von Archiv | 11.03.2008
2007 trat der Schlagzeuger Wolfgang Haffner mit „Shapes“ selbst wieder ins Rampenlicht. Mit dem Konzertmitschnitt des Nürnberger Gigs liegt erneut ein Dokument einer leicht eingängigen Spielauffassung von Jazz seines Quartetts auf DVD vor. Auch wenn die Stücke aus Haffners Feder stammen.
Namedropping entfällt. Die Liste wäre zu lang. Die Mitwirkung an 350 Alben spricht für sich. Dennoch steht eines fest: Wolfgang Haffner ist ein gefragter Instrumentalist. Und dies obwohl im Jazz oder in der Popularmusik eher Sänger oder Gitarristen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Nach einer Tour durch Europa und Asien mit Frank Kuruc (Gitarre), Lars Ericsson (Bass) und Sebastian Studnizky (Keyboard/ Trompete) entstand die 125 Minuten lange Einspielung von „Shapes“, Haffners jüngstem Album. Die Vereinigung „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ nahm sie in ihre Bestenliste auf. Kein Wunder. Wer Kopfmusik á la freier Improvisation sucht, findet mehr: eingängige Motive, ein leichter Hauch von Nordic Sound in Landgrenscher Manier gemischt mit einem Schuss Minimal Music und knisternden elektronischen Flächen. Kurz und gut: easy listening.
Nicht allein den Komponisten, sondern gerade den Bandleader Wolfgang Haffner stellt der Konzertfilm heraus. Nicht allein das. Produktion und Mischung lagen zudem in seinen Händen. Dennoch sind die Kameras auf die betont organische Musizierkultur seines Quartetts ausgerichtet. Live und in concert. Das jazzt.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Jabbusch | 10.03.2008
Diese tolle Wahlwerbung bescherte uns der Oberbürgermeisterkandidat Olaf Tammert. Das Bild stammt aus dem Uni-Forum, wo inzwischen auch über den Kandidaten diskutiert / gelacht wird. In diesem Zusammenhang möchte ich noch mal auf meinen lesenwerten Beitrag zu Tammerts Wahlmanipulation hinweisen.
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von Archiv | 10.03.2008
An musikalischer Breite und Vielfalt fehlt es in der Hanse- und Universitätsstadt keineswegs. Am vergangenen Freitag konnten sich all jene erneut davon berzeugen lassen, die der Einladung der Kulturreferentin für Pommern ins Pommersche Landesmuseum folgten. Liebhaber und Kenner versammelten sich in der Museumshalle zu einem wahren Ohrenschmaus.
Das Magdeburger Vocalconsort labia vocalia brachte mit der Matthäus-Passion von Johann Theile (1646 – 1724) eine besinnliche Musik der Generalbasszeit dar. 1673 erschien das Werk des Barockkomponisten neben einer Messensammlung in großer Dankbarkeit über Genesung nach einer schweren Krankheit. Musikgeschichtlich ist diese Passionsmusik zugleich ein Bindeglied.
Neben der späteren Klangpracht der Bachschen Matthäus-Passion ist es ein Zeugnis einer gewandelten Auffassung in der damaligen Kirchenmusik. Selbst die Leipziger Uraufführung der Matthäus-Passion des Thomaskantors traf 1729 zum Teil auf Unverständnis. Denn Elemente der italienischen Oper fassten allmählich in der Kirchenmusik Fuß. Die Komponisten der Zeit betrieben dies aus einem Grund: damit alle die musikalische Ausdeutung des Bibelwortes erleben und verstehen. Doch ein erster Einbezug von Arien, die die Leidensgeschichte Christi kommentieren, findet sich bei Johann Theile. Nicht allein das. Theiles affektgeladenes Hörstück ist eine instrumental durchweg begleitete Passion. Ein Novum. Dessen Lehrer Heinrich Schütz (1585 – 1672) konnte sich jene Freiheiten nicht erlauben. Obwohl der Leipziger Kapellmeister als einer der größten deutschen Komponisten des 17. Jahrhunderts war.
Eher zur Andacht als zum bloßen Konzert geriet die Aufführung der Matthäus-Passion von Johann Theile unter der Leitung von Sebastian Knebel (Orgel) und dem Vocalconsort labia voalia. Das 1991 gegründete Ensemble für Alte Musik umfasste insgesamt sieben Sänger. Bravourös trugen Christoph Burmester als Evangelist und der Bassist Helge Rowold ihre Rollen in der Passion in zwei Akten. Auf Seiten des instrumentalen Parts des in Lübeck entstandenen Werks erklangen die historischen Instrumente Gambe, Viola und Violone. Spitzauslaufende Bögen und das Spiel auf gespannten Darmsaiten fehlte dafür nicht. Sorgfältiges Stimmen der Instrumente war geboten. Möglichst authentisch geriet daher die Aufführung in der Museumshalle. Ergreifend führte vocalia labia das Leiden und Sterben Jesus Christus nach dem Evangelium von Matthäus auf.
Nach dem Verhall der letzten Takte in der tragenden Museumshalle verwunderte das verlängerte Obenhalten der Arme des Dirigenten Sebastian Knebels nicht. Denn die geistliche Musik erklang im Gedenken und zur Erbauung für die bevorstehende Osterzeit. Dem nicht genug. Denn mit dem Auftritt von vocalia labia könnte der Grundstein für eine neue Konzertreihe im Pommerschen Landesmuseum gelegt worden sein. Organisatorin Brit Bellmann vom Pommerschen Landesmuseum stellte dies zumindest in Aussicht. Wenn ja, dann hat „Alte Musik im Ostseeraum“ als Konzertreihe bald einen festen Platz in Greifswald.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 07.03.2008
Das Magdeburger Ensemble labia vocalia gastiert heute mit der Matthäus-Passion von Johann Theile im Pommerschen Landesmuseum
Das Pommersche Landesmuseum war schon oft architektonischer Rahmen für Konzerte verschiedenster Art. Zum ersten Mal gibt die Osterzeit Anlass, es nun auch als räumliche Hülle für eine Passion – die Matthäus-Passion von Johann Theile aus dem Jahre 1673 – zu nutzen. Sie wird vom Magdeburger Ensemble labia vocalia zu Gehör gebracht. Auf historischen Instrumenten, wie der Gambe, Viola und Violone, werden die sieben Sänger begleitet. Mit der Aufführung im Landesmuseum kehrt die Passion gewissermaßen in den Norden zurück – sie wurde einst in Lübeck geschrieben.
Die herausgehobene tragende Rolle der Passion stellt der Evangelist Matthäus dar. Sie wird beim Konzert im Landesmuseum ausgefüllt von Christoph Burmester. Er ist nicht nur ein ausgezeichneter Tenor mit besonderer Vorliebe für Musik des 17. Jahrhunderts, sondern auch ausgebildeter Musikwissenschaftler. Die Partie des Jesus übernimmt der Bassist Helge Rowold, ebenfalls Musikwissenschaftler und Mitglied in zahlreichen renommierten Vokalensembles. Er wurde bereits früh mit historischer Aufführungspraxis vertraut und beschäftigt sich intensiv mit Passionsmusiken der Barockzeit. Die musikalische Leitung der Aufführung hat Sebastian Knebel. Seine Tätigkeiten als Orgelbauer und Organist, Cembalist und Experte für historische Tasteninstrumente führten ihn bereits durch ganz Deutschland, nach Frankreich, Polen, Tschechien, Großbritannien und in die USA.
Labia vocalia wurde 1991 gegründet. Das Ensemble pflegt ein breites Spektrum weltlicher und geistlicher Vokalmusik vor allem aus Renaissance und Frühbarock. Die große emotionale Wirkung seiner Auftritte verdankt es in erster Linie der sorgfältigen, möglichst authentischen Wiedergabe historischer Notentexte. Dem im besten Sinne norddeutsch-protestantischen Wesen der Matthäus-Passion von Johann Theile gibt die Museumsstraße einen passend sachlichen, schlichten Rahmen.
von Archiv | 06.03.2008
Vorfreude ist die schönste Freude. Selbst musikalisch. Denn das dritte Kammerkonzert hielt am vergangenen Sonntagnachmittag mit Werken von Ludwig van Beethoven, Richard Strauss und Gustav Mahler ein ausgezeichnetes Programm bereit.
Vor gut besuchtem Hause eröffneten Mark Lambert (Violine) und David Grant (Klavier) in der Museumshalle des Pommerschen Landesmuseum mit Ludwig van Beethovens (1770 – 1827) Sonate für Violine und Klavier in c-Moll op. 30 Nr. 2. Diese zweite von insgesamt drei dem russischen Zaren Alexander I. gewidmeten Sonate schrieb er 1802. Das mit packenden Effekten und einem stürmischen Vorwärtsdrängen ausgestattete Stücke hielt ebenfalls ein wunderbar gesangvolles Adagio im zweiten Satz bereit. Nicht allein das dialogische Zusammenspiel von Violine und Klavier, sondern gerade die darin für den Konzertsaal enthaltenen klanglichen Effekte brachten David Grant und Mark Lambert leidenschaftlich zu Gehör. Wenn auch mit kleineren Abstrichen.
Mit innigem Ton und einen herrlich weitem Atem setzte Susanne Jähnke nach der Pause mit dem Pianisten mit Richard Strauss (1864 – 1949) Cellosonate in F-Dur op. 6 ein. Dieses Jugendwerk brachte dem damals jungen Komponisten einen ersten Erfolg ein, obwohl ihn später Tondichtungen und Opern zum Neutöner und großen Hoffnung seiner Zeit machten. Schmal fällt das Repertoire an Kammermusik aus seiner Feder aus. In Schumannschen Dichterton setzte David Grant am schwarzen Flügel ein gegen dessen Spielfluss Susanne Jähnke beherzte Bogenstriche auf ihrem Violoncello setzte. Durchwanderten sie zusammen maßvoll das Andante ma non troppe des zweiten Satzes, so entfesselten sie im Finale mit einem wahrlich lebhaften Allegro einen Begeisterungssturm der Zuhörerschaft.
Zusammen mit Marianne Freydag (Viola) und Mark Lambert beschloss das vorherige Duo eindrucksvoll die Mußestunde mit Gustav Mahlers (1860 – 1911) dem einst preisgekrönten ersten Satz des leider unvollendeten Klavierquartetts in a-Moll.
Geschrieben von Uwe Roßner
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