von Archiv | 18.12.2006
Wissenschaftstheorie, das Nachdenken über plausible und prüfbare Wege zur Erkenntnis, ist ein Exoten-Thema in der Lehre. Methoden und Probleme des wissenschaftlichen Arbeitens werden meistens noch in Grundkursen „durchgeprügelt“. Die Frage, ob das für Studienanfänger Sinn macht, bleibt unbeantwortet, angesichts der Möglichkeiten, sich an der Methodendiskussion im Rest des Studiums vorbeimogeln zu können.
Es kann jedoch passieren, dass einem die Last der unbewältigten Theorie-Lektionen bei ernst meinenden Prüfern zuletzt auf die Füße fällt. Gut, wenn es ab und zu doch noch Seminare gibt, in denen Wissenschaftstheorie eine Rolle spielt, besser noch, wenn ein Lehrbuch wie das vorliegende sie begleitet.
Der Autor, Professor für theoretische Philosophie, gibt einen Überblick zur wissenschaftlichen Problemdiskussion. Schwerpunkte sind die Theorien des 20. Jahrhunderts. Das Buch ist verständlich und unkompliziert geschrieben. Die Kapitel sind didaktisch aufbereitet. Übersichtlich gegliedert, nicht zu lang, aufbauend und wiederum in sich geschlossen. Schemata, Merksätze und Selbstüberprüfungsfragen kommen den Bedürfnissen des Lesers entgegen. Als Nachschlagewerk für methodisch gelungene Hausarbeiten eignet sich das Buch nicht. Man sollte es schon zur Hälfte lesen und mit anderen Lesern darüber diskutieren. Methodenkritik ist erlernbar; dieses Buch ist ein sehr guter Anfang.
Schurz, Gerhard: Einführung in die Wissenschaftstheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 270 Seiten. 24,90€
Geschrieben von Robert Tremmel
von Archiv | 18.12.2006
Spendenaktion für Kinder in armen Ländern
Susanne Kiefer, Leiterin der zuständigen Stelle in Greifswald beanwortete moritz Fragen ihrem Projekt.
Wie genau sieht die Aktion aus?
Kindern, die eventuell noch nie in ihrem Leben ein Geschenk bekommen haben, wollen wir diese Freude machen. Jeder, der möchte, kann einen oder mehrere Schuhkartons bunt bekleben und mit schönen, für Kinder geeigneten Dingen füllen. Allerdings gibt es Einschränkungen, da die Bestimmungen des Zolls sehr streng sind. So dürfen nur Vollmilchschokolade, Bonbons, Lutscher, Traubenzucker oder Pfefferminz an Naschereien eingepackt werden. Wir bitten nur neue Dinge zu verschenken und keine parfümhaltigen Artikel. Auf den Kartons sollte auch stehen, ob er für einen Jungen oder ein Mädchen gedacht ist und welches Alter durch den Inhalt angesprochen wird.
Wie wurden die Päckchen abgeben?
Bis Mitte November konnten die Geschenke, möglichst mit sechs Euro pro Stück für den Transport, in der Loefflerstraße 67 abgegeben werden. Über Berlin gelangen die Päckchen in acht osteuropäische Länder.Geschenke aus anderen deutschen Städten gehen auch nach Israel, in das palästinensische Gebiet, Afghanistan und den Irak.
Wer hat diese Initiative ins Leben gerufen?
1990 hatte in England ein Geschäftsmann die Idee und übergab diese 1993 an die christliche US-amerikanische Organisation „Samaritan`s Purse International“. Drei Jahre später führte die Chefredakteurin der christlichen Zeitschrift „Entscheidung“, Irmhild Bärend, das Projekt in Deutschland ein. Mittlerweile übernahm das christliche Missions- und Hilfswerk „Geschenke der Hoffnung e.V.“ die Trägerschaft.
Wie finanziert sich die Aktion?
Viele ehrenamtliche Helfer unterstützen uns. Für die bezahlten Mitarbeiter und den Transport der Päckchen rufen wir immer wieder zu Spenden auf.
Wie groß ist die Beteiligung in Greifswald?
Seit dem Beginn des Projekts vor vier Jahren freuen wir uns über die wachsende Beteiligung. In diesem Jahr wurden insgesamt 565 Kartons abgegeben. Allein eine Familie mit fünf Kindern hat 28 Päckchen gebracht.
Waren Sie persönlich schon einmal bei der Übergabe der Pakete dabei?
Nein, obwohl jeder mitfahren kann, der Interesse daran hat. Bei den Feiern wird meist ein Krippenspiel aufgeführt und danach ist Bescherung. Ein kleines Kuscheltier ist für die Kinder schon ein wahrer Schatz, Schulhefte und Stifte sind purer Luxus. Dementsprechend groß sind Freude und Aufregung, wenn die bunten Pakete verteilt und geöffnet werden.
Geschrieben von Uta-Caecilia Nabert
von Archiv | 18.12.2006
Vor der Kulisse des elften Septembers entspinnt sich ein Plot um die Hauptfiguren Isabelle und Jakob. Beide kennen sich schon aus dem Studium in Freiburg, treffen sich nach zehn Jahren wieder und verlieben sich ineinander. Ihretwegen kam Jakob früher aus New York zurück und entging so dem Terroranschlag. Und weil alles so passend scheint, heiraten die beiden, ziehen nach London, nur um dort angekommen mit ansehen zu müssen, wie ihr Leben aus den Fugen gerät. Isabelle verliebt sich in den Drogendealer Jim und Jakob sich in seinen schwulen Chef. Obwohl sie alles haben sind sie doch leer. Eine Sehnsucht nach Liebe und Gewalt entsteht und Sara, das kleine Nachbarskind, fällt ihr zum Opfer.
Katharina Hacker baut in ihren prämierten Roman „Die Habenichtse“, der eigentlich von der Entfremdung zweier Liebenden handelt, sehr viele Handlungsebenen und Blickwinkel ein: den elften September, den daraus resultierenden Irak-Krieg, Drogen, Kindesmissbrauch bis hin zu Antisemitismus und Homosexualität. Es entstehen somit viele Handlungsstränge, die anfangs nicht leicht zu identifizieren und auseinander zu halten sind.
Die Sprache des Romans des Jahres 2006 ist zudem keine leichte Kost. Schachtelsätze, keine kenntlich gemachte wörtliche Rede und nachdenklich stimmende Vergleiche („Besitz ist ein Posten des Verlustes“). Auch der Leser fühlt sich zuweilen wie ein Habenichts. Man kann sich weder mit den Protagonisten identifizieren noch ehrliches Mitleid für sie aufbringen. Außer für Sara. Anstatt mitzureißen wirkt das Geschehen wie ein Rundgang im Zoo.
Das Buch liest sich insgesamt nicht leicht, stellenweise sogar zäh, und wirkt gelegentlich verstörend und abstoßend. Allerdings schafft es „Die Habenichtse“, dass sich der Leser genauso fühlt, wie es wahrscheinlich Isabelle und Jakob tun. Er fühlt die Leere, die emotionale Armut, das mangelnde Mitleid von beiden und muss tatenlos mit ansehen, wie sich die Freunde der beiden weiterentwickeln, während sie im Leerlauf verharren. Wer also Freude an gekonntem Erzählstil hat und nicht zu zart besaitet ist, sollte es lesen.
Katharina Hacker: Die Habenichtse. Suhrkamp. 308 Seiten. 17,80€
Geschrieben von Antonia-Madeleine Garitz
von Archiv | 18.12.2006
Das Pommersche Landesmuseum lädt zum Weihnachtsmarkt
Den Advent etwas besinnlicher angehen? Den lauten Weihnachtsschlagern des altbekannten Weihnachtsmarktes vor dem Rathaus entkommen? Seit nunmehr vier Jahren findet sich dazu am ersten Adventswochenende im Pommerschen Landesmuseum die Gelegenheit. Zu diesem Anlass lädt das Museum Kunsthandwerker der Region ein, sich mit ihren Schätzen dort einzufinden und sie in einer ruhigen, harmonischen Atmosphäre anzubieten.
Trotz der drei Euro Eintritt stößt der Markt auf eine große Resonanz. Alt und jung schätzen den Weihnachtsmarkt. Geruhsam schlendert man an den Ständen vorbei, kommt mit den Künstlern ins Gespräch und nachdem man das eine oder andere besondere Geschenk gefunden hat, genießt man leckeren Kuchen bei Kaffee oder Kakao und Kerzenschein.
Besuchern des Marktes steht auch der Gang in das Museum in der Rakower Straße offen: Der Ausstellungsbesuch ist im Eintrittspreis enthalten. Wer den akustischen Genuss vorzieht, findet sich zu den Konzerten ein, die am ganzen Wochenende angeboten werden. Kleine Besucher können neben den ihnen gebotenen Theaterstücken und Märchenlesungen selbst aktiv werden. Ob Backen oder Gestecke zaubern, das Mitmachangebot bietet eine Menge.
Aber nicht nur bei den Besuchern ist der Markt begehrt, auch die Künstler kommen sehr gerne hierher. Aus Platzgründen kann letztendlich weniger Künstlern eine Fläche für ihren Stand zugesagt werden als gerne kommen würden, weiß Brit Bellmann, Kulturreferentin für Pommern, zu berichten. „Das Museum hat auf diese Weise die Möglichkeit, auszuwählen und ein sehr gutes Angebot an Handwerk zu bieten“, sagt Bellmann nicht ohne Stolz. Denn wichtig ist, dass Kunst und Geschichte der Region vermittelt werden.
Dem stimmt Günter Schultz zu. Der rüstige Pensionär nutzt seinen Ruhestand dazu, die traditionellen Muster der pommerschen Webkunst in Schnitzereien zu transformieren. Das Ergebnis sind Ornamente, dessen Formen beispielsweise auf Szenen der Fischerei basieren. Seiner Meinung nach gibt es viel zu wenige, die ein Kunsthandwerk beherrschen, das echt pommerisch ist. Auf diesem Markt hat man allerdings nicht den Eindruck. Er ist eine gelungene Symbiose von regionaler Kunst und Kultur sowie Vorweihnachtszeit in ihrer schönsten Form.
Geschrieben von Uta-Caecilia Nabert
von Archiv | 18.12.2006
Audreys „Visible Forms“
(Sinnbus)
Ein gutes Album im Winter zu finden, ist fast so schwierig wie Ende November ein Schaufenster ohne Weihnachtsbeleuchtung. Zu Weihnachten setzen die meisten Musiker auf Altbewährtes, komische Neuauflagen von Weihnachtsliedern und natürlich auf langweilige aber praktische Weihnachtssampler.
Eine schöne und zugleich mutige Abwechslung in diesem Weihnachts-einerlei bietet die Band Audrey mit ihrem ersten Album „Visible Forms“. Mutig, weil es nicht leicht ist, das Album zu begreifen. Denn erst Lage um Lage, Tonspur um Tonspur, enthüllt sich die Schönheit dieser Band, wie beim Ausziehen, wenn man aus der Kälte des Winters in ein warmes Zimmer kommt. Und schön, weil einem ein besonderer Hauch Filigranität, Weite, Nachdenklichkeit und ein wenig Weiblichkeit entgegen strömt, wenn Audrey’s „Visible Forms“ aus den Boxen des CD-Spielers tritt. Die neun Lieder des Debüts sind düsterer Pop in Reinform. Pop, der schwermütig auf der Seele, aber leicht auf dem Herzen liegt. Die vier Schwedinnen Rebecka Kristiansson, Victoria Skolund, Emilie Molin und Anna Tomlin von Audrey verstehen was von Musik; besondere Hörmomente erzeugen die Künstlerinnen. Vor diesem Album gab es schon eine sehr schöne, selbstbetitelte EP. Das Album klingt allerdings schon ein wenig reifer und runder. Rundum: eine wunderschöne CD mit wunderbarer Musik, die die schönen Seiten des Winters aufzeigt und einem die kalte Jahreszeit verlängern lassen will, nur um sich noch ein bisschen länger mit der Wärme der Lieder umhüllen zu lassen.
Geschrieben von Esther Müller-Reichenwallner (radio 98eins)