Mangelnde Akzeptanz

Johannes Paul II: „Polen und Deutsche sind sich als Nachbarn von Gott gegeben.“

Über das Verhältnis von Polen und Deutschen, Freundschaft und gute Nachbarschaft

Ende August speiste Horst Köhler, Bundespräsident, an der Tafel von Aleksander Kwasniewski, damaliges polnisches Staatsoberhaupt. Doch bevor sich die beiden über Kalbslenden in Sahnesauce hermachten, hielt der Deutsche noch eine Tischrede, weil das so üblich ist. Von Kollege zu Kollege sprach er: „Die Menschen diesseits und jenseits der Oder und Neiße lernen sich immer besser kennen und schätzen. Das ist Voraussetzung dafür, dass wir zu guten Nachbarn werden und Freundschaft zwischen den Menschen entstehen kann. Das ist unser Ziel.“ Und am Ende der Rede stand er mit erhobenen Kelch und toastete Kwasniewski zu: „Es war Johannes Paul II., der sagte, dass sich Polen und Deutsche als Nachbarn von Gott gegeben sind. Darin liegt ein Auftrag. Lassen Sie uns diesen Auftrag annehmen.“

Für ein Staatsbankett erstaunlich, raspelte unser Mann kein Süßholz und sondierte klar die Auftragslage der beiden Völker. Nix mit Freundschaft, nix mit privilegierter Nachbarschaft, sondern: hier hat sich ein Auftrag gestellt, der beiden Seiten harte Arbeit abverlangt. Packen wir’s an. Wenn Politiker von „Aufträgen“ und „Zielen“ sprechen, dann kann es sich bei dem, was sie zu erreichen wünschen, nur um Aufgaben handeln, deren Lösung noch in weiter Ferne liegen. Man sollte Horst Köhler für diese Worte des Abends dankbar sein, denn er hat mit der Beurteilung sehr recht.
Schauen wir uns die Baustelle an. Das Gebäude steht schief, jedenfalls was die öffentliche Wahrnehmung der bilateralen Beziehungen auf außerpolitischer Ebene betrifft. Während nach landläufiger Meinung die Polen zum Spargelstechen im Bus über die Grenze kommen, lassen sich deutsche Manager bei ihren östlichen Firmenuntergebenen einfliegen. Wo jenseits der Oder Loreley und Zugspitze als akzeptiertes Reiseziel gelten, müssen sich diesseits die Masurenurlauber nach ihrer Rückkehr zuerst einmal fragen lassen, ob sie noch im Besitz ihres Autos seien. Wenn ganze Domains wie polenwitze.de das Nachbarland der Lächerlichkeit Preis geben, sind dort Späße über Deutsche Mangelware. Das jeweilige Fremdsprachenangebots in den Schulen ist nicht in Relation zu setzen. Deutsch ist nach Englisch bei den Nachbarn sehr gefragt. Die Schülerzahl für Polnischunterricht an deutschen Schulen liegt noch weit unter Alt-Griechisch und Schwedisch.
Es fehlt an gleichwertigem Respekt. Deutschland, das große und starke Wi-Wa-Wunderland, Polen der rückständige Nachbar zwischen Kartoffeläckern, Korruption und Alt-Kommunisten. Die Beziehung läuft nicht auf gleicher Augenhöhe und führt zu komplementären Rollen. Der Deutsche fühlt sich zum Nachhilfelehrer in Sachen Marktwirtschaft, Demokratie und Ordnung berufen. Aber unter den Polen ist Deutschland nicht gerade der Lieblingslehrer. Es gibt andere Favoriten. Der Deustche weiß das noch nicht. Oft genug aber nimmt man den Schülergestus in Polen auch an und glaubt was wunder über deutsche Pünktlichkeit und Präzision, Ordnung und Sauberkeit, Steifheit und Humordefizit. Abbau von Vorurteilen ist eine förderliche Maßnahme. Doch bis alle Deutschen in Polen gewesen sind und andersherum, wird Horst Köhler schon lang nicht mehr Bundespräsident sein.
Immer wieder wird die Rolle der Jugend hervorgehoben. Bei ihr verspricht man sich die größten Fortschritte am Projekt für gute Nachbarschaft und Freundschaft.

Brückenbauer in Greifswald

In Greifswald feiern sie offiziell schon Richtfest. An der Uni lernen derzeit 49 polnische Austauschstudenten, an der Mensatheke gibt es polnische Kalbslenden in Sahnesauce, das Kulturfestival PolenmARkT ist gerade erfolgreich über die Bühne gelaufen.
Wir besuchen das Wohnheim in der Geschwister-Scholl-Straße. In dem Block leben 28 polnische Studenten. Haben sie schon Freundschaft mit Deutschen geschlossen? Mitunter gebe es Kontakte. Es sei nicht so schwierig, mit Deutschen ins Gespräch zu kommen. Aber danach werde es schwierig, eine persönliche Ebene zu erreichen. Woran das liege, wollen wir wissen. Zwei Gründe. Die polnische Mentalität sei expressiver. So teile man sich untereinander direkter mit, woran das Herz jubele oder leide. Die Deutschen ließen sich nicht so leicht in die Karten schauen und machten oft ein unergründlich frohes Gesicht. Natürlich gäbe es auch einen pragmatischen Hintergrund: Freundschaft und Seelenbeichte seien keine Geschäfte, die sich in kürzester Zeit entwickeln könnten. Weder diesseits, noch jenseits von Oder und Neiße. Und weil die Austauschstudenten oft nur wenige Monate zu Gast sind, stellt sich die Einsicht in die Notwendigkeit von selbst: Sie seien hier vorrangig um Deutsch zu lernen, nicht um neue Freundschaften aufzubauen.
Wie sind die Rahmenbedingungen im Gastort, fragen wir weiter. Ehrliches und großes Lob gibt es für das Akademische Auslandsamt, die Sprachlehrer und Universitätsdozenten. Sie alle gäben ihr Möglichstes, um ihnen einen erfolgreichen Studienaufenthalt zu verschaffen. Überrascht sei man von der Lockerheit der Angestellten und Dozenten. Polnische Bürokraten und Universitätslehrer könnten sich eine Scheibe abschneiden.
Eher unglücklich sind die Studenten mit der Art ihrer Unterbringung im Wohnheim. In der Regel wohnen Polen mit Polen auf den Doppelzimmern. Allein schon der Sprache wegen würde man lieber mit deutschen Kommilitonen, wenigstens aber mit Gaststudenten anderer Nationen das Zimmer teilen wollen. Enttäuscht sei man auch von der Situation, dass polnische Studenten die größte ausländische Delegation in Greifswald bilden. Man hätte sich eine größere, internationale Durchmischung erhofft, um mehr Zeit im Dialog der Kulturen zu verbringen.

Deutschland, keine Heimat

Zuletzt fragen wir, was die Polen mit ihrer Erfahrung aus Greifswald zukünftig anfangen werden? Würden Sie nach dem Studium versuchen, in Deutschland zu arbeiten? Fast alle zieht es zurück in die Heimat. Allein der Freunde und Verwandten wegen, aber auch die fremde Sprache bildet oft eine Barriere in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Gerne wollten sie beruflich an polnisch-deutschen Unternehmungen teilhaben, die beide Nationen verbinden. Die Studenten denken darüber nach, bestimmte Vorzüge des deutschen Alltags nach Polen zu importieren, beispielsweise die offene und gelassene Atmosphäre zwischen Privatpersonen und administrativen Personal. Die deutsche Universitätslehre wolle man wiederum hinter der Grenze zurücklassen. In der Heimat lerne man systembedingt effektiver und tiefgründiger. Das Bildungsniveau der deutschen Studenten lasse zu wünschen übrig. Mit einer Mischung aus Skepsis und Neid werden hiesige Studiendauer und Prüfungsmodalitäten beäugt.
Diese selbstbewusste Einstellung erzeugt Respekt bei uns, wenngleich man diese Sichtweise nicht uneingeschränkt teilen muss. Oder wie es Horst Köhler an der Warschauer Tafel sagte: „Man braucht auch die Kraft dafür, mit Offenheit und ohne Verkrampfungen zu reagieren, wenn es einmal unterschiedliche Meinungen gibt. All das können wir uns heute zutrauen.“
Freundschaft bedeutet darüber hinaus, sich gegenseitige Herzlichkeit zu erweisen. Darin sind unter anderen die Polen Weltmeister. Eine Kostprobe gaben die polnischen Studenten im Rahmen des PolenmARkTes, finanziell und logistisch vom Auslandsamt unterstützt. Es wurde tagelang vorgekocht und Süßes gebacken, deutschsprachiges Theater einstudiert und am Ende drehte eine Kapelle aus der Nähe Stettins die Gitarrenverstärker auf, zur völligen Begeisterung des polnisch-deutschen Tanzpublikums. Für die hier vorgenommene Sezierung des bilateralen Verhältnisses konnte neben all den Vergnügungen des Abends auch eine interessante Beobachtung gemacht werden: Die Polen kippten in einem bedeutenden Punkt in ihre Rolle als belächelte Hinterwäldler zurück. Wie hieß das Motto des Abends noch gleich? Polen zu Zeiten der sozialistischen Volksrepublik. Man kleidete sich zur Erheiterung aller Beteiligten in Kittelschürze und Kopftuch und zelebrierte die polnische Mangelwirtschaft der 80er Jahre. In gewisser Weise eilten die Organisatoren so dem tief verankerten Polenbild der Deutschen willfährig voraus. Ihre eigene Sicht der Dinge versteckten sie, sicher unbewusst, am Rande des Programms in einer kaum beachteten Diashow mit Fakten aus dem heutigen Polen. Unter den gezeigten Bildern moderner polnischer Geschäftszentren- und Innenstädte war in der kommentierenden Untertitelung von „polnischer Boomwirtschaft“ und der „polnischen Vorreiterrolle im Transformationsprozess der osteuropäischen Staaten“ zu lesen. Schade das man es nur lesen konnte, denn in diesem Bewusstsein steckt der eigentliche Schlüssel zum Erfolg von Horst Köhlers Auftrag. Erst wenn man in Deutschland die Polen als europäischen Partner auf gleicher Augenhöhe wahrnimmt und akzeptiert, wird es auch auf kultureller und zwischenmenschlicher Ebene eine breite Verständigung geben können. Polnisch als zweite Fremdsprache würde an deutschen Schulen an Attraktivität stark gewinnen. Touristen würden bedenkenlos mit dem Auto über die Grenze fahren. Deutscher Spargel müsste dann doch noch von Deutschen gestochen werden und mittelständische Handwerksbetriebe aus den neuen Bundesländern bemühten sich jenseits der Oder um alltägliche Aufträge.

Geschichte ad acta

Bis zu diesem Zeitpunkt wird noch viel Wasser die Oder hinunterfließen. Unsere Gespräche mit polnischen Studenten zu beiden Seiten des Grenzflusses zeigten jedoch in einem Aspekt eine für die Zukunft günstige Konstellation. Die deutsch-polnische Geschichte im zweiten Weltkrieg hat im Umgang von Student zu Student kein Gewicht. Man will der deutschen Enkelgeneration nichts nachtragen, wenngleich die historischen Tatsachen im Hinterkopf bleiben. Natürlich auch im Bewusstsein der Deutschen, bei denen sich dadurch jeder Nationalstolz in Eigenregie kaltstellt. Dies erweist dem polnisch-deutschen Umgang eine Wohltat. Eitle Ereiferungen über ethnische und kulturelle Vorzüge der Völker wird es so bald nicht wieder geben.
Eine wesentliche Chance für das junge Polen, den nötigen Respekt aus Deutschland zu erlangen und zurückzugeben.

Geschrieben von Robert Tremmel

Ausländische Studierende in Greifswald

Nicht nur, dass es Greifswalder Studenten in die große weite Welt zieht, immer mehr ausländische Studenten kommen auch nach Greifswald.

717 Studierende aus 76 Ländern sind in diesem Semester hergekommen, um für einige Zeit hier zu leben und zu studieren. Die meisten absolvieren ein Direktstudium. Promotionsstudenten kommen überwiegend aus Vietnam (53), Indien (19) und Polen (16) in die Hansestadt.

Geschrieben von Verena Lilge

„Czesc!“

Als polnische Studentin in Greifswald

Magda und ich treffen uns an einem Montag zum Kaffee. Ihre markante Stimme und ihr Lachen fallen sofort auf. Die junge Studentin kommt aus Polen, genauer Szczecin, nur zwei bis drei Stunden mit dem Auto. Magda Plesner ist 20 Jahre alt und studiert seit dem Wintersemester ‘04/‘05 in Greifswald. Sie ist eine von insgesamt 116 polnischen Studenten, die derzeit ihr Studium in Deutschland absolvieren. Davon sind immerhin 83 Frauen. Die Mehrzahl der jungen Polen in Greifswald studieren BWL, Germanistik und Anglistik, dicht gefolgt von Jura und Medizin.

Magda, die sich selbst als Fremdsprachen-Freak bezeichnet, studiert im dritten Semester Anglistik/Amerikanistik als Hauptfach und Polonistik und Kommunikationswissenschaft in den Nebenfächern. Sprachen haben die quirlige Magda schon immer fasziniert.
Und wirklich: Magda plappert munter drauf los, nimmt kein Blatt vor dem Mund. Sie erzählt von ihrem Vater, der in Greifswald regelmäßig als Journalist für das deutsche Radio arbeitet und sie in ihrer Idee, in Greifswald zu studieren, unterstützte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit polnischen und deutschen Behörden kam sie im September 2004 nach Greifswald und fand schnell ein Zimmer in der Makarenkostraße. Dort wohnt die Polin mit einer deutschen Studentin zusammen, mit der sie sich gut versteht.
Beeindruckt war Magda damals vor allem von der Hilfsbereitschaft des AStA, der ihr kostenlos Möbel zu Verfügung stellte und ihr viele wichtige Fragen beantwortete. „Jeder hat mich in dem kleinen, gemütlichen Greifswald freundlich empfangen und mich unterstützt. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, im Studium gegenüber deutschen Kommilitonen bevorzugt zu werden. Ich habe hier noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.“
Einen kleinen Nebenjob hat Magda auch schon gefunden. Sie arbeitet für ein deutsches Bauunternehmen als Übersetzerin von Dokumenten und Katalogen. In Deutschland verdient sie das Sechsfache von dem, was sie in Polen verdienen würde. Dennoch lebt Magda sparsam. Manchmal fragt sie sich, was einige mit dem vielen Geld anstellen, das ihnen im Monat zur Verfügung steht. Magda haushaltet mit etwa 300 Euro in einem Monat, mit allem drum und dran. Sie kann sich kaum vorstellen, dass in Deutschland einige Studenten monatlich mindestens 600 Euro ausgeben. „Von diesem Geld kann in Polen eine vierköpfige Familie leben.“
Die junge Polin beschreibt deutsche Studenten als pünktlich, zuverlässig, ordentlich und sauber, aber vor allem als temperamentvoll, impulsiv und: „Laut! Wenn sich die Deutschen unterhalten, sprechen sie nicht, sondern sie schreien. “
Nach ihrem Studium möchte Magda sehr gerne in Deutschland bleiben und hier arbeiten. Sie hofft, dass die polnische Sprache ihr bei der Suche nach Arbeit helfen wird.
Momentan freut sich die Studentin wieder auf die Weihnachtszeit. Die Weihnachtsmärkte haben es ihr besonders angetan, obwohl sie anfangs die vielen Lichterketten, Tannenzweige und Weihnachtskugeln als kitschig und übertrieben empfand. „Letztes Jahr war ich schockiert von dem vielen Lichterschmuck, mit dem meine Mitbewohnerin unsere Wohnung ausstaffiert hatte. Es war so hell, dass meine Augen geschmerzt haben.“ Sie grinst.
Wir trinken unseren Kaffee weiter und unterhalten uns über Polen. Magda bedauert es, dass Deutschland oft ein falsches Bild von ihrem Heimatland präsentiert wird. „In Polen wird nicht nur geklaut. Polen hat viele schöne Ecken, die man erkunden kann: Schöne Strände, historische Städte wie Warschau, Krakau, Breslau und Pozen. Dennoch muss bei uns noch viel gemacht werden.“

Geschrieben von Ina Kubbe

Polternde Politiker und eine Ostseepipeline

Das Nachbarland Polen war in letzter Zeit häufiger im Gespräch. Hierzulande regte man sich über die Polen auf, die Lech Kaczynski von der rechtspopulistischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) zum Sieg in der Präsidentenwahl geholfen haben. Kaczynski gewann gegen Donald Tusk von der rechtsliberalen Bürgerplattform (PO). Die Wahlbeteiligung betrug 51 Prozent. Kaczyniski will das polnische Strafrecht verschärfen sowie Polizei und Gerichte mit mehr Befugnissen versehen.

Mittlerweile wurden die durch die Präsidentenwahl unterbrochenen Koalitionsverhandlungen fortgesetzt, ausgesetzt und wieder angesetzt. Man konnte sich nicht einigen, profilierte sich doch Präsident Kaczynski immer mal wieder als „Euroskeptiker“ (Kwasniewski) und Rechtsaußen. Doch mit der Aussprache des Vertrauens durch die Mehrheit des Parlamentes kann Kazimierz Marcinkiewicz von der PiS nun in einer Minderheitsregierung im Amt des Ministerpräsidenten schalten und walten.
In Polen erhitzten sich die Gemüter über die Gaspipeline, die durch die Ostsee anstatt durch die zwischen Russland und Deutschland liegenden Staaten verlegt werden soll. Die Pipeline, die vom russischen Wyborg bis nach Greifswald verlaufen soll, wird der erste direkte Anschluss EONs an das russische Gasnetz sein. Dass man sich in Polen über den „Schröder-Putin-Pakt“ aufregt, ist verständlich. Polen ist in hohem Maße abhängig von russischen Öl- und Gaslieferungen. Neben höheren ökologischen Risiken, die beim Verlegen der Pipeline unter der Ostsee drohen, gehen den Staaten, durch die sie hätte verlegt werden können, auch Einnahmen verloren.
Pikant wirkt da besonders der Satz, den Bundespräsident Horst Köhler kürzlich noch zum Festakt der Solidarnosc in Danzig sprach: „Nichts über uns ohne uns – diesen Anspruch hat Polen, und wir Deutsche wollen gerne dabei helfen, dass er als selbstverständlich akzeptiert wird.“

Geschrieben von Stephan Kosa

Auf nach München zur Fußball-WM

Die erfolgreichen Zeiten der „Weißen Adler“, der polnischen Nationalmannschaft, liegen über ein Vierteljahrhundert zurück. Beim Championat 1974 in München wäre man sogar fast Weltmeister geworden, schied jedoch in der „Wasserschlacht von München“ gegen den späteren Weltmeister BRD mit 2:3 aus. Zwei Jahre zuvor holte die Mannschaft an gleichem Ort Olympisches Gold.

Die Bayernmetropole könnte demnach eine Wunschstation für die polnische Endrundenteilnahme im nächsten Juni sein. Vielleicht sogar mit Deutschland in einer Vorgruppe. Man könnte sich zwischen Szczecin und Warschau sogar berechtigte Hoffnungen auf das Achtelfinale machen, betrachtet man die letzten Leistungen der Klinsmann-Elf.
Doch in punkto Zuversicht sind die Fans der Reprezentacja Polski zurückhaltend geworden. Feierte man bei der letzten WM in Fernost anfangs noch das beeindruckende Qualifikationsergebnis, folgte die Blamage auf den Fuß: 0:2 gegen Südkorea, 0:4 gegen Portugal. Das Rückflugticket war gebucht, ehe man sich versah.
Nach der erneuten Qualifikation will jenseits von Oder und Neiße niemand mehr das Wort „Geheimfavorit“ in den Mund nehmen. Zu Recht, denn bei der Gruppenausscheidung um das WM-Ticket war England der einzige Rivale, gegen den dann auch Hin- und Rückspiel verloren gingen. Aserbaidschan, Nord-irland, Wales und Österreich reichten als Punktelieferanten für einen zweiten Gruppenplatz und somit für den Flug nach Deutschland.
Vielleicht fiebert Fußball-Polen aber auch für die deutsche Elf. Die Tore schießen dort bekanntlich zwei, die sich Lukas Podolski und Miroslav Klose nennen.

Geschrieben von Robert Tremmel