von Archiv | 20.10.2006
„Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in diese Staaten hinein, und darum will ich nicht, daß sie auf eine ungebührliche Weise in Deutschland vermehrt werden. Ich will es aber auch deswegen nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche.“
[zitiert nach: „Weltgeschichte im Aufriß“, Bd. 2, Verlag Diesterweg, Frankfurt/Main 1978, Seite 191]
Geschrieben von Ernst Moritz Arndt
von Archiv | 20.10.2006
Die Sanierung stand vor der Tür, der Umzug war schon seit längeren anvisiert. Im August verließ der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) sein altes Domizil in der Rubenowstr. 1 und zog in die Domstr.12 um.
„Wir haben jetzt eine größere Fläche zur Verfügung“, so AStA-Vorsitzender Alexander Gerberding. „Es ist nicht mehr so eng wie in den alten Büros. Man steht sich nicht mehr auf den Füßen.“ Die nahegelegene Augenklinik stand zur Diskussion. Im Dachgeschoss sollten dort ursprünglich die Büros eingerichtet werden. Dann stellte sich heraus, das Dachgeschoss sei nicht nutzbar.
Da bereits vor einem halben Jahr ein Teil der AStA-Referenten in das Dachgeschoss der Domstraße 12 umsiedelten, zeichnete sich daraufhin ein weiterer Nachzug ab. Neben dem AstA hat auch das StuPa-Präsidium und die Vorsitzenden der Fachschaftsratskonferenz (FSK) ihren neuen Platz in der Domstraße 12 gefunden.
Ab 2008 steht dem AStA möglicherweise das gesamte Haus zur Verfügung. Zur Zeit befindet sich ja noch die Abteilung für Technik in der ersten Etage des Hauses.
Mehr Arbeitsfläche
„Wir haben den Umzug an einem Augustwochenende gemacht.“ Alle Referenten, die vor Ort waren, packten mit an. Nicht die Strecke von 50 Metern zwischen der Rubenowstraße 1 zur Domstraße 12 sei ein Problem gewesen. „Das Schwierigste war das Auseinanderbauen der Möbel“, so Alexander Gerberding. „Die Räume sind hier ganz anders aufgeteilt“, sagt der AstA-Vorsitzende. „Früher waren sie auch höher.“ Jetzt kann das Mobiliar ganz gestellt werden. Ein paar Schreibtische sind dazu gekommen. Ansonsten zog die komplette Einrichtung und Technik mit. Eine Teeküche gibt es allerdings im Vergleich zu früher bisher noch nicht.
Bessere Beratung
Für den Publikumsverkehr ist es günstiger geworden. Die Referenten begrüssen die Fragenden von der neuenTheke aus, die Räume sind frisch gestrichen, Informationsmaterial liegt gut sichtbar aus. „Hier können wir auch besser beraten“, meint Alexander Gerberding. Eine Sache sieht er mit einem etwas weinenden Auge: „Früher waren wir im Audimax und damit dichter an den dortigen Studierenden.“ Zwar war der Weg für sie kürzer zum AstA-Büro, dennoch gibt er zu Bedenken: „Wir konnten damals nicht Studierende aller Fachrichtungen erreichen.“ Aber das lag und liegt eher an der Lage des Büros und der Verteilung der Institute quer über das Stadtgebiet. Ein unschlagbarer Vorteil ist unabhängig davon der neue Beratungsraum. Dank des separaten Eingangs können dann alle anstehenden Fragen zu beispielsweise Studium, BaföG und Wohnen in Ruhe geklärt werden. „Das verbessert die Atmosphäre“, so Alexander Gerberding. Wer sich von all dem gern selbst überzeugen möchte, sollte einmal in der Domstraße 12 oder am Tag der offenen Tür vorbeischauen. Der findet am10. November statt.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 20.10.2006
Bäckerei verwechselt Spendenbüchse mit Werbetrommel – Eine Polemik
Kann so unsere chronisch unterfinanzierte Universitätsbibliothek gerettet werden? Jeder, der in der Stadtbäckerei Junge ein Schokocroissant für 95 Cent kauft, spendet davon zehn Cent der Universitätsbibliothek. Was auf den ersten Blick kreativ und wohltätig aussieht, ist auf den zweiten Blick nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Überlegt man sich, dass ein normales Lehrbuch im Schnitt 100 Euro kostet, braucht man mindestens 1000 verkaufte Schokocroissants, um damit ein einziges Buch zu finanzieren. Um sich diese Menge mal vor Augen zu führen: 1000 Croissants hintereinander gelegt ergibt eine Strecke von 184 Metern. Diese könnte man locker um die gesamte Universitätsbibliothek legen.
Wer glaubt, er tut der Bibliothek mit dem Kauf dieses Gebäcks etwas Gutes, der irrt fatal. In erster Linie profitiert die gute Stadtbäckerei davon. Sie erhöht den Umsatz der teuren Schokocroissants und kann sich gleichzeitig „ortsverbunden“ und „großzügig“ geben. Denn mit über 140 Filialen und, laut eigenen Angaben, „führender Marktstellung im Norden Deutschlands“ braucht die Bäckerkette diese „lokale Verankerung“ und „Glaubwürdigkeit“. So ist die Kampagne für die Stadtbäckerei nicht nur günstig, sondern sogar profitabel, da die eigentliche Zehn-Cent-Spende als Aufschlag voll auf den Kunden umgeschlagen wird.
Im ersten Aktionszeitraum von Mai bis Ende Juli kam die teure Schoko-Verführung trotzdem gut an. Die elf beteiligten Filialen verkauften nach Angabe Marketingchefs Herrn Hofrichter 9000 Croissants. Zur Vorstellung: Aufeinander getürmt, erreichen sie die schwindelerregende Höhe von 486 Metern und würde locker das ehemalige World Trade Center überragen. Zur feierlichen Stunde rundete man die Spende auf 1000 Euro auf und übergab sie medien- und werbewirksam in der Greifswalder Verkaufsstelle dem Bibliotheksdirektor. Seine Stellvertreterin Frau Sigrid Hornei erklärte gegenüber moritz, dass sie die Aktion prima fände. Man werde jetzt zehn Bücher davon kaufen. Ein großer Aufkleber der Bäckerei auf der ersten Innenseite natürlich inklusive. Erstaunlich ist das Bündnis trotzdem: immerhin sind jegliche Lebensmittel – inzwischen auch Wasser – in der Bibliothek verboten.
Das einzige Gute an der Kampagne ist, dass sie eindringlich verdeutlicht, wie groß die Not der Bibliothek sowie der Universität insgesamt bereits ist. Offenbar ist man inzwischen im Fundraising- und Alumnibüro bereit, für ein paar hundert Euro die Seele und den Namen der Universität für jeden Marketing-Ramsch zu verkaufen. Die nächste Studentendemonstration steht wohlmöglich unter dem Motto: „Unsere Bildung ist auf Hörnchen gebaut“. Vielleicht kann die Initiative auch andere anstiften, aktiv zu werden: Kindergärten stricken Buchumschläge, Aldi sammelt für die Stromrechnung, und für jeden verkauften Volkswagen in Harrys Autohaus wird ein neues Buch der UB geschenkt. Wie wäre es mit der AOL-Universität für 20 kostenlose Bücher pro Jahr? Schöne neue Welt!
Wer wirklich will, dass neue Bücher in der Bibliothek angeschafft werden, der sollte einfach fünf Titel ausleihen und sie nur eine Woche verspätet zurückbringen. Das kostet über zwölf Euro und entspricht bereits 120 Croissants. Denn das Geld aus Verspätungen fließt direkt dem Kauf neuer Bücher zu, ohne den Umweg durch Bäckerkassen.
Geschrieben von Sebastian Jabbusch
von Archiv | 20.10.2006
Volker H. Altwasser, gebürtiger Greifswalder, wuchs im Ostseeviertel auf und debütierte 2003 mit „Wie ich vom Ausschneiden loskam“. Das zweite Werk ist in Vorbereitung.
Name:
Volker Harry Altwasser
Alter:
36 Jahre
Geburtstag:
31. Dezember, der Tag, an dem die ganze Welt feiert und mich regelmäßig Anrufe erreichen, man schaffe es zu meiner Geburtstagsfeier gerade nicht mehr.
Größe:
186 cm
Gewicht:
74 kg
Berufsbezeichnung:
Schriftsteller
Schriftsteller kann sich jeder nennen und dies auf unterschiedlichem Wege erreichen. Wie kamen Sie dazu?
Aus purer Not heraus. Ich borgte mir schon als Kind wöchentlich Bücher aus, mit 17, 18 Jahren beschloß ich dann, selbst Welten zu erfinden. Nebenher arbeitete ich als Elektronikfacharbeiter, Heizer, Bürokaufmann, Montagearbeiter, Matrose, doch ich lebte da schon lange in meinen Welten. Die Realität, denke ich, ist lange nicht die beste aller Möglichkeiten, gerade auch, wenn sie einem permanent die Beine weghaut. – Die Sau, die!
Wie haben Sie ihre literarischen Fähigkeiten entwickelt?
Am Deutschen Literaturinstitut zu Leipzig studierte ich drei Jahre lang und darf mich jetzt Diplom-Schriftsteller nennen. Mein Hauptfach war Lyrik, Prosa und Drama meine Nebenfächer. Der wichtigste Teil war aber das praktische Schreiben und das fundierte Kritisieren.
Wie wählen Sie die Themen Ihrer Texte aus?
Heute entwerfe ich zuerst Konzepte, Exposés. Zu einem Anfangsthema kommen so häufig andere Themen dazu. Da bin ich wohl Lyriker geblieben. Ich verbinde, verdichte und betrachte alles aus verschiedenen Sichtweisen. Beim ersten Buch habe ich zum Beispiel mit den Augen eines Westdeutschen auf meine Kindheit geschaut. Es erfordert aber viel Zeit, mit den Augen eines Fremden sehen zu können. Dieser Fremde taucht dann aber nicht mehr auf. Das Buch, an dem ich jetzt arbeite, braucht die Blickwinkel eines Hochseefischers, einer Hubschrauberpilotin, eines Studenten und einer asiatischen Piratin. Nicht leicht, das eigene Leben soweit zu vergessen, es macht aber süchtig.
Wie ist Ihr Arbeitsalltag?
Gegen acht Uhr stehe ich auf, esse etwas und setze mich für zwei bis drei Stunden an den Computer und schreibe. Dann ist die Kreativität weg und ich habe so fünf Seiten herausgeholt. Nachmittags bis abends lektoriere ich dann, verbessere, und permanent grübele ich.
Wie viele Bücher möchten Sie schreiben?
Weiß ich nicht. Auf jeden Fall genau drei für mich wichtige. Vermutlich das erste, eins in der Mitte und das letzte. – Die dazwischen sollen „nur“ Geld bringen.
Was machen Sie, wenn Sie nicht am schreiben sind?
Spazieren gehen und grübeln. In der Mensa essen und grübeln. Fahrrad fahren und grübeln. Als Call-Agent arbeiten und grübeln. Am liebsten bin ich in Lubmin, da grübelt die See für mich und schenkt mir laufend Antworten.
Welches Laster haben Sie?
Die Einsamkeit, nach ihr bin ich süchtig. Immer häufiger muß ich mich nach ganz normalen Gesprächen wie diesen erstmal ausruhen. – Kommunizieren strengt ja so an! Allein das Nonverbale.
Welche Bedeutung hat Vorpommern für Sie?
Die Frage nach der vorpommerschen Identität beschäftigt mich sehr. Ich bin in Greifswald geboren, damals noch im Bezirk Rostock, habe die Wende miterlebt und danach Station in Leipzig, der Schweiz und Berlin gemacht. Währenddessen stellte ich mir immer die Fragen: Was sind und wie denken Vorpommern? Was ist Heimat für einen Vorpommer? Aufgrund der jahrhundertelangen Fremdherrschaft Schwedens, Dänemarks, Polens, Russlands, Brandenburgs und Mecklenburs über diesen Teil der jetzigen Bundesrepublik sind die Vorpommern für mich die (wirklich) ersten Europäer. Die Idee von der EU, das waren wir doch! Dem Vorpommer ist das Regieren egal geworden. Nach dem Motto, je weiter weg, um so besser. Der Europäer von morgen ist der Vorpommer von heute, kein Witz. – Darum geht’s auch in meinem ersten Buch.
Wie sieht Ihr Verhältnis zur Ernst-Moritz-Arndt Universität aus?
Auch für mich zwiegespalten. Für mich ist die Universität zu autark. Greifswald trägt seit diesem Jahr den Zusatz ?Universitätsstadt?. Warum ändert nicht endlich auch dieser Wissenschaftsbetrieb seinen Namen in Universität Greifswald um? Es wird Zeit, daß die Uni der Stadt den Rücken stärkt, sonst fehlt ihr eines Tages der Standort. Bspw. auch das internationale Studentenfestival, warum gab’s da keine Veranstaltungen für die Kinder Greifswalds? Es gibt wohl knapp zehntausend Hartz-IV-Empfänger und elftausend Studenten, also ich schlage Patenschaften vor. Im Kleinen, nicht immer im Großen, das Große ist uns eh egal. So würde die Verbundenheit mit dem Heimatort klarer sein und der Name von Arndt verschwinden. Ausgerechnet in der Stadt, in der niemand weiß, was Heimat ist, gibt’s eine Uni mit dem Namen eines Freiheitskämpfers.
Worüber lachen Sie?
Tja, über Fragen wie diese. Und über unsere vorpommersche Bauernschläue, die man auf dem platten Land findet. Regelmäßig werden die neusten Herren dort abserviert, ohne daß sie es merken. – Otto von Bamberg mußte damals auch zweimal kommen, um zu christianisieren. Das erste Mal hatte er sein Schwert nicht dabei.
Lebensmotto?
Das Leben findet täglich statt.
Was liegt auf Ihrem Nachttisch?
Ich habe keinen. Ich schalte das Licht aus und verschwinde sofort aus dieser Schwere. Immer wieder gerne. – So, ich muß, tut mir leid!
Geschrieben von Björn Buß
17. Juli 2014: Foto wurde gelöscht.
von Archiv | 20.10.2006
Auswahlverfahren für das Medizinstudium in Greifswald
Die Zentrale Stelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) im nordrhein-westfälischen Dortmund wurde totgesagt. Sie hätte ausgedient. Dies ist nicht der Fall. Natürlich besitzt die Institution ein Interesse am Selbsterhalt. Allerdings war sie für Universitäten stets ein Dienstleister. In der Sonnenstraße 171 laufen alle Bewerbungen auf Studienplätze an bundesdeutschen Universitäten in den Fächern Biologie, Tier-, Human und Zahnmedizin, Pharmazie und Psychologie zusammen. In diesen Fächern gibt es mehr Studienwillige, als zur Verfügung stehende Plätze. Noch vor Jahren vergab die ZVS die Studienplätze in zulassungsbeschränkten Fächern nur nach dem Abiturnotendurchschnitt und der Anzahl an Wartesemestern.
Eine Mitsprache der Hochschulen bei der Auswahl ihrer Studenten war nicht möglich.
In der Verordnung über die zentrale Vergabe von Studienplätzen des Landes Mecklenburg-Vorpommern vom 7. April 2006 wurde den Hochschulen die Möglichkeit der eigenen Auswahl von Studierenden in den Numerus clausus-Fächern gegeben. Auf den gleichlautenden Staatsvertrag von 1999 und den darauf folgenden Gesetzen aus den Jahren 2000 und 2005 wurde Bezug genommen. Insgesamt können die jeweiligen Fakultäten und Institute bis zu 60 Prozent ihrer Studienplätze durch eigene Auswahlverfahren vergeben. Bis vor einem Jahr waren es nur 24 Prozent. (siehe moritz 44)
Begehrt
Im Fach Humanmedizin nahmen zum Wintersemester 2006/07 die Hälfte der 34 Medizinischen Fakultäten in Deutschland die Auswahl eines Teils ihrer Studienplätze für angehende Ärzte selbst vor. In Greifswald wird dieses Mitspracherecht ebenfalls wahrgenommen. „Jedesmal, wenn der Gesetzgeber uns die Möglichkeit gab, nutzten wir diese“, sagt Petra Meinhardt vom Studiendekanat der Medizinschen Fakultät.
So auch in diesem Semester. Insgesamt stehen an der Greifswalder Universität 193 Studienplätze zur Verfügung. Für Sanitätsoffiziere der Bundeswehr, ausländische Staatsangehörige, Bewerber mit besonderer Hochschulzugangsberechtigung, Härtefälle und Studenten eines Zweitstudiums muss die Universität Studienkapazitäten frei halten. Die restlichen Plätze werden zu 20 Prozent nach der Abiturbestennote und weiteren 20 Prozent nach der Anzahl an Wartesemester von der ZVS vergeben. Für die Auswahl der restlichen 60 Prozent ist die Universität am Ryck selbstverantwortlich.
„In diesem Semester konnten wir 100 Studienplätze über unsere internen Auswahlkriterien vergeben“, so Meinhardt. Erste Hürde ist eine nicht schlechtere Abiturnote als 2,5 und die Angabe der Ortspräferenz Greifswald an erster oder zweiter Stelle bei der Bewerbung über die ZVS. Insgesamt 4.804 Bewerber gaben bei dieser die Ernst-Moritz-Arndt-Universität als eine der beiden ersten Wunschstudienorte an. Danach wurden Punkte für die Belegung der Leistungskurse – naturwissenschaftliche Fächer bekommen eine höhere Bewertung – in der Oberstufe, berufspraktische Erfahrungen und Praktika vergeben. Nach diesen Kriterien wurde eine Rangliste gebildet und 60 Prozent der rund 100 Plätze vergeben. Über Auswahlgespräche vergab die Universität die restlichen freien Studienplätze. Fünf Auswahlkommissionen mit jeweils zwei Professoren – einem aus dem vorklinischen, der andere aus dem klinischen Bereich – der Medizinischen Fakultät führten die insgesamt 121 Gespräche. Diese dauerten mindestens 20 Minuten. Auf diese Gespräche konnten sich die Bewerber vorbereiten: Sie mussten einen handschriftlichen Lebenslauf verfassen und die Ge-sprächsthemen waren bekannt. Kreativität, Fähigkeit zur Kommunikation und Belastbarkeit spielten eine Rolle. Natürlich auch die Motivation zum Medizinstudium. „Ich möchte den Menschen helfen“ wollten die Kommissionen aber nicht hören – mit dieser Erwartung muss schließlich jeder Mediziner leben.
Die beiden Professoren verteilten Punkte für die einzelnen Bereiche und somit eine Empfehlung über die Zulassung zum Medizinstudium an der Universität Greifswald. „Wir waren mit den Auswahlgesprächen zufrieden“, meint Meinhardt weiter. „Für die Zukunft kann ich mir schon vorstellen, dass wir alle Studienplätze selbst vergeben.“ Der bürokratische Aufwand wird in Kauf genommen.
Der freie Wille
Dass die Universität Greifswald eine sehr gute Medizinische Fakultät besitzt, zeigt das große Interesse an den hiesigen Studienplätzen. Dies war aber nicht immer so. Viele Studienwillige kamen unfreiwillig in die Hansestadt, da „die ZVS mich nach Greifswald verbannt hat“. Die Folge waren schnelle Ortswechsel während der ersten Semester. Diese Abwanderungsbewegungen haben sich aber gelegt. Die Qualität der Lehre verbesserte sich, die Medizinstudenten sammeln ab ihrem 1. Semester praktische Erfahrungen im Universitätsklinikum. „Comunity Medicine“ ist das Schlagwort. Außerdem ist das Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden gut. Das nicht alles Gold ist, was glänzt, zeigen dagegen die negativen Bewertungen einzelner Seminare und Blockpraktika durch die Medizinstudenten. Auch wird die Betreuung von Doktoranden nicht in allen Instituten ebenbürtig gehandthabt. „Wir beobachten aber die Ergebnisse der Evaluation um gegebenenfalls kurzfristig Einfluß zu nehmen“, meint Meinhardt. Die Qualität der medizinischen Ausbildung in Greifswald darf sich schließlich nicht verschlechern. Ansonsten war das sehr hohe Interesse am hießigen Studienort in diesem Jahr eine Eintagsfliege und die ZVS wirkt wieder verbannend.
Geschrieben von Björn Buß