von Archiv | 20.10.2006
Schon gehört? Die neue Konzertsaison hat begonnen. Und wie!
Im neu bestuhlten Saale erfreute das Philharmonische Orchester des Theater Vorpommerns zum Auftakt. Die Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester von Wolfgang A. Mozart (KV 364) und die Große Sinfonie in C-Dur von Franz Schubert gerieten unter dem schlichten Fingerzeig der norwegischen Dirigentin Anne Randine Øverby zu einem, ja bewegenden Ohrenschmaus. Doch welcher Bogen wird in dieser Spielzeit gespannt? Generalmusikdirektor Prof. Mathias Husmann bezeichnet sein Konzept „Mozart und -“ und stellt dabei die pikante Frage: „Könnte das Konzertprogramm anders lauten?“
Doch nicht allein die Kompositionen des gebürtigen Salzburgers machen den Reiz aus, sondern die Darbietung der musikalischen Verbindung zu Lehrern, Mentoren, Nachfolgern und der Tonsprache am Anfang des 20. Jahrhunderts.
So stellt sich die Frage nach der Aktualität des Wunderkindes vielleicht am Schärfsten.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 20.10.2006
Dieses Stück ist nicht zum Lachen. Das Eingangsstatement des Schauspielers Karl Maslo ist ernst gemeint. Trotzdem wird geschmunzelt, vereinzelt gelacht, aber auch betroffen geschwiegen.
Maslo stellt im Ein-Mann-Stück „Süchtig“ einen Abhängigen dar – sowohl nach gesetzlich legalen als auch illegalen Stoffen. Mark Lundholm schrieb das Stück über einen Kranken und dessen Lebensweg. Parallel wird auf abstrakter Ebene über Süchtige, Nicht- und Co-Süchtige gesprochen. Der Darsteller bezieht das Publikum mit kritischen Fragen ein und zeigt mit dem Finger wahllos auf Zuschauer. Jeder ist süchtig. Dies wurde durch die Aufführung des Theaterstücks in der Präventionswoche der Hansestadt Greifswald klar.
Den Kampf darf man nicht aufgeben: Karl Maslo hat ihn selbst bestritten. Zahlreiche Entgiftungen und Entziehungskuren durchlebte der Haupt-darsteller. „Insgesamt 35 Prozent der Geschichte habe ich selbst erlebt.“
von Archiv | 20.10.2006
Die Uni feiert ihr 550-Jubiläum und hoher Besuch hat sich angekündigt.
Am 17. Oktober ist es endlich soweit und Ihre Majestät, die Königin von Schweden Sylvia, und der Bundespräsident, Horst Köhler, werden freudig erwartet.
„Ich finde es eine tolle Sache und große Ehre, dass der Bundespräsident sofort zugesagt hat, als ich ihn letztes Jahr eingeladen habe“, erklärt der Rektor, Prof. Dr. Rainer Westermann begeistert, „ich freue mich wirklich sehr über den Besuch des Bundespräsidenten. Die Universitäten sind ja Landessache und, dass der Ministerpräsident kommt, ist schon fast selbstverständlich.“
Aufgeregt ist er jedoch nicht, der Rektor der Greifswalder Hochschule. Nach fest vorgeschriebenem Protokoll wird er um 9.40 Uhr vor dem Universitätshauptgebäude die Ehrengäste in Empfang nehmen. Das erste, was er sagen wird? „Guten Tag“, denn zum Glück ist Ihre Majestät gebürtige Deutsche.
Seit eineinhalb Jahren laufen die Vorbereitungen und großer Aufwand war nötig. Mit dem Bundespräsidialamt, der Staatskanzlei, der Deutschen und der Schwedischen Botschaft musste Kontakt aufgenommen werden. Das Protokoll musste erstellt und Einladungen veschickt werden. „War früher ein Jubiläum nur ein feierlicher Anlass, geht es heute weit darüber hinaus. Heute ist es eine Imageoffensive“, weiß Constanze Steinke, die mit ihrer Agentur seit über einem Jahr die ausstehenden Feierlichkeiten vorbereitet. Das Jubiläum soll auch das Bild der Alma mater als funktionierenden Wissenschafts- und Technologiestandort vermitteln und stellt sich damit auch dem knallharten Wettbewerb und besonders an einem solchen Feiertag. Image ist halt wichtig.
Zusätzlich muss der Personen-schutz gewährleistet sein. „Die Sicherheitsauflagen sind angesichts der momentanen Weltlage enorm“, stellt Frau Steinke fest: „Ein Staatsbesuch ist nicht alltäglich.“ Jedenfalls nicht in Greifswald. Die Jubiläumsgäste der Ernst-Moritz-Arndt-Universität werden als hochgradig gefährdet eingestuft, deshalb werden durch alle Veranstaltungsorte Spürhunde geführt und viele Polizisten, vor allem Zivilkräfte, im Einsatz sein.
Zur weiteren Sicherheit werden alle anwesenden Journalisten durch das Bundeskriminalamt gecheckt und die Einladungen gelten nur zusammen mit dem Personalausweis. Auch Rektor Prof. Dr. Westermann hat eine Einladung bekommen und stellt sich nun die Frage: „Was passiert, wenn ich am Dienstag meinen Personalausweis vergesse?“
Geschrieben von Cornelia Leinhos
von Archiv | 20.10.2006
Dass „etwas faul ist im Staate Dänemark“, wusste William Shakespeare schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts als er sein Stück „Hamlet“ schrieb. Vierhundert Jahre später gewann der Ausspruch durch den Streit um Mohammed-kritische Karikaturen, veröffentlicht in einer dänischen Tageszeitung, ungewollte Aktualität. Doch die Fassung des an sich zeitlosen Stoffs, die das Theater Vorpommern auf die Bühne bringt, ist auf andere Weise zeitgemäß. Betont wird das Thema Rache, genauer blutige Rache, die Vergeltung von Gleichem mit Gleichem, Mord mit Mord.
Hamlet, Prinz von Dänemark, muss mit ansehen, wie seine Mutter Claudius, den Bruder ihres gerade erst verstorbenen Mannes, heiratet und dieser zum König gekrönt wird. Doch es kommt noch schlimmer: Kurz darauf erfährt er, dass sein Vater von Claudius ermordet wurde um selbst dessen Nachfolge anzutreten. Vom Geist seines Vaters angestiftet, sinnt Hamlet auf Rache und merkt gar nicht, dass er damit sich selbst und kurz darauf auch sein Land ins Unglück stürzt.
Schon der Auftakt erinnert an die Gegenwart. Wir sehen ein Land in nervösem Alarmzustand, der Krieg liegt in der Luft, es herrscht ein Klima von Angst und Misstrauen. Da werden Gedanken an eine der Terrorgefahr ausgelieferte Gesellschaft wach. Dass Regisseur und Kostümbildner Matthias Nagatis die Schauspieler in Anzüge und Abendkleider steckt, erleichtert dem Zuschauer diese moderne Perspektive. Ansonsten bleibt die Inszenierung jedoch sehr nah am Werk, auch der Text scheint nahezu ungekürzt. Dies lässt das Stück allerdings auf gute drei Stunden Spiellänge anschwellen, was die Aufmerksamkeit des Publikums zum Ende hin auf eine harte Probe stellt. Doch wer durchhält, wird mit dem als modernen Fechtkampf inszenierten blutigen Showdown zwischen Hamlet und Claudius’ Handlanger Laertes belohnt, der zum Tod (fast) aller führt.
Schließlich überwindet also die Rache doch die Vernunft. Der Rest ist Schweigen – und der lang anhaltende Beifall des Premierenpublikums.
Geschrieben von Kai Doering
von Archiv | 20.10.2006
Die Evaluation der Lehre an der Greifswalder Universität
Evaluationen dienen der Analyse und Bewertung des Bildungswesens. Rückblickend sollen die Leistungen nach vorher festgelegten Gütekriterien eingeschätzt werden. Natürlich sind Lehrevaluationen aufwendig, aber auch nowendig um im Konkurrenzkampf der Hochschulen zu bestehen. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern verankerte diese im Landeshochschulgesetz (§§ 33, 93/Grundordnung §2, Abs. 6).
Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald reagierte auf den Entscheid des Landesparlaments in Schwerin und erließ im April 2005 eine für die Hochschule am Ryck geltende Evaluationsordnung. Eine institutionell betriebene Bewertung der Lehre an der Alma mater wird darin gefordert und die Grundsätze und das Verfahren der Bewertung der Lehrqualität werden dargestellt.
Die gesetzlich geregelte Möglichkeit der Evaluierung der besuchten Veranstaltungen sollten die Studierenden nutzen. Zwar kann man dem Dozenten auch außerhalb der Universität seine Meinung sagen – klein genug ist ja die Hansestadt Greifswald um sich privat über den Weg zu laufen. Doch der Aufwand der direkten Bewertung lohnt sich auch für den Einzelnen. Mittel- und langfristig reagiert die Hochschule auf die Ergebnisse der Auswertung.
Wenig erbaulich
Wer von sich behaupten kann, seinen Dozenten und dessen Lehrveranstaltung bewerten zu dürfen und können, darf sich glücklich schätzen. Vor allem die Medizinische Fakultät bedient sich dieser Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung der Lehre. In einem Pilotprojekt wurden Medizinstudenten mit Mobiltelefonen ausgestattet und gaben per SMS nach Ende einer Vorlesung ihr Urteil ab. Das Studiendekanat des Faches Humanmedizin befürwortet die Feedback-Möglichkeit der angehenden Ärzte sehr und reagiert auf das schlechte Abschneiden einzelner Veranstaltungen zügig. Das Gleiche gilt für die Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät. Auch in der Philosophischen Fakultät sitzen Verfechter der Lehrevaluation. Doch wenig erbaulich sind die während der Bachelor- und Master-Akkreditierungsgutachten entdeckten mangelhaften Evaluationsbemühungen in jener Fakultät.
Abhilfe
Mit dem System InstEval der Universität Mannheim möchte die Universität Greifswald deshalb Abhilfe schaffen. Auf einer Internetseite bewerten die Teilnehmer einer Lehrveranstaltung diese nach unterschiedlichen Kriterien. Der Online-Fragebogen betrachtet zuerst die Veranstaltung und den Dozenten im gesamten, bevor beide genauer benotet werden können.
In die Bewertung fließen auch die Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Raumtemperatur, die Beurteilung der Referate und der selbstkritische Blick auf die eigene Leistung in der jeweiligen universitären Veranstaltung ein. Um die Daten schnell auswerten zu können, stehen als Antwortmöglichkeiten die Schulnoten eins bis sechs zur Verfügung. Die bewertenden Studenten brauchen sich keine Sorgen um den Datenschutz machen und ihre Angaben werden anonym ausgewertet. So fordert es auch die Greifswalder Evaluationsordnung.
Online?
Der Rektor empfiehlt InstEval, denn diese Evaluationsmöglichkeit ist „testtheoretisch optimiert“, wertet die Daten automatisch aus und liefert sogleich die entsprechenden Ergebnisse. Alles dazu noch völlig kostenlos für die Greifswalder Hochschule.
Kritiker von Online-Befragungen weisen auf die niedrigere Beteiligungsrate an solchen Umfragen hin. Während einer Lehrveranstaltung sei der Rücklauf an ausgefüllten Evaluationsbögen gemessen an der gesamten Teilnehmerzahl höher. Die Eingabe der durch die schriftliche Befragung erhobenen Daten in InstEval ist außerdem zeitaufwendig. Als weiteres Argument gegen eine Umfrage über das Internet wird die Möglichkeit der Face-to-Face-Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden über die Schwachstellen in der Lehre angebracht. Natürlich kann ein Dozent genauso dem Studierenden Feedback über dessen Leistung nahe bringen.
Den Kritikern kann mit den Nutzungsgewohnheiten der Stu-dierenden entgegnet werden: sowohl zum privaten Vergnügen, als auch zur Recherche, Online-Bestellung von Büchern, Kommunikation mit Dozenten, … – also für die universitäre Arbeit – wird das Internet genutzt. Warum sollten die technikaffinen Greifswalder Studenten nicht auch noch die Lehre ihrer Institute online bewerten?
Endeffekt
Die Lehrevaluation läßt sich auch durch andere technisch ausgereifte Lösungen bewältigen. Beispielhaft sind Hochleistungs-Dokumentenscanner mit angeschlossener Software zu nennen. Diese unterstützen die Eingabe schriftlicher Fragebögen. Die Software wertet diese danach aus und weist ebenfalls auf Stärken und Schwächen der Lehre hin. Diese Scanner können auch anderweitig benutzt werden.
Der Rektor der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Prof. Rainer Westermann, bevorzugt aber lieber die InstEval-Lösung.
Egal ob die Lehre online oder auf Papier bewertet wurde. Egal wie die Auswertung stattgefunden hat; Hauptsache die Lehrqualität verbessert sich.
Geschrieben von Björn Buß, Uwe Roßner