von Archiv | 15.06.2007
Junge Literatur aus Nordeuropa wird übersetzt
Die diesjährige Auszeichnung des Nordischen Klang seitens des bundesweiten Wettbewerbs „Deutschland – Land der Ideen“ nahm das Nordische Institut als einen gebührend Anlass für einen bereichernden Literaturnachmittag im Koppenhaus.
EIgeninitiative von Studenten
Weniger die Buchpräsentation über Skandinavische Literaturgeschichte als die von Studierenden des Nordischen Instituts frisch übersetzten Kurzgeschichten aus der Feder junger, größtenteils skandinavischer Debütanten zog in den Bann der Zuhörenden. Vor wenigen Jahren präsentierte die Lesung „Out of the Cool“ erstmals Literatur aus Nordeuropa. Die Skandinavistikstudentin Rebekka Herberg belebt die Idee des Übersetzungsprojektes und fand engagierte Mitstreiter. „Wir haben uns zusammengesetzt und Leute gesucht, die mit uns ein neues Projekt zusammen machen“, sagt Mitorganisatorin Anne Breuer. Nicht geplant sei die Beteiligung aus dem Institut für Baltistik gewesen. „Dies war aber dennoch total schön.“
Aus dem gesichteten Material der angefragten Verlage und Autoren wählten die nach Landessprachen organisierten Kleingruppen ihre Texte aus. Als übergreifendes Themas verständigten sie sich auf Identität. Ganz gemäß ihres jugendlichen Anspruches. Doch aus der einstigen Idee eines Buches entstand die Einladung zum Festival. „Die Dozenten unseres Institutes fanden die Idee total gut“, so Anne Breuer. „Sie haben uns unterstützt und auch den Vorschlag gemacht, das Projekt beim Nordischen Klang zu präsentieren.“
Jeweils ein Land des Ostseeraumes wurde mit einer Kurzgeschichte vorgestellt. Die literarische Reise führte durch Dänemark, Norwegen, Finnland, Schweden, Estland und Litauen. Ein überfüllter Veranstaltungsraum und reichhaltigen Applaus erhielten die Studierenden vorerst als Dank für ihr Debüt als lesende Übersetzer. Denn die Suche nach einem interessierten Verlag steht immer noch im Raum.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 15.06.2007
Filmdrama „1:1“ der dänischen Regisseurin Annette K. Olesen
In Kopenhagen ist Mohamed der verbreiteteste Vorname unter den männlichen Neugeborenen. Immigranten bringen halt auch in Deutschlands nördlichem Nachbarn überdurchschnittlich viele Kinder zur Welt und geben ihrem Fleisch und Blut keinen dänischen Vornamen.
Neugeborene dienen allgemein der Verjüngung einer Gesellschaft – aber nur wenn deren Zahl die der Sterbenden übertrifft. Wenn wenigstens genügend Babys geboren werden um den Schrumpfungsprozess der Bevölkerung zu verhindern, freuen sich die Anhänger eines Überalterungswahnes. Nicht nur in Dänemark.
Doch sind die „Einheimischen“ auf einmal in der Unterzahl, ziehen sie sogar freiwillig aus ihren angestammten Wohngebieten weg und setzen somit einen Dominoeffekt in Bewegung, hört alle Friedliebigkeit und Toleranz für die kulturelle Andersartigkeit der nun in der Überzahl Befindlichen auf. Tritt nun ein Problem auf, bespielsweise ein zusammengeschlagener Junge: Einfach auf die Nachbarn mit den „fremd“ klingenden Namen zeigen. Oder wenigstens Vermutungen anstellen. Doch leider bleiben solche Verdächtigungen selten folgenlos, führen sogar zu einer unaufhaltsamen, immer größer werdenden Lawine aus Missverständnissen, die durch ihre negative Energie nachbarschaftliches, familiäres und emotionales Leben irritiert. Diese Geschehnisse in einem Mikrokosmos eines Stadtviertels der dänischen Kapitale inszeniert die junge Regisseurin Annette K. Olesen gefühlsecht, realitätsnah, aber auch vorhersehbar. Montage zweier Szenen in der „richtigen“ Reihenfolge soll das Mittel zum An-der-Nase-herumführen des Zuschauers sein.
Mie liebt Shadi, ganz ohne kulturelle Berührungsängste. Szene eins: Mies Bruder liegt auf dem Boden. Szene zwei: Shadis Bruder und dessen Freund sind blutverschmiert. Kombiniert ergibt sich ein Zusammenhang. Doch dieser Fehlschluss beeinflusst den Zuschauenden nicht, macht neugierig auf den Weg zum Ausgang des Dramas. So entbrannt Streit nicht nur zwischen den Liebenden, auch zwischen den Brüdern kriselt es trotz der vielen kulturellen Gemeinsamkeiten. Die unausgesprochene Wahrheit wirkt wie ein soziales Moor. Alle sind dem Tod geweiht, merken es, aber können sich nicht helfen. Erst der unnötige Ausgleich zwischen den Bevölkerungsteilen befriedet. Hoffentlich langfristig.
Geschrieben von Björn Buß
von Archiv | 15.06.2007
?Resist? von Karin Kaper und Dirk Szuszies
Als Anti-Theater spielt das „Living Theatre“ seit über 50 Jahren politische Stücke. Ohne eigene Bühne stellen die Schauspieler mal während einer Demonstration gegen das Wirken der acht wirtschaftlich stärksten Staaten – Sind China und Indien weniger stark als Italien? – oder den Ruinen des World Trade Centers gesellschaftliche Probleme dar.
Ethnische Diskriminierungen, Despotimsus, Kapitalismus und Gewalt werden durch die Stücke kritisiert. Das The-aterensemble ist Teil der Zivilgesellschaft.
Der Dokumentarfilm „Resist“ zeichnet die Entstehung der Gruppe nach. 1947 von Julian Beck und Judith Malina gegründet, kämpfte das „Living Theatre“ immer gegen das Etablishment. Auch für den eigenen Erhalt. Der Film ist nah an den Menschen. Auf einen erklärenden Sprecher wird verzichtet. Ebenso auf eine lineare Erzählstruktur.
Immer wieder wird auf die Gründer hingewiesen, entweder durch Orginalaufnahmen alter Aufführungen oder wenn auf deren Erbe hingewiesen wird. Seltsam mutet der gespannte Bogen des Films an: Kein paradigmatischer Höhepunkt entsteht. Die Welt hat sich halt nicht verbessert. „Living Theatre“ mühte sich und errang nur kleine Erfolge. Die Dokumentation besitzt ebenfalls nur geringen Einfluss auf den Lauf der Dinge, wirkt aber beim Publikum des Filmclub Casablanca.
Geschrieben von Björn Buß
von Archiv | 15.06.2007
?Ein kurzer Film über das Töten? von Krystof Kieslowski
Auge um Auge. Zahn um Zahn. Der junge Jacek (Miroslas Baka) ermordet grundlos den Taxifahrer Waldemar (Jan Tesarz). Als Verteidiger vor Gericht steht ihm der frischgebackene Strafverteidiger Piotr (Krysztof Globisz) zur Seite. Der Sachverhalt ist eindeutig: Jacek wird zum Tode verurteilt. Zwei Menschen leben nicht mehr: Opfer und Täter eines Gewaltverbrechens. Piotr zweifelt von nun am Sinn des Strafsystems und stellt seine eigenen Bemühungen als Verteidiger in Frage: Habe ich wirklich genug unternommen?
Erstmals in Deutschland ist jetzt Krysztof Kieslowskis Film „Ein kurzer Film über das Töten“ auf DVD erschienen. Dies ist zum einen wunderbar, weil endlich ein weiteres Werk des polnischen Ausnahmeregisseurs – neben seiner Drei-Farben-Trilogie – bekannter wird. Zum anderen ist dieses Drama Teil eines größeren filmischen Komplexes: Dekalog. Die biblischen Zehn Geboten sind das Ausgangsmaterial für die jeweils eigenständigen Filme. Mit dem Filmzyklus zog der Pole internationale Resonanz auf sich und erhielt 1988 für dieses auf das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ basierende Kinostück den Spezialpreis der Jury beim Filmfestival in Cannes.
Besonders die realistische, fast dokumentarische und extrem detailierte Darstellung der Tötung des Taxifahrers zu Beginn und die Hinrichtung des Mörders am Ende quält die Zuschauer. Für die Augen ist die Bildqualität genauso anstrengend. Ein dunkler Schleier schränkt den Blick auf die sehr guten Aufnahmen des Kameramanns Slawmir Idziak ein. Diesen Mangel kann aber das sehr lange Interview mit dem Filmschaffenden ausgleichen.
Geschrieben von Björn Buß
von Archiv | 15.06.2007
Morning Rain gewinnt den Vita Cola Band-Contest 2007
Die Greifswalder Band Morning Rain setzt mit ihrer Musik einen neuen Akzent in ihrer Bandgeschichte. Beim Vita Cola Wettbewerb diesen Jahres sagten Musikbegeisterte „ja“ zur Band und platzierten sie mit ihrem Song „Get away“ mittels einem Internetvoting auf den Soundtrack des Films „Meer is nich“, der in diesem Sommer in die Kinos kommt.
Gitarrenlastiger Rock
Stephan, Kathi und Robert – allesamt Studenten in Greifswald und Rostock – entschieden sich, aus ihrer Liebe zu Oasis heraus, 2002 eine Band zu gründen. Die Musik spielen zu können, „die wir selber gerne hören“ war ihr Ziel. Im Jahr 2004 kam der Bassist Matti hinzu. Aus den anfänglichen Oasis-Covern formierte sich bald ihr eigener Musikstil, gitarrenlastiger Rock, wie sie ihn heute bezeichnen, mit selbstverfassten Texten, hauptsächlich vom Sänger und Gitarristen Stephan geschrieben.
Zu den ersten Auftritten der Band zählte die dreimalige Teilnahme am Kontakt-Wettbewerb in Greifswald. Zuvor war die Gruppe in ihrer so genannten „Findungsphase“. „Wir mussten erst mal ranklotzen, um auf ein Niveau zu kommen, was nach außen hin vorzeigbar war und ein eigenes Programm zusammenstellen“, berichtet Stephan. Obwohl Morning Rain nie über die Vorrunde beim Kontaktfestival hinauskam, bewarb sich die Band durch die Initiative der „recht hartnäckigen“ Kathi beim „Landesrockfestival 2004“. Wider allen Erwartungen wurde die Gruppe zum Gewinner dieser Veranstaltung und durfte daraufhin Mecklenburg-Vorpommern beim bundesweiten Contest „local heroes“ in Magdeburg vertreten. Auch hier sind sie „noch mal für uns überraschenderweise zweiter geworden“, erzählt Kathi.
Über ihren diesjährigen Sieg gegen neun weitere ostdeutsche Newcomerbands beim Vita Cola Bandcontest ist Morning Rain ebenfalls stolz. Ein noch ausgebliebender Traum der Band ist ein zukünftiger Vertrag bei einem kleinen Label, um die Finanzierung neuer Alben (erstes Album „Fourteen ways to get away“ 2006) und eine Clubtour durch Deutschland zu ermöglichen. Demnächst stehen Morning Rain beim „Fête de la musique“ und der Filmpremiere zu „Meer is nich“ auf der Bühne.
Geschrieben von Cornelia Bengsch