Sendung Dez ’05
Themen:
– Polenmarkt
– Tafel Greifswald
– Rektoratsbesetzung
– ClubsUNight
– Blutspenden
Im Studio:
Jan Holten & Jacob Weinert vom StudentenTheater
Themen:
– Polenmarkt
– Tafel Greifswald
– Rektoratsbesetzung
– ClubsUNight
– Blutspenden
Im Studio:
Jan Holten & Jacob Weinert vom StudentenTheater
Neue Heimat Greifswald
Auf der Suche nach Asyl
Ein Dokumentafilm von Mathias Stamm
Und wieder verlassen Mitglieder unseres Teams Greifswald und somit natürlich auch MoritzTV. Liebe Menschen die im Laufe der Zeit zu guten Freunden geworden sind…
Jenny Haack und Karmit Burian bei den Workshops
Donnerstag, 26.10.: Im Ballettsaal des Theaters Vorpommern findet ein Workshop zum modernen Tanz statt. Geleitet wird er von Jenny Haack, Tänzerin, Choreografin, Videokünstlerin aus Deutschland.
Donnerstag, 26.10.: Im Ballettsaal des Theaters Vorpommern findet ein Workshop zum modernen Tanz statt. Geleitet wird er von Jenny Haack, Tänzerin, Choreografin, Videokünstlerin aus Deutschland.
In dem großen verspiegelten Raum finden sich Studentinnen, drei Tänzerinnen des Ballettes Mecklenburg-Vorpommern und manche ehemalige Studierende ein, insgesamt 13 Teilnehmer.
Jenny ist klein und zierlich, sie macht einen sehr freundlichen Eindruck.
Zunächst heißt es nicht viel tun, nur fühlen: die Sitzposition, die Atmosphäre, sich bewusst werden, wo man sich befindet. Draußen wird es langsam dunkel, während das, was spirituell anmutend losgeht, schneller und sportlicher wird. Die Teilnehmer spielen mit Rhythmen, Bewegungen, rennen, laufen, gehen. Am Anfang sind die Aufgaben klar und eingegrenzt, später darf improvisiert werden. Unter anderem wird zu zweit tänzerisch kommuniziert.
Mit Musik arbeitet Jenny gar nicht, in einer Übung sollen die Teilnehmer jedoch selbst Laute erzeugen, nach denen sie ihre Bewegungen ausrichten. Die Gruppe hat Spaß, die Atmosphäre ist gut. Profis arbeiten mit Laien, die Teams bilden sich spontan und immer wieder neu. Zwei Stunden sind im Flug vorbei.
Der Freitags-Workshop ist etwas anspruchsvoller. Karmit ist Tänzerin aus Israel, die Verständigung findet auf Englisch statt. Sie ist unglaublich lebhaft. Wo hat sie bloß all ihre Energie her? Ihr Programm erinnert an den Sportunterricht, den man aus der Schule kennt. Am Anfang heißt es rennen, bloß nicht stehen bleiben. Dann gymnastische Übungen, die nicht allen leicht fallen. Bewegung durch den Saal ist angesagt. Mal sollen sich die Teilnehmer gegenseitig beim Fallen auffangen, mal gegenseitig auf den Boden ziehen. Mal sollen sie sich auf allen Vieren, mal sitzend fortbewegen, egal, Hauptsache spontan. Heute wird auch mit Musik gearbeitet. Karmit hetzt die Teilnehmer zwei Stunden durch die Halle, doch die Belohnung lässt nicht lange auf sich warten: der knackige Tänzer in der Saalecke, der mindestens eine Stunde lang beim Aufwärmen zu beobachten ist? Ja, nein, auch. Zum Runterkommen am Ende heißt es gegenseitige Massage. Dann ist Schluss, denn die Profis kommen und brauchen den Platz zum Trainieren.
Alles in allem sind die Workshops bei den Besuchern gut angekommen. So etwas miterlebt zu haben, bedeutet, die Leistungen von Tänzern on stage besser einschätzen zu können.
Geschrieben von Uta-Cäcilia Nabert
Tanztendenzen gehen neue Wege
Die 14. Tanztendenzen fanden Ende Oktober in Greifswald statt. In insgesamt zehn Stücken und zwei Workshops wurden fünf Abende mit künstlerischer Klangbewegung angereichert. Im Dialog mit Raum, Klang und Musik suchten die Künstler aus Israel, Kanada, Frankreich und Österreich ihre Identität, wechselten zwischen Anpassung und Individualität.
Einmalig
Begeisterung lösten die beiden Deutschlandpremieren „Us-Band“ und „404“ aus. Vor allem bei „Us-Bands“, das auf den Film „Husbands“ („Ehemänner“) von 1971 basiert, übertrug sich die energiegeladene Stimmung unmittelbar auf das Publikum. Immer wieder gab es lautstarke Zwischenrufe und zustimmendes Klatschen. Mit anstachelnden Pfiffen reagierten die Zuschauer bei besonders gelungenen Einlagen. In Samuel Mathieus „Us-Band“ thematisieren vier Männer in ihre Freundschaft; testen aus, wer wen dominiert. Das gelingt ihnen, denn das tänzerisch ausdrucksstarke Stück findet mit seinen teilweise humorvollen Einschüben großen Anklang beim Publikum. Es geht um die Überwältigung des anderen, Abhängigkeit, Gruppenbildung – protziges Gebaren bis zur totalen Erschöpfung. Im spielerischen Zweikampf wird die Freude an körperlicher Auseinandersetzung deutlich. Gegenseitiges Kennenlernen, Beschnuppern, Kräftemessen, Grenzen ausloten, Überwinden, Kampf und Kraft: das mitreißende Theaterstück führt die Tänzer an ihre körperlichen Grenzen. Gleichartig sind sie gekleidet: weiße Shirts, dunkle Hosen. Hemd, Muskelshirt, Kurz- und Langarmshirt deuten auf Individualität. Claude Bardouil, Jerôme Brabant, Christophe Le Goff und Choreograph Samuel Mathieu persönlich überraschen die Zuschauer immer wieder neu. Der Flirt mit dem Publikum bringt scheinbar endlosen Applaus.
Willi Dorners folgendes Gegenstück „404“ beginnt mit bedrohlicher Gitarrenmusik. 404 ist im Internet die häufigste Fehlermeldung und bedeutet, dass eine gewünschte Webseite nicht aufrufbar ist. Der Choreograph beschreibt sein Stück als leeren Raum, der von den Tänzern zum Schauplatz gemacht wird: „Der Popsoundtrack lässt uns die Fiktion des Tanzes als Teil jenes emotionalen Raums wahrnehmen, den wir subjektiv als lebensweltlich relevant nachempfinden können.“
Szenerien voller Aggression, Gewalt, Hilflosigkeit, münden in ekstatische Sequenzen, begleitet von anscheinend endloser Musik. Streit, Konflikt, lauernde Stellung, Hin und Her untereinander münden in einen Kampf mit sich selbst. Es gibt kein „Happy End“. Die sieben Tänzer werden von einem Gitarristen auf der Bühne musikalisch begleitet. Sie betreten die Bühne durch den Zuschauerraum und verlassen sie nach und nach, erschöpft und verschwitzt. Nichts und niemand bleibt zurück, als auch der Musiker geht. Seine warmen Klänge verhallen im Publikum. Ohne Frage bildeten beide Stücke das Highlight der Tanztendenzen. Begleitet wurden sie durch eine ganze Reihe weiterer Aufführungen.
Verunsichertes Publikum
Das aus unterschiedlichen Sequenzen bestehende „Imprint“ überzeugte durch kraftvolle, harmonische Musik, immer wieder rhythmisch – die sieben Performance-Künstler zeigen auf der Bühne Abwechslungsreiches. Mit tänzerischem Können bewegt sich eine Darstellerin erstaunlich gewandt und leichtfüßig zu den abgewandelten Klängen von Kraftwerks „Model“. Ein Lichtarbeiter verfolgt sie mit dem Scheinwerfer, bewegt sich ihr angepasst, während sie im Scheinwerferlicht aufzublühen scheint. Die anscheinend klare Rollenverteilung kippt kaum merkbar, schließlich verfolgt die nach Applaus heischende Tänzerin den Scheinwerfer, läuft ihm nach, ringt um Aufmerksamkeit, will sie um keinen Preis mehr verlieren.
Den Besuchern des Premierestückes „Les Chemins de Traverse IV“ bot sich am Donnerstag ein besonderes Bild: in rot-gelbes Licht getaucht wird die wieder eröffnete barocke Aula zur Bühne für Modernes aus Kanada. Drei junge Tänzerinnen bewegen sich mal wild, dann wieder zurückhaltend zu asiatischen, an den Nerven zerrenden Klängen. Sonst übliche Distanzen zwischen Publikum und Künstlern werden aufgehoben, auch die Musiker sind direkt ins Geschehen eingebunden – sie „umspielen“ die Tänzerinnen, die Tänzerinnen umkreisen die Musiker. Nach gespendetem Beifall – der körperlichen und musikalischen Leistung gebührt Respekt – liegt noch Ratlosigkeit in der Luft. Nach dem Abgang der Künstler verlässt niemand den Saal in der Annahme, es würde noch mehr zu sehen geben. Erst der Hinweis „Meine Damen und Herren, das war die Performance, das Stück ist vorbei“ bringt Bewegung in die Reihen, man rüstet sich für den Heimweg. Vereinzelt klingt verlegenes Lachen durchs Haus.
Unverständlich, aber faszinierend
„Neu war in diesem Jahr, dass Stücke von Live-Musik begleitet wurden“, sagt Sabrina Sadowska. Die Ballettmeisterin und stellvertretende Ballettdirektorin des Theaters Vorpommern ist zusätzlich für die Organisationsleitung der Tanztendenzen verantwortlich. Auch gab es mehr Gruppenstücke als Einzeldarbietungen und die Qualität habe sich deutlich gesteigert, berichtet Sadowska. „Es ist schön, wenn die Stücke etwas bewirken, man kann sie nicht immer verstehen, ist aber oft fasziniert und sie hinterlassen einen bleibenden Eindruck“, betont sie.
Fünf Tage Tanz, Workshops und Videoprojekte zeigten die Bandbreite des zeitgenössischen und experimentellen Tanzes an unterschiedlichen Spielstätten wie der Universitätsaula, dem Theater auf der Probebühne (TaP), dem St. Spiritus und im großen Theatersaal – und hinterließen ein begeistertes Publikum.
Geschrieben von Ulrike Ide, Judith Küther