Alle Artikel mit dem Tag: Lehramt

Lehramt in Greifswald: Landes-SPD will sich noch nicht entscheiden

Geschrieben von | Veröffentlicht am 27. April 2010 um 06:00 Uhr

Die mögliche Schließung der Lehramtsausbildung beschäftigte am Wochenende auch die Landespolitiker der SPD Mecklenburg-Vorpommern. Wie einer Pressemitteilung der Greifswalder Jungsozialisten (Jusos) zu entnehmen ist, herrschte auf dem Landesparteitag in Rostock einstimmig die Meinung, eine solche Schließung bedürfe zunächst weitreichender Prüfungen durch Landtag und Regierung, die man nun einfordert. Vorher wolle man keine Entscheidung treffen.

Matthias Brodkorb (SPD)

Der bildungspolitische Sprecher der SPD im Landtag, Mathias Brodkorb, erläuterte zudem, dass man bereits seit fast drei Jahren auf das Ergebnis einer Prüfung durch das Bildungsministerium warte, die auch die Konsequenzen einer solchen Schließung prognostizieren soll. Im Zuge dessen, dass Bildungsminister Henry Tesch (CDU) vergangene Woche erklärt hatte, es gäbe in Schwerin eine feste Mehrheit für die Schließung, kommt diese Meldung vom größeren Koalitionspartner für ihn vermutlich überraschend. Die örtlichen Jusos jedenfalls feiern den Beschluss als Erfolg für den Erhalt der Philosophischen Fakultät und damit der Volluniversität in Greifswald. Die Schuld an der Debatte um eine mögliche Schließung sehen sie beim Bildungsminister selbst und titeln in ihrer Mitteilung: “Teschs Umtriebe ausgebremst – Bildungsministerium muss Transparenz schaffen!”

In wie weit sich mit diesem Beschluss tatsächlich etwas an der Sachlage ändert ist unklar. Mathias Brodkorb soll sich im Zuge des Parteitages wie folgt geäußert haben: “Da man sich sachlich begründet nur dann entscheiden kann, wenn alle Fakten vorliegen, bin ich im Moment weder für das eine noch das andere.”

Schattschneider: Zielvereinbarung von 2006 unter falschen Prämissen

Thomas Schattschneider

Derweil erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Greifswalder Senats und Sprecher der Landeskonferenz der Studierendenschaften, Thomas Schattschneider, in einem Kommentar auf dem webMoritz die Umstände, unter denen die Universität in ihrer Zielvereinbarung von 2006 die Schließung akzeptiert hatte. In der Zielvereinbarung ist als Ziel für die nächsten Jahre die Schließung der Lehramtsstudiengänge festgeschrieben. Schattschneider schreibt:

“…Damals gingen Land und Universitäten davon aus, dass die Lehrerbildung zeitnah in Bachelor- und Masterstrukturen überführt wird. Greifswald sollte dann seine Staatsexamensstudiengänge schließen und nur noch Bachelor ausbilden, die dann in Rostock ihren Master of Education machen. Für die Greifswalder Unikate (Geographie, Kunst, Russsich, Polnisch, etc) sollten Sonderlösungen gefunden werden.

Der Landtag hat sich 2008 (glaube ich) gegen eine Lehramtsausbildung mit B.A. und M.Ed. entschieden. Damit war die Beschlusslage von 2006 durch das Land unterwandert, was eben auch bedeutet, dass Greifswald nich auf das (Staatsexamens-)Lehramt verzichten muss! Was getan wurde, um das Ausbluten Greifswalds zu verhindern, kannst du im printMoritz-Archiv hier auf dem Webmoritz studieren.”

Am 10. Mai: Diskussion mit dem Bilungsminister

Der Allgemeine Studierendenauschuss nimmt sich des Themas weiterhin an und wird am Montag, dem 10. Mai, nachmittags zu einer Podiumsdiskussion laden. Laut Informationen von Martin Hackbarth, Referent für politisch Bildung, hat Bildungsminister Tesch seine Teilnahme bereits zugesagt. Neben ihm werden der Prorektor für Studium und Lehre, Prof. Michael Herbst, der Landtagsabgeordnete Sebastian Ratjen (FDP) und Thomas Schattschneider auf dem Podium sitzen. auch die Landtagsfraktion der Linken und der SPD werden Vertreter entsenden.

Bilder:

Foto Mathias Brodkorb – Christine Fratzke

Foto Thomas Schattschneider – Pressefoto LKS

Foto Banner Startseite – Gabriel Kords

Foto Mahnwache Startseite – Luisa Wetzel

Das Magazin am Freitag

Geschrieben von | Veröffentlicht am 23. April 2010 um 15:39 Uhr

Heute im Magazin-Am Puls der Stadt:

Wie immer könnt ihr euch auf eine informative und unterhaltsame Sendung freuen.
Wir haben heute ein spannendes Interview mit Egbert Liskow von der CDU zur aktuellen Lehramtsdebatte.
In der Rubrik Fernweh könnt ihr von drei Schülern aus Lund erfahren, was man in ihrer Heimatstadt alles erleben kann und warum es sich lohnt Lund zu besuchen.
Außerdem hört ihr wie immer die Nachrichten des Tages, die Wettervorhersage für heute Abend und das Wochenende und auch heute haben wir wieder die Veranstaltungstipps, damit ihr wisst was ihr auf keinen Fall verpassen solltet.

Also, hört rein über 98,1 oder Livestream unter www.98eins.de

Zukunft der Lehrämter wird “ergebnisoffen verhandelt”

Geschrieben von | Veröffentlicht am 23. April 2010 um 13:03 Uhr

In den Streit um den Fortbestand der Lehramstausbildung in Greifswald ist am vergangenen Donnerstag ein wenig mehr Bewegung gekommen. Während eines Besuchs von Bildungsminister Henry Tesch (CDU) in der Hansestadt Greifswald protestierten gut 80 Studenten gegen die geplanten Schließungen. In Form einer Mahnwache trauerten sie mit Kreuzen und Kerzen um die bedrohten Studiengänge an der hiesigen Universität.

Bildungsminister Henry Tesch (CDU) - Im Hintergrund die Mahnwache

Da Tesch am Donnerstag mehrere Termine in Greifswald wahrnahm, verlegten die Studenten ihren Protestauflauf zwischenzeitlich vom Rubenowplatz in die Knopfstraßeund später in die Lange Straße vor das Kulturzentrum St. Spiritus. In ungewohnter Geschlossenheit konnte man Vertreter aller hochschulpolitischen Gruppen erkennen. Zeitweilig gesellten sich auch andere Bürger der Stadt, beispielsweise der Landtagsabgeordnete Sebastian Rathjen (FDP), zu den Studenten. Organisiert hatte die Aktion der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) in Zusammenarbeit mit dem Bildungsbündnis. Auf der AStA-Homepage kann man seit einigen Tagen einen Petitionstext und die zugehörige Unterschriftenliste herunterladen.

Tesch: “Alles bleibt beim Alten” ist kein Modell

Tesch nahm sich mehrfach Zeit, um mit den Demonstranten zu sprechen und stellte seine Sicht der Dinge dar. Im wesentlichen berief er sich darauf, dass die Entscheidung über die Schließung bereits vor seinem Amtsantritt im Herbst 2006 beschlossen worden war. Damals hatte die Greifswalder Universität in einer Zielvereinbarung mit dem Land dem Abbau der Lehramtsausbildung zugestimmt, der Landtag habe diesen Beschluss später bekräftigt. “Die Dinge sind vorgezeichnet und kommen nicht von mir”, erklärte der Minister. Er sehe sich selbst als “Exekutive”, die in der Verantwortung stehe, Beschlüsse des Landtages umzusetzen. “Ich kann auch keine Landtagsbeschlüsse vom Tisch fegen.”

Auch das Rektorat nahm er in die Verantwortung: “Ich höre nicht nur Sie”, sagte er zu den Studenten, “ich höre auch andere Signale, wenn ich ins Hauptgebäude gehe.” Bereits vor zwei Wochen hatten unter anderem die Greifswalder Grünen den Greifswalder Rektor Professor Rainer Westermann kritisiert und schrieben in einer Pressemitteilung: “Schließlich wurde unter seiner [Westermanns] Leitung die Konzentration der Ressourcen auf wenige Massenstudiengänge aktiv betrieben. Gleichzeitig litt die Qualität mancher Lehramtsstudiengänge unter der unzureichenden Ausstattung der Fachbereiche, insbesondere im Bereich der Fachdidaktik.”

Wie ein Kompromiss aussehen könnte, wollte Bildungsminister Tesch nicht skizzieren und blieb den Potestierenden gegenüber vage:

“Ich bin nicht derjenige für ‘Licht an, Licht aus’. Sie müssten ein bisschen kreativer herkommen. Zu sagen: ‘Alles bleibt beim Alten’, ist nicht besonders kreativ. Und ehrlich gesagt ist das kein Modell. Dafür werden Sie keine Mehrheiten finden. Von mir werden Sie allerdings auch nicht hören: ‘Alles muss weg’. “

Land fehlen bald über 500 Lehrer

Das Ministerium hatte Anfang der Woche eine Studie vorgestellt, die aufzeigt, dass dem Land in den kommenden Jahren mehr als 500 Lehrer fehlen werden. Dabei handelt es sich allerdings im Wesentlichen um Regional- und Grundschullehrer. In Greifswald wird jedoch fast auschließlich für das Gymnasium ausgebildet.

In einem Gespräch mit dem webMoritz hatte der Büroleiter des Ministers, Ulf Tierking, eingeräumt, dass es angesichts dieser Prognosen dennoch sinnvoll sei, die Lehramtsausbildung auch in Greifswald weiterzuführen. Zusätzlich müsse man in Absprache mit der Kultusministerkonferenz die Attraktivität der Lehrämter für Grund, Haupt- und Realschulen stärken. Dies sei im Wesentlichen über monetäre Anreize zu bewerkstelligen.

Tierking ergänzte zudem, dass man derzeit in Verhandlungen mit der Greifswalder Universität um eine neue Zielvereinbarung stehe. Was dabei mit der Lehramtsausbildung geschehe, sei “völlig ergebnisoffen”.

Update 24.4.: Beitrag von moritzTV

Die Kommilitonen von moritzTV haben dem Besuch des Bildungsministers und den ihn begleitenden Protesten einen Beitrag gewidmet. Hier ist er:

Kommentare zum Beitrag bitte hier abgeben!
Fotos: Carsten Schönebeck

Tesch äußert sich zu Studentenprotesten – *Update* Galerie

Geschrieben von | Veröffentlicht am 22. April 2010 um 10:55 Uhr

Am Donnerstagmorgen besuchte Bildungsminister Henry Tesch (CDU) anläßlich des “Girls Day” eine Veranstaltung im Konferenzsaal der Greifswalder Universität. Vor dem Gebäude hatten sich auf dem gegenüberliegenden Rubenowplatz rund 80 Studenten versammelt, die mit einer Mahnwache auf die drohende Schließung der Lehramtsauasbildung aufmerksam machen wollten. Der AStA hatte die Veranstaltung gemeinsam mit dem Greifswalder Bildungsbündnis initiiert.

Minister Tesch nahm sich kurz Zeit, um mit den Demonstranten zu sprechen. Erwartungsgemäß gingen die Meinungen dabei ein gutes Stück auseinander. Die Forderungen nach einem kompletten Erhalt des Lehramts nannte Tesch “zu einfach”. Die Uni habe 2006 eine Zielvereinbarung beschlossen, die, abgesehen von ein paar Unikatfächern, die Abschaffung der Lehramstausbildung vorsehe. Der Landtag habe dies 2007 bestätigt. “Wenn man da noch etwas ändern will, müssen Kompromissvorschläge auf den Tisch.” Die politischen Mehrheiten in Schwerin betrachte er allerdings als festgefahren.

Der Minister umringt von Demonstranten

Er persönlich sei zwar nicht dafür, die Lehramtsausbildung so stark zu beschneiden, wie bisher vorgesehen, sehe sich aber mehr als Exekutive. Daneben orakelte er: “Ich höre die Stimmen der Studenten, die sich gegen die Schließungen aussprechen. Wenn ich aber ins Hauptgebäude der Universität gehe, höre ich auch andere Stimmen.”

Die Mahnwache soll um 12:30 noch einmal in der Knopfstraße stattfinden, wenn der Minister dort eine Veranstaltung in der Stadtbibliothek besucht. Im Laufe des Tages erfahrt ihr mehr zu dem Thema auf dem webMoritz.

Fotos: Carsten Schoenebeck

Zum Nachlesen: Ticker aus der ersten StuPa-Sitzung

Geschrieben von | Veröffentlicht am 21. April 2010 um 20:12 Uhr

Die erste Sitzung der neuen Legislaturperiode am 21. April 2010 wird sich zum großen Teil mit den AStA-Berichten aus der vorlesungsfreien Zeit und Formalia beschäftigen. Der webMoritz berichtet wie immer live aus der Sitzung im Hauptgebäude.

20:10 Thomas Schattschneider eröffnet als “Alterspräsident” die Sitzung und wird sie zunächst auch leiten. Er hält eine kurze Ansprache an die StuPisten, in der er Werte wie Fairness einfordert. Etwas anderes sei eines “Feierabendparlaments” nicht würdig. Es möge schwierig sein, dass rechte Maß zwischen Polemik und einer etwas langweiligen Debattenart zu finden – aber das sei die Aufgabe der Stupisten.

20:14 Die einleitenden Worte sind beendet, Applaus vom StuPa. Nun geht es an die Berichte.

20:16 Korbinian Geiger informiert zum Bericht des Präsidiums: Er habe konkrete Gespräche zwecks der flächendeckenden WLAN-Versorgung mit Kanzler und Rechenzentrum geführt. Da gibt es noch so einige Hürden.

20:19 Die ersten Rückfragen des Tages stammen selbstverständlich von Alexander Schulz-Klingauf. Wie üblich sind sie aber angenehm fundiert und sinnvoll.

20:20 Korbinian Geiger antwortet auf die Rückfragen sehr ausgedehnt, weswegen Thomas Schattschneider Alexander Schulz-Klingauf darauf hinweist, dass er seine Fragen auch vor der Sitzung in Schriftform hätte stellen können. Der reagiert entsprechend vergrätzt und stellt gleich noch eine Frage. So mögen wir das!

Das neue StuPa (Foto: Luisa Wetzel)

20:27 Derzeit verschiedene Rückfragen. Momentan wird die Debatte fast ausschließlich von den (ur)alten Hasen Frederic Beeskow, Alexander Schulz-Klingauf und Thomas Schattschneider geführt. Von den Neuen hat sich noch niemand zu Wort gemeldet. Bleibt zu hoffen, dass sich das noch ändert.

20:29 Neu-Stupistin Sophie möchte von der Vorsitzenden wissen, was die Referenten, die während der Vorlesungspause zurückgetreten sind, im Berichtszeitraum gemacht haben. Zur zurückgetretenen Referentin für Buchung und Beschaffung sagt Solvejg: “Sie hat gebucht und beschafft.” Ach so.

20:32 Planungsstand der neu einzuführenden Multifunktionskarte: Angeblich soll sie noch dieses Jahr kommen. Das wünscht sich zumindest der Kanzler Dr. Flieger.

20:35 Die neue AStA-Homepage kommt in circa vier Wochen, sagt Pedro Sithoe (stellv. Vorsitzender).

20:40 Der stellv. AStA-Vorsitzende Pedro Sithoe muss sich für sein webMoritz-Interview rechtfertigen. Hihi.

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Breite Front gegen Regierung: Alle wollen Lehramt erhalten

Geschrieben von | Veröffentlicht am 19. April 2010 um 19:39 Uhr

Obwohl die Ostsee-Zeitung mit ihrem Artikel vom 7. April 2010 nichts anderes tat, als ein altes Thema faktisch ohne Neuigkeiten noch einmal aufzukochen, hat sie damit doch bewirkt, eine alte Debatte wieder neu aufleben zu lassen: Dass es Planungen gibt, die Lehramtsstudiengänge an der Universität größtenteils abzuschaffen, ist schon lange bekannt. Dass sich aber inzwischen sogar Offizielle trauen, konkrete Pläne für den Abzug zu nennen, ist neu.

So sollen für die Studiengänge Kunstgeschichte und Geographie Sonderregelungen getroffen werden, da diese nur in Greifswald angeboten werden. Das hatte Dr. Thomas Behrens, einst Kanzler der Uni und nun Referatsleiter im Bildungsministerium auch schon im Interview mit dem moritz-Magazin gesagt. Auch die Theologie macht sich wohl berechtigte Hoffnungen, so ein Sonderfall zu sein. Inwiefern diese Planungen jedoch völlig realitätsfern sind, sei dahingestellt: So ganz kann man sich nicht vorstellen, wie Lehrer, die ja in der Regel zwei bis drei Fächer parallel belegen, einzelne in Greifswald und andere in Rostock studieren sollen. Der Zeitplan für die Umstrukturierungen ist eng gestrickt: Über die Bühne gehen soll die Konzentrierung in den nächsten Jahren, begonnen 2011. Nun werden auch Protestveranstaltungen plant.

Hochschulgruppen und Bürgerschaft üben einmütig Kritik

Wird das Lehramt geschlossen, setzt sich das Ausbluten der philosophischen Fakultät (hier das Dekanatsgebäude) vermutlich fort.

Inzwischen gibt es eine Reihe von Wortmeldungen zu den Planungen. Genau wie der AStA sind die studentischen Hochschulgruppen ganz besonders einhellig der Meinung, das Lehramt müsse erhalten bleiben. Die Jusos und der RCDS reagierten noch am 7. April mit Pressemitteilungen. Der RCDS schrieb plakativ: “Vielfalt statt Einfalt: Lehrämter müssen in Greifswald bleiben!”, bei den Jusos hieß es, Minister Henry Tesch (CDU) verkenne “die Zeichen der Zeit”. Auch die Grünen (hier allerdings der Stadtveraband und nicht die Hochschulgruppe) machten sich für den Erhalt des Lehramts stark und forderten den Ausbau statt der Abschaffung des Lehramts. Auch der SDS.Linke äußerte sich entsprechend. Nur von der LHG und den Hochschulpiraten gab es keine Stellungnahme.
In der Bürgerschaft war dieselbe Gleichförmigkeit zu beobachten: Alle Fraktionen verabschiedeten eine Tischvorlage von Dr. Gerahrd Bartels (Linke), die sich für den Erhalt der Lehrerausbildung in der Stadt stark macht. Der Oberbürgermeister, Dr. Arthur König, soll die Landesregierung schnellstens darüber unterichten, dass die Bürgerschaft der Meinung ist, die Lehrerausbildung solle erhalten bleiben. König merkte in diesem Zusammenhang an, es habe auch wirtschaftliche Nachteile für die Stadt, wenn diese Studierendengruppe abhanden komme.

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“Wir brauchen nicht so viele Gymnasiallehrer”

Geschrieben von | Veröffentlicht am 7. April 2010 um 13:04 Uhr

Um die Zukunft der Lehrerbildung in Greifswald steht es weiter schlecht. Die Landesregierung betreibt nach wie vor aktive Planungen, die Lehrerbildung vollständig auf die Universität Rostock zu konzentrieren. Lediglich für die Fächer Kunst, Religion und Geografie soll es längerfristig Ausnahmen geben. Alle anderen Fächer sollen zentral in Rostock gelehrt werden – inwieweit eine solche Teilung mit wenigen Rest-Fächern in Greifswald Sinn macht, ist allerdings offen, weil so die Möglichkeiten zur Fächerkombination stark eingeschränkt werden.

Wie aus einem Artikel in der heutigen Ausgabe der Ostsee-Zeitung (Lokalausgabe Greifswald) hervorgeht, gibt es zudem noch nicht einmal Lösungsansätze für die Fachdidaktik. Hier kommt es in Greifswald seit Jahren zu personalbedingten Kapazitätsengpässen, in Rostock sieht die Situation ähnlich aus. Obwohl es erklärtes Ziel der Landesregierung ist, dass die didaktische Ausbildung in Zukunft eine wichtigere Rolle im Studium spielt, ist noch ungeklärt, wie die Neuausrichtung finanziert werden soll.

Widerstand in Greifswald

Künftig keine Lehrerausbildung mehr in Greifswald?

In Greifswald regt sich nach wie vor Widerstand gegen die Planungen, allerdings ohne konkrete neue Pläne zum Protest: Rektor und Senat wollen die Lehrerausbildung ebenfalls behalten, der neue Dekan der Philosophischen Fakultät, Professor Alexander Wöll, sieht den Erhalt der Lehrerausbildung gar als “vorrangige Aufgabe” seiner Amtszeit.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) reagierte auf die heutige OZ-Meldung mit einer Pressemitteilung, in der die Pläne der Landesregierung scharf kritisiert werden. AStA-Vorsitzende Solvejg Jenssen spricht von einer “Amputation der Greifswalder Universität”.

Beim AStA geht man von einem Bedarf von 600 neuen Lehrkräften in den kommenden Jahren in Mecklenburg-Vorpommern aus. In Greifswald allein studieren derzeit 2500 Kommilitonen auf Lehramt. Der stellvertretende AStA-Vorsitzende Pedro Sithoe erklärte dem webMoritz gegenüber, dass jedoch ein großer Teil dieser Studenten nach dem Studium nicht als Lehrer arbeiten würden. Von denen die ihr Referendariat antreten würden nur wenige in MV bleiben, da andere Bundesländer oftmals mit Prämien und Verbeamtung locken.

Update 7. April – 16:08 Uhr

Auch die Greifswalder Jungsozialisten (Jusos) haben in einer Pressemitteilung ihre Ablehnung dieser Pläne zu Protokoll gegeben. Eine Verlagerung der Lehramtsausbildung schade nicht nur der hiesigen Universität, sondern der gesamten Region. Nach Ansicht der Jusos scheint man “im Bildungsministerium Vorpommern bereits abgeschrieben zu haben.” In der Mitteilung kündigen sie zudem an, das Thema auf die Tagesordnung des SPD-Landesparteitages Ende April setzen zu wollen.

Update 8. April – 10:14 Uhr

Auch der Ring Christlich-Demokratischer studenten (RCDS) hat sich am Mittwochabend in einer Pressemitteilung zu den Plänen der Landesregierung geäußert und diese kritisiert. Würde die Vielfalt der Universität nicht erhalten bleiben, so heißt es, riskiere man die Wettbewerbsfähigkeit der Greifswalder Hochschule. Ein solcher Einschnitt würde sich auch negativ auf die Kombinationsmöglichkeiten beim Bachelor of Arts auswirken.Die Lehramtsausbildung in der Hansestadt genieße einen sehr guten Ruf. Man fordere das Bildungsministerium auf,  “mehr Geld zur Verfügung zu stellen, damit das vorhandene Lehrangebot an unserer Universität ausgebaut werden kann und außerdem eine Möglichkeit geschaffen wird, dass auch Lehrer für Grundschulen in Greifswald ausgebildet werden können.”

Update 9. April – 13:27 Uhr

Auch die Greifswalder Grünen sprechen sich in einer Pressemitteilung gegen die Schließung der Lehramtsstudiengänge aus und kritisieren Rektor Professor Westermann. “Wenn der Rektor der Universität sich nun allerdings verbal für den Erhalt der gefährdeten Studiengänge einsetzt, so können wir das im besten Fall als Krokodilstränen, im Normallfall jedoch nur als Heuchelei betrachten“, so Kay Karpinsky vom Regionalbüro von Bündnis 90 / Die Grünen. „Schließlich wurde unter seiner Leitung die Konzentration der Ressourcen auf wenige Massenstudiengänge aktiv betrieben. Gleichzeitig litt die Qualität mancher Lehramtsstudiengänge unter der unzureichenden Ausstattung der Fachbereiche, insbesondere im Bereich der Fachdidaktik.”

Das moritz-Magazin sprach vor Kurzem mit dem ehemaligen Kanzler der Greifswalder Universität Dr. Thomas Behrens, der nun im Bildungsministerium die Abteilung für Wissenschaft, Forschung und Hochschulen leiutet. Die neue Ausgabe des Magazins ist in dieser Woche erschienen.

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Lehrerausbildung: Nach dem Studium erstmal “Hartz IV”

Geschrieben von | Veröffentlicht am 8. August 2009 um 12:38 Uhr

Vor einem knappen halben Jahr konnte man auf Großplakaten in Greifswald Werbung dafür lesen, Lehrer in Baden-Württemberg zu werden. Das Land buhlt derzeit mit einer ganzen Reihe weiterer vornehmlich westdeutscher Länder um Absolventen von Lehramts-Studiengängen, denen dort nach dem Referendariat eine Einstellung winkt. Oftmals zu besseren Konditionen als in Mecklenburg-Vorpommern, denn die meisten (west)deutschen Lehrer werden derzeit noch verbeamtet – anders als hierzulande.

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Erstmal warten: Nach dem Studium haben Lehramts-Absolventen bis zu 10 Monate schulfrei.

Auch die Landesregierung hat dieses Problem bereits erkannt: Dass viele Absolventen nach dem Studium aus Mecklenburg-Vorpommern in andere Bundesländer fortziehen – nämlich nach Berlin, Sachsen und in die alten Bundesländer, ist für MV nicht unbedingt förderlich, denn Studenten sind naturgemäß die qualifiziertesten aller Ausbildungs-Absolventen. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) bekannte im März im Gespräch mit webMoritz-Redakteuren, über die Werbekampagne Baden-Württembergs nicht gerade amüsiert zu sein und die Abwanderung von Studenten, gerade beim Lehramt, mit seiner Politik bekämpfen zu wollen.

Dass die Realität diesem Anspruch nicht unbedingt gerecht wird, zeigte jüngst die Schweriner Volkszeitung (SVZ) auf. Sie stellte fest, dass es bereits seit Jahren nur einen jährlichen Termin für den Beginn des für den Lehrerberuf obligatorischen Referendariats gibt, nämlich den 1. April. Die Folge: Wer nach dem Sommersmester, also etwa in diesen Wochen, sein Lehramtsstudium beendet, darf ein gutes halbes Jahr auf den Beginn warten.

Wer keine Finanzprobleme hat, kann die Zeit vielleicht für eine Weltreise oder ähnlich schöne Dinge nutzen. Der Rest darf sich in dieser Zeit einen Job suchen oder schlimmstenfalls „Hartz IV“ beantragen. Die Arbeitsämter können den Studenten natürlich keine ihrer Ausbildung angemessenen Jobs anbieten: Die Perspektive, nach einem halben Jahr schon wieder weg zu sein und die auf wenige Fachgebiete beschränkte Qualifikation lässt sich am Arbeitsmarkt kaum vermitteln.

Der Grund für die Reduzierung der Starttermine auf den Jahresrhythmus ist laut Bildungsministerium (in der SVZ), dass die meisten Lehramtsstudenten zum Wintersemester mit dem Studium fertig werden. Das ist nicht unbedingt schlüssig: Die Regelstudienzeit fürs Lehramtsstudium beträgt neun Semester, zumindest in Greifswald ist die Einschreibung in den meisten Fächern sommers wie winters möglich. Zwar werden im Wintersemester stetig mehr Lehramts-Studenten immatrikuliert als im Sommersemester, so dass tatsächlich mehr Absolventen zum April fertig wären. Das legt allerdings die nur bedingt realistische Annahme zugrunde, dass die Studenten die Regelstudienzeit einhalten.

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Das Bildungsministerium (hier Minister Henry Tesch, CDU) rudert vorsichtig zurück.

Das Bildungsministerium hat inzwischen eingeräumt, dass der Jahresturnus Probleme mit sich bringt. Laut SVZ würde eine Rückkehr zum Halbjahrestakt keine zusätzlichen Kosten verursachen. Mehrkosten oder nicht; in jedem Fall hieß es aus dem Bildungsministerium, man wolle wieder zur halbjährlichen Einstellung neuer Lehrer zurückkehren. Wann das geschehen werde, wollte man der SVZ auf deren Anfrage allerdings nicht mitteilen. Der webMoritz erhielt auf seine per E-Mail gestellte Anfrage bisher ebenfalls keine Antwort.

Was die SVZ zum Ende ihres Berichtes süffisant vermerkt, soll hier ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Wenn das 24-monatige Referendariat zum 31. März endet, müssen die angehenden Lehrer wieder ein paar Monate in der Luft hängen: In den Schuldienst übernommen werden sie erst im dann folgenden August.

Bilder: Motivbild: user “Swordfish” via “Jugendfotos.de”, Tesch: Ministerium

Stau vor dem Klassenzimmer

Geschrieben von | Veröffentlicht am 6. April 2009 um 00:59 Uhr

„Die Universität hat die Pflicht, jedem Studierenden einen reibungslosen Studienverlauf zu gewährleisten“, so Solvejg Jenssen, AStA-Referentin für Studium und Lehre. Sie beruft sich dabei auch auf den Bericht einer Expertenkommission des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern. Doch leider sieht die Realität oft anders aus.

moritz-print-mm76-11-hopo-warteschlange-wrw-pixeliokBesonders schlimm wurde es im letzen Semester für Lehramtsstudenten des Fachs Deutsch. „Die Grenze des Tragbaren war erreicht“, bestätigt die AStA-Referentin. Aber auch in anderen Fachbereichen wie Geschichte, Philosophie oder Englisch ist die Situation alles andere als optimal.

Die Studienordnung für Lehramtsstudierende sieht vor, dass ab dem fünften Semester sogenannte „Schulpraktische Übungen“ (SPÜs) absolviert werden müssen, in denen es um das Sammeln erster praktischer Erfahrungen als Lehrer direkt in den Schulen geht. Die erfolgreiche Durchführung der SPÜ ist Zulassungsbedingung für das zu absolvierende Hauptpraktikum. Doch für die SPÜs gibt es inzwischen lange Wartelisten. So kommt es, dass viele Studenten ihr Studium nicht in der Regelstudienzeit beenden können, nur weil sie auf einen der heiß begehrten Plätze warten. „Es hat sich über die letzten Jahre ein regelrechter Stau entwickelt, der erst einmal abgebaut werden muss“, bemerkt Anne-Dorothea Klopf, die Vorsitzende des Fachschaftsrates Germanistik/DaF: „Das Problem war ja abzusehen. Es wird schon lange diskutiert, aber es hätte eigentlich frühzeitig dieser Tendenz entgegen gewirkt werden müssen.“

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Matschke gewinnt Machtkampf

Geschrieben von | Veröffentlicht am 16. April 2008 um 04:35 Uhr

Schon am 31. März berichteten wir über den Machtkampf im Senat um den Vorsitz. Inzwischen ist die erste Senatssitzung vorüber und Matschke gewann die Auseinandersetzung. Es traten an:

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