von Archiv | 15.11.2005
Wer Glenn Gould sagt, der muss auch Bach sagen. Vor 50 Jahren ging der kanadische Pianist mit seiner ersten Einspielung der Goldberg-Variationen nicht allein interpretatorisch neue Wege
In der Vermarktung der Legende Gould suchte seine damalige Plattenfirma Columbia Records nach für die damalige Zeit bisher ungenutzten Vermarktungsmöglichkeiten. Zum diesjährigen Jubiläum erschien in der begrenzten Sonderausgabe der Goldberg-Variationen die verspätete, in einem 164-seitigen Büchlein rekonstruierte Erklärung des damaligen Marketinggags. Zwar reizen das bisher unveröffentlichte Archivmaterial, das CD-Cover im Original-Design und der vom Interpreten verfasste Plattentext, doch in toto gibt es kaum große Überraschungen. Einzig das Interview mit Howard H. Scott, der an den Aufnahmen beteiligt war, macht im Hinblick auf das Bonusmaterial einen neuen Punkt auf: „Wenn Glenn erführe, dass Sony Classical in Erwägung zieht, dieses von ihm verworfene Material herauszubringen, würde er sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen.“
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 15.11.2005
In einer dunklen Winternacht 1813 werden in einem Bordell in Königsberg zwei Kinder geboren, ein wunderschönes, gesundes Mädchen und ein Zwerg: Hercule Barfuss ist missgebildet, völlig entstellt und zudem taubstumm. Keiner rechnet mit seinem Überleben, doch wider Erwarten stirbt er nicht. Henriette Vogel hingegen ist vollkommen gesund und die beiden wachsen in einer tiefen Freundschaft zueinander auf.
Dem verkrüppelten Hercule Barfuss wird eine Gabe auf die Welt mitgegeben: Er ist nicht nur unglaublich intelligent und beherrscht mehrere Gehörlosensprachen, er kann auch in die Gedankenwelt anderer Menschen eindringen und so deren Verhalten manipulieren.
Diese Gabe rettet ihm immer wieder das Leben, zuletzt entkommt er nur knapp der Inquisition.
Doch er flieht und begibt sich auf die Suche nach seiner Jugendfreundin Henriette. Auf seiner Reise erlebt er Klöster, Irrenhäuser, den Zirkus und den Vatikan. Schließlich findet er Henriette und sie verbringen eine kurze Zeit miteinander. Kurz darauf wird das Glück der Liebenden wieder zerstört: Henriette wird von Katholiken getötet. Hercule schwört Rache und die Odyssee nimmt erneut ihren Lauf.
In seinem 7. Roman vereint Carl-Johan Vallgren eine phantasievolle und wundervolle Liebesgeschichte mit einem historisch exzellent recherchierten Kriminalroman. Für diesen poetischen, originell gedichteten Roman wurde ihm 2002 den Strindbergpreis verliehen.
Das Buch „Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe“ von Carl-Johan Vallgren ist bei Suhrkamp erschienen und kostet 10 Euro.
Geschrieben von Anne Breuer
von Archiv | 15.11.2005
Auf einer Greifswalder Autorentagung trafen sich junge Literaten aus ganz Europa
„Junge Literatur in Europa“ hieß die internationale Autorentagung, die vom 3. bis 5. November im Begegnungszentrum „Felix Hausdorff“ in Greifswald stattfand. Dort trafen junge Autoren aus dem In- und Ausland zu der fünften Literaturtagung ihrer Art zusammen. In 16 Lesungen wurden neue Texte der Schriftsteller vorgestellt.
Hierbei sei die Präsentation der Literatur nur ein positiver Nebeneffekt, so Marko Pantermöller, Mitglied des Nordischen Instituts. Das Hauptziel der Lesungen sei vielmehr der Austausch der Schriftsteller untereinander. Nach jeder Lesung wird zu einer Diskussion angeregt, zu der natürlich auch alle Besucher herzlich eingeladen waren.
Dieses Jahr waren Schriftsteller aus Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Norwegen, Österreich, Polen, der Schweiz und der Türkei mit von der Partie. Auf Nachfrage, welcher sein persönlicher Favorit sei, gibt Pantermöller zu, nicht ganz unparteiisch zu sein: „Von Highlights kann man bei einer solch hochkarätigen Literaturveranstaltung natürlich nicht sprechen, aber natürlich ist mir die traditionelle nordeuropäische Komponente sehr wichtig. Wir hatten schon immer hauptsächlich Künstler aus Nord- und Osteuropa hier.“ Wichtig und fruchtbar für Diskurs und Diskussion sei die Zusammenstellung verschiedener Nationalitäten. „Wir laden immer Schriftsteller aus Deutschland, aus dem Ausland sowie deutsch schreibende Künstler mit fremder Herkunft zu unseren Tagungen ein. Sie verarbeiten alle ganz verschiedene Themen in ihren Büchern und so werden auch nicht-deutsche Themen vermittelt“, erklärt Pantermöller.
Es handelt sich um Künstler, die entweder ihr Debüt vorstellen oder deren erstes Werk nicht länger als ein Jahrzehnt zurück liegt. Allesamt sind sie schon preisgekrönt. Bei einigen Literaten blieb es nicht bei einem einzigen Besuch. So waren der norwegische Literaturpreisgewinner Øivind Hånes und Julia Schoch („Beste deutsche Erzählerin“) 2005 nicht das erste Mal in Greifswald. Hånes war schon zweimal bei der „Jungen Literatur in Europa“ zu Gast. Da er nicht nur schreibt, sondern auch als Künstler, Musiker und Produzent arbeitet, trat er auch schon beim Nordischen Klang auf. Er scheint geradezu eine Beziehung zu Greifswald aufgebaut zu haben, denn sein neuer, durchweg hervorragend bewerteter Roman „Petroleum“ spielt zu einem großen Teil dort.
Auch bei dem erfolgreichen „Exilschweden“ Carl-Johan Vallgren, er lebte 10 Jahre lang in Berlin, scheint ein Bezug zu Greifswald erkennbar. 2001 war er mit seiner Satire „Für Herrn Bachmanns Broschüre“ zur Literaturtagung hier, 2002 bekam er für seinen Roman „Den vidunderliga kärlekens historia“ (zu deutsch: „Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe“) den Strindbergpreis verliehen. Auf dem Buchcover ist Caspar David Friedrichs „Mondaufgang am Meer“ zu sehen.
Eine der deutsch schreibenden Künstlerinnen, die nicht aus Deutschland kommen, ist die aus Ungarn stammende Zsuzsa Bánk. 2002 stellte sie in Greifswald ihre Texte vor, dieses Jahr wurde sie auf der Frankfurter Buchmesse hoch gelobt.
Aus Finnland kamen diesmal Maria Peura und Riikka Ala-Harja. Peura wurde schon mit ihrem Erstlingsroman für den Finlandia Literaturpreis 2001 nominiert und stellte dieses Jahr in Greifswald ihren soeben erschienenen neuen Roman „Am Rande des Lichts“ vor. Riikka Ala-Harja hat einen direkten Bezug zu der Uni: In einem Übersetzungskurs haben sich Fennistikstudenten Teile ihres bisher nicht übersetzten Romans vorgenommen, so dass das Buch diesmal zweisprachig vorgetragen werden konnte. Pantermöller freut sich über „diese sinnvolle Verbindung von Unterricht und kulturellem Angebot“.
Geschrieben von Anne Breuer
von Archiv | 15.11.2005
Nachdem die letzten Batman-Teile mehr oder minder gefloppt sind und sich schon nahezu jeder stämmige Hollywood-Schauspieler am Flattermann versucht hat, wagen nun Regisseur Chris Nolan („Insomnia“) und Mime Christian Bale („The Machinist“) einen Neuanfang der nun fünfteiligen Reihe, die die psychologische Motivation des Protagonisten in den Vordergrund stellt. Neben einer Vogelscheuche bekommt es Batman diesmal mit dem radikalen Apokalyptiker Ra‘s Al Ghul zu tun, der einen teuflischen Plan entwickelt hat, um das dem Verbrechen anheim gefallene Gotham City in den Untergang zu stürzen. „Batman Begins“ ist düsterer und bedrohlicher als alle bisherigen Batman-Filme, was auch durch Hans Zimmers pompöse Musik getragen wird.
George Lucas hat in Star Wars die Möglichkeiten des Prequels vorgemacht und so wird der Zuschauer nun auch über Batmans Werdegang aufgeklärt und man muss zugeben, dass seine Renaissance durchweg gelungen ist. Von der Bat-Cave über das Kostüm und das Bat-Mobil bis hin zu Batmans eigentlicher Motivation bleibt keine Frage offen. Die Stärke des Films liegt dabei darin, dass man sich nicht gescheut hat, ihm gewagte und doch ansprechende Neuerungen einzuverleiben, so zum Beispiel das Humvee-artige Batmobil. Dennoch blieb man der Tradition treu und schaffte es, die Atmosphäre der Comics gekonnt umzusetzen – in einer Weise, an der die Vorgänger bisher scheiterten. Und nicht nur Hauptdarsteller Christian Bale, sondern der gesamte weitere Cast glänzt mit Neu- und Altgrößen wie Katie Holmes, Gary Oldman, Liam Neeson, Morgan Freeman, Michael Caine und Rutger Hauer.
Der DVD-Bonus ist mit acht Dokumentationen, einer Bildergalerie, Eastereggs und anderen Extras grundsolide. Für alle leidenschaftlichen Fans gibt es außerdem eine Steel-Book-Edition für rund 30 Euro.
Geschrieben von Joel Kaczmarek
von Archiv | 15.11.2005
England, Ende des 18. Jahrhundert: Auf einem Ball treffen Elizabeth und Mr. Darcy aufeinander. Elizabeth, die kluge, aufgeklärte und emanzipierte junge Frau und Tochter von Mr. Bennet, soll nach den Vorstellungen ihrer Mutter so bald als möglich eine gute Partie machen. Mit übertriebenen Engagement versucht die Mutter, ihre fünf Töchter unter die Haube zu bringen und stößt dabei manchen vor den Kopf.
Während Elizabeths Schwester Jane sich beim ersten Anblick in den neuen Nachbarn Mr. Bingley verliebt, ist dieser von dem vulgären Verhalten ihrer Mutter und ihrer beiden jüngsten Schwestern wenig begeistert und reist – auf Anraten seines Freundes Mr. Darcy – wieder nach London ab. Jane bleibt mit gebrochenem Herzen zurück und Elizabeth wird in ihren Vorurteilen gegenüber Mr. Darcy bestätigt. Nur mit der Zeit kann sie ihren Stolz beiseite schieben und erfährt nach und nach vom wahren Charakter des Gentleman, zu dem sie sich immer mehr hingezogen fühlt.
Regisseur Joe Wright orientiert sich in seiner Verfilmung des Klassikers von Jane Austen stark am Buch. Gesellschaftliche Reflexionen, die typisch für Austens Romane sind, werden aufgrund der Kürze des Kinofilms nicht vertieft. Dennoch verzaubert der Film, auch wenn Jane Austen nichts von glühenden Leidenschaften erzählt und nichts Sensationelles passiert. Keira Knightley spielt die Elizabeth mit viel Charme, Natürlichkeit und einer Ernsthaftigkeit, die einen augenblicklich in ihren Bann zieht. Matthew MacFadyen, als Gegenpart zur herrlich erfrischenden Elizabeth spielt die Rolle des spröden und stolzen Mr. Darcy.
Geschrieben von Verena Lilge
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