Wie gestern bekannt wurde, ist die Wahlbroschüre zu den anstehenden Gremienwahlen fehlerhafter als bisher angenommen. Mehrere falsche Geburtsdaten, Semesterzahlen und ähnliche Ungenauigkeiten waren in den letzten Tagen bereits kritisiert worden. Nun ist zudem klar, dass mindestens drei Kandidaten keinen Einzug in die Broschüre des AStA gefunden haben. Außerdem gibt es Unklarheit über die Kandidaten der Liberalen Hochschulgruppe.
Gestern hatte sich herausgestellt, dass der StuPa-Bewerber Christian Lohse sich zwar ordnungsgemäß zur Wahl angemeldet hatte, seine Vorstellung jedoch keinen Einzug in die Broschüre der Studierendenschaft gefunden hatte. Über die Gründe dafür kann derzeit nur spekuliert werden. Arik Platzek, Layouter des Hefts, erklärte gegenüber dem webMoritz, er habe den Datensatz nie erhalten und lehne zudem die Verantwortung für den inhaltlichen Fehler ab. Diese liege bei Wahlleiter Michael Seifert, der als Verantwortlicher auch noch einmal korrekturgelesen habe.
Christian Lohse, der den Fehler am Anfang der Woche bemerkte, gab sich dem webMoritz gegenüber gelassen. Eine Erklärung hätte es nicht gegeben, offenbar handele es sich um einen dummen Zufall. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und der Wahlleiter seien jedoch sehr hilfsbereit gewesen. StuPa-Präsident Korbinian Geiger wolle sich dafür einsetzen, dass man einen Teil seiner Flyerkosten übernehme. Lohse wirbt bereits mit Aushängen, Flyern und im StudiVZ für sich.
Kein Listenabgleich zwischen Uni und AStA

Kandidiert für StuPa und Senat: Alexander Schmidt
Etwas anderen sieht es bei den anderen beiden „Unterschlagenen“ aus. Diese sind Alexander Wilhelm Schmidt, Kandidat für den akademischen Senat und Marie Luise Schmidt, Kandidatin für den Fakultätsrat der Theologie. Die beiden Kandidaten fanden sich zwar auf den (ausschlaggebenden) Listen der Uni-Leitung, hatten sich jedoch nicht beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) gemeldet, der für die Wahlen der gesamtuniversitären Gremien eine Mittlerrolle anbietet. Das heißt, Anmeldungen sind auch im AStA-Büro möglich und werden gesammelt an die Wahlleitung der Universität weitergereicht.
Warum kein erfolgreicher Listenabgleich stattfand, ist bis dato unklar. Von Seiten des AStA wird vermutet, dass die Anmeldung von Marie Luise Schmidt nachträglich erfolgte, da es in der Theologie am Ende der Bewerbungsfrist nur einen Bewerber auf zwei Plätze gab. Davon sei der AStA jedoch nicht in Kenntnis gesetzt worden. Für diese Bewerberin sind damit die Konsequenzen des Fehlers wohl auch die geringsten. Bisher konnten wir zu dieser Kandidatin jedoch keinen Kontakt aufbauen, gern weisen wir auch bei ihr gesondert auf Wahlkampfmaterial hin: web[ät]moritz-medien.de.
Wahlleiter: Kandidaten haben keinen Anspruch auf eine Vorstellung

Wahlleiter Seifert: "Ärgerliche Fehler"
Im Fall von Alexander Wilhelm Schmidt verhält es sich da anders. In einem Gespräch mit dem webMoritz äußerte er Unverständnis über das Fehlen seiner Senats-Bewerbung (als StuPa-Kandidat ist er aufgeführt) in der Info-Zeitung. Robert Herold erklärte uns hingegen, es sei ihm bekannt gewesen, dass es einen weiteren Kandidaten für den Senat gegeben hätte. Beim Versuch eines Listenabgleichs sei ihm jedoch von einer Mitarbeiterin des Uni-Wahlleiters Mike Naujok mitgeteilt worden, dass man den Namen des Kandidaten nicht heraus geben könne. Zumal habe dieser explizit betont, dass er sich nicht auf der Liste des AStAs wiederfinden wolle.
Schmidt hingegen hält das Fehlen seiner Vorstellung für “keinen Zufall”. Weiter ausführen wollte er diesen Vorwurf allerdings nicht. Zudem erwähnte er dem webMoritz gegenüber, dass er sich rechtliche Schritte aufgrund der mangelnden Chancengleichheit vorbehalte. Dass die Wahl durch solch einen Schritt für ungültig erklärt werden könnte, erscheint derweil unwahrscheinlich. Der für die Infozeitung verantwortliche Wahlleiter Michael Seifert erklärte, es handle sich zwar um ärgerliche Fehler, dennoch gebe es keine Verpflichtung seitens der Verfassten Studierendenschaft, eine solche Zeitung anzubieten. Damit sei die Gültigkeit der Wahl auch nicht an deren Vollständigkeit gebunden. Schmidt wirbt ebenfalls mit einem Flyer für seine beiden Kandidaturen.
Chaos bei der LHG

Logo der Liberalen Hochschulgruppe
Um Alexander Wilhelm Schmidt rankt sich, im Zusammenhang mit der Liberalen Hochschulgruppe (LHG), in der er Mitglied ist, offenbar noch ein weiteres Problem. Am vergangenen Dienstag wies uns der LHG-Vorsitzende Patrick Kaatz darauf hin, dass sowohl Schmidt als auch die AStA-Vorsitzende Solvejg Jenssen zwar wie angegeben Mitglieder der LHG seien, jedoch auf eigenen Wunsch nicht offiziell für diese kandidierten. Solvejg Jenssen bestätigte uns dies. Sie hatte ihre Mitgliedschaft zuerst nicht einmal angegeben, das dann allerdings noch nachgeholt: Wie der webMoritz bereits berichtete, war diese auf Druck des RCDS noch eingefügt worden. Alexander Schmidt zeigte sich von dieser Aussage hingegen überrascht. Er habe diesen „eigenen Wunsch“ nie geäußert. Auf der Homepage der Liberalen wird er nicht als Kandidat gelistet. Dort taucht nun aber Matthias Merten auf, der in der Wahlzeitung keine politische Gruppierung angegeben hatte.
Bilder:
Fotos Alexander Schmidt, Christian Lohse – privat
LHG-Logo – Liberale Hochschulgruppe
Foto Michael Seifert -Gabriel Kords
Tipp-Ex (Startseite) – xcaballe via flickr
Grafik Gremienwahl – Jakob Pallus
In einer früheren Version dieses Artikels befand sich ein weiteres Foto von einem Kandidaten, dies wurde auf dessen Wunsch hin entfernt. (27. Juni 2012)