Interview: „Das ist dummes Ausprobieren!“
moritz sprach mit Prof. Dr. Dr. Hans-Robert Metelmann über seine Zeit als Bildungsminister, quietschende Studenten und Cancer Politics.

Geschrieben von Uwe Roßner, Judith Küther
moritz sprach mit Prof. Dr. Dr. Hans-Robert Metelmann über seine Zeit als Bildungsminister, quietschende Studenten und Cancer Politics.

Geschrieben von Uwe Roßner, Judith Küther
Warum der Scharia-Islam gegen die Menschenrechte steht
Geschrieben von Egon Flaig
Studentischer Missionsdienst veranstaltete Vortragsabend
Ein Thema füllt seit einiger Zeit immer wieder die Feuilletonseiten einschlägiger Zeitungen. Gemeint ist Intelligent Design, die umstrittene Denkrichtung, welche die christliche Schöpfungsidee und Naturwissenschaft zu vereinen sucht. Der Hauptschauplatz des Geschehens war bisher die USA, aber mittlerweile kommt dem Thema auch hierzulande Brisanz zu. Greifswald inbegriffen? Ein vom Studentischen Missionsdienst (SMD) veranstalteter Vortragsabend deutet womöglich darauf hin.
Vorgeschichte
Christliche Fundamentalisten versuchen in den Vereinigten Staaten seit längerem, Einfluss zu gewinnen. Dabei haben sie durchaus Rückhalt in der Bevölkerung. Umfragen zufolge glaubt fast die Hälfte der US-Bürger an die Schöpfung des Menschen durch Gott. Viele Amerikaner wünschen sich demnach auch, dass entsprechendes in den Schulen zu lehren sei. Dafür kämpfen die Kreationisten schon seit den 80er Jahren. Ein Versuch, dieses Gedankengut an den Schulen im Unterricht unterzubringen, hatte beispielsweise im Dezember des vergangenen Jahres einen Gerichtsprozess zur Folge. In Pennsylania verbot ein Gericht einer Schule den Kurs „Philosophy of Design“ als Alternative zur Evolutionstheorie anzubieten. Dort wurde die Entstehung des Lebens durch göttliches Handeln gelehrt. Es war kein Einzelfall: In vielen anderen US-Bundesstaaten beschäftigten ähnliche Fälle die Behörden und nicht immer wurde gegen Kreationismus im Unterricht entschieden. In Kansas steht die Schöpfungslehre seit Ende 2005 fest im Lehrplan. In den Medien wird ebenfalls heiß diskutiert und Forscher und Kreationisten geraten mit ihren Meinungen allenthalben aneinander.
Intelligent Design
Der Supreme Court urteilte bereits 1987, dass wegen der verfassungsmäßigen Trennung von Kirche und Staat kreationistische Inhalte nicht unterrichtet werden dürfen. Wie konnte es dennoch zur gegenwärtigen Entwicklung kommen? Kritiker machen einen Strategiewechsel im kreationistischen Lager als Grund dafür aus. Im Gegensatz zur rein kreationistischen Strömung, welche die Darwinsche Evolutionstheorie konsequent ablehnt und davon ausgeht, dass die Erde erst wenige tausend Jahre alt und von Gott geschaffen ist, schlagen die Vertreter von Intelligent Design (ID) einen anderen Ton an. Sie vermeiden die dogmatischen Aussagen der Vergangenheit und argumentieren stattdessen unter Rückgriff auf wissenschaftliche Standpunkte. Eines der ID-Hauptargumente für die Unschlüssigkeit der Evolutionstheorie ist das der sogenannten nicht reduzierbaren Komplexität, aus welcher auf einen göttlichen Designer geschlossen werde könne. Erdacht wurde es von Michael Behe. Die naturalistische Wissenschaft kann ihn jedoch widerlegen (s. Kasten). Dennoch ist diese in der Auseinandersetzung mit ID in die Defensive geraten. Denn ID hat es durch besagten wissenschaftlichen Anstrich geschafft, sich in der öffentlichen Wahrnehmung einen Platz zu sichern und erweckt damit den Eindruck, es gäbe einen tatsächlichen Streit um die Evolutionstheorie. Auch in Deutschland ist Intelligent Design mittlerweile ein Thema. Einige Bücher der führenden US-Vertreter sind bereits vor Jahren auf Deutsch erschienen und Gruppen von Evangelikalen drängen an die Öffentlichkeit. Ein Eklat blieb nicht aus: Als 2005 der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus zum „Erfurter Dialog“ einlud, auf dem Experten über die Evolutionstheorie diskutieren sollten, stand auch der Mikrobiologe Siegfried Scherer auf der Gästeliste. Scherer war jedoch bereits schon Jahre zuvor als Kreationist in die Kritik geraten. Nach Protesten von anderen Wissenschaftlern wurde die Einladung zurückgenommen.
ID in Greifswald?
Vielleicht hat das Thema Greifswald nun auch erreicht. Der hiesige SMD lud Mitte November zu einem Vortrag unter dem Motto „Der Mensch als Krönung des Zufalls?“ ein. Referent war der Hallenser Pharmazie-Professer Peter Imming. Dieser stellte sich den in großer Zahl erschienenen Zuhörern als Mitglied der „Studiengemeinschaft Wort und Wissen“ vor, eine Vereinigung von christlichen Wissenschaftlern. Es solle nicht etwa über Gott gesprochen werden, kündigte Imming an, wohl aber über problematische Aspekte der Theorie zur Erklärung der Entstehung des Lebens auf der Erde. Eloquent führte der Phamazeut zur Erörterung dessen in die Materie ein und machte an einigen Beispielen deutlich, wo in der Theorie Probleme bestünden. Zwar habe die Forschung beispielsweise verstanden, was in der Ursuppe passiert sein muss, damit Leben entstehen konnte, aber wie es passieren konnte, sei weiterhin unklar. Die dazu im experimentellen Nachvollzug unterstellten notwendigen Bedingungen zur Herausbildung von Leben aus der Leblosigkeit seien laut Imming statistisch gesehen so unwahrscheinlich, dass auf eine intervenierende Instanz geschlossen werden könne, ja muss: Wie sonst wäre das Leben möglich geworden? Ein anderer Einwand Immings lautete, dass die Entstehung von Erbinformationen zwar weitgehend geklärt sei, aber auch hier stelle sich die Frage nach dem Wie. Kann es ein Programm ohne Programmierer – etwa Gott – geben? Interessanterweise stellt Imming damit nicht wissenschaftliche Erkenntnisse an sich in Frage. Nicht die weißen Flecken der Theorie sind es, in denen göttliches Walten ersichtlich würde, sondern gerade in den bereits geklärten Fragen.
Glaubensfrage
Somit ist Imming nicht anzulasten, dass er unwissenschaftlich vorgeht, wenn er über die Prozesse in der Ur-Suppe spricht. So lautet jedenfalls das Resümee des beim Vortrag im Publikum gewesenen Greifswalder Professors für Mikrobiologie Frieder Schauer: „Imming hat in seinen Ausführungen der Naturwissenschaft Raum gegeben.“. Angesprochen auf etwaige fachliche Gegenargumente zu Immings Haltung, sagt der Greifswalder Mikrobiologe, dass man sich natürlich in Details darüber verlieren könne. Tatsächlich, fährt Schauer fort, seien einige Punkte Immings Argumentation bereits überholt und der Vortrag insofern nicht völlig schlüssig. Das spiele aber nur eine sekundäre Rolle, das eigentliche Problem liege tiefer: In der Wissenschaft werden ständig Fortschritte erzielt und neue Fragen aufgeworfen. Wenn jemand hinter diesen das Wirken einer höheren Instanz vermutet, sei dies eine Glaubensfrage; eine Entscheidung einer Einzelperson also, die letztlich zu respektieren ist, solange die Wissenschaft als solche nicht in Frage gestellt wird.
Fazit
Immings Vortrag stand auch unter dem Motto „Warum einem Naturwissenschaftler die Evolutionstheorie nicht ausreicht“. Erkenntnistheoretisch betrachtet, ist diese Frage aber offenbar irrelevant. Dennoch: Eine gewisse Tendenz des Vortrages war zu spüren. Zum Beispiel wurde ausgangs der Veranstaltung auf weitergehende Literatur für Interessierte hingewiesen. Unter den ausgelegten Titeln fand sich auch ein Buch, von dem bereits erwähnten ID-Vertreter Michael Behe, das von der naturwissenschaftlichen Forschung scharf kritisiert wurde. Auch der Verweis auf die Website www.genesisnet.info mutet merkwürdig an. Denn dort auffindbare Inhalte sind eindeutig ID-lastig. Ein fader Beigeschmack bleibt also.
Begriff: Nicht Reduzierbare Komplexität
Als Argument für die Existenz eines Designers führte Michael Behe 1996 den Begriff der nicht reduzierbaren Komplexität ein. Ein komplexes System, das nach Entfernung eines seiner Elemente funktionslos wird, kann demnach kaum durch einen Evolutionsschritt enstanden sein, da die übrigen Elemente keinen Selektionsvorteil mehr aufwiesen. Die naturalistische Forschung widerlegt diesen Einwand: Auch redundante Elemente einer weniger ausdifferenzierten Entwicklungsstufe können weitergegeben werden und durch Mutation erst zum besagten Funktionskomplex geworden sein.
Geschrieben von Robert Heinze
Man fragt sich ja heutzutage gerne und oft, ob überhaupt noch über Grundsätze diskutiert werden darf. Die Frage, ob Bildung in unserer (Wissens-)Gesellschaft als eine Ware gehandelt werden darf, ist unbeantwortet.
Das Argument für Gebühren ist und bleibt „Leere Kassen“. Über Verteilungsgerechtigkeit im Bundeshaushalt scheint niemand nachzudenken. Die Frage nach Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft interessiert kaum noch, haben die meisten die einkommensschwachen Familien doch schon abgeschrieben. Da hilft auch keine „sozialverträgliche“ Studiengebühr, die sich über Verschuldung des Einzelnen finanziert. In zu vielen anderen Ländern ist der starke Abschreckungseffekt durch Kredite zu beobachten. Zudem: Wer den Banken nicht kreditwürdig erscheint, wird auch nie einen bekommen. Wer ist selten kreditwürdig? Arme Leute. Nachgelagerte Studiengebühren als sozialadäquate Lösung zu bezeichnen ist nun so verblendet wie naiv. Wer mit seinem Studium im Alter von 28-30 Jahren fertig zu werden plant, muss damit rechnen, sein Studium abzubezahlen und nebenbei in zwölf Jahren so etwas wie bescheidenen Wohlstand anzuhäufen. In fast allen Berufen nimmt der Wert der eigenen Arbeitskraft in den Augen der Personalchefs ab einem Alter von 40 Jahren rapide ab. Danach sieht es trübe aus auf dem überlaufenen Arbeitsmarkt. Wenn man in die Kalkulation noch mit einbezieht, dass Deutschland schon jetzt Schlusslicht einer OECD-Studie ist, die den Zugang sozial schwacher zu höherer Bildung unter die Lupe nahm, bekommt man feuchte Augen. 63 Prozent der deutschen Studenten müssen neben dem Studium arbeiten. Deutschland unterzeichnete 1976 den „International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights“ und verpflichtete sich mit den anderen unterzeichnenden Staaten dazu, „den Hochschulunterricht auf jede geeignete Weise, insbesondere durch allmähliche Einführung der Unentgeltlichkeit, jedermann gleichermaßen entsprechend seinen Fähigkeiten zugänglich zu machen“.
Diese Argumente, so sachlich sie sein mögen, führen in Diskussionen meist zu einer Antwort, die wieder auf Kosten und Unkosten der Universitäten abstellt. Der Grundsatz aber muss zur Debatte stehen. Kann und darf man Bildung als Ware handeln? Welchen Wert hat Gerechtigkeit für uns?
Geschrieben von Stephan Kosa
Ja, ich stehe dazu: Ich finde Studiengebühren gut! Sinnvoll eingesetzt helfen sie, die Studiensituation jedes Einzelnen maßgeblich zu verbessern und der Mangelwirtschaft, die an vielen deutschen Universitäten herrscht, ein Ende zu bereiten.
Ist es nicht ein Skandal, wenn Dozenten aus Geldmangel keine Kopien mehr verteilen? Ist es nicht eine Zumutung, wenn der Student während der Vorlesung stets befürchten muss, dass die ihm Decke auf den Kopf fällt? Und ist es nicht ein Hohn, wenn attraktive Studiengänge geschlossen werden, nur weil in der Breite das Geld fehlt? All dies könnte mit einem Studienobolus abgeschaltet werden. So weit so schlecht, mögen nun die militanten Gebührengegner meinen. Doch gemach! Die Art und Weise, wie Bundesländer wie Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen ihren Studenten ans Portemonnaie gehen, ist nicht nur ein Skandal, sondern auch ungemein dumm. Pauschal eine Campusmaut von 500 Euro pro Semester einzufordern ist unkreativ und hat genau die Wir-kung, die Gebührengegner stets als Argument ins Feld führen: Sie schrecken den Ottonormalstudenten ab. Dies kann jedoch nicht das Ziel der Politik sein, da sich deren Vertreter doch auf die Fahnen geschrieben haben, die Zahl der Studierenden in Deutschland langfristig zu erhöhen. Das ist auch sinnvoll. Denn wer gut ausgebildet ist, besitzt ein Pfund, mit dem er wuchern kann. Wer Studiengebühren nach dem bekannten Modell einführt, handelt also kontraproduktiv und tritt die Bedürfnisse junger Menschen und damit die Zukunft des eigenen Landes mit Füßen. Allerdings gibt es neben der Holzhammermethode auch sanfte Wege, ans Geld zu kommen. Akademikersteuer lautet das Zauberwort. Das Prinzip ist einfach wie gerecht: Wer studiert, bezahlt, sobald er in Lohn und Brot steht. Dieser umgekehrte Generationenvertrag kommt allen zu Gute. Der Student genießt vernünftige Studienbedingungen, der arbeitende Absolvent hilft, seinen Nachfolger heranzuziehen. Natürlich braucht diese Art der Finanzierung eine Vorlaufzeit, die sich die meisten Bundesländer anscheinend nicht leisten wollen. Für sie ist es viel einfacher, jedes Semester einen Überweisungsträger über 500 Euro zu verschicken und dann nur noch zu warten, bis das Geld in der Landeskasse klimpert. Wenn die Politiker jedoch vor dem Handeln denken würden, wäre auch ihnen klar: Für Leistungen bezahlt jeder lieber, nachdem er sie erhalten hat.
Geschrieben von Kai Doering