von Archiv | 22.06.2006
Wer war der Bruder, der 1943 auf einem Russland-Feldzug zunächst beide Beine und dann das Leben verlor? Warum hat er sich freiwillig zur SS-Totenkopfdivision gemeldet? Was waren seine Motive? Und wie hat letztlich die Familie mit der Gesinnung und dem frühen Tod des 19-jährigen Sohnes umzugehen gelernt? Diesen und anderen Fragen stellt sich Uwe Timm. Er macht sich auf die Suche nach seinem 16 Jahre älteren Bruder Karl-Heinz, der nicht zuletzt durch das trauernde Nicht-Vergessen-Wollen der Mutter und das zornige Nicht-Vergessen-Können des Vaters ab- und zugleich anwesend ist.
Dank des Kriegstagebuches des Bruders, weniger persönlicher Erinnerungen und den Erzählungen von Schwester und Eltern, weiß der Autor, sich dem fremden Bruder, der eigenen sowie der gesamtdeutschen Vergangenheit zu nähern. Darüber hinaus schildert Uwe Timm das Schicksal und den Zustand einer Familie in Zeiten des Krieges. Der Vater versucht als Soldat, Pelzmantelhersteller, Präparator und Familienvater glücklich zu werden, doch scheitert er letztlich an eigenen Ansprüchen und gesellschaftlichen Bedingungen. Die Mutter, stets treu und ergeben, unterstützt Vater und Sohn in allen Belangen. Obwohl sie an der Richtigkeit des Krieges zweifelt, fügt sie sich dem Schicksal stumm und kritiklos. Die wirklichen Ausmaße des nationalsozialistischen Terrors werden ihr schließlich erst durch den Tod des ältesten Sohnes bewusst. Schwester und Bruder des Verstorbenen wachsen indes mit einem Bild des Bruders auf, das zwischen Bewunderung und Verachtung, Fragwürdigkeit und Schuldzuweisung schwankt. Uwe Timm als einzig noch lebendes Mitglied dieser Familie hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, diese Widersprüchlichkeit zu ergründen. Behutsam und zugleich schonungslos zeichnet Uwe Timm ein alltagsnahes Bild der Kriegs- und Nachkriegswirklichkeit in Deutschland und analysiert, ohne anzuklagen, Motive, menschliche Abgründe sowie die Frage nach Schuld und Verantwortung. Dem älteren Bruder hingegen blieben diese Worte einst verwehrt, denn er beendete seine Tagebucheinträge mit einem für seine Generation bezeichnenden Satz: „Hiermit schließe ich mein Tagebuch, da ich es für unsinnig halte, über so grausame Dinge, wie sie manchmal
geschehen, Buch zu führen.“
Geschrieben von Grit Preibisch
von Archiv | 22.06.2006
Wenn eine Partei Bilanz über ihre Regierungszeit zieht, horcht sie in sich hinein, inwieweit die Interessen „derer da unten“ umgesetzt wurden. Die SPD-PDS-Koalition in M-V war 1998 ein Novum, bis heute wird sie skeptisch beäugt. Die Herausgeber haben Texte und Interviews von und mit PDS-Parteimitgliedern und linken Sympathisanten versammelt, die ehrlich mit Versäumnissen und Erfolgen umgehen. Allgemeine Betrachtungen zu sozialistischen Parteien in Regierungen werden durch Spezialbeiträge zu den einzelnen Politikfeldern in M-V ergänzt.
Wer sich mit einem Geleitwort von Hans Modrow nicht anfreunden kann, dem sei die weitere Lektüre nicht empfohlen. Fast alle Autoren haben DDR-Biographien und in den Texten wimmelt es zum Teil von Marx- und Engels-Fußnoten. Deren Sprache scheint aber wieder höchst aktuell, um die gesellschaftliche Wirklichkeit zu beschreiben. Die Texte sind jedoch nicht ideologisch verbrämt, sondern überraschend
pragmatisch.
Von dem hehren Ziel der „Transformation“ der „real existierenden kapitalistischen Gesellschaft“, das Modrow zum Geleit ausruft, blieb in den vergangenen sieben Jahren Regierungsbeteiligung nicht viel. Obwohl beispielsweise Hartz IV dem großen, arbeitslosen Bevölkerungsteil in M-V beinahe die Bürgerrechte entzieht, schaffte es die Linkspartei.PDS nicht, dem Gesetz einhellig zu widersprechen. Die Gründe dafür sind vielfältig, angefangen mit dem Kompromißzwang als Koalitionär und endend mit der immer geringer werdenden Gesetzgebungskompetenz der Länder.
Nach wie vor Ländersache ist die Hochschulpolitik. Doch Gerhard Bartels, Hochschulexperte der Partei aus Greifswald, zieht in seinem Beitrag eine ernüchternde Bilanz. Dass die Hochschulautonomie im Januar 2006 ad acta gelegt werden würde, ahnt er voraus.
Das Fazit der Herausgeber ist nach knapp 300 Seiten durchwachsen: Auf jeden Fall müsse wieder auf die „kleinen Leute“ gehört werden und notfalls auch eine Koalition aufgekündigt werden. Als Leser vermisst man die Erinnerung an 40 Jahre SED-Herrschaft, die nicht nur in der Linkspartei.PDS ihre Spuren hinterließ, sondern auch in der Gesellschaft, und die für viele der aktuellen Probleme verantwortlich ist. Der offene und streitbare Umgangston des Buches
läßt aber hoffen.
Geschrieben von Ulrich Kötter
von Archiv | 22.06.2006
Die St. Petersburg-Reportage im moritz – Teil 3
St. Petersburg im Juni: Regen, Regen, Regen, Sonne und wieder Regen.
Das habe ich mir etwas anders vorgestellt – wo sind die warmen und sonnigen Tage geblieben, an denen ich in Sommerklamotten den Newski Prospekt entlang schlendern konnte?
Zwar haben die Weißen Nächte begonnen, nur leider ist es teilweise so kalt, dass der Genuss dieses Naturphänomens in einem Straßencafe keine besondere Freude ist, sondern immer nur von drinnen aus zu beobachten ist. Aber die Wetterprognosen geben Hoffnung. Schliesslich moechte ich noch in der Newa schwimmen gehen. Nein, zum Baden ist dieser dreckige Fluss, der nicht nur durch St. Petersburg fliesst, nun gar nicht geeignet.
Faszinierend ist es schon, wenn es in der Fünf-Millionen-Metropole im Norden Russlands nachts nicht mehr richtig dunkel wird. Wobei die Stadt durch das Lichtermeer auch im Winter kaum zu übersehen ist.
Zwei Sommermonate lang befindet sich St. Petersburg in einer Art Ausnahmezustand. Wegen der Lage der Stadt am hohen Breitengrad ist in dieser Zeit keine vollkommene Dunkelheit möglich, so dass der Himmel in der Nacht rotgolden leuchtet. Das lockt nicht nur die Touristen in die Stadt, sondern auch die Einheimischen auf die Straße, denn 20 Stunden Licht am Tag erheitern das Gemüt der Russen. Gott sei Dank, denn den St. Petersburgern ist der harte Winter noch immer anzumerken. Das spüre ich jedenfalls täglich, wenn ich mit der Metro zur Uni fahre. So viele graue und müde Gesichter. Und allgemein habe ich so viele Obdachlose oder benachteiligte Menschen zuvor in keiner Stadt gesehen. Das Leben in St. Petersburg geht an niemanden spurlos vorbei. Anfangs wollte ich dies nicht glauben, aber jetzt merke ich es selbst: St. Petersburg kann ziemlich anstrengend sein.
Mein kleiner Wochenendtrip nach Helsinki, den ich vor kurzem unternommen habe, hat mir die Intensität des Lebens in Petersburg noch einmal extrem vor Augen geführt. Frische Luft, Ruhe, entspannte Finnen und eine saubere Dusche und Toilette haben bei mir Eindruck hinterlassen. Erst dort wurde mir bewusst, in was für einem facettenreichen und diskrepanten Land ich die letzten vier Monate gelebt habe. Dennoch freute ich mich während der Rückfahrt aus Finnland auf Russland, auf mein kleines Zimmer im Wohnheim und die netten Mitbewohner und ich meine nicht nur auf die Kakerlaken in der Küche.
Ich bin wohl doch schon ein wenig zu Hause in Russland, wenn auch nur vorübergehend.
Und da St. Petersburg stets und ständig Ablenkung bietet, hat Heimweh glücklicherweise kaum Platz. So vieles gibt es noch zu entdecken und kennen zu lernen.
Im letzten Monat stand unter anderem das bekannte Ballett Schwanensee und das Konzert des Buena Vista Social Clubs auf dem Programm. Die faszinierende Ballettkunst, die Musik Tschaikowskis und die verrueckten Touristen, die wie wild während der Aufführung fotografierten, haben Schwanensee als berühmtesten aller Ballettklassiker für mich wirklich unvergesslich gemacht.
Ungewohnt war es, beim Konzert der mehrfach ausgezeichneten Kubanischen Band bei karibischen, sommerlichen Klängen mit dem Po auf dem Stuhl zu bleiben und einfach nur der Musik zu lauschen, denn es herrschte „Sitzpflicht“. Dennoch ist es ihnen gelungen, heisse Rhythmen ins kühle Russland zu bringen und uns mit einem strahlenden Gesicht wieder nach Hause zu verabschieden.
In der nächsten Zeit geht es gemeinsam mit den Mädels aus Österreich für einen kleinen Ausflug in die Hauptstadt Russlands: Moskau als politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes mit dem Kreml und dem Roten Platz im Stadtkern, der Lomonossow-Universität, Hochschulen und Fachschulen sowie zahlreichen Kirchen, Theatern, Museen, Galerien und dem 540m hohen Fernsehturm können wir uns einfach nicht entgehen lassen. Mit neun Kopfbahnhöfen, vier internationalen Flughäfen und drei Binnenhäfen ist die Stadt wichtigster Verkehrsknoten und größte Industriestadt Russlands.
Die Hin- und Rückfahrt mit dem Zug für ungefähr 30 Euro und ein Aufenthalt in einer Jugendherberge für etwa 20 Euro pro Nacht schaden nicht unbedingt dem Geldbeutel und bieten uns weiterhin die Möglichkeit St. Petersburg und Moskau miteinander zu vergleichen. Der Dualismus St. Petersburg-Moskau prägt die russische Geschichte schon über mehrere Jahrhunderte hinweg. Während sich Petersburg schon immer „europäischer als Europa“ gab, war Moskau schon immer „russischer als Russland“.
Wir werden den direkten Vergleich für einige Tage haben.
Ich bin gespannt auf die naechsten Wochen in Russland, werde mich von Moskau überzeugen und im nächsten moritz von meinen Erlebnissen in der grössten Stadt Russlands berichten.
Geschrieben von ina Kubbe
von Archiv | 22.06.2006
moritz sprach mit zwei Jungpolitikern, die in das Schweriner Schloß wollen
Die Fragen:
1: Wann bist du warum in die Partei eingetreten?
2: Was ist deine Position zu Studiengebühren?
3: Deine Position zur finanziellen Ausstattung der Hochschulen?
4: Deine Position zur Hochschulautonomie?
5: Wie hoch sind die Kosten deines Wahlkampfes und wer bezahlt diese?
6: Wie hoch schätzt du deine Chancen, in den Landtag zu kommen?
7: Welchen Arbeitsschwerpunkt möchtest du im Parlament setzen?
Die Antworten:
von Marc Reinhardt (CDU)
Marc Reinhardt studiert seit 2001 Wirtschaftsrecht an der Hochschule Wismar und wird sein Studium vorraussichtlich im August abschließen. Zur Zeit ist er Landesgeschäftsführer der Jungen Union, Mitglied im Kreistag Güstrow, Mitglied im Kreisvorstand der CDU, Senator der Hochschule Wismar und Vorstandsmitglied im Studentenwerk Rostock. Außerdem war Marc Reinhardt mehrere Semester im AStA und im Studierendenparlament der Hochschule Wismar tätig.
- Ich bin 1998 in die CDU eingetreten, weil ich es nicht ertragen konnte, dass mit der PDS eine Partei wieder in die Regierung kommt, die acht Jahre zuvor aus den Ämtern gejagt wurde.
- Studiengebühren können sinnvoll sein, wenn es sich um ein nachlaufendes Modell handelt. Ferner müssen die Hochschulen selbst darüber entscheiden können, ob sie die Gebühren erheben und die Gelder müssen den Hochschulen zusätzlich zur Verfügung stehen.
- Die finanzielle Ausstattung der Hochschulen ist zu gering. In den letzten vier Jahren ging es ständig nur um Stellenkürzungen. Es ist wichtig, hier wieder zu Kontinuität zu kommen.
- Hochschulautonomie existiert seit der letzten Änderung des Landeshochschulgesetzes im Land nicht mehr. Diese Änderung muss wieder zurückgenommen werden.
- Die Kosten liegen bei rund 10.000 Euro. Diese trage ich alleine, wobei ich von meiner Familie und Sponsoren unterstützt werde. Von der Partei bekomme ich nichts.
- Ich habe zwar nur Listenplatz 24. Mein Wahlkreis, der Wahlkreis 14, wurde aber bislang immer direkt von der CDU gewonnen, beim letzten Mal allerdings nur sehr knapp. Von daher stehen meine Chancen mindestens 50 zu 50.
- Ich möchte schon gerne Hochschulpolitik machen, aber das ist schwierig, da dieser Themenbereich zurzeit schon mit jungen Leuten besetzt ist. Da ich aber mit meiner Hochschule eng verbunden bin, wird Hochschulpolitik immer ein Thema für mich sein. Als weiteren Schwerpunkt kann ich mir Wirtschaft oder Landwirtschaft vorstellen, da diese Themen in meinem Wahlkreis sehr gefragt sind.
von Thomas Müller (SPD)
Thomas Müller studierte seit 1999 Politikwissenschaft und Geschichte in Greifswald und schloß 2002 mit dem Bachelor ab. Danach war er ein Jahr lang in Frankreich. 2003 begann er den Master-Studiengang Politikwissenschaft in Greifswald, zurzeit arbeitet er an seiner Abschlußarbeit. Seit zwei Jahren ist er stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD-Ostvorpommern. Zwischen 2001 und 2004 war er Stadtvertreter in Wolgast, seit Frühjahr 2006 ist er es wieder.
- Ich bin seit 1998 in der SPD. Ich hatte damals auf einen Regierungswechsel verbunden mit einem Politikwechsel gehofft. Mein Eintritt war also eher mit der Person Oskar Lafontaine als mit Gerhard Schröder verknüpft.
- Ich bin gegen Studiengebühren.
- Die finanzielle Ausstattung der Hochschulen könnte besser sein. Ich sehe aber auch die finanziellen Engpässe des Landes. Klar ist, dass bei den Bildungsausgaben weniger gespart werden darf als in anderen Bereichen.
- Ich bin da hin und her gerissen. Letztlich sind wir in einer Demokratie, so dass es Parlament und Regierung möglich sein muss, in die Hochschulpolitik einzugreifen. Andererseits weiß ich auch, welche Vorteile Autonomie hat. Im Bereich der Schulen sind wir gerade dabei, deren Selbstständigkeit zu stärken. Von daher gibt es ein klares „sozialdemokratisches Jein“.
- Die Kostenplanung liegt bei rund 11.500 Euro. Die Landes-SPD gibt 3.000 Euro. Für die restlichen Gelder bin ich auf Spenden von Parteimitgliedern und Privatleuten angewiesen. Auch mein Sparschwein muss dran glauben.
- Ich kandidiere im Wahlkreis 30, Usedom, Wolgast und Lubmin. Auf der Landesliste habe ich Platz 20, womit die Chancen, über die Liste ins Parlament einzuziehen, sehr gering sind. Ich konzentriere mich daher noch stärker auf den Direktwahlkampf und gehe auch davon aus, dass ich das Direktmandat gewinne. Zwar hat die SPD diesen Wahlkreis noch nie direkt gewonnen, allerdings tritt die CDU mit einem neuen Kandidaten an.
- Der Schwerpunkt meiner Arbeit soll im Bereich der Bildungspolitik liegen, die für mich im Kindergarten beginnt und bis zu den Hochschulen geht.
Geschrieben von Simon Sieweke, hochschulpolitischer Referent des AStA
von Archiv | 22.06.2006
Kleinstparteien offenbaren ein buntes politisches Spektrum
Neben den fünf im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien buhlten bei den zurückliegenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern weitere neun Parteien um die Stimmen der Wähler. Wie viele Kleinstparteien am 17. September auf den Stimmzetteln zu finden sein werden, bleibt bis zum 31. Juli Verschlusssache des Landeswahlleiters Klaus Hütterbräuker in Schwerin.
„Bis dahin kann ich nur die Parteien nennen, die ihre Beteiligung an der Wahl nicht anzeigen müssen“, konstatiert er. „Das sind die fünf Bundestagsparteien“. Einige der Kleinstparteien sind jedoch ganz sicher wieder dabei.
Offensive D
Die „Offensive D – Partei Rechtsstaatlicher Offensive“ (ehemals „Schill-Partei“) erreichte bei den Landtagswahlen im Jahr 2002 1,7 Prozent der Zweitstimmen. Die Bundespartei versichert, dass man „auf dem Boden des Grundgesetzes“ stehe und sich „gegen alle extremistischen Bestrebungen, sowohl von rechts als auch von links“ wende. In einem kurzen Programmentwurf fordern die Rechtsstaatlichen den Bürokratieabbau, die Förderung von innovativen Wirtschaftszweigen, wie dem Gesundheitsmarkt, sowie die Stärkung von Universitäten und Fachhochschulen. Ihrem Grundsatzprogramm entsprechend verlangen sie schließlich auch für Mecklenburg-Vorpommern die „Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit“, was sie dazu veranlasse gegen Missbrauch im Asylrecht vorzugehen. „Kernpunkte unseres Engagements sind die Weichenstellung für mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze, eine intensivere Mittelstandsförderung und familienorientierte Erwerbspolitik“.
NPD
Die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) kreuzten 2002 lediglich 0,8 Prozent aller Wahlteilnehmer an. Bei der diesjährigen Wahl fürchtet man den Einzug der Partei in den Schweriner Landtag. Um dies zu erreichen startete die NPD am 1. Mai den Wahlkampf unter dem Motto „Arbeit zuerst für Deutsche“. Die Partei hält nicht viel von Wahlprogrammen. Diese streuten den Bürgern Sand in die Augen, heißt es auf der parteieigenen Internetseite. „Wir verzichten daher bewusst darauf und machen sie statt dessen mit unserem Aktionsprogramm für ein besseres Deutschland bekannt“. In dem knapp 80-seitigen Papier finden sich überdurchschnittlich oft Worte wie „deutsch“, „BRD“ und „Volksgemeinschaft“ positiv, während Begriffe wie „multikulturell“ und „Globalisierung“ negativ konnotiert werden. Ein „5-Punkte-Plan zur Rückführung der Ausländer“ kommt dabei ebenso zur Sprache wie eine Globalisierung, die „Arbeitslosigkeit, Lohndumping, Sozialabbau, Naturzerstörung und Krankheit“ verursache. Etliche Forderungen wie beispielsweise nach einer „raumorientierten Volkswirtschaft“, die dem Volk zu dienen habe, durchziehen den Aktionsplan. Gemein ist fast allen Aussagen ihre abstrakte und allgemeine Formulierung. Dies trifft auch auf den größten Teil des Programmbereichs „Bildungs- und Forschungspolitik“ zu. Auffallend eindeutig lehnt die NPD Studiengebühren ab. Man trete einem Rückzug des Staates aus dem Bildungswesen entschieden entgegen, „ebenso jedem Versuch, den Zugang zu höherer Bildung von finanziellen Voraussetzungen abhängig zu machen“.
Die Grauen
Die Partei „Die Grauen – Graue Panther“ erreichte 2002 lediglich 0,2 Prozent der Zweitstimmen und versteht sich selbst als Generationenpartei. Das universelle Wahlprogramm gilt von 2002 bis 2006 und wird derzeit überarbeitet. Der Entwurf fällt durch einen wohlgeordneten Forderungs- und Maßnahmenkatalog auf, der nur in einigen Punkten auf der allgemeinen Ebene verharrt. Oft wird auch deutlich, wie das Geforderte finanziert werden soll. Die Kernforderung der Grauen ist die Einführung eines „Nationalen Sicherheitsfonds für Sozial-Wirtschaft“ (SO-WI). Dieser setzt einen nationalen Mindestlohn von circa 1.250 Euro brutto bei einer 35-Stunden-Woche an. Ziel des SO-WI sei die „Finanzierung von Arbeit statt von Arbeitslosigkeit“. Weiterhin verlangen die Grauen Panther einen sofortigen Stopp der Staatsverschuldung zur Unterstützung kommunaler Haushaltsplanung. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Ruf nach einer „Welt-Ressourcensteuer gegen die Verschwendung nicht erneuerbarer Rohstoffe“. Der Bereich Hochschulpolitik fällt dagegen mau aus. Die Grauen möchten bestehende Studiengänge straffen und generell die Ausbildungs- und Studienzeiten für Hochschulabsolventen verkürzen. Aussagen über Studiengebühren sucht man vergeblich.
PBC
Die „Partei Bibeltreuer Christen“ (PBC) erreichte bei der Wahl 2002 nur 0,1 Prozent. In der Präambel ihres Wahlprogramms schreiben sie die generelle Ausrichtung auf biblische Werte fest, ohne deren Beachtung eine Gesellschaft dauerhaft nicht existieren könne. Ihr zweiseitiger Programmentwurf für die kommenden Landtagswahlen enthält neben schwammigen Formulierungen auch einige konkrete Forderungen. So möchte die PBC zusammen mit den Bürgern „Ressourcen entdecken“ und „Perspektiven in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus und Gesundheit entwickeln“. Dazu bedürfe es unbürokratischer Rahmenbedingungen. Kernpunkt des Entwurfs ist der Appell zur Schaffung starker Familien. Zu Fragen der Finanzpolitik äußert sich die PBC weniger eindeutig. So müsse zwar die Staatsverschuldung „zielstrebig abgebaut werden“ aber konkrete Einsparvorschläge sollen „von einer unabhängigen Kommission aus Finanz- und Wirtschaftsexperten erarbeitet werden“.
Noch Unklarheiten
Mit der „Spasspartei“ (2002 – 0,7 Prozent der Stimmen), der „Bürgerpartei M-V“ (0,3 Prozent), den „Republikanern“ (0,3 Prozent), der „Volkspartei Mecklenburg Vorpommern“ (0,2 Prozent) und der „Sozialliberalen Partei“ (0,1 Prozent) traten bei der vergangenen Wahl noch Kleinstparteien an, die seither weitestgehend von der politischen Bildfläche verschwunden sind. Unklar ist zurzeit auch, ob die WASG, wie in Berlin, in Opposition zur Linkspartei.PDS
antreten wird.
Geschrieben von Sebastian Vogt
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