von Archiv | 22.06.2006
Hip hip hooray, alle Welt schreit Fußball und unterhält sich über Tabellen, Ergebnis und Beine. Jeder weiß Bescheid. auch der ahnungsloseste Fußballlaie wird zum Experten in dieser Zeit. Zu dieser Zeit passt es gut, dass die Sportfreunde aus dem tiefsten Bayern ihre versprochene Hymne zur Weltmeisterschaft abliefern. „54´, 74´, 90´, 2006“ stumpfsinnig genug, das jeder Affe mitgrölen kann.
Wenn man aber dem Fußball nicht nur eine Hymne zur WM, sondern gleich ein ganzes Album schenkt, könnte es auch schnell langweilig werden. Und schon malt sich mir ein Bild in meinem Kopf, was ist wenn Fußballdeutschland es wagen sollte wirklich Weltmeister zu werden? Es gibt so viele Gelegenheiten, diesen Liedern nicht mehr entweichen zu können. Musikalisch ist das Album nichts wert, nicht wirklich. Außer man steht auf die Stimme von Peter, ist kaum was Innovatives zu finden. Man muss wohl Fußball- und Sportfreunde Stiller Fan sein, damit das Album an Wert gewinnen kann. Fußball ist dumm und deshalb lieben wir ihn so.
Geschrieben von Josef Lewe
von Archiv | 22.06.2006
Wie wär’s mit ein bisschen Sommer? Heißen lateinamerikanischen und afrikanischen Rhythmen, warmen Soulstimmen und einer Portion feinstem HipHop? Wer diese Mischung liebt, sollte die neue CD von Sèrgio Mendes beim Durchstöbern der CD-Regale ins Auge fassen. Der zu den international erfolgreichsten brasilianischen Künstlern zählende Sèrgio hat in Zusammenarbeit mit Will.i.am von den Black Eyed Peas „Timeless“ herausgebracht, ein Album, dass in den Kritiken als eines der überraschendsten des Jahres bezeichnet wird (ein Urteil, dem ich mich mit vollem Herzen anschließen möchte!).
Sèrgio Mendes, an den Rhodes oder am Piano, wird von zahlreichen zeitgenössischen Künstlern begleitet, darunter Stevie Wonder, Erykah Badu, Black Thought (The Roots), John Legend, India. Arie, der schon erwähnte Will.i.am, der sowohl als Produzent als auch als Rapper in Erscheinung tritt, Q-Tip, Mr. Vegas und so weiter. Es sind aber nicht nur amerikanische Künstler dabei. Auch der zurzeit angesagteste Rapper aus Brasilien – Marcelo D2 – gibt seinen Text in u.a. Fo’-Hop zum Besten. In dieser sehr vielfältigen Zusammenarbeit haben alte Mendes-Hits wie „Mas que nada“, „The Frog“ oder „Surfboard einen neuen Sound bekommen, der bestimmt niemanden mehr auf den Stühlen hält. Etwas mehr als sechzig Minuten kommt Leben in die Beine, ins Herz und in die vom Winter vielleicht noch etwas betrübte Seele. Es ist ein Album von der Sorte „rund um schön und bis ins letzte interessant und abwechslungsreich gestaltet“, bei dem es schade ist, wenn die Spielzeit vorbei ist (aber zum Glück gibt’s ja die Repeattaste -puhhhh-).
Geschrieben von Masche Uglowski
von Archiv | 22.06.2006
Die Theatergruppe des Greifswalder Humboldt-Gymnasiums hatte in den „Tussi-Tempel“ geladen und zahlreiche Zuschauer kamen dieser Aufforderung nach. Das Theater Vorpommern stellte seine Räumlichkeiten zur Verfügung, während für Schauspiel, Gestaltung und Inszenierung die Gymnasiasten verantwortlich waren.
Aufgeführt wurde ein Theaterstück mit dem viel versprechenden Titel „Tussi-Tempel“, dem es an inhaltlichen Schwerpunkten nicht mangelte. So geht es nicht nur um eine Lehrerin, die unter massiven Alkoholproblemen leidet und von Schülern unter Druck gesetzt wird, sondern auch um eine weitere Pädagogin, die eine lesbische Beziehung mit ihrer Schülerin Christina führt. Des Weiteren werden Mobbing unter Schülern und unter Lehrerkollegen sowie Gewalt an Schulen thematisiert. Der Journalist Herr Fritz gibt sich als Referendar aus, um all diese Probleme aufzudecken und in einer Fernsehsendung, die zugleich die Schlussszene der Aufführung bildet, zu präsentieren. Letztlich stellt das Stück viele Fragen, die weitgehend unbeantwortet bleiben. Wie entstehen Gewalt, Neid und Missgunst? Ist Mobbing ein Problem der Gesellschaft oder des Einzelnen? Wie lässt sich das Schulsystem verbessern? Und vor allem: Wie lassen sich all die Probleme vermeiden? Doch nicht nur solche Denkanstöße, sondern auch Amüsantes und Witziges wusste die Aufführung zu bieten. Originelle Dialoge, viel Musik und gute schauspielerische Leistungen ermöglichten den überwiegend jungen Zuschauern einen gelungenen Abend. Keiner der Anwesenden hatte bereut , den „Tussi-Tempel“ betreten zu haben und so fiel der Applaus für die jungen Schauspieler überaus herzlich aus.
Geschrieben von Grit Preibisch
von Archiv | 22.06.2006
Der Begriff Rechtsextremismus ist in aller Munde, aber was beinhaltet er eigentlich? Der Term setzt sich aus zwei facettenreichen Wörtern zusammen.
Unter politischem Extremismus versteht man Einstellungen, die dem modernen Verfassungsstaat, der Demokratie, ablehnend gegenüberstehen. Dabei sind das Mehrheitsprinzip und die Volkssouveränität sowie deren Anbindung an eine auf den Menschenrechten basierende Verfassung die Elemente, die besonders kritisiert werden. Alle Formen des politischen Extremismus verfügen zudem über strukturelle Gemeinsamkeiten: Sie vertreten Absolutheitsansprüche, Freund-Feind-Stereotype, Fanatismus und ein antipluralistisches Politik- und Gesellschaftsverständnis. Es liegt somit auf der Hand, dass eine Überwindung
der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und folglich auch die Beseitigung der jetzigen Verfassung angestrebt werden. Diese Merkmale sind allen Formen des Extremismus gemein.
Als weiterer begriffsbestimmender Bestandteil kommen jedoch noch die spezifisch rechten Inhalte hinzu: Die ethnische Zugehörigkeit zur deutschen Nation wird überbewertet, was sich in Nationalismus und Rassismus äußert. Eine Ideologie der Ungleichheit weist allen Nichtdeutschen einen minderen Rechtsstatus mit eingeschränkten Ansprüchen zu. Gleichzeitig wird eine Volksgemeinschaft ohne Interessenwettbewerb angestrebt, in der Regierende und Regierte eine Einheit bilden. Ein politischer Autoritarismus schließlich verlangt nach der Willenseinheit von „führender“ Regierung und Volk – der Staat soll die Gesellschaft dominieren. Oberstes Ziel ist es hier, die Homogenität des Volkes zu realisieren, und auch hier zeigt sich ein klarer Konflikt mit dem Grundgesetz.
Vor diesem Hintergrund muss der Rechtsextremismus, anders als Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus, die sich oft genug noch im Rahmen der Legalität bewegen, ganz klar als eine Bedrohung für das politische System der Bundesrepublik angesehen werden.
Geschrieben von Katja Staack
von Archiv | 22.06.2006
Wer hätte es gedacht: nach fünf Jahren Pause und diversen Nebenprojekten der Bandmitglieder melden sich Tool wieder zurück. Und wie! Die 2001er-Scheibe „Lateralus“ galt vielen als der Höhepunkt der Band – sowohl schöpferisch als auch finanziell. Trotz ihrer zunächst befremdlich anmutenden und schwer ins Ohr gehenden Musik schafften sie es mit ihren Titeln sogar auf Spitzenplätze der europäischen und US-amerikanischen Charts, die bekannterweise ja eher easy-listening-dominiert sind.
Mit dem neuen Album „10000 Days“ sollte Tool dies wieder gelingen, denn – und das ist die zweite Überraschung – Maynard James Keenan und seine Kollegen halten das hohe Niveau der Vorgängerplatten. Die insgesamt 11 Songs sind sehr gut produzierte Perlen der Gitarren- und Perkussionshochkultur, tooltypisch sehr komplex und mehrerer Durchläufe bedürftig.
„Vicarious“ ist die Overtüre zu einer Reise durch ihre Klangwelt, in der wieder alle Register gezogen werden. „Wings for Marie (Pt.1)“ und „10000 Days (Pt. 2)“ sind die ersten Höhepunkte der Platte. Etwas später folgt mit „The Pot“ eines der eingängigeren Stücke der CD. Das fulminante Ende markiert „Right in two“, flankiert vom rätselhaften „Viginti Tres“. Dass bei Tool nichts dem Zufall überlassen wird, merkt man nicht nur an den brilliant gespielten Stücken, sondern auch an der Aufmachung der CD. Gitarrist Adam Jones höchstpersönlich gestaltete wie schon bei den anderen Veröffentlichungen ein aufwändiges Artwork für das Booklet; ein Booklet, das diesen Namen auch verdient.
Soll man dieses Album nun empfehlen oder nicht? Wer Tool-Fan ist, hat es sowieso längst. Aber auch die anderen Leute, die eine Schwäche für die härterte Gangart haben, sollten zwecks Probehören den Weg zum Musikalienhandel ihres Vertrauens ruhig einschlagen und sich auf das bandgewordene Rätsel Tool einlassen.
Geschrieben von Robert Heinze