von Archiv | 15.06.2007
?Late Blommers? von Guy Gerber(Cocoon)
Der israelische Produzent und DJ Guy Gerber ist zur Zeit einer der aufsteigenden Stars der Szene. Egal, was er im letzten Jahr veröffentlicht hatte, es wurde zum Clubhit.
Da ist es auch kein Wunder, dass eine Plattenfirma wie Cocoon schnell auf ihn aufmerksam wurde. Nach den letzten Singles erscheint nun auf diesem Label auch sein erster Longplayer „Late Bloomers“.
Bei den zwölf Tracks präsentiert er eine Mischung aus melodisch-sphärischen Klängen, untermalt mit tiefen Basslinien und treibenden Drumparts. Neben seinen Hits „Sea of Sand“ (mit Shlomi Aber) und „Belly Dancing“ bleiben vor allem der Titelsong „Late Bloomers“, „Planetarium“ und „2 Birds One Stoned“ im Ohr. Mit diesem Album erfüllt er die Erwartungen, die auf Grund der Vorab-Singles an ihn gestellt worden sind.
Zum Tanzen und Träumen.
Geschrieben von Marc Tanzmann
von Archiv | 15.06.2007
StuPa nähert sich langsam der Bearbeitung von Sachthemen
Max-Marald Adams und Sören Sölter erhielten im Januar die wenigsten Stimmen bei der Wahl zum Studierendenparlament (StuPa). 21 und 15 Kreuze wurden für sie gezählt.
Ihre Chancen, ein Mandat in der Legislative der Greifswalder Studierendenschaft zu bekleiden, sind aber durch die zu Beginn der Legislatur stattfindende Neubesetzung der Referate des Allgemeinen Studierendenauschuss (AStA) gestiegen. Denn fünf gewählte Mitglieder des StuPa wechselten bisher von der Legislative zur Exekutive. Für Christian Bäz, Thomas Schattschneider, Kristina Kühn und Dirk Stockfisch ruht die Mitgliedschaft im StuPa während ihrer Amtszeit als AstA-Referenten. Catharina Frehoff erhielt bei der Wahl im Winter 62 Stimmen, trat aber nach der ersten Sitzung schon zurück.
Sollten weitere StuPa-Mitglieder den Wechsel in die ausführende Gewalt der Studierendenschaft anstreben oder von ihrem Mandat zurücktreten, wäre es für Adams und Sölter möglich, bei den 14tägigen Sitzungen des StuPa als stimmberechtigtes Mitglied im Konferenzraum des Universitätshauptgebäudes Platz zu nehmen.
Wenn somit alle Kandidaten der StuPa-Wahl auch ins Parlament kommen, ist der politische Wettbewerb um diese Plätze gleich null.
Gremienarbeit nur ein Zeitvertreib?
„Zu Beginn der Legislatur beschäftigten wir uns mit der anspruchsvollen Referatsstruktur des AStA“, sagt Frederic Beeskow, Präsident des Studierendenparlaments. Der Sinn eines Autonomen Referats für Queer- und Genderangelegenheiten wurde beispielsweise diskutiert, sich dann auch mehrheitlich für diese Position ausgesprochen. Auch bestanden im StuPa unterschiedliche Ansichten über die Höhe der jeweiligen Aufwandsentschädigungen für die AStA-Haupt-, Co- und Autonomen Referenten.
Über mehrere Sitzungen erstreckten sich danach das Besetzungsverfahren AStA-Referate. Die Vorstellung und Befragung der jeweiligen Kandidaten beschäftigte das StuPa bis in den Monat Juni hinein. Auffällig ist, dass die Mandatsträger mehrfach den Bewerbungen von Anne-Christin Stolze und Patrick Leithold negativ gegenüberstanden – Stolze trat teilweise sogar ohne Gegenkandidaten an. Scheinbar möchte die Mehrheit der StuPa-Mitglieder nicht jedes Referat auf Teufel komm raus besetzen.
Als bisher wichtigste inhaltliche Arbeit wird der Beschluss des Studierendenparlaments zur Novellierung des Landeshochschulgesetzes (LHG) angesehen. Eine Sondersitzung wurde für dieses wichtige hochschulpolitische Thema anberaumt.
Da das StuPa nicht nur Beschlüsse fasst und über eingereichte Finanzanträge abstimmt, sondern auch die Kontrollfunktion des AStA wahrnehmen soll, nehmen die Rechenschaftsberichte der AStA-Referenten in jeder Sitzung viel Raum ein. Als Einziger fällt hierbei der ehemalige AStA-Referent Alexander Schulz-Klingauf mit seinen unzähligen Nachfragen auf. „Als Vetrauen oder Uniformiertheit von Seiten des StuPa kann dies verstanden werden“, meint AStA-Vorsitzender Thomas Schattschneider.
Die Meinung der Neuen
Erstmalig im Studierendenparlament stimmberechtigt ist die Psychologie-Studentin Veronika Pohlen. „In jeder Sitzung, mit jedem Antrag lerne ich dazu“, freut sich die Studentin. Im Vorfeld war ihr nicht bewusst, welche Rolle Regelungen und Satzungen für die Arbeit des StuPa einnehmen, bewertet dies aber positiv für die Arbeit des Gremiums.
Auch Christine Korell ist neu im StuPa und hält den Vorwurf der Ineffektivität des StuPa für nicht berechtigt. „Die Arbeit muss im ganzen betrachtet werden“, meint die Jurastudentin, „und eine einzige Sitzung darf nicht herausgegriffen und isoliert betrachtet werden.“ Prinzipiell sei jeder Student von den im StuPa behandelten Themen betroffen.
Realpolitik beginnt
Nach den Personaldebatten und den Besetzungen der Ämter in den ersten Sitzungen, kann bisher noch keine Bewertung der Leistungsfähigkeit des StuPa getroffen werden. „Die Sitzungen in den Monaten Juni und Juli werden erst zeigen, wie gut Sachpolitik möglich ist“, sagt AStA-Vorsitzender Schattschneider. Vor allem die Zusammenarbeit zwischen Exekutive und Legislative gestaltet sich dabei manchmal schwierig.
„Die unterschiedlichen Interessen des StuPa und des AStA müssen unter einen Hut gebracht werden“, betont StuPa-Präsident Beeskow. Deshalb wünscht sich Schattschneider auch: „Nicht die Polemik, sondern die sachliche Politik muss im Vordergrund stehen.“
Geschrieben von Björn Buß
von Archiv | 15.06.2007
?Volta? von Björk (Polydor)
Wie oft mag es vorkommen, dass man in einem Augenblick an Massive Attack denkt und im nächsten an Klaus Doldinger? Richtig: Nie.
Björks Musik zwecks aussagekräftiger und leserfreundlicher Beschreibung in hinreichend treffsichere Kategorien aufzulösen, ist ein aussichtsloses Unterfangen.
Auch die neue Scheibe von Frau Guðmundsdóttir mit dem Titel „Volta“ entzieht sich mal wieder jeglichen Schubladen. Auf dem offiziell sechsten Album der Isländerin treffen wahlweise fernöstliche Klänge auf erdig-elektronische Beats sowie Bläser-Arrangements á la Bigbandjazz auf mehrstimmige Gesangsmelodien, so dass man ihrer Musik erstmal ein wenig hilflos gegenüber steht. Die Gründe hierfür mögen im Dunkeln liegen, aber trotz dieser spannungsvollen Gegensätze entsteht im Ohr des Hörers dann doch eine unglaublich dichte Klangkulisse, der sich anzuvertrauen nur im ersten Augenblick schwer fällt.
Wer sich von den etwas sperrig anmutenden und daher schwer ins Ohr gehenden Titeln nicht schrecken lässt – und zugegeben etwas übrig hat für musikalische Experimente – ist nach einigen Durchläufen von „Volta“ magisch angezogen durch den auf der CD ausgebreiteten Soundteppich. Über diesem schreit, seuselt und schwingt Björks unverwechselbare Stimme, angesichts derer man wie üblich grübelt, wie es die Künstlerin schafft, sich so virtuos und ansprechend zugleich zwischen Sprechen und Singen zu bewegen. Abermals drückt Björk damit durch ihre eigenwillige Gesangsweise einer ihrer Aufnahmen den Stempel auf, wenn auch längst nicht so sehr wie im Falle des Vorgängeralbums „Medulla“, auf dem zu Gunsten einer stark gesangsorientierten Ausrichtung der Einsatz von Instrumenten stark reduziert wurde. Insofern stellt „Volta“ die Rückkehr zur Björk-typischen Musik dar, wenn man das bereits länger zurück liegende Erfolgs-album „Homogenic“ zum Maßstab nimmt. Wenn. Mit den Kategorien ist es bei Björk, wie eingangs schon gesagt, eine spezielle Angelegenheit. Gut so.
Geschrieben von Robert Heinze
von Archiv | 15.06.2007
?New Moon? von Elliott Smith (Domino Records)
Elliott Smith ist einer der Künstler, bei dem man sich wünschte, dass man entweder ein bisschen älter wäre oder ihn zumindest früher kennen gelernt hätte. Einerseits hätte man dann in jedem Fall mehr von ihm als Musiker mitbekommen und anderseits wäre die Chance größer gewesen ihn vielleicht doch mal live gesehen zu haben.
Elliott Smith hatte fünf Alben heraus gebracht, darunter die beiden bekanntesten „Either/Or“ und „XO“, bis er am 21. Oktober 2003 im jungen Alter von 34 Jahren starb. Die Umstände des Todes waren wie so oft in amerikanischen Musikerkreisen mehr als rätselhaft. Nach einer langen Phase der Drogenabhängigkeit verbrachte er fast das ganze Jahr 2002 in Therapie, doch zum Zeitpunkt seines Todes schien er eigentlich wieder auf dem richtigen Weg zu sein. Am Todestag selbst hatte er einen Streit mit seiner damaligen Lebensgefährtin. Als diese sich angeblich zur Beruhigung ins Bad einschloss, hörte sie ihn draußen schreien und als sie dann die Tür wieder öffnete, hatte er sich dreimal mit einem Küchenmesser in die Brust gestochen. Laut Befund der Autopsie hätte es sowohl Selbstmord als auch Mord sein können.
Bereits ein Jahr nach seinem Tod veröffentlichten Freunde und sein ehemaliger Produzent Rob Schnapf das Album „From a Basement on the Hill“, das Elliott Smith noch vor seinem Tod eingespielt hatte und auch zu mischen angefangen hatte. Nun folgt drei Jahre später die Doppel-CD „New Moon“. Die Songs entstanden zwischen 1994 und 1997 während der Aufnahmen für die Alben „Elliott Smith“ und „Either/Or“. Es sind zum Teil unveröffentlichte Songs oder alternative Versionen von bereits auf Alben erschienenen Songs. Es ist ein gutes Album, um sich in die Welt Elliott Smith’ einzufühlen und ihn für sich zu entdecken. Aber es ist auch ein Schatzkästchen für jene, die ihn schon länger kennen. 24 Stücke zum schwelgen, träumen und trauern. Ein weiteres Werk, um die Erinnerung an diesen Ausnahmemusiker und Songschreiber aufrecht zu erhalten.
Geschrieben von Esther Müller- Reichenwallner
von Archiv | 15.06.2007
Erneute Novellierung des Landeshochschulgesetzes
Dieses Jahr wird voraussichtlich das Landeshochschulgesetz Mecklenburg-Vorpommern (LHG) auf ein Neues novelliert.
Die Zielrichtung seiner jeweiligen Ausfertigungen schwankt je nachdem, aus welcher Richtung der Wind des politischen Zeitgeistes gerade weht. Nachdem das LHG in den Jahren 2001/2002 grundlegend reformiert wurde, sah es für die Hochschulautonomie in Mecklenburg-Vorpommern noch gut aus. Damals wurde das Anstreben konsensualer Eckpunkte zwischen der Landesregierung und den Hochschulen im LHG verankert. Begründet wurde dies vom damaligen Gesetzgeber damit, den Hochschulen „den Spielraum […] zu eigenverantwortlicher Entwicklung und Profilbildung wesentlich zu erweitern.“
Hochschulautonomie adieu
Im Jahr 2005 wurde dieser Gedanke wieder uninteressant. Im Zuge der Novellierung des LHG wurde der Gesetzestext um die Paragraphen 15, Absatz IV und 92a erweitert. Diese ermöglichten der Landesregierung plötzlich, Studiengänge per Rechtsverordnung, also ohne die Zustimmung der Hochschulen, einzurichten oder aufzuheben. Ebenso wurde der Regierung dadurch ermöglicht, die Zusammenlegung von mehreren Fakultäten im Land anzuordnen.
Kritikpunkte an diesen Regelungen waren damals, dass sie von der Abwanderung der Bevölkerung ausgingen, nicht von den zu erwartenden steigenden Studierendenzahlen. Weiterhin wurde moniert, durch so viele Eingriffsmöglichkeiten fielen im Regierungsapparat zwei zu teilende Kompetenzen, namentlich die Sach- und die Entscheidungskompetenz, zu. Die Hochschulen seien jedoch sehr wohl in der Lage, sich selbst objektiv zu bewerten.
Neuer Entwurf fragwürdig
Nun ist die nächste Runde eingeläutet. Dieses Jahr soll das LHG ein weiteres Mal geändert werden. Im Vorfeld des Gesetzgebungsprozesses hat die Landesrektorenkonferenz Mecklenburg-Vorpommern (LRK) einen Vorschlag zur Güte ausgearbeitet. Dieser behandelt auch den § 10 LHG, in dem bisher die Möglichkeit vorgesehen war, auf Antrag einer Hochschule von bestimmten organisationsrechtlichen Vorschriften des Gesetzes abweichen zu können.
Ginge es nach der LRK, könnten hier in Zukunft auf Anträge hin Abweichungen von allen Vorschriften des LHG erlaubt werden. Problematisch könnte das dann werden, wenn die Hochschulen ihre Entscheidungswege abkürzen, Studenten die Mitbestimmungsrechte beschneiden und eine regierungsfreundlichere Linie fahren. In diesem Fall könnte es sehr schnell sehr pragmatisch werden in der Hochschulpolitik.
Braucht hier jemand ein Konzil?
Des Weiteren ist im Novellierungsvorschlag der LRK nämlich vorgesehen, das Konzil abzuschaffen. Das Konzil, in Greifswald seit 2003 als „erweiterter Senat“ etabliert, ist das einzige Gremium, in dem Studenten sich in die Hochschulpolitik der Professoren „einmischen“ können. Hier müssen Anträge des Senates an die Landesregierung bestätigt werden und hier wird auch der Rektor gewählt. Im Konzil haben die studentischen Vertreter ein Stimmrecht, das ein Drittel der gesamten Stimmen ausmacht. Ein weiteres Drittel wird durch die Hochschullehrer gestellt, das letzte durch zwei mal sechs Mitarbeiter der Universität. Eine gute Möglichkeit, gerade auf Abstimmungen, die eine Zweidrittelmehrheit erfordern, Einfluss zu nehmen. Wenn jetzt die §§ 80 ff. LHG dahingehend geändert würden, dass diese Beteiligung der Studenten nicht mehr vorgesehen ist, dann könnte die Hochschule ganz einfach Absprachen mit der Regierung treffen und jeden Antrag stellen, der ihr gerade sinnvoll erscheint. Absprachen darüber zum Beispiel, gegen welche Gegenleistung die Universität welche Stellen streichen würde. Und Anträge dazu, ohne welche Regelungen des LHG man zu schalten und walten beliebte.
Weiterhin sieht der Entwurf der Landesrektorenkonferenz Änderungen zu Akkreditierungen und zu Evaluationen vor. Die Grenze, die diese trennt, wird damit verwischt. Juniorprofessuren sollen nach einem geplanten § 59, Absatz VII LHG wie in anderen Bundesländern nach Begutachtung zu richtigen Professuren gemacht werden können. Der Kanzler der Universität Greifswald, Dr. Behrens, sagte hierzu im Gespräch mit moritz, er halte die Vorteile einer solchen Regelung für gewichtiger, sei doch der negative Effekt der Regelung kein strukturelles Problem des Gesetzesentwurfs, sondern auch eine direkte Folge der Unterfinanzierung der Hochschulen.
Diesen Effekt sieht der AStA Greifswald darin, dass Sparsamkeit an wirklichen Professuren die Folge sein könne, welche durch eine Juniorprofessur jedoch nicht ersetzt werden könnten. Das Erfordernis der Ausschreibung nach § 59, Absatz I LHG entfiele auch, wenn eine Professur durch einen schon an der Hochschule tätigen Juniorprofessor besetzt werden könnte. Eine Linie, die sich durch den kompletten Gesetzesentwurf zieht: Durch die Möglichkeit, Ausschreibungen wegfallen zu lassen, sollen Mitbewerber von außen trotz möglicherweise höherer Qualifikation zu Gunsten von bereits an der Universität beschäftigten ausgeschlossen werde.
Dies wird scharf von der Landeskonferenz der Studierendenschaften kritisiert. Thomas Schattschneider, AStA-Vorsitzender der Universität Greifswald, sagte dazu gegenüber dem moritz: „Das LHG muss geändert werden, das ist ganz klar. Es braucht einfach der Anpassung des Gesetzes an die Studienabschlüsse Bachelor und Master. Was aber darüber hinausgeht, also beispielsweise die Abschaffung des Konzils, wird vom AStA Greifswald abgelehnt und wir werden gemeinsam mit den Hochschulen argumentativ dagegen vorgehen.“
Kanzler Behrens meinte hierzu: „In den drei Jahren, die ich nun schon in Greifswald bin, habe ich mit dem Erweiterten Senat sehr gute Erfahrungen gemacht. So lange dieser existiert, werden Studenten nicht von der Mitbestimmung ausgegrenzt.“
Was folgt daraus?
Steht den Studierendenschaften des Landes nun eine Zeit bevor, in der sie sich auf ungehörte Demonstrationen beschränken müssen, ihnen jede Chance auf direkte politische Einflussnahme genommen sein wird? Der Gesetzgebungsprozess ist noch nicht in seine entscheidende Phase gekommen. Sicher ist aber: Ohne massiven Protest und politische Arbeit gegen diese Vorschläge wird so oder so ähnlich das neue LHG aussehen. Für die Einflussnahme von Studenten auf die Hochschulpolitik im Lande begeistern sich in Schwerin die wenigsten.
Geschrieben von Stephan Kosa