von Archiv | 12.12.2005
Drei moritz-Redakteure – drei Meinungen.
Der vierte Teil der Geschichte des jungen Zauberers im Extratest.
Joel Kaczmarek
Für rund 200 Millionen Dollar kann man doch erwarten, dass man sich eine halbe Stunde mehr Zeit nimmt, um den Zuschauer in die Handlung einzuführen und ihn nicht einfach mit lauter Versatzstücken verwirrt zurücklässt. Spannung und Action müssen nicht zu Hetze führen und schon gar nicht zu Detailverlust. Letztlich werden die Charaktere zur Nebensache einer für diese Filmdauer zu komplexen Handlung. Harry Potter erlag wohl dem Problem vieler moderner Produktionen, dass man alles Vorangegangene meint übertreffen zu müssen, indem Bombast und Spannung die kleinen Dinge ablösen.
Michael Boortz
Mittlerweile zum vierten Mal zeigt sich Harry Potter nun auf Zelluloid und wie die Darsteller ist auch der Film erwachsen geworden. Leider. Anders als noch bei den Vorgängern stehen mehr die Spezialeffekte und die Actionszenen im Vordergrund. Es gelingt Regisseur Mike Newell zwar, die Geschichte des 4. Teiles der mittlerweile sechsteiligen Reihe über den jungen Zauberer nahezu vollständig umzusetzen, aber den Charakteren um Harry wird kaum Platz für Emotionen gelassen. Gerade das wäre aber wünschenswert gewesen, um die Stimmung der Vorgänger zu schaffen. Letztendlich ist „Harry Potter und der Feuerkelch“ gute Abendunterhaltung, aber lange kein Märchen mehr für Kinder.
Sarah Rieser
Das Time Magazine hat vor kurzem geschrieben, dass die Kinder, die mit Harry Potter aufgewachsen sind, die sind, die mit der ständigen Bedrohung des Terrorismus aufwachsen. Der neue Film schafft es, das Lebensgefühl dieser Kinder einzufangen. Die unbeschwerte Kindheit der letzten Filme ist von der ersten Minute an vorbei. Der Film lässt einen nicht los, die heile Welt der Kinder zerfällt, ständig schweben sie in einer Gefahr, die sie nicht recht fassen können. Am Ende steht kein Happy End, sondern die Gefahr eines neuen Krieges.
Schluss ist mit diffusen Gegnern, jetzt ist Voldemort selbst an der Reihe, genial gespielt von Ralph Fiennes, der der Figur genau das Quäntchen Menschlichkeit lässt, das sie braucht, um sie zu einem der bedrohlichsten Bösewichte seit langem zu machen. Ja, Voldemort ist böse, aber er ist auch ein Mensch. Der Film ist anders, aber besser als seine Vorgänger.
Geschrieben von Joel Kaczmarek, Michael Boortz, Sarah Rieser
von Archiv | 12.12.2005
Ein Resümée des PolenmARkT ‘05 mit Professor Christian Lübcke, Vorsitzender des Greifswalder Kulturfestivals
moritz: Was ist das Ziel des PolenmARkTs?
Uns liegt daran, den Greifswaldern die polnische Kultur näher zu bringen. Aus diesem Grunde bieten wir sie auch pur, dass heißt ohne deutsche Komponenten an. Wenn ich von Kultur spreche, umfasst das alle Gebiete: vom Leben über die Musik, Literatur, Wissenschaft und so weiter. So haben beispielsweise Mensa und s*bar während der Veranstaltungstage polnische Gerichte angeboten.
Wie war die Resonanz auf die diesjährigen Veranstaltungen?
In diesem Jahr konnten wir 1.200 Besucher zählen, im Vergleich zum Vorjahr waren das 200 Interessierte mehr.
Die Tendenz ist steigend?
Im Prinzip ja. Allerdings geht es uns nicht darum, eine breite Masse anzusprechen. Dies würde uns mit der Organisation zum Beispiel von polnischen Rockkonzerten sicher gelingen. Uns geht es aber darum, die Randbereiche der Kultur, wie etwa Kammerkonzerte, zu fördern.
Wann fing die Initiative „PolenmARkT“ an?
In den 97/98-ern habe sich einige Slawistikstudenten zusammengetan, die ihren Schwerpunkt auf das Land Polen gesetzt hatten und dieses ihren Mitmenschen näher bringen wollten.
Wer und wie viele organisieren heute die Veranstaltungen? Machen auch Polen mit?
Zu 90 Prozent sind wir Deutsche. Der harte Kern besteht aus ca. 20 Organisatoren. Allerdings sind eine Menge zusätzlicher Helfer bei einzelnen Programmpunkten zur Stelle.
Woher kommen die benötigten Gelder?
Hauptgeldgeber ist zunächst einmal die Sparkasse. Die Universität hilft uns, indem Verwaltung und Organisationskosten in das Uni-Geschäft integriert sind. Zusätzlich haben wir uns in diesem Jahr an die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gewendet. Zuguterletzt haben wir auch einige freie Förderer, die uns zur Seite stehen.
Geschrieben von Uta-Caecilla Nabert
von Archiv | 12.12.2005
„4“ – Ein Nachtrag zum 23. Filmfest München
Der Film „4“, dessen Buch der Filmemacher Ilya Khrzhanovsky zusammen mit dem bekannten russischen Autor Vladimir Sorokin verfasste, entführt den Zuschauer in zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Der erste Teil spielt in der Großstadt. Es ist Winter und spät Nachts treffen zufällig vier Menschen in einer Bar aufeinander. Im wirklichen Leben ist Oleg Kaufmann und handelt mit Fleisch, indem er die alten Tiefkühlbestände aus Sowjet-Zeiten auflöst. Volodya verdient seinen Lebensunterhalt als Klavierstimmer und Marina arbeitet als Prostituierte.
Den vierten im Bunde bildet der Bartender hinter seinem Tresen. Irgendwann entspinnt sich das Gespräch darüber, was man denn beruflich mache. Marina arbeitet auf einmal im Vertrieb von Klimaanlagen. Oleg behauptet, er habe sein Büro in der Lubjanka – nein, nicht beim KGB, er sei Regierungsbeamter und für das Trinkwasser des Präsidenten zuständig, denn dieser trinke nur Wasser von der Quelle der Wolga. Volodya gibt vor, Biochemiker zu sein und in einem Klon-Projet zu arbeiten – ja, menschliche Klone gebe es schon lange, seit dem zweiten Weltkrieg, man könne auch gar nicht mehr sagen wie viele geklonte Menschen tagtäglich herumlaufen. Der Bartender ist und bleibt der Bartender.
Während die erste Hälfte von Ilya Khrzhanovskys Film durch ihren subtilen Humor besticht und der Zuschauer, der ja die wahre Identität der Protagonisten kennt, schmunzeln muß, überwältigt die zweite Hälfte durch die archaische Wucht ihrer Bilder. Die Verbindung zwischen beiden Teilen ist Marina, die zum Begräbnis einer ihrer drei Schwestern reist.
Ihr Heimatdorf inmitten der russischen Provinz erwartet sie als Ort, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Verblichene Holzhütten, eine Industrieruine, streunende Hunde, sonst nur Leere. Die Zurückgebliebenen im Dorf: alte Mütterchen, Marina, ihre beiden verbleibenden Schwestern, der Freund der Toten. Die Verstorbene sicherte den Unterhalt des Dorfes, schuf Puppen aus Brotteig, den die alten Frauen für sie kauten.
Der Ort steht vor der Katastrophe. Das Totenmahl wird zum Betrinken, zur Orgie, zum Rausch – die Handkamera wie mit einem Teleobjektiv hautnah dabei. Eine Montage voller Energie und Dynamik und radikale Bilder voller Kraft und Direktheit schaffen im zweiten Teil ein Werk, wie man es nur selten zu Gesicht bekommt.
Dem unter anderem in Rotterdam preisgekrönten Film ist zu wünschen, daß er bald in den Kinos seiner Heimat gezeigt werden kann. In Russland wartet das hochpolitische Werk Khrzhanovskys noch auf die Freigabe durch die Zensur. Für den Rest der Welt ist zu hoffen, dass sich genug mutige Kinobetreiber und Filmverleiher finden, die den Film ob seiner Radikalität und Progressivität nicht einem größeren Publikum vorenthalten.
Geschrieben von Maximilian Fleischmann
von Archiv | 12.12.2005
moritz traf zwei Austauschstudenten aus Greifswald….
Zum Studium nach Polen? Warum beim Auslandsaufenthalt nicht gen Osten statt gen Westen? Inzwischen ist Studieren in Polen nicht mehr nur für Slawistik-Studenten attraktiv. Tendenziell kann man dort jedes Fach studieren, ein Platz in einem Austauschprogramm sogar kurzfristig bekommen.
Nichstdestoweniger ist gute Planung vonnöten: Auf jeden Fall empfehlen sich Polnisch-Kenntnisse, die vorab in einem Sprachintensivkurs erworben werden sollten. Teilweise werden Sprachkurse von den Austauschprogrammen oder den polnischen Universitäten angeboten. Andererseits gibt es Studiengänge auf Englisch, vereinzelte Seminare und Vorlesungen bisweilen auch auf Deutsch.
Erste Anlaufstelle für Studenten, die ins östliche Nachbarland wollen, ist das Akademische Auslandsamt (AAA) in der Domstraße 8. Dort wird eine ausführlicher Beratung anboten und es liegen Infoblätter und Broschüren aus.
Das Studiensystem in Polen ist dem deutschen sehr ähnlich. An den meisten Hochschulen gibt es aber keine Semester sondern das akademische Jahr.
Die Lebenskosten sind in Polen gering. Hat man ein Stipendium, entfallen die Studiengebühren an der jeweiligen Hochschule. Auslands-BAföG ist möglich.
Das SOCRATES/ERASMUS-Programm erlässt nicht nur die Studiengebühren, sondern zahlt zusätzlich ein monatliches Stipendium von rund 75 Euro. Sprachkurse vor und während des Aufenthalts werden angeboten, ein Lernvertrag zwischen den beteiligten Hochschulen soll das nahtlose Weiterstudieren nach der Rückkehr ermöglichen. Anmeldeschluß für das nächste Wintersemester beziehungsweise das Sommersemester 2007 ist Ende Februar 2006.
Auch der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) vergibt Stipendien, allerdings stärker leistungsbezogen. Daneben bietet er jeden Sommer Polnisch-Sprachkurse an, die in diesem Jahr so wenig ausgelastet waren, dass sich der Anmeldeschluß auf den 15. Dezember verschiebt. Die Teilnahme ist immer ein gutes Argument für eine spätere Bewerbung um ein DAAD-Stipendium.
Georg Laaß
studiert Französisch, Englisch und Polnisch; ist zurzeit in Torun für sein (obligatorisches) Auslandssemeste
Was unterscheidet polnische von deutschen Studenten?
Der polnische Student ist dem deutschen überwiegend ähnlich. Es gibt dennoch Unterschiede: Er hat in der Regel bedeutend weniger Geld zur Verfügung. Nichtsdestotrotz geht der polnische Student leidenschaftlich gerne aus. Studenten in Polen sind sehr westeuropäisch orientiert und haben im Allgemeinen gute Fremdsprachenkenntnisse. In Polen lebt man als Student in der Regel zu zweit, zu dritt oder gar zu viert in einem Zimmer und bezahlt im Schnitt etwa 200-300 Zloty (50-80 Euro) pro Monat.
Was unterscheidet Studieren in Polen von Studieren in Deutschland?
Ein wichtiger Unterschied zum Studium in Deutschland ist die jahresbezogene Strukturierung des Studiums. Der Eindruck, dass das Studium “verschulter“ ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass in den Veranstaltungen Anwesenheitspflicht herrscht und dass in den Seminaren eine permanente mündliche Leistung gefordert wird – Schlafen selten möglich. Zur Beantwortung der im Unterricht gestellten Fragen ruft der Dozent oft rigoros aus der Liste der Teilnehmer auf. Die Studienbedingungen sind gut, man kann sogar sonntags in der Unibibliothek arbeiten, in den Fachbibliotheken auch samstags.
Wie klappt der „interkulturelle Austausch“?
In der Regel gut. Jeder der Erasmusstu-denten hat eine/n Mentor/in zur Lebens-bewältigung im neuen Umfeld zur Seite. Man ist in Polen offen und herzlich, freundet sich schneller an als in Deutschland. Ein Nachteil ist die quasi-separate Unterkunft der Erasmusstudenten. Es gibt das Bewusstsein für eine europäische Identität und das Wissen über den westlichen Nachbarn ist in der Regel größer als unser Wissen über Polen.
Thomas Maier
ist inzwischen wieder in Greifswald; studierte im Sommersemester 2005 Polonistik
in Krakau
Über welches Austauschprogramm bist du nach Polen gekommen?
Ich war über das Erasmus-Programm in Krakau. Im November des Vorjahres ging ich zum Akademischen Auslandsamt, das mich gleich weiter zu meinem Polonistik-Prof schickte. Er hat dann alles in die Wege geleitet. Nach Krakau zu gehen war überhaupt kein Problem. Ich bekam dort sogar einen Platz im Studentenwohnheim, habe dann aber doch privat gewohnt.
Was unterscheidet polnische von deutschen Studenten?
Auf jeden Fall feiern sie beide gleich viel! Und polnische Studenten sind ungeheuer kreativ und improvisationsfähig: Wenn einen der Prof in Krakau dazu verdonnert, ein Buch zu lesen, das es nur in der Bibliothek von Danzig gibt, dann wird irgendwie eine Kopie organisiert.
Was ist unterscheidet Studieren in Polen von Studieren in Deutschland?
Die polnischen Studenten müssen fleißiger sein. Das liegt sicherlich auch an dem deutlich hierarchischeren System an den polnischen Unis. Es gibt zwar genauso wie bei uns die Humboldtsche Einheit von Forschung und Lehre, aber die Distanz zwischen Studenten und Lehrenden ist größer.
Wie schätzt du die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland allgemein ein?
Nach dem aktuellen Regierungswechsel gibt es die Ankündigung, kompromissloser mit Deutschland und der EU zu sein. Andererseits wachsen beide Länder auf der menschlichen Ebene stark zusammen. Die größte Gruppe der Erasmus-Studenten in Polen sind Deutsche. Man wird in Polen eigentlich immer mit offenen Ohren und warm empfangen – besonders dann, wenn man ein wenig Polnisch kann!
Geschrieben von Arvid Hansmann, Ulrich Kötter
von Archiv | 12.12.2005
Vom 19. bis 26. November fand in München das 25. Internationale Festival der Filmhochschulen statt. Rund 100 junge Filmemacher aus 24 Ländern zeigten im Münchner Filmmuseum vor einer hochkarätigen Jury und einem interessierten Publikum ihre Werke, wobei die Vorstellungen meistens ausverkauft waren. Und das zu recht, denn in allen Filmblöcken fanden sich unter den Beiträgen aus den verschiedensten Ländern viele neue Inspirationen, interessante Sichtweisen und fesselnde Geschichten.
Darüber hinaus wurde natürlich auch das 25-jährige Jubiläum angemessen gefeiert. 1981 erstmals veranstaltet, entwickelte sich das Filmhochschulfestival, das eng mit der Gründung des Filmfests München zusammenhängt, bald von einem rein europäischen Wettbewerb zu einem „der besten, wichtigsten und produktivsten Studentenfilmfestivals der Welt“, so Henry Verhasselt, Executive Secretary des CILECT, dem Zusammenschluss der bedeutendsten Film- und Fernsehhochschulen der Welt.
International bekannte Regisseure wie Lars von Trier, Thomas Vinterberg, Caroline Link, Rainer Kaufmann, Sönke Wortmann oder Florian Gallenberger stellten sich hier als Filmstudenten – teilweise erstmals – einem größeren Publikum. Beim Festival 1990 zeigte der Trickfilmer Nick Park seinen ersten „Wallace & Gromit“-Film.
Aber auch die Liste der Jurypräsidenten der Letzten 25 Jahre unterstreicht die Qualität des Münchner Festivals, darunter Wim Wenders, Alan Parker, Volker Schlöndorff, Bernd Eichinger, Roland Emmerich oder Fridrik Thor Fridriksson.
Immer wieder gaben sich im Laufe der Jahre weitere illustre Persönlichkeiten wie etwa Julius Epstein, der Drehbuchautor von „Casablanca“, Arthur Hiller als damaliger Präsident der „Academy of Motion Arts and Science“ oder die Filmemacher Sam Fuller und Francesco Rosi ihr Stelldichein beim Münchner Filmhochschulfestival und hielten eine Masterclass für die Teilnehmer.
Man darf also gespannt sein welche weiteren Impulse vom internationalen Festival der Filmhochschulen in den nächsten Jahren ausgehen. Eines ist jedenfalls schon heute sicher: Auch nächstes Jahr wird es wieder viele zukunftsweisende Filme, interessante Gespräche und Kontakte zwischen alten Hasen, aufstrebenden Talenten und gut informierten Besuchern geben. Das alles in einer Offenheit, für die München bekannt ist.
Geschrieben von Maximilian Fleischmann