickelt sich von reiner Kritik an AStA und StuPa hin zu einer thematischen Vielfalt mit hoher Aktualität. Genau so sollte auch webmoritz.de arbeiten. Macht der Blog somit die Webredaktion überflüssig, vor allem da wenige Freiwillige einen größeren Output an Beiträgen schaffen ohne den Haushalt der Studentenschaft zu belasten?
Schattschneider: Dies sollte nicht auf Haushaltsebene diskutiert werden. Die Webredaktion der moritz-Medien ist durch den Blog nicht überflüssig. Doch könnte webmoritz.de interaktiver, beispielsweise durch eine Kommentarfunktion sein. Zum Blog ist anzumerken, dass vornehmlich Kritik geäußert wurde und eine geringe sachliche Berichterstattung stattfand. Viele Beiträge muteten sich wie plumpe Polemik an. Auch verringerte sich der Diskussionsaustausch auf dem Blog nach dem Wahlkampf spürbar.
Geschrieben von Björn Buß
von Archiv | 16.04.2008
Ulrich Adam (CDU) über sein Ja zu Studienbeiträgen und den Bau des Steinkohlekraftwerkes in Lubmin
Ein Mathematiker durchschaut die Bundespolitiker mithilfe der Logik. Zwischen den Sitzungswochen in der Hauptstadt lässt sich Ulrich Adam immer wieder auf den unterschiedlichsten Terminen in seinem Wahlkreis blicken und erfreut sich dabei auch gern an der regionalen Küche. Doch außerhalb der Wahlkampfzeit scheinen die wenigsten Positionen eines Direktkandidaten in die Öffentlichkeit zu gelangen. moritz versucht Abhilfe zu schaffen.
moritz: Sie sind seit 18 Jahren Abgeordneter für den Wahlkreis 16. Dem Wähler sind die genauen Tätigkeiten eines Mandatsträgers meist unbekannt. Haben Sie eine normale Arbeitswoche mit 40 Stunden?
Ulrich Adam: Die Tätigkeit als Abgeordneter war noch nie mit einem geregelten „nine to five job“ vereinbar. Die Menschen erwarten dass ich in dieser Zeit in einem meiner Büros jederzeit zu erreichen bin. Das habe ich über meine Mitarbeiter sichergestellt. In Berlin muss ich an den Sitzungen der Gremien, denen ich angehöre und dem Plenum des Bundestages teilnehmen. Hier beginnt mein Arbeitstag meistens gegen 07.30 Uhr und endet oft erst spät am Abend.
moritz: Die wenigsten Abgeordneten schaffen es mit Redebeiträgen im Reichstag in die Nachrichtenberichterstattung. Haben Sie deshalb so wenige Wortbeiträge in Ihren fünf Legislaturen abgegeben?
Adam: Die Redebeiträge werden unter anderem im Plenum des Bundestages geleistet, der in Berlin im Reichstagsgebäude tagt. Zwischen Bundestag und Reichstag besteht ein großer historischer Unterschied. Nachrichtenberichterstattungen sollten nicht als Fixpunkt für politisches Arbeiten dienen. Für mich zählen nicht die gesammelten Reden, sondern die Ergebnisse. Da die Arbeit in den Ausschüssen geleistet wird, melde ich mich lieber hier zu Wort. Hinzu kommt, dass für meine Themengebiete nicht so häufig Redezeit durch die Fraktion vergeben wird. (mehr …)
von Archiv | 16.04.2008
Die Zukunft des Hochschulsportes in Greifswald
Susanne Denner ist Stepptänzerin. Seit mehreren Jahren engagiert sich die Lehramtsstudentin als Übungsleiterin im Rahmen des Hochschulsports und lehrt in wöchentlichen Kursen Anfängern und Fortgeschrittenen die Kunst des Steppens. „Ich finde es schade, dass das Sportinstitut schließt. Aber es ist schön, dass der Hochschulsport bestehen bleibt“, äußert sie.
Wie genau dieses Fortbestehen aussehen soll und ob er überhaupt an der Philosophischen Fakultät bleibt, ist allerdings noch nicht klar. In Verbindung mit der angestrebten Hochschulstrukturreform wurde 2006 die Schließung der Sportwissenschaften beschlossen. Ende September dieses Jahres ist es soweit. Da der Hochschulsport bisher an diesem Institut angesiedelt war, ist auch er von der Umstrukturierung betroffen. Im Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät wird nun nach einer Lösung gesucht, um die entstehenden finanziellen und personellen Fehlstellen bei der Organisation des Hochschulsports möglichst langfristig und adäquat zu ersetzen.
Ausgleich zum Studium
In ihrer Grundordnung hat die Universität den Hochschulsport zu ihren Aufgaben erklärt. Ganz nach dem Motto: „Nur in einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist“, soll für die Angehörigen der Universität, hier vor allem den Studenten, ein Ausgleich zum Studium bereitgestellt werden. Bis jetzt war das Konzept auch äußerst erfolgreich. Das Interesse nahm über die Jahre stets zu, sodass derzeitig knapp 3000 Studenten, davon rund 100 Mitarbeiter der Universität, die Angebote des Hochschulsportes nutzen. Nicht mit aufgelistet sind die etwa 900 bis 1.100 Kandidaten auf der Warteliste pro Semester. Denn aufgrund der begrenzten Kapazitäten kann nicht jedem ein Kursplatz zugewiesen werden. Zur Auswahl stehen an die 100 Sportkurse. „Wenn jemand Sport machen will, findet er hier auch was für sich“, kommentiert Christian Bäz, Asta-Referent für Kultur, Sport und Erstsemesterwoche und selbst Footballspieler. Dabei reichen die offerierten Sportarten von A wie Aerobic bis Y wie Yoga. Dieses vielfältige und vielschichtige Angebot nutzt auch Stephan Knorn, Student der Rechtswissenschaften. „Ich mache Sport, um mich vom Studium abzulenken, um fit zu bleiben, um Leute kennen zu lernen und um meine Freizeit sinnvoll zu verbringen.“ Diese Argumente schätzt auch der Leiter des Hochschulsportes Dr. Eckard Schielke. „Ich werde bis zum Schluss dafür kämpfen, dass der Hochschulsport als eine soziale Komponente, den Studenten und den Universitätsmitarbeitern erhalten bleibt.“ Darüber hinaus sei er stolz, dass der Greifswalder Hochschulsport trotz nicht gegebener idealer Rahmenbedingungen ein derartig breites Angebot in jedem Semester auf die Beine stellt.
Sorgenkinder des Hochschulsportes
Zum größten Sorgenkind des Hochschulsportes zählt die Finanzierung. Neben den Fördermitteln des Landes, findet sie durch Haushaltsmittel der Universität und über die Gebühren der Kursteilnehmer statt. Die derzeitige Fördersumme vom Kultusministerium beträgt 22.000 Euro pro Semester und somit ungefähr 1,83 Euro pro Student. Anfragen an das Land auf eine Erhöhung dieses Betrags blieben bislang erfolglos. Dabei wird derzeitig lediglich die Hälfte des Maximalfördersatzes ausgereizt. Die Universität beteiligt sich überwiegend in Form von Sachmitteln an der Finanzierung, zum Beispiel durch die Nutzungsberechtigung hochschuleigener Räumlichkeiten. Die Kursgebühren der Studenten ergeben ungefähr einen Betrag von 28.000 Euro, der vorwiegend zur Bezahlung der Übungsleiter genutzt wird. Die Höhe der jeweiligen Kursgebühr ergibt sich aus den Mieten der Sportstätten, der Qualifikation der Übungsleiter, der zur Verfügung gestellten Geräte und einem Versicherungsbeitrag. Die Gesamtausgaben des Hochschulsportes betragen im Semester durchschnittlich 50.000 Euro, sodass der finanzielle Handlungsspielraum sehr gering ist. Besonders schwer wird das Ausbleiben der Gelder vom Sportinstitut zu verkraften sein, womit bislang der gemeinschaftliche Gerätekauf und -erhalt investiert wurde.
Allerdings kann die Ausführung der vielen und oft parallel stattfindenden Kurse längst nicht mehr allein durch universitätseigne Räumlichkeiten gewährleistet werden, sodass auf externe Einrichtungen ausgewichen werden muss. In die Miete, dieser kommunalen und privaten Hallen und Räume, fließt der Großteil, der zur Verfügung stehenden Finanzmittel. Die eigenen Sportkomplexe werden zudem den Bedürfnissen überwiegend nicht gerecht oder benötigen dringend einer Generalüberholung, Christian Bäz spricht von teilweise schon „lebensgefährlichen“ Zuständen. Für Schielke wäre hier eine zukunftsorientierte Lösung der Bau einer universitätseigenen Mehrzweckhalle ausgerichtet als Sport- und Kongresshalle.
Qualifizierte Übungsleiter
Um das vielfältige Angebot auch weiterhin zu offerieren und sich an den Interessen und Wünschen der Sportinteressenten orientieren zu können, bedarf es auch in Zukunft vieler Studenten, die sich als Übungsleiter für den Hochschulsport engagieren. „Jeder weitere Interessent ist gern gesehen“, fordert Schielke auf. Die Motivationen variieren dabei von einem zum anderen. Matthias Passon, Student der Philosophie und Psychologie, ist bereits zwei Jahre als Tischtennis-Übungsleiter tätig: „Ich habe die Möglichkeit, etwas von dem Sport weiterzugeben und selber Dinge dazuzulernen. Nebenbei macht es mir Spaß, auch organisatorisch tätig zu sein.“ Übungsleiter kann grundsätzlich jeder Student werden, der eine Sportart gut beherrscht und sich vorstellen kann, anderen diese beizubringen. Doch mit der Schließung des Instituts für Sportwissenschaften gehen viele der qualifizierten Übungsleiter verloren.
An dieser Stelle möchte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) erstmals dem Hochschulsport finanziell unter die Arme greifen und stellt im Sommersemester für eine hochschulinterne Aus- bzw. Weiterbildung der Übungsleiter 4.000 Euro zur Verfügung. Christian Bäz gesteht: „Bisher wurde der Sport im Studentenparlament stiefmütterlich behandelt.“ Das soll sich nun aber ändern. „Wir wollen da aktiv werden, wo es die Uni nicht tut.“ Ziel ist es, mittels der hochschulinternen Ausbildung, den Studenten ein Grundwissen beizubringen und zum Erwerb eines Lizenzabschlusses zu verhelfen. Wer an dieser Ausbildung teilnimmt, soll anschließend beim Hochschulsport, voraussichtlich für eine Dauer von zwei Jahren, als Übungsleiter tätig sein. Mit dem qualifizierteren Personal gewinnt der Hochschulsport ein besseres sowie gehaltvolleres Image. Dadurch könnten die Sportkurse demnächst auch stadtübergreifend präsentiert und angeboten werden. „Diese Ausweitung ist auch auf Seiten der Universitätsleitung vorstellbar, um nicht zuletzt einen spezifischen Beitrag zum „Wellnessland“ Mecklenburg-Vorpommern zu leisten.
Fortbestand und Verbesserung der Attraktivität
Das der Hochschulsport ein wichtiger Bestandteil der Universität ist, versteht sich für Ulrich Günther, Verwaltungsleiter im Dekanat der Philosophischen Fakultät, von selbst. „Den Hochschulsport muss es immer geben, denn die Gesundheit ist ein ganz wichtiger Faktor“, sagt Günther. Auch der Rektor sei für den Fortbestand und eine Verbesserung seiner Attraktivität. „Von der Universitätsleitung müssen aber Prioritäten gesetzt werden, weil die Gelder knapp sind“, erklärt Günther. Und an erster Stelle steht die Lehre. Zudem kommt den Umbauarbeiten der alten Kliniken in der Friedrich-Loeffler-Straße im Rahmen der Neustrukturierung eine wichtige Rolle zu.
Um trotzdem in den kommenden Semestern eine angemessene Unterstützung des Hochschulsportes zu gewährleisten, soll demnächst ein Entwicklungskonzept erarbeitet werden. Dessen Erstellung wird allerdings mindestens ein halbes Jahr benötigen. „Dort wird darlegt, wie sich der Hochschulsport in nächster Zeit darstellen muss“, sagt Günther und fährt fort: „Gleichzeitig soll das Konzept der Universität die Möglichkeit bieten, ihn entsprechend zu fördern.“ Somit soll der Hochschulsport auch in Zukunft der Universität und ihren Studenten als ein Bereich der Philosophischen Fakultät erhalten bleiben.
Geschrieben von Cornelia Bengsch