Eine Liebeserklärung an … Lichter in der Advents- und Weihnachtszeit

Eine Liebeserklärung an … Lichter in der Advents- und Weihnachtszeit

Ein Kribbeln im Bauch, ein unverhoffter Glücksmoment, ein wohlig warmes Gefühl. Dafür braucht es nicht immer ein großes Ereignis, vielmehr liegen diese magischen Momente oft verdeckt unter einem Mantel der Gewohnheit und der Selbstverständlichkeit. „Eine Liebeserklärung“ ist unsere neue Kolumne, in der es darum gehen soll, die vermeintlich einfachsten Dinge dieser Welt wertzuschätzen. Mit ihr bauen wir euch eine zynismusfreie Nische, in die sich hineingekuschelt werden kann, wenn der Alltag einem mal wieder die Daunendecke der guten Laune zu klauen versucht. In diesem Artikel geht es um die wundervolle Tradition der Weihnachtslichter.

Es ist der Abend des 30. Dezembers und ich mache mit meiner Familie einen Spaziergang durch die verschneiten Straßen meines kleinen Heimatdorfs in Mecklenburg. Weihnachten ist fast vorbei, denke ich, und wie in jedem Jahr überkommt mich ein seltsam sehnsüchtiges Gefühl, wenn ich in die Fenster der Häuser mit ihren goldenen, silbernen oder auch bunt funkelnden Lichterketten und Sternen blicke. Seit Anfang Dezember brachten mich die kleinen Lichter auf meinen Wegen zum Einkaufen, zur Uni oder zum Hochschulsport jedes Mal ein wenig zum Lächeln. Denn für mich bedeuten sie mehr als nur erhöhte Stromkosten in der dunklen Jahreszeit.

Neben der reinen Freude am Betrachten der hübschen Lichtdekorationen spielt für mich auch die mit ihnen verbundene Hoffnung auf eine Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit nach den rastlosen Tagen der Vorweihnachtszeit eine Rolle. Außerdem erinnern sie mich jedes Jahr, wenn ich kurz vor Weihnachten noch in Greifswald bin, an die Vorfreude auf meinen Heimatort, meine Familie und all die schönen Momente, die das Fest mit sich bringt.

Doch warum stellen die Menschen eigentlich Lichter in der Advents- und Weihnachtszeit auf? Aus dem Gedanken der Vorfreude heraus entstand bereits im 7. Jahrhundert nach Christus der Brauch, Lichter zur Dekoration von Innenräumen und Außenbereichen zu verwenden. Denn in der „tempus ante natale Domini“ (Zeit vor der Geburt des Herrn), die uns heute als Adventszeit bekannt ist, bereiten sich Christ*innen auf die Geburt Jesu vor, der dem Glauben nach als Licht in die Welt gekommen ist und diese erhellt.

Unabhängig davon, ob man nun religiös ist oder nicht, kann ich besonders in den kalten und dunklen Wintermonaten in Norddeutschland nachvollziehen, warum die Menschen teilweise an Lichtdekorationen gar nicht sparen wollen und diese erst im Januar wieder abbauen. Meine Familie und ich bleiben beim Anblick eines mit besonders knalligen, bunt-blinkenden LEDs dekorierten Hauses kurz stehen und müssen unwillkürlich schmunzeln. Was dem*der einen angesichts der grellen Farbenvielfalt die Tränen in die Augen treibt, sorgt bei den Installateur*innen offenbar für ein festliches Gefühl – eben für Weihnachtsstimmung.

Ich merke, dass die kleinen, noch aufgebauten Weihnachtslichter gerade jetzt nach dem Fest und kurz vor dem Jahresende in besonderer Weise weiter nachklingen. Im Schimmer der kleinen Sterne und Lichterketten wandern wir weiter durch die dunklen Straßen. Irgendwo hört man das Zischen einer abgefeuerten Silvesterrakete und der Himmel wird durch einen Schauer aus gold-glitzernden Funken und Lichtfäden erhellt. Gemeinsam erinnert man sich daran, wie schön die Tage im Kreis der Familie waren und welche kleineren und größeren Hürden das Jahr 2021 mit sich brachte. Es ist schon eigenartig, was für ein Gefühl aus Freude und Nachdenklichkeit die kleinen Lämpchen bei mir auslösen. Aber vielleicht ergeht es anderen ja ähnlich. Die Tradition der Weihnachtslichter lädt die Menschen dazu ein, der Hektik des Alltags zu entfliehen und sich sowohl auf die Bedeutung von Weihnachten als auch auf die schönen und möglicherweise auch weniger schönen Erlebnisse des fast vergangenen Jahres zu besinnen.

Stundenlang könnte ich, beinahe mit kindlicher Freude, den festlich beleuchteten Baum in der Wohnstube betrachten oder aus meinem Fenster auf die kleinen Lichtpunkte in der Straße blicken. Für mich ist es die Tradition der Weihnachtslichter auf jeden Fall wert, einmal diese kleine Liebeserklärung zu schreiben. Auch wenn Weihnachtssterne, Lichterketten und Schwippbögen bald wieder in Kisten und auf Dachböden verschwinden, wünsche ich allen webmoritz.-Leser*innen für das neue Jahr, dass die schöne Stimmung der Weihnachtslichter auch in den kommenden Wochen noch etwas nachklingen möge.

Beitragsbild: neelam279 und blueartpapelaria auf pixabay

Licht aus – und wieder an

Licht aus – und wieder an

knäckebröd-TitelbildSamstag war es mal wieder so weit: die Weltgemeinschaft reichte sich die Hände und rettete ihren Heimatplaneten. Rund um den Globus gingen dafür 20.30 Uhr die Lichter aus – und nach einer Stunde wieder an. Da lässt sich auch die Universität Uppsala nicht bitten: die altehrwürdige Bibliothek „Carolina Rediviva“ blieb dunkel. (mehr …)

12 – Eine humorvolle Betrachtung des Greifswalder Weihnachtsmarktes

12 – Eine humorvolle Betrachtung des Greifswalder Weihnachtsmarktes

Heute gibt es einen weiteren Klassiker. Der ehemalige Chefredakteur vom webMoritz, Carsten Schönebeck, befasste sich bereits vor drei Jahren mit dem Greifswalder Weihnachtsmarkt. Dies ist seine Betrachtung, welche am 15. Dezember 2008 erschienen ist. Am Ende des Artikels warten noch ältere Berichte auf euch, die zeigen, dass der ansässige Markt schon länger von den Moritz-Medien humorvoll bis kritisch betrachtet wird.

Fett, Alkohol und Party – das „heilige Fest“ in Greifswald

Man sagt, es sei einer der klügsten politischen Schritte der christlichen Kirchen gewesen, ihre großen Feste mit bereits vorhandenen heidnischen Festtagen zu verbinden. Vielleicht ist das der Gedanke, der dem Greifswalder Weihnachtsmarkt zu Grunde liegt und demonstrativ verdeutlicht werden soll. Romantisch-vorweihnachtliche Stimmung jedenfalls bringt das unspektakuläre Spektakel wohl kaum mit sich, setzt es doch mehr auf die rudimentären Bedürfnisse der Bevölkerung: Fett, Alkohol und Party.

Vom ersten bis zum vierten Advent tummeln sich auf dem Markt und vor der Mensa nicht nur diverse Händler, sondern auch die „obligatorischen“ Fahrgeschäfte. Wer die klassischen Märkte aus Münster, Nürnberg oder Dresden kennt, dem dreht sich hier schnell der Magen um – und das nicht ob des vielen Glühweins in Kombination mit Karussellfahrten.

Weihnachtliche Stimmung will kaum aufkommen, wenn zwischen Eierpunsch und Bratwurst kaum noch Platz für traditionelles Handwerk ist – in Greifswald verkommt Weihnachten zur Fress- und Sauforgie. Gerade letzteres übrigens ein Angebot, das quer durch die Bevölkerungsschichten (auch gerne schon mal vormittags) auf große Beliebtheit stößt. Kein Wunder: Wenn die Glühweinstände bereits um 20 Uhr wieder die Pforten schließen, muss selbst der gemeine Student für seine Verhältnisse früh mit dem Trinken beginnen um rechtzeitig voll zu werden. Ein bis zwei Stunden länger täten es auch und würden die geplagten Anwohner wohl kaum noch stören.

Joanna, du geile Sau!

Denn wer dieser Tage unweit des Marktplatzes wohnt, wird mit der vorweihnachtlichen Beschallung ohnehin förmlich bombardiert. Zugegebenermaßen, seit letztem Jahr martert uns nicht mehr jeder zweite Stand mit eigener Musik – es quäkt mittlerweile aus einem zentralen Lautsprecher. Beruhigend auch, dass der Dauerbrenner „Last Christmas“ mittlerweile ein wenig außer Mode ist, aber muss die Alternative wirklich Wolle Petrys große Weihnachts-CD heißen? Und wann gründet sich mal eine Bürgerinitiative die den Betreibern vielleicht eine zweite oder gar dritte CD spendiert?

Wobei, fast hätte ich es verdrängt, zu späterer Stunde wird gerne noch mal Roland Kaiser aufgelegt: „Joanna, (du geile Sau), geboren um Liebe zu geben. (Du Luder!) Verbotene Träume erleben…“. Die Texte in Klammern beziehen sich übrigens auf das Zwischengegröle der himmlischen Chöre, die es sich an den Glühweinständen gut gehen lassen…

Dass den wenigen Händlern die tatsächlich noch den Weg auf den Greifswalder Markt finden, auch noch die Redegewandtheit und damit der Unterhaltungsfaktor ihrer Kollegen aus südlicheren Gefilden fehlt, mag in Pommern nicht überraschen, es nimmt jedoch den letzten Spaß am vorweihnachtlichen Bummel. Als Alternative ist hier wirklich der Kunstmarkt im Rathauskeller zu empfehlen, der allerdings nur an den Wochenenden geöffnet hat. Hier gibt es ein deutlich größeres Angebot und mehr Atmosphäre.

Jesus und die sieben Zwerge

Und das größte Übel des Greifswalder Weihnachtsmarktes? Der Rummel! Die Geisterbahn, die in den letzten Jahren noch mit ihrem atmosphärischen Gekreische jedwede Gemütlichkeit zerstörte, ist diesmal zu Hause geblieben, aber Autoscooter, Karussell und Schießstand wirken weiterhin völlig deplatziert. Förmlich erwartet man als Krönung, dass in der Märchenlandschaft der Bimmelbahn zwischen Hänsel, Gretel und dem Rotkäppchen, auch das Christkind im Stall seinen Platz finden würde…

Die Kritik am Greifswalder Weihnachtsmarkt kehrt – wie das Fest selbst – alle Jahre wieder. Die moritz Kritik aus dem Jahr 2006 findet ihr hier, die Kritik des Jahres 2005 hier und die Kritik des Jahres 2004 hier.

Weihnachtsmärkte sind vielerorts touristische Anziehungspunkte. Warum ist es nicht möglich in der eigentlich hübschen Greifswalder Innenstadt einen atmosphärischen Markt zu inszenieren? Dass die Organisation nicht lokal geschieht, sondern ein kommerzieller Betreiber aus Rostock engagiert, wird mag ein Faktor sein. Dass dieser offenbar nicht viel von Weihnachten versteht ein anderer…

Der diesjährige Weihnachtsmarkt ist noch bis zum 22. Dezember geöffnet.

Foto: Sebastian Jabbusch
Foto-Galerie: Marco Herzog