Interview: Der dreifache Puck

Die Ostseefestspiele starten in die neue Saison

Bereits zum fünften Mal finden dieses Jahr die Ostseefestspiele statt. Vom 21. Juni bis 18. August steigt das beliebteste Open-Air- Theaterfestival der Region Vorpommern. moritz sprach mit Julia Lammertz, Pressesprecherin des Theater Vorpommern in Greifswald.

moritz: Was erwartet die Besucher der Ostseefestspiele in dieser Saison?
Julia Lammertz:  In diesem Jahr haben wir vier Produktionen. Auf der Seebühne Stralsund wird „Hoffmanns Erzählungen – Eine phantastische Oper von Jacques Offenbach“ gespielt. Für die Greifswalder Bühne, die erst letztes Jahr eingeweiht wurde, haben wir  „Ein Sommernachtstraum“ in einer Mischung aus Schauspiel, Musik und Ballet  mit der Musik von Mendelssohn Bartholdy und dem Text von Shakespeare kombiniert. In der Klosterruine Eldena läuft ein aller allerletztes Mal „Die drei Musketiere“. Außerdem bieten wir das Kinderstück „Pinocchio“, ein Mischung aus Schau- und Puppenspiel,  ebenfalls in der Klosterruine an.

moritz: Was ist das Besondere der Inszenierung „Ein Sommernachtstraum“?
Lammertz: Erstmalig werden alle Sparten zusammen in einer Inszenierung kombiniert. Da sind Schauspiel, Ballett und Musiktheater, die szenisch alle sehr stark beansprucht werden. Diese Verbindung findet ihren Höhepunkt in der Figur des Puck. Der ist mit einen Tänzer, einer Schauspielerin und einem Sänger dreifach besetzt. Da kann es dann schon vorkommen, dass alle drei auf einmal auf der Bühne sind obwohl es nur eine Figur ist. der Sommernachtstraum ist eine Komödie, aber natürlich auch sehr romantisch, unterhaltsam und turbulent.

moritz: Es gibt also kein spezielles Zielpublikum?
Lammertz: Nein. Das Zielpublikum ist jung und alt. Es ist aber kein Stück für Kinder. Wir wollen alle Menschen aus der Region ansprechen.

moritz: Doch für die Kinder die nicht allein zu Hause bleiben können haben sie auch eine Lösung gefunden?
Lammertz: Wir bieten dieses Jahr erstmalig auch eine Kinderbetreuung an. Da sind wir Vorreiter in der Region. Eltern, die sich die Vorführung anschauen, können ihre Kinder während des Stückes dem ausgebildeten Personal des „Kinderladen“ anvertrauen. Das kostet 8 Euro für den ganzen Abend, bei Geschwistern 6 Euro pro Kind. Wir hoffen dass dieses Angebot gut angenommen wird. Nicht alle Eltern wollen ihre Kinder so spät abends in die Vorstellung mitnehmen.

moritz: Was ist der Reiz der Greifswalder Open-Air-Bühne?
Lammertz: Dass sie ganz nah am Zentrum ist und in der Gegend des Museumshafens liegt, der ja immer populärer wird und im Sommer ein immer beliebterer Treffpunkt wird. Diese Zentrumsnähe ist auch das Schöne für die Leute die hier leben. Und für Touristen ist sie einfach ein Grund mehr Greifswald zu besuchen.

moritz: Was passiert wenn es regnet?
Lammertz: Das kommt darauf an wie stark. Wir versuchen die Vorstellung in jedem Fall stattfinden zu lassen. Besonders das Ballett ist aber gefährdet. Wenn die Bühne nass ist kann es schnell zu Stürzen kommen. Es gibt eine für alle Openairs gängige Regelung, wenn die Hälfte gespielt wurde, dann haben die Zuschauer das Nachsehen. Dann bekommen sie kein Geld zurück, können aber an einem anderem Tag wiederkommen, dann ohne Platzkarte. Wenn weniger als die Hälfte gespielt wurde gibt es auf jeden Fall das Geld zurück oder eine neue Platzkarte. Letztes Jahr bei „Hair“ war das nur  einmal der Fall und das hat auch gut funktioniert.

moritz: Gerade der Greifswalder Bühnenaufbau hat im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, ist denn das überhaupt noch zu toppen?
Lammertz: Das Aufsehen war gar nicht unser Ziel. Da sind wir reingeschlittert. Wir haben daher auch nicht den Anspruch zu sagen, wir müssen noch mehr Aufsehen bekommen denn das ist auch nicht zu toppen ganz klar. Als kleinen Gag haben wir vor, in diesem Jahr einen 14 Meter hohen Nachbau der Klosterruine auf den Museumshafen zu setzten.

moritz: Mit wievielen Besuchern rechnen sie?
Lammertz: Im letzten Jahr haben 28.000 Menschen die Ostseefestspiele besucht. Wir erhoffen uns natürlich mindestens genauso viel Zuspruch. Ob es mehr werden hängt vom Wetter ab.

moritz: Welche speziellen Angebote gibt es für Studenten?
Lammertz: Wir bieten Ermäßigungen für alle Plätze an, sowie auf die Kombitickets. Damit kann man sich zwei Veranstaltungen zu einem noch günstigeren Preis anschauen. Auch für den Shuttlebus von Greifwald nach Stralsund gibt es Ermäßigungen. Es wird aber bestimmt auch noch im Vorfeld das ein oder andere Special geben, was wir uns zusätzlich einfallen lassen.

Geschrieben von Sarah Bechimer

Buch: Strips auf der Leinwand

Film-Konzepte: ?Superhelden zwischen Comic und Film?

Die Comic-Welten der beiden US-amerikanischen Comic-Verlage Marvel und DC erleben seit den ersten Veröffentlichungen ihre filmische Verwirklichung. Doch erst vor knapp drei Jahrzehnten, mit der Verbesserung der Trick- und Computertechnik, setzte der kommerzielle Siegeszug von Comic-Verfilmungen ein. Von Beginn an wurden die Serienkonzepte der Druckwerke auch in Filmreihen umgesetzt.

Blockbusterfilme wie „Superman – Der Film“ (Richard Donner, 1978) und „Batman“ (Tim Burton, 1989) zogen mehrere Fortsetzungen nach sich. Im ersten Film wurden noch die Figuren und Schauplätze vorgestellt, danach konnte sich an die Entwicklung der Charaktere gewagt werden. Beide Reihen zeigten aber mit ihrer jeweils vierten Episode ein Ende der dramatischen Entwicklung an. Das Publikum war nicht mehr begeistert.

Erst mit „Spider-Man“ (Sam Raimi, 2002) setzte wieder der Wille ein, Comicgeschichten als Großproduktionen zu produzieren. Dem Massengeschmack – durch den Indikator des weltweiten Kinoeinspielergebnisses ausgedrückt – wurde entsprochen. Seitdem zeichnete sich ein Boom an Verfilmungen der gezeichneten Storys ab: Spider-Man und die X-Men-Mutanten kämpften bisher dreimal auf der Kinoleinwand, erste Fortsetzungen der neu gestarteten Superman- und Batman-Reihen sind ebenso in Arbeit wie eine neue Hulk-Verfilmung. Und im Sommer ist „Fantastic Four – Rise of the Silver Surfer“ auf der zu sehen.

Superhelden-Comics werden als minderwertige Kunstgattung angesehen. Auch deren Adaptionen für die große Leinwand schenkt die Kulturelite wenig Aufmerksamkeit. Diese vor allem europäische Abwertung entspricht nicht dem Ansehen von Comics in den USA.

Der in der Reihe „Film-Konzepte“ erschienene sechste Band „Superhelden zwischen Comic und Film“ klärt über diese Gegebenheit auf, erläutert die Entwicklung der populärsten Comicstrips anhand der Geschichte der Verlage und betont die Bedeutung der auf Comics basierenden Filmgattung. Die narrativen Strukturen der gedruckten und gefilmten Handlung können es ohne Mühe mit Klassikern der Hochkultur aufnehmen. Die wissenschaftlichen Aufsätze des Bandes legen nicht nur ihr Augenmerk auf die bekanntesten US-amerikanischen Comic-Helden, sondern vergleichen diese mit unbekannteren Figuren (Hellboy, The Crow) und blicken ebenso auf asiatische Animes.

Zur Erinnerung: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden Kinofilme allgemein als niedere Kunst angesehen. Der Band hilft hoffentlich, Superhelden aus dem Niveau des Kinderzimmers herauszuholen. Denn Comics zu lesen und Superhelden zu verstehen, muss eben gelernt werden. 

Geschrieben von Björn Buß

Wer liest schon Koeppen?

Entstehung und Arbeit des Wolfgang-Koeppen-Archivs

Das Archiv ist eine Einrichtung des Instituts für Deutsche Philologie im Geburtshaus des Schriftstellers. Dieser kam am 23. Juni 1906 hier zur Welt und verbrachte einige Jahre seiner Kindheit und Jugend in Greifswald.

Seit 1943 lebte er in München und schrieb Romane, Reisebeschreibungen und Kurzprosa. Nach Koeppens Tod im Jahre 1996 ging dessen Nachlass an den Suhrkamp Verlag, da der Autor selbst keine Erben hatte. Initiiert vom damaligen Professor Müller-Waldeck schloss der Verlag, der Koeppen zu Lebzeiten unterstützt hatte, daraufhin einen Vertrag mit der Universität Greifswald, in dem ihr der Nachlass überlassen wurde. Im Gegenzug verpflichtete sich die Hochschule, diesen zu pflegen und der Forschung zugänglich zu machen. Dr. Michael Gratz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut der Deutschen Philologie, erinnert sich: „Das Literaturarchiv Marbach war natürlich auch interessiert und München wollte das auch haben und hat sogar, wie uns gesagt wurde, das Dreifache geboten, aber Siegfried Unseld hat sich dann für Greifswald entschieden, weil er meinte, in München ist es eine von vielen Sammlungen und in Greifswald besteht eben die Chance etwas Spezielles, Individuelles für Koeppen zu schaffen.“

Von München nach Greifswald

Der Autor lebte in einer großen Münchner Wohnung, die ihm der Suhrkamp Verlag finanzierte. Seine letzten beiden Lebensjahre verbrachte er jedoch wegen einer Krankheit in zwei verschiedenen Pflegeheimen. Im März 1996 verstarb Wolfgang Koeppen im Alter von 89 Jahren. Die Manuskripte sind gleich nach seinem Tod von einem Mitarbeiter des Verlags nach Frankfurt (Oder) geholt worden und kamen erst ein Jahr später nach Greifswald. Dr. Gratz war dabei, als ein halbes Jahr nach Koeppens Tod, im Herbst 1996, alles aus der Wohnung nach Greifswald geholt werden sollte. „Unser Auftrag war es, die Bibliothek, über 10.000 Bände, für den Umzug vorzubereiten. Dafür hatten wir fünf Tage Zeit.“ Die Herausforderung bestand nicht darin die Bücher zu verpacken, denn eine Vertragsklausel war, dass diese so aufgenommen werden mussten, dass man ihren Standort in der Originalwohnung rekonstruieren kann.

Es wurden 105 Detail-Fotos gemacht, sodass man die Buchtitel auf diesen lesen konnte. Zeichnungen wurden erstellt, die die Position der Regale festhalten sollten, jedes Regal, jedes Brett bekam eine Nummer und in jedes Buch wurde eine Zahl gelegt. „Diese Nummern sind heute die Signatur der Bibliothek und an der Nummer kann man erkennen, wo das Buch stand. Das ist für Forscher interessant. Hat er das Buch gelesen oder hat er es nicht gelesen? Was in der Nähe des Schreibtisches stand, hat er wahrscheinlich öfters genutzt, was sehr weit oben stand, vielleicht nicht so oft“, sagt Gratz. Doch für den Literaturwissenschaftler war die Aufnahme des Nachlasses mehr als viel Arbeit: „Weil das eben schon ein eigenartiges Erlebnis ist, so ein bisschen als Voyeur in einer fremden Wohnung zu kramen. Und man guckt in allen Ecken nach, alle Geheimfächer von Schubladen, man findet, Briefe, Fotos und alles.“

Unerforschte Bereiche im Archiv

Nach fünf Tagen kam dann ein Möbelwagen, der die Kleider, Bücher und Möbel nach Greifswald brachte. Hier wurde über drei Jahre hinweg ein Katalog aufgebaut. Auch daran hat Dr. Michael Gratz mitgearbeitet. Alles ist mittels Datenbanken so vernetzt aufgenommen, dass man bei der Suche nach einem Buch auch gleich sieht, ob in diesem etwas lag und wenn ja, was.

Heute ist der Nachlass zu 96 Prozent aufgearbeitet. Interessenten kommen aus den USA, Japan und Südkorea, um das Archiv zu nutzen. Mit dem Weggang von Professor Walter Erhart und seinen Mitarbeitern fehlt jedoch das Personal, um eine dauerhafte Forschung am Nachlass möglich zu machen. Der Lehrstuhl für Deutsche Literaturwissenschaft und Literaturtheorie, den vorher Professor Walter Erhart innehatte, wird zurzeit von Dr. Sigrid Nieberle vertreten. Da der Lehrstuhl an die Leitung des Wolfgang-Koeppen-Archivs gebunden ist, hat sie auch diese Position kommissarisch übernommen.

Bei der Stadt und der Universität war das Archiv von Anfang an nicht besonders beliebt, häufigstes Argument: Wer liest schon Koeppen? Dementsprechend sind die Gelder knapp bemessen und eine Finanzierung weiterer Mitarbeiter ist nicht vorgesehen. Da die Tätigkeit von Dr. Sigrid Nieberle befristet ist, wird sie keine neuen Projekte initiieren.

Studenten, die eine Abschlussarbeit schreiben wollen, haben jedoch weiterhin die Möglichkeit an unbearbeitetem Material zu forschen. Spannende Themen finden sich bestimmt. Eine Vielzahl unerforschter Schätze kann im Wolfgang-Koeppen-Archiv gehoben werden.

Geschrieben von Alina Herbing

Nordischer Klang: Jazzklänge in Greifswald

Nordische Musik zur Copenhagen Jazz Night

Der Nordische Klang, da darf Jazz auch nicht fehlen. Ohrengenuss und Stimulierung des Geistes. Mittendrin die Nordic Jazz Night, welches vor allem durch das Ola Kvernberg Trio besticht.

 Dann ist Freitag, der 11. Mai, ein weiterer Tag mit Jazz im Theater Vorpommern Greifswald. Die Künstler stehen sich in Extrovertiertheit und einprägsamen  Klangwelten in nichts nach. Der ganze Abend geht aufs Herz und durch die Beine, auch im Sitzen. Und mit einem Funken Esprit auch in den Kopf.

„Apple Pie“

Den Anfang macht „Attaboy plus“. Die schwangere Frontfrau aus Schweden hat außer ihrem schönen runden, stolzen Bauch, der gelben klobigen Uhr und den knallroten Socken auch noch eine schöne Stimme zu bieten, einen Hauch von Björk. „Allmost  everybody is here“: Danish, Finish, French“ ruft  sie, die Schwedin. Cello, Trompete, Kontrabass, Schlagzeug und Violine: „Happy Ectasy“ spielen die jungen Interpreten des Genres. Soli wechseln einen wundersamen Chor ab. Sie singen abwechselnd in Schwedisch und Englisch. Texte, die von der Liebe und vom Witz des Lebens zu erzählen wissen, werden gesungen: „Appelpie“.

„Schrei für mich ein letztes Mal“ sollte der Titel zum Ende des Auftritts heißen. Die berechtigt gewünschte Zugabe scheint zu viel verlangt von der hochschwangeren, expressiven Frau. Doch befreiend schreit sie das Ende ihres Auftrittes heran, inklusive einer extra Portion hysterischen Lachens. Das Ende vom Lied: Gute Unterhaltung, Spaß.

Hard striking yet tender: Marius Neset

Es folgen die erfolgreichen Newcomer „Jazz Kamikaze“, die Best Group der „Get to Festival Competetion 2006“ war schon letztes Jahr beim Nordischen Klang dabei. Eine Lightshow  und  eine dröhnende Stimme à la Rock kündigt die Band an. Es rockt? Soll es einen Boxkampf geben, fragt man sich, als Unmengen von Wasser und Handtüchern verteilt werden. Jazz Kamikaze: Klavier, Saxophon, Schlagzeug, E-Gitarre und ein einfühlsamer Kontrabass erscheinen auf der Bühne des Greifswalder Theaters.

Was sich zuerst wie Ohrenschmerz mit Klavierunterstützung anhört, entpuppt sich als starker, beeindruckender bis liebevoller Auftritt. Sie können  mal leise und mal laut sein: Es trifft ins Herz. Jeder Interpret hat sein Solo und der junge Saxophonist Marius Neset ist zu Recht, durch sein Improvisationstalent und seine Ausdrucksstärke mit dem Preis „Best Solist“ belohnt worden. Stolzierend und schwitzend  präsentiert sich Jazz in einer Teils sehr rockigen Art. Kein typischer Jazz, nichts zum Einschlafen, Jazz Fusion. Und mit Nirvana nach Hause geschickt. Ende eines schönen Abends.

Es gibt aber auch den einen oder anderen, der sich unter diesem Abend etwas Anderes vorgestellt zu haben scheint. Irritiert, vielleicht gelangweilt saßen diese Gäste in einem ansonsten wippenden und jubelnden Publikum. Ob das nächste Jahr Jazz beim Nordischen Klang auch so viel Spaß macht? Wünschenswert wäre es und hoffentlich gibt es dann keine technischen Probleme, so dass ein hervorragender Saxophonist, wie der des „Anderskov Accident Oktett“ auch eine Chance hat, den Gast gehörig zu bannen.

Geschrieben von Martina Pape

Knorke Hightech-Lesung

Am Anfang war das Am

Am 1. Juni lud der Studentenclub Kiste zu einer besonderen Lesung ein. Alf Ator, Stumpen und Buzz Dee, besser bekannt als die Band Knorkator wurden angekündigt aus ihrem Buch „Am Anfang war das Am“ zu lesen.

Das hört sich jetzt nicht nur spektakulär an, sondern das war es auch. Nachdem Harry Rowohlt schon in Greifswald vor einigen Wochen für Furore sorgte, stehen dem Knorkator nichts nach. Die Kiste war bis oben hin voll. Über 100 gespannte Zuhörer saßen und standen, um der spätestens seit dem einstigen Grand Prix – Versuch mit dem Titel „Ick werd zun Schwein“  bekannten Band, zu lauschen.

Doch es kam alles anders. Keine Lesung im klassischen Sinne: Hinsetzen, Wein, Zuhören, Schluss, sondern viel mehr passierte. Stumpen, der eigentliche Sänger, war verhindert und wurde von einem Plüschprimaten vertreten. Alf Ator war der „Lesator“ und Buzz Dee der Lakai, also das Mädchen für alles. Auf der Bühne ein Tisch mit einem Früchteteller, Rotwein und Kerzenschein: Alf Ator im Cäsar-Outfit und Buzz Dee im Kartoffelsack mit hervorblitzendem roten Schlüpper. Das Outfit ist ja bei Knorkator essentieller Bestandteil ihrer Perfomance. Show war auch die Lesung, denn es war in erster Linie eine Playbackshow.  Es wurden Texte der Kategorie „Ergüsse“ und  „unvollendete Geschichten“ gelesen, besser gesagt, zu Gehör gebracht. Alf Ator  hat sich als begnadeter Lippenartist herausgestellt, denn kaum begann die Lesung, schob Alf das Mikrofon bei Seite und der Text lief weiter.

Dass das Ganze eine Art Hörbuchinszenierung mit visueller Komponente wurde, hatte nun keiner wirklich gedacht, aber die Idee funktionierte. Zwischen den wirklich sehr skurril-komischen Geschichtchen wurden natürlich auch Live-Kommentare wie „die Rutsche wär` jetzt auch jemeistert“ abgegeben. Das bereits 2004 erschienene Werk der Band ist ein Potpourri aus witzigen Karikaturen und amüsanten Storys, das Besondere ist der vorherrschende Wortwitz: Hund und Putz sind Gegenteile, denn der eine ist eben müde und der andere munter, bleibt natürlich die Frage, was ein Putz sei. Der Nonsense der „Deutschlands meiste Band der Welt“ funktioniert und macht Spaß. Nach der visuellen Hörbuchlesung gaben die beiden Berliner Chaosherren noch einige Songs zum Besten. „Ich muss es sicher betonen, wir sind Popstars“ ließ Alf Ator verhören, um dann Coversongs und natürlich auch für eingefleischte Fans Knorkator-Songs zu performen. Knorke Abend und ein Blick ins Buch ist es allein der  Karikaturen wegen ein Einblick wert.

Geschrieben von Maria-Silva Villbrandt