von Archiv | 15.11.2006
Martin Scorseses „Departed – Unter Feinden“
Ein Katz-und-Maus-Spiel. Massachusetts State Police gegen die Irische Mafia in Boston. Beide Institutionen schleusen verdeckt einen Mann aus ihren Reihen in die der Gegenseite ein. Wissensvorsprung ist das Ziel. Polizist Billy Cosgan und Mafiosi Colin Sullivan sind die Diener.
Die Geschichte ist nicht neu. Schon Andrew Lau und Alan Mak erzählten in „Infernal Affairs“ die Geschichte einer wechselseitigen Infiltration. Regisseur Martin Scorcese betont, keine Remake gemacht, sondern den Stoff neu interpretiert zu haben. Verwestlicht trifft es eher. Beide Seiten bemerken die undichte Stelle in ihren Reihen. Die Flüsterer werden deshalb aufeinander angesetzt. Je näher sie ihrem Feind kommen, desto größer ist der innere Druck, der durch das gefährliche Doppelleben entsteht. Die Frage der eigenen Identität und einem unabhängigen Leben beschäftigt beide Infiltranten.
Der Kinofilm verzichtet bis auf den abschließenden Kampf auf imposante Gewaltszenen. Scorcese treibt die Handlung und somit das psychologische Spiel beider Parteien voran. Dies erfordert ein aufmerksames Publikum. Auch darf sich der Thriller an einem schauspielerischen All-Star-Ensemble erfreuen. Authentisch füllen DiCaprio, Damon, Nicholson, Wahlberg, Sheen und Baldwin ihre Rollen aus. Die Verbrecher sind halt brutal, deren Jäger treten glücklicherweise ohne das übliche Heldengebahren auf.
Scorceses deutscher Stammkameramann Michael Ballhaus gelingt eine visuelle Umsetzung, die dem Original in nichts nachsteht. Für einen US-amerikanischen Unterhaltungsfilm ist das Ende ungewöhnlich. Doch stammt diese Idee aus dem fernen Osten und wurde in zwei weiteren Filmen aufgegriffen. Dreht Scorcese wohl möglich bald seine erste Fortsetzung?
Geschrieben von Verena Lilge
von Archiv | 15.11.2006
Was war das für ein Glanz in der Hütte! Es kommt wahrlich nicht häufig vor, dass sich gleich zwei Staatsoberhäupter in die Greifswalder Provinz verirren und so war der Besuch von Königin Silvia von Schweden und Bundespräsident Horst Köhler schon in dieser Hinsicht ein echtes Highlight.
Schön, dass es sich viele Greifswalder auch nicht nehmen ließen, die beiden hohen Gäste persönlich zu begrüßen. Noch schöner, dass sich Königin und Bundespräsident volksnah gaben und sogar die eine oder andere Hand schüttelten. Und selbst die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite und blitzte aus allen Knopflöchern. Glänzend eben!
Kein Wunder, dass bei all dieser Herrlichkeit manch einen die Nervosität überkam. Dieser war es wohl geschuldet, dass Rektor Rainer Westermann in seiner Rede im Dom vergaß, der Jubiläumskommission für ihre Arbeit zu danken und deren Vorsitzender Karl-Heinz Spieß seine Begrüßung schlicht mit „Hochansehnliche Festversammlung“ begann. Kürzer als eigentlich beabsichtigt. Horst Köhler hat schon Recht, wenn er von einer kleinen Hochschule mit viel Potenzial und hoher Attraktivität spricht. Das bringt auch mit sich, dass man hier etwas provinzieller lebt. Das dachte er sich wohl auch, als er bei der Sektverteilung im Dom nicht als erstes oder zweites bedacht wurde, sondern sein Glas erst viel später erhielt. Ein kleiner Fauxpas.
Doch der glanzvolle Tag konnte ebenso wenig getrübt werden, wie der mürrische Gesichtsausdruck von Ministerpräsident Harald Ringstorff, der im Smalltalk nach der Aulaeröffnung von nahezu jedem ignoriert wurde. Glücklicherweise fand auch er sein Lächeln beim folgenden Festmahl wieder.
Selbst das Problem der Überbelegung der Sitzplätze im Dom, das durch eine Planungsspanne entstanden war, verschwand kurz vor Einzug der Ehrengäste wie von Geisterhand. Glänzende Arbeit! Kein Wunder, dass das wohlwollende Rauschen im deutschen Blätterwald am Tag danach laut ausfiel. Ob nun FAZ, Süddeutsche oder Ostseezeitung – jeder hatte nur Gutes zu berichten über eine kleine Uni an der Ostsee, die als Leuchtturm in der Provinz strahlt. Sympathisch hanseatisch eben.
Geschrieben von Kai Döring, Katarina Sass
von Archiv | 15.11.2006
Das Theater Vorpommern zeigt Puccinis “Tosca”
Wenn Zwei sich streiten, dann freut sich bekanntlich der Dritte. In der italienischen Oper wird niemand glücklich und es endet alles in einem Blutbad.
Im Stück geht es um die Rivalität zwischen Cavaradossi (Michael Renier) und Scarpia (Anatolij Orel). Beide kämpfen um Tosca (Dagmar Žaludková), die gleichzeitig der Oper ihren Namen gibt.
Spielort ist das umkämpfte Rom, Anfang des 19. Jahrhunderts, zur Zeit Napoleons. Dieser Zeit sind daher auch Kleidung und Frisur glaubhaft angepasst. Einerseits ist es schwierig, der Handlung zu folgen ohne die Vorgeschichte zu kennen. Zudem ist die Übersetzung nicht synchron mit dem italienisch gesungenen Text, was das Verständnis noch schwieriger macht.
Tosca und Cavaradossi sind ein Liebespaar und können dank Mimik und Gestik ihre Leidenschaft sehr überzeugend darstellen. Jedoch wird ihr Glück durch den machtbesessenen Scarpia getrübt. Im Stück foltert er Cavaradossi physisch und damit Tosca psychisch. Jedoch wirkt der Darsteller Scarpias zu steif in der Rolle des Sadisten. Tosca muss das unmoralische Angebot Scarpias annehmen, um ihren Geliebten zu retten. Sie kann Scarpia aber während des nicht ganz vollzogenen Aktes töten, das Blut an ihren Kleidungsstücken und Händen ist deutlich erkennbar. Zunächst scheint es auch, dass Tosca Cavarandossi retten kann. Doch obwohl sie Scarpias Betrug erkennt, wird Cavaradossi erschossen. Kurz darauf entdeckt man Scarpias Leiche und Tosca wird sofort als Mörderin beschuldigt. Sie sieht keine andere Möglichkeit, als Selbstmord zu begehen. Trotz dieser Todsünde wirkt der Suizid wenig spektakulär und zu unbeholfen.
Die Uraufführung von Giacomo Puccinis fünfter Oper hat in Rom vor über 100 Jahren stattgefunden.
Das Publikum war sowohl damals in Rom als auch heute im Theater Vorpommern begeistert. Jedoch trieb es den Beifall hier auf die Spitze. Jeder Akt wurde beendet wie ein Höhepunkt und auch Arien wurden mittendrin bejubelt. Die Atmosphäre im Theater Vorpommern kann man nicht mit der Berliner Staatsoper vergleichen. Unabhängig vom Ort ist doch Aussage der Oper klar und deutlich. Man muss für die Liebe kämpfen, notfalls auch dafür sterben. Aber auch andere Themen werden angesprochen, wie die Verfolgung politisch anders Denkender. Die begleitende Musik, dirigiert von Prof. Mathias Husmann, sowie die Bühnengestaltung unterstreichen das Gesamtkonzept.
Die Oper ist für Romantiker mit einem Hang zur Tragik besonders zu empfehlen. Aber auch Freunde der Oper werden auf ihre Kosten kommen. Wer sich ein eigenes Bild davon machen möchte, kann am 17. November im Großen Saal des Theater Vorpommern vorbeischauen.
Geschrieben von Anne Regling
von Archiv | 15.11.2006
Kekse, Kakao und viele Kissen zum Einkuscheln: dies ist nicht eben die übliche Ausstaffierung einer Buchlesung. Diese Veranstaltung ist aber besonderer Art und nicht – jedenfalls nicht vornehmlich – für erwachsene Literaturfans, sondern für Kinder gedacht.
Die Rede ist von der Reihe “Hörmalzu”, die am 22. Oktober im Theater auf der Probebühne begann. Bis März des nächsten Jahres wird einmal im Monat immer sonntags ein Mitarbeiter des Theater Vorpommens Kindergeschichten vortragen. Die Idee dazu hatte die Theaterpädagogin Petra Weimann. “Wir wollen einfach auch Familien mit jüngeren und jüngsten Kindern ein Angebot machen”, sagt Weimann. Besonders jetzt, in der dunklen Jahreszeit, wenn das Wetter kaum noch zu Aktivitäten draußen einlädt, hoffe man, Eltern und ihrem Nachwuchs eine Alternative zu bieten. Zum Auftakt der Reihe war die Resonanz allerdings noch gering, wofür laut Weimann die nicht optimal angelaufene Werbung verantwortlich ist. Dennoch: zehn kleine Hörer fanden sich mit ihren Eltern im TaP ein, um in gemütlicher Atmosphäre gespannt Julia Lammertz, Pressesprecherin am Theater Greifswald, zu lauschen. Noch einmal ein Kind sein können… .
Geschrieben von Robert Heinze
von Archiv | 15.11.2006
Ein Bericht über den Festakt zum Unijubiläum am 17. Oktober
Sie kamen spät, doch dafür gemeinsam. Um kurz nach zehn bogen am 17. Oktober die schwarzen Limousinen von Königin Silvia von Schweden, Bundespräsident Horst Köhler und Ministerpräsident Harald Ringstorff in die Domstraße ein – zwanzig Minuten später als eigentlich vom Protokoll vorgesehen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll Köhler, dessen Helikopter am Universitätsklinikum landete, länger gebraucht haben als geplant und auch der Tross aus Polizei und Personenschützern hat wohl nicht den direkten Weg zum Hauptgebäude genommen.
Erwartet wurden die hohen Gäste dort von Rektor Rainer Westermann sowie Oberbürgermeister Arthur König, die nach einer herzlichen Begrüßung gemeinsam mit ihren Gästen kurz im Hauptgebäude verschwanden, von wo sich um 10.15 Uhr der Festzug, angeführt von Zeremonienmeisterin Stefanie Hennig, zum Dom in Bewegung setzte. Königin Silvia schien hier ein Heimspiel zu haben, waren doch viele blau-gelbe Fahnen am Straßenrand zu sehen. Die Verbindung zum skandinavischen Nachbarn ist eben eng.
Kurz vor halb elf betraten die Königin, der Bundespräsident und seine Frau, gefolgt von Harald Ringstorff, Rektor Rainer Westermann, den Dekanen und weiteren Ehrengästen den Dom und schritten den Mittelgang entlang in Richtung Hochaltar. Gegen 10.30 Uhr begrüßte der Rektor die Gäste und dankte in seiner Rede allen, die die Feierlichkeiten zum Jubiläum möglich gemacht hatten.
Der Rektor bestärkte in seiner Rede den hochschulpolitischen Kurs in Richtung einer Fächerkonzentration und sprach sich gegen den Rückzug des Bundes aus der Mitverantwortung für die Hochschulen aus.
Begeisterter Bundespräsident
In der anschließenden Ansprache Horst Köhlers ging es nicht nur um die Bedeutung einer so traditionsreichen Universität wie der Greifswalder Alma Mater, sondern auch um das besondere Flair Greifswalds mit seinen Studenten, das diese Stadt erst lebenswert mache.
Der Bundespräsident zeigte sich begeistert über die hervorragenden Studienbedingungen und die praxisnahe Ausbildung. „Ich weiß um die schwierige Kassenlage der Länder“, so der Bundespräsident. Umso mehr befürworte er die „Bündelung der Ressourcen“ und die Profilbildung, wie sie in Greifswald geschehe.
Gegen 10.45 Uhr stimmte das Universitäts-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Harald Braun „Gloria“ aus Mozarts Krönungsmesse an.
Eine besondere Würdigung erhielt im Anschluss Prof. Dr. Dr. h.c. Bertold Beitz von der Medizinischen Fakultät. Anlässlich seiner herausragenden Verdienste um die Universität Greifswald wurde sein Ehrendoktorgrad von 1983 erneuert. Sein beachtenswerter Lebenslauf umfasst unter anderem das Engagement für Juden während des Zweiten Weltkrieges, den Aufstieg im Krupp-Konzern, die enge Zusammenarbeit mit Willy Brandt und auf regionaler Ebene die Errichtung des Alfried-Krupp Wissenschaftskollegs in Greifswald, die Einweihung der Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie und weitere Projekte. Um ihren Mäzen gebührend zu ehren, ließ die Universität eine Jubiläumsmedaille aus Gold anfertigen, die ihm im Rahmen des Festakts überreicht wurde.
Einen geschichtsträchtigen Blick in die vergangenen Festakte warf der Jubiläumsbeauftragte Professor Spieß in seiner anschließenden Rede. Dabei ging er bis zum Alten Testament zurück, wo die Wurzeln der Gedenktagsfeiern liegen.
Unterhaltsam schilderte Spieß die Höhen und Tiefen, die die Universität Greifswald in 550 Jahren durchlaufen hatte, und erläuterte die Entwicklung der Hochschule von der ersten Stunde an bis zu ihrem heutigen Dasein. Resümierend endete er mit dem Satz: „Von den Wogen der Zeit geschüttelt, wird die Universität Greifswald doch nicht untergehen“.
Gott war dabei
Gegen 11.25 Uhr begann der ökumenische Gottesdienst, der von Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky eröffnet und gemeinsam mit Bischof Hans-Jürgen Abromeit abgehalten wurde. Kirchenmusikdirektor Professor Jochen A. Modeß begleitete den Gottesdienst musikalisch. Universitätsprediger Michael Herbst las aus dem Lukas-Evangelium, Vaterunser und Segen beendeten den Gottesdienst um zehn nach zwölf. Die Anwesenden erhoben sich, und die Ehrengäste schritten den Mittelgang entlang aus dem Dom in Richtung Aula.
Ein weiterer Höhepunkt
Dort ging es festlich weiter, war die Wiedereröffnung der barocken Aula im frisch renovierten Haupt-gebäude doch einer der Höhepunkte des diesjährigen Jubiläums. Erstmals wurde sie an diesem Tag der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zur feierlichen Übergabe sprach Rektor Rainer Westermann über den skandinavischen Schwerpunkt der Uni und die Verbundenheit mit Schweden. Leider übernahm Königin Silvia nicht wie geplant das Wort, und so stieß der Rektor mit der Königin, dem Bundespräsidenten und dem Ministerpräsidenten auf die neu eröffnete Aula an. Anschließend fanden in lockerer Runde Gespräche statt.
Viel Zeit blieb jedoch nicht, stand doch als nächstes das Festessen im „Le Croy“ auf dem Programm. 100 geladenen Ehrengäste, unter ihnen die Rektoren verschiedener Partneruniversitäten, die Ehrendektoren der Greifswalder Hochschule Michael Otto und Berthold Beitz, die Botschafter Schwedens und Lettlands sowie Erbprinz Rudolph von Croy hatten sich im Lichthof des Pommerschen Landesmuseums eingefunden, um sich von Sternekoch Stefan Frank verwöhnen zu lassen. Dieser hatte in die regionale Küche geschaut und so wurden Boddenzander mit Flusskrebsen auf geschmortem Fenchel und Krustentierjus und Pommerscher Rehrücken auf Petersilienwurzel serviert. Zum Nachtisch gab es Tarte und Sorbet von der Gartenzwetschge auf Mandel Vanillesauce. Um den Hungrigen das Warten nicht allzu lang zu machen, schränkte sich Ministerpräsident Harald Ringstorff in seiner Tischrede ein und stieß auf das Wohl der Universität sowohl auf schwedisch als auch auf deutsch an: „Skål und zum Wohl!“
Nach dem Essen stand um 15 Uhr der letzte Punkt auf dem offiziellen Programm. Königin und Bundespräsident trugen sich nacheinander ins Goldene Buch der Stadt Greifswald ein. Dieses wurde aufgund der hohen Gäste extra ins Museum in der Rakower Straße gebracht. „Silvia“ stand da bescheiden-schüchtern auf der großen weißen Seite und auch Horst Köhler hinterließ nicht mehr als seine Signatur. Noch ein kurzes Händeschütteln mit Bürgermeister und Rektor und schon befanden sich die beiden Staatoberhäupter auf dem Weg zu ihren Limousinen. Draußen wartete die Menge, doch so schnell wie sie gekommen waren, verschwanden Silvia und Köhler auch wieder. Fast so, als wären sie niemals da gewesen. Hat sie jemand in Greifswald gesehen?
Geschrieben von Katarina Sass, Kai Doering