Der König des Greifswalder Deutsch-Raps

Der König des Greifswalder Deutsch-Raps

Diese Ausgabe der moritz.playlist ist eine besondere. Heute geht es um jemanden, der in seiner Musik einen unvergleichbaren Bezug zu seiner Heimatstadt herstellt. Er ist der Greifswalder Deutsch-Rapper. Der König des Greifswalder Deutsch-Raps, wenn man so will und ich habe mich mit LEX177 auf ein Interview getroffen.

Wie wir den König gefunden haben

Einleitend möchte ich aber eine Geschichte erzählen. Sie beginnt an einem Donnerstag, kurz vor 19:15 Uhr. Eine Redaktionssitzung des webmoritz. steht an. Um aber die Zeit zu überbrücken und auch um ein wenig zu socializen, werden meisten lustige Videos auf YouTube geschaut. Gut, zugegeben, meist finden nur die Chefredakteure diese lustig, das ist aber ’ne andere Geschichte. Auf jeden Fall sollte ein Video mit Bezug zu Greifswald über den Beamer flimmern. Also Greifswald in die Suchleiste eingeben und der dritte Suchvorschlag war „Greifswald Rap“. Wir wurden neugierig. Und dann fanden wir ihn. Den Track „Ich bin Greifswalder“. Zugegeben; den Reupload. Wir hatten in der Gruppe direkt einen Gedanken. Ein Interview wäre mega. Als wir dann wussten, wer der Urheber dieses Meisterwerkes ist, war klar: es wird eine moritz.playlist geben.

Wie der König zu rappen begann

Wir machen eine kleine Zeitreise ans Ende der 90er. LEX177 ist zu diesem Zeitpunkt fünf oder sechs Jahre alt. Als Geschenk seiner Schwester bekommt er das Album „Flesh of my Flesh, Blood of my Blood“ von DMX in die Finger. Nach eigener Aussage habe „er nicht geschnallt, was da erzählt wurde“. Aber gerade der „Groove und die Energie dahinter“ hatten es dem kleinen Lex angetan. Bis heute zähle DMX zu seinen absoluten Lieblingsrappern. LEX177 beginnt also schon früh mit dem bloßen Hören von Rap. Die spätere Ära um die 2000er herum war der bloße Traum für ihn.

[Die] 2000er Ära mit Eminem und 50 Cent […] war die Definition von Coolness und das wollte ich sein.

LEX177

Den Entschluss gefasst, selber mit dem Rappen anzufangen, habe er, als er „Mein Block“ von Sido in die Hände bekommen hatte. Der allererste Text aus seiner Feder ging dann auch gleich um eine ominöse Stadt mit dem Greifen, weil über seinen Block zu schreiben nach seiner Aussage keinen Sinn ergeben habe.

Was soll ich erzählen? Meine Nachbarin ist 70 und bringt uns Mittagessen vorbei, ist ja totaler Quatsch, will kein Mensch hören. Also habe ich meinen ersten Text über Greifswald geschrieben. […] Dann standen da halt so Sachen drin, wie: ich treffe mich mit meinen Freunden und wir fahren BMX.

LEX177 über seinen ersten Text

Zeitlich befinden wir uns im Dezember 2005. Erste Aufnahmen machte LEX177 2007 mit einem Headset. Thematisch ging es nach seiner Aussage amerikaorientiert zu. So wusste er, dass er das darstellen wolle, was die Amerikaner darstellen.

Ich will Wert auf Klammotten legen. Schon die Frauenthemen haben, auch mit 13, 14, [..] Ketten. Alles. Hauptsächlich Amerika.

LEX177 über seine ersten Anfänge

Aber eins war ihm damals und ist ihm heute immer noch wichtig: Dass er „keinen Scheiß erzählt“. Wenn er kein Geld habe, könne er nicht rappen, dass er Geld habe, so LEX177 weiter.

So sind damals schon die Tracks vor 2007 entstanden. Mit ein paar Freunden seien sie damals durch die Stadt gelaufen, hätten Videos gedreht und ihre Texte in die Kamera gerappt, ohne Beat, nur der rohe Rap. So hätten sie am Ende ihr Album gehabt und dieses auch auf DVD verewigt. Ab 2007 wurden dann auch die ersten Songs, immer noch mit Headset aufgenommen, für 3€ in seiner Schulklasse verkauft. Ab 2008 sind dann die ersten Tracks als Free-Download erschienen. Möglich war dies, weil LEX177 sich genügend Geld für eben erwähntes Headset zusammengespart und seine Schwester ihm Magics Music Maker geschenkt hatte.

Eigentlich ist alles immer rausgekommen. Irgendwie. Ob als CD oder als Free-Download im Internet. Irgendwie kam es immer raus.

LEX177 auf die Frage, ob Rap erst nur eine Sache für sich war oder ob er auch gleich seine Tracks veröffentlichte.

LEX177 beginnt also, erste Tracks zu veröffentlichen. Damals noch bis zu drei Mixtapes im Jahr. Dass man so viele Songs produzieren konnte, habe daran gelegen, dass man zu einem keine hauseigenen Produzenten gehabt habe und Zeit bei den Beats sparte.

Wir hatten ja keine hauseigenen Produzenten. Das heißt: wir haben uns die Beats von den Amerikanern gerippt und haben die Instrumentals heruntergeladen oder sind extra in den MediaMarkt gelaufen und haben die Maxi Single gekauft, weil meistens das Instumental da mit drauf war.

LEX177 dazu, wie ein Track damals entstanden ist

Wie heute ein Track entsteht

Heute sei die Arbeitsweise eine ganz andere. Anfangen würde es damit, das LEX177 heute keinen fertigen Beat mehr habe, sondern LEX177 baut sich ein Sample zusammen, schreibt den Text und lässt seinen Produzenten TyZe die Magie machen und einen Beat bauen.

Dann sitzt du schonmal zwischen einer und vier Stunden an nem Beat. Aufnehmen ist immer ruckzuck. Ich bin One-Taker. Aufnehmen ist ne Sache von zehn, fünfzehn Minuten. Je nachdem, ob wir viel mit Effekten arbeiten.

LEX177 über den Prozess hin zu einem fertigen Song

Mit TyZe arbeitet LEX177 seit 2015 zusammen. Die „Geheimformel“ für ihre Zusammenarbeit auf Augenhöhe sei, dass man die Meinung des anderen gelten lasse.

Er ist viel wichtiger als ich. Also da spiel ich mich gar nicht auf. Also Rapper gibt’s wie Sand am Meer, aber [nicht] so einen Produzenten. TyZe ist schon Bombe.

LEX177 über den Stellenwert von TyZe

Neben TyZe und LEX177 ist aber noch eine weitere Person an den Tracks beteiligt. Rico Scheunemann, von 25ART, als Videograph.

Heutzutage machst du ja nicht mehr die Über-High-Budget Videos. Du versuchst halt, das Beste rauszuholen mit dem, was du hast. Wir haben einfach ne stabile Kamera und wenn auch noch das Licht stimmt und die Story hinter dem Video stimmt, kann dann gar nichts mehr schiefgehen. Du brauchst nicht viel.

LEX177 auf die Frage, warum er kein riesiges Kamerateam hat

Auch sei Rico Scheunemann „ein Genie“ und liebe das Anfertigen von Musikvideos.

Früher habe ich keinen rangelassen. Da war [es] so: „Ok, Ey film mal, aber gib mir das alles. Ich schneid‘ das“. Weil ich keinem vertraut hab. Heute ist [es] so: Rico macht das schon.

LEX177 über sein Vertrauen in die Arbeit von Rico Scheunemann

Wie der König zum König wurde

Bekannt wurde LEX177 gerade in Greifswald und Umgebung durch seinen Song „Ich bin Greifswalder“. Eine Lobenshymne auf die Hansestadt. Ein Song, der nach Meinung von LEX177 gerade aufgrund des Gemeinschaftsgefühls funktioniert habe. Damals hätten sie nicht gewusst, dass der Song so funktionieren würde.

Wir haben das Video nur gemacht, weil ich Werbung für mein Album brauchte. Weil ich mein Album angekündigt habe und ich hatte noch keine Single draußen, kein Video, nichts. Und dann saß uns die Zeit im Nacken und dann war so: Kacke, was machen wir? Das einfachste was geht ist, schnappt dir die Kamera und wir rennen durch Greifswald und filmen die Stadt. Mach den „Ich bin Greifswald“-Song, „Ich bin Greifswalder“. Und er hat gezündet.

LEX177 über die Entstehung des Videos zu „Ich bin Greifswalder“

Der breiten Masse ist LEX177 gerade aber noch unter seinem alten Namen „RohlexXx“ aus Battle-Rap Turnieren, wie dem JBB oder dem JMC bekannt. Dort trat er nicht unerfolgreich an. Auch sei die Aufmerksamkeit, die ihm durch das Publikum, welches teilweise jenseits der Million lag, später vorteilhaft für Bookings geworden.

Aufgrund der JBB-Geschichte, weil das ja auch nochmal Millionen von Klicks sind, konntest du halt auch dementsprechend die Gagen anpassen und die Anfrage war halt höher.

LEX177 über die Nachwirkungen seiner Teilnahmen

Im Verlauf der Zeit wollte LEX177 aber nicht mehr nur mit Battle-Rap in Verbindung gebracht werden. Weshalb er sich zu einem drastischen Schritt entschied. Er macht einen klaren Cut. Löscht den YouTube-Kanal und ändert seinen Namen. Aus „RohlexXx“ wurde „LEX177“.

Ich wollte irgendwann mit diesem nur Battle-Rap [aufhören]. „Du kannst nur Battle-Rap“, [damit] wollte ich nicht mehr so hardcore in Verbindung gebracht werden. Es war irgendwann so: Ey, ich hab auch andere Songs. Ich kann nicht nur die Mutter von dem und dem, ich kann nicht den ganzen Tag nur batteln, ich hab auch ein bisschen was zu erzählen und das hat aber keinen Anklang gefunden. Also dachte ich: Ok, mach ich Reset.

LEX177 über seine Beweggründe

Die Entscheidung habe er sich gut überlegt und den Gedanken des Resets schon länger gehabt, aber sich dennoch die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Ich habe schon viel länger mit dem Gedanken gespielt, mich aber nie getraut, weil da ja auch was dran hing. Ich hab den Kanal seit 2009 gehabt, da war „Ich bin Greifswalder drauf“ mit am Ende 150.000 Klicks. Das war halt für uns das Ding, für uns hier alle. Ich weiß nicht, wie viele Abonnenten, 7.000 oder so. Damals war es halt alles krass irgendwie. Und dann war aber so: Ey, ich kann jetzt den tollsten Song der Welt hochladen und dir von meinem Herzschmerz erzählen, aber es juckt dich einfach nicht, weil ich darauf niemanden beleidige oder battle, weil ich immer nur der Battle-Rapper bin und dann hab ich die Schnauze voll gehabt.

LEX177 über die Entscheidungsfindung zum Reset

Der endgültige Cut sie bei dem ersten Release bei TyZe im Studio dann passiert. Bei der „RedCup“-EP. Da habe man dann gemerkt, dass diese nichts mehr mit RohlexXx zu tun habe.

Was man noch erwarten kann

Aktuell arbeitet LEX177 im Rahmen seiner neuen EP an einem Mammutremix eines Songs mit 19 weiteren Künstlern. Daneben laufen die Arbeiten an seinem neuen Album „Zuhause“. Und natürlich dürfen auch Liveauftritte nicht fehlen. Der nächste Auftritt findet bereits am 16.03.24 in der Kulturvilla hier in Greifswald statt.

Die Top 3 Tracks des LEX177

Abschließend wollte ich von LEX177 wissen, welche seine eigenen Track für ihn persönlich die Top 3 darstellen. Die Wahl fiel auf die Tracks „Zuhause“, „Trigger“ und „Eine Millionen“.

„Zuhause“. Ein Track, der noch nicht veröffentlich ist und als Intro des demnächst erscheinenden gleichnamigen Albums dient.

„Trigger“. Ein „Rumprollsong des Grauens“, wie LEX177 ihn selbst beschreibt. Aber dies würde auf eine lustige Art und Weise geschehen mit brutal stumpfem Humor, dem er freien Lauf gelassen habe.

„Eine Millionen“. Ein Track, den LEX177 seinen Eltern widmet und bei dem das gesamte Musikvideo ein Zusammenschnitt aus alten Videos aus seiner Kindheit sind.

Meine Eltern sind alles für mich. Natürlich muss ich den Song nehmen.

LEX177 über den Song „Eine Millionen“

Abschließend bleibt mir nur, mich bei LEX177 für das Interview zu bedanken. Also, vielen Dank! Natürlich hoffen wir auch, dass wir euch einen lokalen Künstler nähergebracht haben. Kennt ihr denn noch mehr Künstler*innen? Dann schreibt sie uns gerne in die Kommentare.

Beitragsbild: Jan-Niklas Heil

„Man trinkt halt immer noch ’n Bier“ – Das Café Ravic

Ein „Kneipen-Porträt“ von Alexander Fleischmann

Eher unscheinbar: Das Café Ravic

Bunt ist sie, die Kneipenlandschaft der Greifswalder Innenstadt. Und wohl eine der buntesten unter ihnen verbirgt sich hinter einem schmalen, staubigen Schaufenster, das den Blick in ein spärlich ausgeleuchtetes Wohnzimmer erahnen lässt. Darüber ein kleines Schild, auf dem in Schreibschriftlettern „Café Ravic“ steht.

Da ich weiß, dass man trotz der für ein Café doch eher unüblichen Öffnungszeit von 18 Uhr auch eine Viertelstunde später noch vor verschlossener Tür stehen kann, treffe ich erst gegen halb sieben im Ravic ein. Bis auf zwei ältere Herren auf den Barhockern, die mit der jungen Frau hinterm Tresen ins Gespräch vertieft sind, ist der Laden leer. Nachdem ich mir bei der so beschilderten „Materialausgabe“ eine Flasche Bier habe in die Hand drücken lassen, setze ich mich an einen Tisch neben der Bar, zünde mir eine Zigarette an und lasse mein Blick durch den Raum schweifen.

Obwohl es draußen taghell ist, dringt nur gedämpft Licht in die wie ein zugestelltes Wohnzimmer wirkende Kneipe. Überall Gerümpel. Das Mobiliar besteht aus wahllos zusammengewürfelten Stühlen und Sofas, die größtenteils aussehen, als hätte sie jemand vom Sperrmüll angeschleppt, und die so dicht aneinander stehen, dass der ohnehin schon schmale Raum noch enger erscheint. Mir gegenüber an der Wand steht ein altes Klavier ohne Saitenabdeckung, auf dem zwischen zwei Kerzenständern auch zwei Zuckerstreuer stehen. Darüber hängt eine Kollage von Spontanaufnahmen der Gäste und auch den Rest der Wände schmückt allerlei Krempel wie DDR-Plaketen, Baustellenschilder sowie ein Plakat, das dafür wirbt, duch Leibesübungen enthaltsam zu bleiben. Jedesmal wenn ich aufblicke, entdecke ich etwas Neues.

„Das Ravic lebt von den Leuten“

Nach einer Weile komme ich mit der Tresendame Anja ins Gespräch, die an zwei Tagen in der Woche den Betrieb bis offiziell vier Uhr morgens alleine schmeißt. Sie arbeitet seit drei Jahren hier und sagt, dass es im Gegensatz zu anderen Bars kaum einen Unterschied mache, welcher Wochentag gerade ist. „Die meisten der Gegenstände hier haben eine Geschichte zu jemandem aus dem Ravic“. So sei beispielsweise der Korb, der zwischen einigen Koffern an der Decke klebt, der Babykorb von Tom Peter, der das Ravic vor knapp acht Jahren eröffnet hat. „Das Ravic lebt von den Leuten. Vom Anwalt über den Theaterintendanten oder den Tischler bis zum Studenten ist hier jeder vertreten.“ Unter den immer montags auflegenden DJ’s sei sogar ein Pfarrer dabei.

Gegen neun Uhr beginnt sich das Ravic merklich zu füllen und während sich an den Tischen kleinere Gruppen sammeln, scheinen um den Tresen herum alle einander zu kennen. Ich setzte mich auf einen gerade frei gewordenen Barhocker neben einen älteren Mann, der als einziger allein auf sein Bier konzentriert scheint. Er erzählt mir, dass er Rentner sei und nur einige Male im Monat herkomme, da der Weg von Schönwalde etwas lang sei. Ins Ravic gehe er, weil in den anderen Kneipen halt nur Studenten seien und er hier wenigstens auch ein paar ältere Leute treffe.

Am anderen Ende des Tresens stehen zwei Frauen, die sich mit Anja unterhalten und auch ab und an hinter dem Tresen zur Hand gehen. Die jüngere von beiden ist Korinna, die zwar noch immatrikuliert ist, aber eigentlich hauptsächlich in der „Falle“ kellnert. „Ganz ehrlich, das Ravic trägt einen Großteil dazu bei, dass ich noch in Greifswald bin“. Sie erzählt mir, dass die meisten Gastronomen aus anderen Kneipen sich nach der Arbeit noch im Ravic treffen. „Wir verabreden uns selten, man geht meist allein her und trifft jemanden, und sei es hinterm Tresen. Ich würd sowas in keiner anderen Kneipe machen, alles zu Schickimicki. Wie‘s hier aussieht, kann man die Füße hochlegen und ab und an nimmt jemand  die Gitarre von der Wand oder setzt sich ans Klavier und fängt an zu spielen.“

Vom Schiffslackierer bis zum NDR-Reporter

Der ganze Laden ist sind voll mit Gerümpel.

Nach einer Weile setze ich mich an einen antiken Fernseher, der zwischen zwei Kinosesseln und einer Autorückbank als Tisch fungiert. Ich komme mit Charly ins Gespräch, den ich auf etwa 50 schätze und der mir erzählt, dass er vor 8 Jahren in Hamburg als Schiffslackierer gearbeitet habe und jetzt von Greifswald aus zu seinen jeweiligen Aufträgen reise. Sein jüngerer Tischgeselle, ein NDR-Reporter, versichert mir, dass er einer der besten Schiffslackierer der Welt sei und europaweit Aufträge habe. Charly erzählt, dass er in Greifswald abends früher oft weg war und auch die ganzen Leute vom Mensaklub kenne, aber jetzt gehe er eben nur noch selten aus und wenn, dann komme er ins Ravic: „Weil man hier einfach noch paar Bier trinken kann, bevor man nach Hause geht, mit den Leuten, die man kennt. Überall anders tratschen die doch viel zu viel, aber hier nicht und erst recht nicht Anja“.

Während beide immer mal wieder mit den Umstehenden oder Umsitzenden in ein neues Gespräch verfallen, beginne auch ich mich mit den beiden Leuten am Nachbartisch zu unterhalten. Wieder fällt mir auf, wie bunt gemischt sich hier die verschiedensten Alters- und Berufsgruppen freundschaftlich vertraut sind. Während Mosi, der Mathe studiert hat und als Programmierer arbeitet, bereits zwei Kinder hat und deshalb nur noch selten Zeit findet, wegzugehen, hat Julian vor kurzem erst eine Ausbildung als Mediengestalter begonnen: „Hier läuft einfach die beste Hintergrundmusik, von Jazz bis Ostrock.“ Auch dass es hier so eng ist, habe durchaus seinen Vorteil: „man lernt hier einfach so schnell neue Leute kennen“.

„Die Schönheit des Hässlichen“

Etwas später geselle ich mich an meinen ursprünglichen Tisch, an dem sich seit einer Weile eine Gruppe Studenten lautstark über dies und das unterhält. „Das ist einfach die Schönheit des Hässlichen“ kommentiert Jonas, der im sechsten Semester Wirtschaft studiert, das Ravic, und die Zweitsemestlerin Theresa fügt von Nachbartisch hinzu „hier geht’s halt nicht darum sich zu präsentieren“.

Mittlerweile ist es halb drei Uhr morgens, doch die Wenigstens machen den Anschein gehen zu wollen. Während wir vor einem vollen Tisch leerer Bierflaschen sitzen, stellt ein anderer aus der Gruppe, Marco, fest: „Weißt du was geil ist am Ravic? Man trinkt halt immer noch ‘n Bier“

Dieser Artikel entstand im Rahmen unseres Workshops “Grundlagen des Lokaljournalismus” in der Projektwoche des Sommersemesters 2010.

Bilder: Alexander Fleischmann