von Archiv | 15.01.2005
Neue Strukturen und mehr Service beim AStA
Reformen sind zurzeit sehr in Mode. Gesundheitsreform und Arbeitsmarktreform sind in aller Munde, doch nicht nur in Berlin, sondern auch direkt vor der eigenen Haustür werden Strukturen verbessert und den aktuellen Bedürfnissen angepasst.So hat das Studierendenparlament (StuPa) während seiner Sitzung am 14. Dezember eine umfangreiche Reform des AStA beschlossen, die nach der Neuwahl im Mai in Kraft treten soll.
„Die Idee einer AStA-Reform hat es bereits in den letzten Legislaturperioden gegeben“, berichtet der AStA-Vorsitzende Thomas Schattschneider. „Leider ist die Idee immer wieder verworfen worden.“ Das aktuelle StuPa habe sich jedoch mit dem Uni-Jubiläum, der Begleitung des Bologna-Prozesses und der Strukturreform früh die Eckpunkt seiner politischen Arbeit gesetzt. So wurde bereits im Juni 2004 eine Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Toralf Stark gegründet, die ein Reformkonzept entwickeln sollte. „In den letzten Jahren sind die Studierendenzahlen rapide gestiegen“, erklärt Toralf. „Um da noch einen vernünftigen Service des AStA zu gewährleisten, musste die Arbeit dringend auf mehr Köpfe verteilt werden.“ Ein erster Schritt sei die Neuschaffung eines Referats für Fachschaftsangelegenheiten gewesen, das Felix Prokoph seit November innehat. „Dies reichte jedoch nicht aus“, gibt Thomas Schattschneider, der auch zur Struktur-AG gehörte, zu bedenken. So wurde weiter nach einer neuen Struktur gesucht.
Der Vorschlag, der auf der Dezembersitzung verabschiedet wurde, sieht nun ein Drei-Ebenen-System vor: Der AStA gliedert sich zukünftig in vier Aufgabenbereiche. Es gibt einen hochschulpolitischen, einen administrativen, einen sozialen sowie einen studienorganisatorischen Bereich. Diese werden jeweils von einem Referenten geleitet, welche die erste Ebene bilden. Ihnen untersteht jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Co-Referenten, die für spezielle Teilbereiche eines Referats zuständig sind. Die dritte Ebene schließlich bilden autonome Referenten, die projektbezogen arbeiten. Die Gesamtverantwortung trägt der AStA-Vorsitzende. Er besitzt, dem Bundeskanzler vergleichbar, Richtlinienkompetenz, kann also Arbeitsaufträge erteilen. „Einer muss den Hut aufhaben“, ist der derzeitige Vorsitzende überzeugt.
Den besonderen Clou des neuen Systems erklärt Toralf Stark: „Die Struktur ist sehr flexibel. Bis auf die Festlegung der vier Bereiche, kann die Aufgabenverteilung zu jeder Legislaturperiode neu festgelegt werden. Kurz: Jedes StuPa kann sich seinen eigenen AStA ‘bauen’.“ So können Co-Referate jedes Jahr bei Bedarf neu geschaffen beziehungsweise geschlossen werden. Ein Umstand, der in der derzeitigen unsicheren Situation nicht zu verachten sei. „Das neue Konzept ist genau das, was ich mir gewünscht habe“, sagt er zufrieden. Eine Einstellung, die viele StuPisten teilen. „Mit der Reform ist uns ein großer Wurf gelungen“, sagt beispielsweise Tobias Linke.
Doch nicht jeder ist mit der Lösung zufrieden. „Ich finde es schade, dass die Möglichkeit zu tief greifenden Veränderungen nicht wahrgenommen worden ist“, meint Simon Sieweke, Referent für Hochschulpolitik im derzeitigen AStA. Er hatte selbst ein Reformkonzept vorgelegt, das stärker auf Vollzeitkräfte setzte. So sollten die Kernreferate sowie der Vorsitz hauptamtlich geführt und mit 500 Euro monatlich vergolten werden. „Ich bin der Meinung, dass wir Top-Kräfte brauche“, ist sich Simon sicher.
Auch wenn die jetzige Lösung mit einer Bezahlung von 260 Euro für die Referenten und 160 Euro für die Co-Referenten günstiger ist, wird eine Erhöhung des Anteils am Semesterbeitrag, den das StuPa ‘verwaltet’, angestrebt. „Ich denke, eine Erhöhung des Semesterbeitrags um 1,50 Euro ist sinnvoll“, so Toralf Stark. „Unser Haushalt ist verhältnismäßig klein. Hätten wir mehr Geld zu Verfügung, könnten wir auch mehr bewegen.“ Eine Einstellung, der auch Thomas Schattschneider zustimmt. Er hält sogar eine Anhebung um zwei Euro für angemessen.
Besserer Service kostet Geld. Dies ist nicht nur in der Bundespolitik so.
Geschrieben von Kai Döring
von Archiv | 15.01.2005
Das Ergebnis einer Akkreditierung ist ein Gütesiegel einer unabhängigen Agentur. Diese vergibt richtungsweisende Noten für Studiengänge, die von der Universität freigegeben wurden.
Dies ist somit der Auftrag einer Bildungseinrichtung an spezielle Agenturen. Das jeweilige Resultat weist die Qualität eines Studiengangs aus und hebt gleichzeitig das Prestige einer „alma mater“. In Zeiten knapper Kassen und der Umwerbung von Studenten für den eigenen Hochschulstandort, bedarf es harter Standortvorteile und eines bundesweiten guten Rufs.
Die Begutachtung an der Greifswalder alma mater liegt im Landeshochschulgesetz begründet. Innerhalb des sogenannten Anerkennungsverfahrens (LHG §§ 108-112) ist eine Universität verpflichtet, sich nach einer internen Einführung von neuen Studiengängen einer externen Prüfung zu unterziehen.
22 Master-Studiengänge auf dem Prüfstand
Erstmalig erfolgte dies im Bereich der Bachelorstudiengänge Ende 1999/Anfang 2000. Derzeit werden die siebzehn Master of Arts (M.A.)- und fünf Master of Education (M.Ed.)- Studiengänge auf Herz und Nieren geprüft. Die Kosten der Begutachtung bewegen sich nach einer Rückfrage beim Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Manfred Bornewasser die Kosten im fünfstelligen Bereich. Durch den Bologna-Prozess gaben die Kultusministerien bundesweit die Evaluierung in die Hand von Agenturen. Die Kosten hierfür müssen inzwischen die Universitäten tragen, die somit unter neuerlichen finanziellen Druck gerieten. Bisher wurden in Greifswald diese Aufwendungen durch die gesamte Universität getragen. Ab diesem Jahr jedoch sollen die Fakultäten aus ihrem Budget die Mittel für die Akkreditierung selbst aufbringen. Verlierer werden damit die Reformwilligen sein.
Die Unterlagen aus Greifswald wurden im vergangenen Jahr eingereicht. Vom 5. bis zum 7. Januar weilte dann die zuständige Akkreditierungskommission der Agentur Aquin in Greifswald. Die in drei Gruppen aufgeteilte Kommission untersuchte vorschriftsgemäß die betreffenden Studiengänge gemäß einer Bündelung. Die gut 20 Gutachter reisten aus der ganzen Bundesrepublik in die Hanse- und Universitätsstadt, wurden herumgeführt und fragten bei Professoren, Studenten, Fachschaftsräten und im AStA nach.
Spannend werden letztlich die offiziellen Ergebnisse der komplexen Analyse sein. Voraussichtlich ist damit im April zu rechnen. Denn dann zeigt sich, was top ist oder was nachgebessert werden muss.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 15.01.2005
Simon Sieweke ist vom engeren Senat nicht für die Wahl zum Prorektor nominiert worden.
Der derzeitige AStA-Referent für Hochschulpolitik und ehemalige Vorsitzende war bei der Senatssitzung am 15. Dezember angetreten, nachdem ihn der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät mit 13 zu 7 Stimmen als Kandidat nominiert hatte.
„Mehr Transparenz“ hatte Simon Sieweke bei der Kandidatenvorstellung gefordert und außerdem auf das Problem hingewiesen, dass die Anzahl der Master-Studenten in Greifswald immer weiter abnehme. Er werde daher für breitflächige Evaluationen eintreten. Seine Kernforderung war jedoch der Erhalt aller fünf Fakultäten der Universität gewesen. „Eine Universität braucht die ganze Breite“, so Sieweke. Eine Meinung, der sich die beiden Gegenkandidaten nicht anschließen wollten. „Eine Amputation führt zwar immer zu einem Leben mit Behinderung, doch manchmal stellt sie das einzige Überlebenskonzept dar“, so Prof. Claus Dieter Classen, derzeitiger Prorektor bei seiner Vorstellung. Ihm sei ein „exquisites Geschäft“ lieber als ein „Gemischtwarenladen“. Eine Meinung, die den Großteil der 22 Mitglieder des Engeren Senats offenbar überzeugte. Er nominierte mit großer Mehrheit Classen sowie Prof. Otto-Andreas Festge für die Wahl, die am 19. Januar stattfinden wird. Simon Sieweke erhielt die erforderlichen zwölf Stimmen nicht.
Dabei hätten bei der Nominierung durchaus drei Kandidaten berükksichtigt werden können. Eine Vorauswahl wäre nicht nötig gewesen. „Ich habe das Gefühl, dass da eine Menge Druck ausgeübt wurde“, gibt sich Sieweke enttäuscht. Seiner Meinung nach würden viele einen Kurswechsel des Rektorats im Umgang mit der Landesregierung befürworten, doch „wenn man unzufrieden ist, muss man auch aufstehen und das auch sagen.“
Rechtlich wäre die Wahl von Simon Sieweke ins Rektorat möglich gewesen. Nach der neuen Grundordnung der Universität aus dem Jahr 2002 muss einer der beiden Prorektoren Professor sein, der andere kann ein Angehöriger der Universität sein – ob nun ein Mitglied des öffentlichen Dienstes oder ein Student.
Die Prorektoren bilden zusammen mit Rektor und Kanzler das Rektorat, des etwa über die Öffnung oder Schließung von Studiengängen entscheidet. Wäre Simon Sieweke also erfolgreich gewesen, hätte die studentische Seite auch einen Vertreter in einer Schlüsselstellung der Universität gehabt. Die nächsten Rektoren- und Prorektorenwahlen finden 2006 statt.
Geschrieben von Kai Döring
von Archiv | 15.01.2005
Zwölf Minuten dauert die persönliche Einschreibung eines Neu-Studenten in Greifswald. „Zu lange“, meint das Rektorat, da hierdurch während der Immatrikulationszeiträume zu viel Personal gebunden werde.
Zusätzlich zu den 80 Cent Porto, die das Versenden der Leporellos pro Student verursache, entstünden so enorme Kosten. Kosten, die die Universität nicht mehr länger allein tragen möchte. Aus diesem Grund hat der Senat am 15. Dezember gegen die Stimmen der studentischen Vertreter beschlossen, dass jeder Student ab dem kommenden Wintersemester eine Rückmeldegebühr in Höhe von zehn Euro zusätzlich zum Semesterbeitrag zahlen soll.
„Dies ist der Einstieg in ein kostenpflichtiges Studium“, ist aus dem AStA zu hören, nach dessen Ansicht die Einführung einer solchen Gebühr gegen § 6 des Landeshochschulgesetzes verstößt. Laut dem Gesetz ist die Erhebung von Gebühren für ein Erststudium verboten. „Sollte es tatsächlich zu einer Einführung kommen, streben wir daher eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht an“, ist von Simon Sieweke, dem hochschulpolitischen Referenten, zu erfahren. Die Chancen für einen Erfolg sieht er „etwa fifty-fifty“.
„Bei der Rückmeldegebühr handelt es sich nicht um eine Studiengebühr, sondern um eine Verwaltungsgebühr“, setzt Kanzler Dr. Thomas Behrens den Bedenken des Studierendenausschusses entgegen. Einem möglichen Rechtsstreit sieht er deshalb mit großer Gelassenheit entgegen. „Ob sich die Studierenden damit aber einen Gefallen tun, bleibt abzuwarten.“ Ihm sei es lieber, wenn die Studierenden ihre Energie weniger in einen „vergleichsweise lächerlichen Prozess“ steckten, sondern sich vielmehr an sinnvollen Modellen für eine sozial verträgliche Gebührengestaltung beteiligten.
Ob die Gebühr ab dem Wintersemester 2005/2006 dann tatsächlich in Greifswald kommen wird, hängt nun auch am zuständigen Bildungsministerium in Schwerin. „Dies hat noch nicht grünes Licht gegeben“, so Simon Sieweke. Er habe jedoch einen Brief geschrieben, in dem er den Standpunkt der Studierenden noch einmal verdeutliche.
Geschrieben von Kai Döring