Kino: Herz bei Fuß

George Millers „Happy Feet“

Eigentlich gibt es nur eine Regel in der Pinguin-Welt: Lass das Ei nicht fallen. In einer stürmischen Nacht passiert es dann doch. Vater Memphis lässt sein Ei fallen.

Einige Zeit später versucht sein Sohn Mumble, der Held des Films, sein persönliches Herzenslied zu finden. Doch anstelle seiner Stimme bebt sein Körper und die kleinen Füße fangen an, wie wild zu zappeln. „Lass das sein“, sagen alle, denn steppen ist nicht singen. Es ist unpinguinisch und macht ihn zum Außenseiter. Mumble hat ein Problem: Nur über das Herzenslied finden Pinguine den idealen Partner. Wie Mumble es dennoch schafft, sich selbst treu zu bleiben, neue Freunde – die Latino-Pinguine – zu finden, diverse Abenteuer zu bestehen, seine Herzensdame von sich zu überzeugen und seine Zivilisation vor dem Hungertod zu bewahren, wird liebevoll dargestellt.
„Happy Feet“ ist der neueste Animationsfilm in den Kinos und stellt mit seiner realitätsnahen Grafik die computeranimierten Vorgänger in den Schatten. Mit sehr viel Liebe zum Detail arrangiert, wirken die Bilder der Pinguine und der antarktischen Landschaft faszinierend. Die mitreißenden Tanzeinlagen der watschelnden Frackträger und ihre fröhlich vorgetragenen Popsongs geben dem Film seinen eigenen Charakter.  
Neben der Haupthandlung finden aktuelle Probleme wie achtloser, menschlicher Umgang mit der Natur und religiöser Fanatismus Eingang in das tierische Treiben. Leider lässt die anfangs mitreißende und stimmige Handlung zum Ende nach.
Der Plot des George Miller-Films ist weniger erwachsenenkompatibel als beispielsweise „Shrek“ oder „Findet Nemo“. Aber „Happy Feet“ ist ein audiovisuelles Highlight mit viel Witz und Charme. Fürs Herz einfach gut.

Geschrieben von Antonia-Madeleine Garitz

Kino: Pappmaché und Zuckerguss

Arno Sauls „Wo ist Fred?“

Nach „Barfuss“ hing die Messlatte für Til Schweiger hoch. Umso mehr überrascht die Handlung von Arno Sauls Streifen „Wo ist Fred?“.

Um den verzogenen Sohn seiner Angebetenen zu beeindrucken, spielt Fred (Til Schweiger) einen Behinderten – und wird prompt von Denise (Alexandra Maria Lara) für einen Imagefilm entdeckt. Eine Woche Drehzeit muss Fred durchhalten, dann winken sein altes Leben ohne Sprachcomputer und verdientes Liebesglück.
Trotz etwas konstruierter Handlung hat dieser Film das Zeug zu guter Comedy: Jürgen Vogel als Möchtegern-Krankenpfleger Alex und Christoph Maria Herbst als kamerageiler Rollstuhlfahrer Ronny wirken deutlich engagierter als das Dauernaivchen Denise und ihr rollstuhlfahrender Hauptakteur.
Ohne zu problematisieren, traut sich dieser Film Gags der anderen Art: hintersinnig-böse Sprüche im Pflegeheim, ein Baufahrzeug als Rolli-Cabrio – das ist endlich mal was Neues ohne erhobenen Zeigefinger. 

Das „Wo ist Fred?“-Drehbuch stammt von zwei US-amerikanischen Autoren und ließ sich auf den deutschen Handlungsort adaptieren. Benötigt die anscheinend ideenarme deutsche Filmwirtschaft wirklich den Import ausländischer – und im Herkunftsland unverkäuflicher – Filmdrehbücher?
Dem rauben abgegriffene Szenen wie die Zwillingsbruder-Doppelrolle und die amerikanisierte Geständnisszene dann der Herangehensweise leider alle Originalität. Mut zur doppelsinnigen Comedy bis zum Schluss hätte dem Streifen besser gestanden. Sonnyboy Til Schweiger ist nicht in Bestform: Fred überragt zwar eindeutig den Manta-Fahrer Bertie, nicht aber den bewegten Axel und schon gar nicht den Loser Nick Keller als Freund schuhloser Damen.

Geschrieben von Marlene Sülberg, Björn Buß

Kino: Sex- und Machtspielchen

Angelia Maccarones „Verfolgt“

Es handelt sich um eine Liebesgeschichte der skurrilen, aber nicht witzigen Art. Die beiden Protagonisten wären schon unter normalen Umständen ein komisches Paar. Elsa, Mitte 50, ist beruflich erfolgreich und lebt zusammen mit ihrem Mann in einem Hamburger Vorstadthäuschen.

Ihre Erscheinung weist deutliche Spuren des Alters auf. Jan, 16 Jahre alt, ist gerade auf Bewährung aus der Haft entlassen worden und mutterseelenallein. Mit seinen dunklen Locken und dem melancholischen Blick wäre er die optimale Besetzung für eine britische Indie-Hype-Band.
Aber Elsa ist Jans Bewährungshelferin. Jan ignoriert die für ihn in dieser Konstellation vorgesehenen Rolle. Statt ohnmächtig abzuwarten, ergreift er die Initiative und beginnt, Elsa zu beschatten. Immer unverholener bietet er ihr seine sexuelle Unterwerfung an. Elsa ist zunächst irritiert, lässt sich aber schließlich auf das Wagnis ein. Der Film schildert sehr sensibel, wie die beiden in einen sexuellen Kosmos gezogen werden, der unabhängig von ihren Lebenswelten zu existieren scheint. Hier kann Elsa sich von den institutionellen Fesseln der Bewährungshilfe befreien und ihren autoritären Impetus schlagend und befehlend zelebrieren. Auch Jan intensiviert die ihm in der Lebenswelt zugedachte Rolle als Objekt der staatlichen Hilfestellung, indem er sich gehorsam und geduldig unterwirft.
Diese gefühlvolle Inszenierung der Sehnsüchte von Jan und Elsa wird wiederholt mit brutalen Szenen aus dem wirklichen Leben kontrastiert. Jan treffen die üblichen Pubertätsprobleme doppelt hart: er lebt unverstanden in einer WG mit anderen jugendlichen Straftätern. Elsas Ehe kann man förmlich beim Zerbröseln zusehen. Langsam gerät alles außer Kontrolle. Das Ganze in Schwarzweiß und preisgekrönt (Goldener Leopard beim Cinéastes du Présent in Locarno 2006). Diese Liebesgeschichte, man ahnt es schon, kann einfach nicht gut ausgehen… .   

Geschrieben von Philip Rusche

Theater: Ein Weihnachtsballett

Tschaikowskys „Der Nussknacker“ erlebt Wiederaufnahme

Der Vorhang geht auf und man befindet sich im feierlich dekorierten Wohnzimmer der Familie Stahlbaum am Weihnachtsabend. So fühlt sich der Zuschauer in den ersten Momenten von „Der Nussknacker“ in der Inszenierung von Ralf Dörnen zur Musik von Peter Tschaikowsky und der Choreografie von Lew Iwanow. Mit Liebe zum Detail wurde die Bühne des Theater Vorpommerns zu einem Wohnsalon im Geschmack des 19. Jahrhunderts verwandelt, in dem die Familie Stahlbaum den Heiligen Abend feiert und auf die Ankunft von Onkel Drosselmeier wartet.

Endlich kommt Drosselmeier (Ion Beitia) und schenkt der Tochter des Hauses, Klara (Nao Omi), einen hölzernen Nussknacker. Nachdem das Fest vorbei ist, legt sich Klara schlafen und beginnt zu träumen. Ihr Körper wird immer kleiner bis sie mit ihren zum Leben erwachenden Puppen auf Augenhöhe ist. Der bewegungsgehemmte Nussknacker (ebenfalls Ion Beitia) verwandelt sich nach und nach in einen stolzen Prinzen und muss Klara sogleich vor dem bedrohlichen Mäusekönig retten. Doch hier erwacht Klara. In ihrer Erinnerung bleibt ihr herrliches Abenteuer bestehen.
Diese Inszenierung überzeugt vor allem ab dem zweiten Akt, als Klaras Traum beginnt und ihre Puppen langsam anfangen zu tanzen.  Anfangs noch steif und hölzern, werden sie immer lebendiger, fast schon menschlich. Jede Puppe darf Klara nun einen ganz charakteristischen Tanz zeigen. Einer Matrosenpuppe folgen spanische, arabische, russische und schließlich noch zwei Soldatenpuppen. Sie alle gewinnen das Publikum mit farbenfrohen, zu den Tänzen passenden Kostümen und tollen choreographischen Elementen für sich.
Leider werden alle Thementänze in gekürzter Fassung gezeigt. Abschließender Höhepunkt ist der Grand Pas de deux, ein wunderschöner Tanz von Klara und ihrem Nussknacker. Alle Hebefiguren und Drehungen – jede einzelne Bewegung – strahlen eine enorme Leichtigkeit aus und sind absolut stimmig zu Tschaikowskys Musik. Trotz einiger choreographischer Schwächen, die sich hauptsächlich in Synchronfehlern zwischen den  Darstellern und Unstimmigkeiten zur Musik zeigten, ist das Ballettstück „Der Nussknacker“ am Theater Vorpommern sehenswert. Dies ist neben der starken tänzerischen Leistung von Ion Beitia vor allem dem Orchester unter der musikalischen Leitung von Koji Kawamoto, dem Bühnenbild von Alexander Hermann und den Kostümen von Ralf Christmann zu verdanken.

Geschrieben von Wiebke Brüggemann

Offene Türen – AStA präsentierte seine Arbeit

Auch wenn die Türen zu dieser Jahreszeit besser fest geschlossen bleiben sollten, riss der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) am 6. November seine weit auf. Zwischen 10 und 17 Uhr hatten an diesem Freitag alle Interessierten die Möglichkeit, sich die Arbeit des Servicepoints in der Domstraße 12 anzusehen. Jeder Referent stellte auf einer Schautafel seine Arbeit vor – von der Erstsemesterbetreuung bis hin zur BAföG-Beratung.

Als besondere Leckerbissen wurden Führungen durch das mit 300 Jahren älteste Gebäude der Universität sowie eine Versteigerung von AStA-Referenten angeboten. Wer schon immer mal vom Ausschussvorsitzenden zum Brunch eingeladen oder vom Referenten für Studienfinanzierung tatkräftig beim Umzug unterstützt werden wollte, war an diesem Tag im AStA-Büro also ebenfalls genau richtig. Die Summe von immerhin 59 Euro wurde durch die Versteigerung eingenommen. Das Geld kommt der Kinderkrebsstation des Universitätsklinikums zugute. „Der höchste Betrag wurde für ein gemeinsames Abendessen mit der Erstsemesterreferentin geboten“, verrät Asta-Vorsitzender Alexander Gerberding. 14 Euro seien dafür zusammengekommen.

Doch nicht nur wegen des Geldes ist Gerberding mit der Aktion zufrieden. „Mit dem Tag der offenen Tür konnten wir auf unsere Arbeit aufmerksam machen.“ Auch wenn nicht allzu viele Studierende den Weg in die Domstraße gefunden haben, soll die Aktion wiederholt werden. „Die Resonanz war nicht überwältigend“, sagt der AStA-Vorsitzende, „doch mit besserer Werbung und einem längeren Vorlauf werden wir diese sicher steigern.“ Obwohl im AStA umstritten,  sei ein Tag der offenen Tür einmal im Jahr durchaus sinnvoll.
Vielleicht wird dann auch radio 98eins mit von der Partie sein, das sich ebenfalls in der Domstraße 12 befindet.  Aus technischen Gründen wurde die ursprünglich geplante musikalische Untermalung abgesagt.
Im nächsten Jahr könnte der Tag der offenen Tür dann den Namen „Tag des offenen Hauses“ tragen.

Geschrieben von Kai Doering